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    politfacts Analyse

    Nicht nur am rechten Rand

    Wie Ressentiments und Demokratiezweifel in Deutschland zusammenwirken

    Kurzantwort

    Deutschland ist keine mehrheitlich rechtsextreme Gesellschaft. Je nach Studie liegt der Anteil eines geschlossen rechtsextremen Weltbilds aktuell im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

    Einzelne nationalistische, autoritäre, rassistische oder andere menschenfeindliche Einstellungen sind jedoch deutlich weiter verbreitet. Zugleich bleibt die Unterstützung der Demokratie als Staatsform sehr hoch, während Zweifel an ihrem Funktionieren und an politischer Responsivität häufiger sind.

    Der zentrale Befund liegt in einer gesellschaftlichen Grauzone: Demokratische Selbstbeschreibung, Unzufriedenheit mit dem politischen System und einzelne autoritäre oder menschenfeindliche Positionen können nebeneinander bestehen.

    Analyse · Demokratie · EinstellungenStand: 27. September 2026Lesedauer: ca. 22 Minuten
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    Kapitel 01

    Eine demokratische Mehrheit – und eine relevante Grauzone

    Die verfügbaren Daten sprechen nicht für eine mehrheitlich rechtsextreme Gesellschaft. Sie zeigen aber, dass der kleine Anteil oberhalb eines harten Gesamt-Schwellenwerts nur einen Teil des Bildes erfasst.

    Weiter verbreitet sind einzelne Abwertungen, autoritäre Vorstellungen und Zweifel daran, dass demokratische Institutionen Probleme lösen oder auf die Anliegen der Bevölkerung reagieren. Das ist keine Aussage über jede einzelne Person, sondern eine quellenübergreifende analytische Zusammenfassung.

    Kapitel 02

    Was die Studien überhaupt messen

    Die Quellen beobachten verschiedene Ebenen gesellschaftlicher Realität. Einstellungsstudien erfassen Antworten in Befragungen. Wahlstatistiken dokumentieren Verhalten. FRA erhebt Erfahrungen jüdischer Menschen, RIAS dokumentiert gemeldete Vorfälle und das BKA polizeilich registrierte Straftaten.

    Ein Umfragewert zu antisemitischen Einstellungen ist nicht dasselbe wie ein dokumentierter antisemitischer Vorfall oder eine Straftat.

    EinstellungsstudienStandardisierte AntwortenLAS, FES, Deutschland-Monitor, NaDiRa, SVR, Shell
    WahlstatistikTatsächliche StimmabgabenBundeswahlleiterin 2025
    BetroffenenerfahrungenErlebter AntisemitismusFRA-Befragung
    Dokumentierte VorfälleGemeldete, geprüfte EreignisseRIAS 2025
    PolizeistatistikRegistrierte StraftatenBKA PMK 2024

    Quellen: Universität Leipzig / Heinrich-Böll-Stiftung · Friedrich-Ebert-Stiftung · Deutschland-Monitor · DeZIM – NaDiRa-Monitoringbericht 2026 · Sachverständigenrat für Integration und Migration · Shell Deutschland · Die Bundeswahlleiterin / Statistisches Bundesamt · European Union Agency for Fundamental Rights · Bundesverband RIAS · Bundeskriminalamt

    Kapitel 03

    Das geschlossene rechtsextreme Weltbild bleibt eine Minderheitenposition

    Die Leipziger Autoritarismus-Studie bildet ihren Gesamtindikator aus 18 Aussagen in sechs Dimensionen: Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur, Chauvinismus, „Ausländerfeindlichkeit“, Antisemitismus, Sozialdarwinismus und Verharmlosung des Nationalsozialismus. Erst ein definierter Summenwert führt zur Einordnung als geschlossenes Weltbild.

    Die LAS weist 2024 bundesweit 4,5 Prozent aus. Die FES-Mitte-Studie kommt mit einem anderen Instrument auf 3,3 Prozent; 20,6 Prozent liegen in ihrem Graubereich, 76,1 Prozent lehnen die Aussagen klar ab. Ein einzelnes zugestimmtes Item macht eine Person nicht automatisch rechtsextrem.

    3,3 %

    klar rechtsextrem

    FES 2024/25

    20,6 %

    Graubereich

    FES 2024/25

    76,1 %

    klare Ablehnung

    FES 2024/25

    Quellen: Universität Leipzig / Heinrich-Böll-Stiftung · Friedrich-Ebert-Stiftung

    Kapitel 04

    Warum LAS und FES unterschiedliche kurzfristige Trends zeigen

    Die beiden Studien zeigen beim kurzfristigen Verlauf nicht dieselbe Richtung. In der LAS steigt der Wert innerhalb ihrer Reihe von 2,7 Prozent im Jahr 2022 auf 4,5 Prozent 2024. In der FES-Reihe sinkt er von rund 8 Prozent 2022/23 auf 3,3 Prozent 2024/25.

    Das bedeutet nicht automatisch, dass eine Untersuchung falsch ist. Stichprobe, Erhebungsmodus, Fragebogenkontext und Operationalisierung unterscheiden sich. Kurzfristige Veränderungen sollten deshalb nur innerhalb der jeweiligen Studienreihe interpretiert werden.

    Unterschiedliche Zeitreihen – ähnlicher aktueller Größenbereich

    Jede Linie ist ausschließlich innerhalb ihrer eigenen Studienreihe zu lesen.

    LAS

    FES

    Unterschiedliche Studienreihen – Werte nicht unmittelbar vergleichbar.

    Zeitreihen LAS und FES
    Studie und JahrAnteil
    LAS 20222,7 %
    LAS 20244,5 %
    FES 2022/23ca. 8 %
    FES 2024/253,3 %

    Quellen: Universität Leipzig / Heinrich-Böll-Stiftung · Friedrich-Ebert-Stiftung

    Kapitel 05

    Die größere Grauzone: einzelne Ressentiments und autoritäre Einstellungen

    Einzelne Ressentiments reichen deutlich weiter als ein geschlossenes Weltbild. Die LAS weist etwa für den eigenen Cut-off „geschlossener Ausländerfeindlichkeit“ 2024 im Westen 20 Prozent und im Osten 32 Prozent aus. Im Vergleich zu 2022 stieg der westdeutsche Wert von 13 Prozent, während der ostdeutsche Wert nahezu konstant blieb.

    politfacts verwendet „Anschlusszone“ hier als analytische Beschreibung, nicht als wissenschaftlich standardisierten Schwellenwert. Gemeint ist die größere Gruppe, die zwar kein geschlossenes rechtsextremes Weltbild aufweist, einzelnen autoritären, nationalistischen oder menschenfeindlichen Aussagen aber zustimmt oder ambivalent begegnet. Daraus wird keine eigene Prozentzahl gebildet.

    Begriffliche Grenze

    Ein erheblicher Anteil bewegt sich je nach Dimension zwischen klarer Ablehnung und geschlossenem Weltbild. Nicht jede Zustimmung zu einem Einzelitem darf als „rechtsextrem“ etikettiert werden.

    Quellen: Universität Leipzig / Heinrich-Böll-Stiftung · Friedrich-Ebert-Stiftung

    Kapitel 06

    Migration und Rassismus: Wahrnehmung und Realität

    NaDiRa dokumentiert verbreitete hierarchisierende Deutungsmuster. 36 Prozent stimmen eher oder voll zu, dass es verschiedene menschliche „Rassen“ gebe. 48 Prozent halten bestimmte Gruppen „von Natur aus“ für fleißiger, 66 Prozent bestimmte Kulturen für fortschrittlicher und besser. Diese Werte beziehen sich jeweils auf konkrete Aussagen – sie bedeuten nicht, dass derselbe Anteil pauschal als „rassistisch“ klassifiziert werden kann.

    Das SVR-Integrationsbarometer zeichnet zugleich kein Bild einer generell migrationsfeindlichen Gesellschaft. Der Integrationsklima-Index liegt mit 66,3 von 100 Punkten weiter im positiven Bereich, 2,2 Punkte unter 2021/22. Rund zwei Drittel erwarten langfristig positive Folgen von Flüchtlingen für Wirtschaft und Kultur. Unter Menschen ohne Migrationsgeschichte ist die Wahrnehmung von Flüchtlingen als Wohlstandsbedrohung gegenüber 2018 jedoch gestiegen.

    NaDiRa: Zustimmung zu drei konkreten Aussagen

    Anteile mit „stimme eher zu“ oder „stimme voll und ganz zu“. Die Aussagen bilden keinen gemeinsamen Gesamtindikator.

    Welle 6: 8.171 Befragte; Auswertung zur Aussage über menschliche „Rassen“: N = 7.101.

    NaDiRa-Aussagen
    AussageZustimmung
    Verschiedene menschliche „Rassen“36 %
    Gruppen „von Natur aus fleißiger“48 %
    Kulturen „fortschrittlicher und besser“66 %

    Quellen: DeZIM – NaDiRa-Monitoringbericht 2026

    Quellen: Universität Leipzig / Heinrich-Böll-Stiftung · Friedrich-Ebert-Stiftung · DeZIM – NaDiRa-Monitoringbericht 2026 · Sachverständigenrat für Integration und Migration

    Kapitel 07

    Demokratie: breite Zustimmung, aber Zweifel an der Praxis

    Der Deutschland-Monitor unterscheidet Demokratie als abstrakte Staatsform, die konkrete Verfassungsordnung und ihr tatsächliches Funktionieren. 98 bis 99 Prozent positionieren sich zumindest eher für Demokratie als Staatsform. Knapp 80 Prozent sind mit der Verfassungsordnung wenigstens eher zufrieden; beim Funktionieren sind es 61 Prozent, 39 Prozent sind unzufrieden.

    In der FES-Studie nennen sich 79 Prozent überzeugte Demokraten. 52 Prozent trauen der Demokratie zu, Probleme effizient zu lösen; 24 Prozent halten sie für nicht funktionsfähig, weitere rund 24 Prozent äußern Zweifel. Die Erhebungen messen nicht exakt dasselbe, zeigen aber dasselbe Grundmuster: Die normative Ordnung erhält mehr Zustimmung als ihre politische Praxis.

    Demokratiezufriedenheit ist nicht dasselbe wie Demokratiezustimmung.

    Quellen: Deutschland-Monitor · Friedrich-Ebert-Stiftung · Universität Leipzig / Heinrich-Böll-Stiftung

    Kapitel 08

    Zwischen Zustimmung und Kritik: vier Demokratie-Typen

    Die Typologie des Deutschland-Monitors macht sichtbar, dass Kritik verschiedene Bedeutungen hat. Politikkritische Demokraten bejahen Demokratie und Verfassungsordnung, sind aber mit der aktuellen Praxis unzufrieden. Systemkritische Demokraten bejahen die Idee, bewerten jedoch Verfassungsordnung und Praxis kritisch. Antidemokraten lehnen alle drei Dimensionen ab.

    Demokratie bejahen – und trotzdem unzufrieden sein

    Typologie des Deutschland-Monitors 2024; gerundete Anteile.

    Demokratiekritik und Demokratiefeindlichkeit sind nicht dasselbe.

    Vier Demokratie-Typen
    TypAnteil
    Zufriedene Demokraten60 %
    Politikkritische Demokraten21 %
    Systemkritische Demokraten18 %
    Antidemokraten1 %

    Quellen: Deutschland-Monitor

    Kapitel 09

    Ökonomische Lage: Armut allein erklärt rechtsextreme Einstellungen nicht

    Objektive materielle Lage, subjektive persönliche Lage, kollektive Deprivation, Bildung, Erwerbsstatus, regionale Struktur und das Gefühl politischer Einflusslosigkeit sind zu trennen. Die LAS findet besonders bei der Wahrnehmung eines gesellschaftlichen Abstiegs beziehungsweise einer wirtschaftlichen Verschlechterung Zusammenhänge mit autoritären und rechtsextremen Einstellungen.

    In der FES-Studie weisen 6,0 Prozent der einkommensschwachen, 3,2 Prozent der mittleren und 1,0 Prozent der einkommensstarken Gruppe ein geschlossen rechtsextremes Weltbild auf. Der statistische Einfluss des Einkommens wird jedoch deutlich kleiner, wenn Bildung berücksichtigt wird.

    Die Daten sprechen deshalb gegen die Gleichung „arm = rechtsextrem“. Soziale Lage spielt eine Rolle, ist aber mit Bildung, subjektiver Gerechtigkeitswahrnehmung, regionalen Erfahrungen und gesellschaftlicher Deprivation verflochten.

    Korrelation ist keine Kausalität

    Aus statistischen Zusammenhängen folgt nicht, dass niedriges Einkommen oder wirtschaftliche Sorgen automatisch rechtsextreme Einstellungen verursachen.

    Quellen: Universität Leipzig / Heinrich-Böll-Stiftung · Friedrich-Ebert-Stiftung · Deutschland-Monitor

    Kapitel 10

    Junge Menschen: kein einheitlicher Rechtsruck

    Die FES findet bei 18- bis 34-Jährigen häufiger ein geschlossen rechtsextremes Weltbild als in älteren Gruppen. Andere Dimensionen verlaufen jedoch anders: Nationalchauvinismus und Sozialdarwinismus nehmen in dieser Erhebung mit dem Alter zu.

    Die Shell Jugendstudie setzt einen wichtigen Gegenakzent: 55 Prozent sind politisch interessiert, 51 Prozent informieren sich aktiv, 37 Prozent zeigen Bereitschaft zu politischem Engagement – 2002 waren es 22 Prozent. 75 Prozent sind mit der Demokratie eher oder sehr zufrieden.

    Die repräsentative Wahlstatistik basiert auf tatsächlichen Stimmabgaben in ausgewählten Wahlbezirken, nicht auf einer Meinungsumfrage. Bei den 18- bis 24-Jährigen erhielt Die Linke 27,3 Prozent, die AfD 19,0 Prozent. Bei den 25- bis 34-Jährigen lag die AfD mit 20,8 Prozent vor Linken mit 17,6 und Grünen mit 15,9 Prozent; bei den 35- bis 44-Jährigen erreichte die AfD 27,1 Prozent. Von einer politisch homogenen jungen Generation kann keine Rede sein.

    Geschlossen rechtsextremes Weltbild nach Alter

    FES-Mitte-Studie 2024/25; Anteile innerhalb der jeweiligen Altersgruppe.

    Rechtsextremes Weltbild nach Altersgruppen
    AlterAnteil
    18–34 Jahre6,8 %
    35–64 Jahre2,6 %
    Ab 65 Jahre1,4 %

    Quellen: Friedrich-Ebert-Stiftung

    Bundestagswahl 2025: tatsächliche Stimmabgabe jüngerer Altersgruppen

    Ausgewählte Zweitstimmenanteile; jede Altersgruppe ergibt mit den hier nicht gezeigten Parteien insgesamt 100 Prozent.

    18–24 Jahre

    25–34 Jahre

    Zweitstimmen jüngerer Altersgruppen
    Partei18–2425–34
    SPD11,3 %11,0 %
    CDU10,0 %12,2 %
    Grüne11,8 %15,9 %
    AfD19,0 %20,8 %
    Die Linke27,3 %17,6 %

    Quellen: Die Bundeswahlleiterin / Statistisches Bundesamt

    Quellen: Friedrich-Ebert-Stiftung · Shell Deutschland · Die Bundeswahlleiterin / Statistisches Bundesamt

    Kapitel 11

    Antisemitismus: Einstellungen, Erfahrungen, Vorfälle und Straftaten

    Einstellungswerte aus LAS und FES bilden eine andere Ebene als die Erfahrungen jüdischer Menschen. In der FRA-Erhebung unter 892 jüdischen Befragten bezeichneten 82 Prozent Antisemitismus als großes Problem im eigenen Leben, 86 Prozent nahmen eine Zunahme wahr, 43 Prozent berichteten Belästigung im Vorjahr und 9 Prozent einen Angriff innerhalb von fünf Jahren. Die Befragung fand vor dem 7. Oktober 2023 statt.

    RIAS dokumentierte 2025 insgesamt 8.725 antisemitische Vorfälle, nach 8.713 im Vorjahr. 807 wurden einem rechtsextremen Hintergrund zugeordnet, nach 562 im Jahr 2024. Das heißt nicht, dass neun Prozent des gesamten Antisemitismus in Deutschland von Rechtsextremen verursacht würden: Ein großer Teil lässt sich keinem eindeutigen Hintergrund zuordnen, und RIAS erfasst auch Vorfälle unterhalb der Strafbarkeitsschwelle.

    Das BKA registrierte 2024 im Unterthemenfeld „Antisemitisch“ 6.236 politisch motivierte Straftaten. RIAS- und BKA-Zahlen unterscheiden sich in Definition, Erfassungsweg, Dunkelfeld und Berichtsjahr.

    Antisemitismus: vier unterschiedliche Datenebenen

    Die Kennzahlen stehen bewusst nebeneinander und werden weder addiert noch auf einer gemeinsamen Achse verglichen.

    Einstellungen

    LAS / FES

    standardisierte Antworten

    Erfahrungen

    82 % / 43 %

    FRA: Problemwahrnehmung / Belästigung

    Vorfälle

    8.725

    RIAS: dokumentierte Vorfälle 2025

    Straftaten

    6.236

    BKA: antisemitische PMK 2024

    Quellen: European Union Agency for Fundamental Rights · Bundesverband RIAS · Bundeskriminalamt

    Kapitel 12

    Antifeminismus, Sexismus und Transfeindlichkeit

    Die LAS misst 2024 mit mehrteiligen Skalen 23 Prozent geschlossenen Antifeminismus, 25 Prozent geschlossenen Sexismus und 37 Prozent geschlossene Transfeindlichkeit. „Geschlossen“ bezeichnet hier einen definierten Schwellenwert über mehrere Items – nicht zwingend die vollständige Zustimmung zu jeder einzelnen Aussage.

    Das BKA registrierte 2024 558 politisch motivierte Straftaten im Unterthemenfeld „Frauenfeindlich“ und 1.152 im Feld „Geschlechtsbezogene Diversität“. Dass Einstellungen verbreitet sind und registrierte Delikte steigen, belegt keinen direkten kausalen Zusammenhang.

    Drei Einstellungsdimensionen nach Region

    LAS 2024; geschlossene Einstellung nach dem jeweiligen Skalen-Cut-off. Die Skalen sind nicht zu addieren.

    DimensionGesamtWestOst
    Antifeminismus23 %20 %35 %
    Sexismus25 %25 %28 %
    Transfeindlichkeit37 %33 %50 %

    Quellen: Universität Leipzig / Heinrich-Böll-Stiftung

    Kapitel 13

    Ost und West: Unterschiede ohne einfache Trennlinie

    In der FES-Studie liegt das geschlossene rechtsextreme Weltbild im Osten bei 4,9 und im Westen bei 3,0 Prozent; der Unterschied ist statistisch nicht signifikant. Bei Einzeldimensionen verläuft das Bild unterschiedlich: „Fremdenfeindlichkeit“ ist im Osten höher, Antisemitismus und Sozialdarwinismus liegen in dieser Erhebung im Westen höher.

    Die LAS sieht Ost und West 2024 beim geschlossenen rechtsextremen Weltbild nahezu gleichauf. Der Deutschland-Monitor findet im Osten größere Unzufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie und verweist zugleich auf regionale Prosperität und strukturelle Bedingungen.

    Das einfache Muster „Osten rechtsextrem – Westen demokratisch“ wird von den aktuellen Daten nicht gestützt.

    Quellen: Friedrich-Ebert-Stiftung · Universität Leipzig / Heinrich-Böll-Stiftung · Deutschland-Monitor

    Kapitel 14

    Was die Daten nicht zeigen

    Nicht jede migrationskritische Position ist rechtsextrem.

    Demokratieunzufriedenheit bedeutet nicht automatisch Demokratiefeindlichkeit.

    Niedriges Einkommen verursacht nicht automatisch Rechtsextremismus.

    Die Wahl einer Partei beweist kein geschlossenes ideologisches Weltbild.

    RIAS-Vorfälle sind nicht mit BKA-Straftaten gleichzusetzen.

    Parallele Entwicklungen belegen keinen Kausalzusammenhang.

    Ost und West sind keine homogenen politischen Blöcke.

    Werte unterschiedlicher Studien dürfen nicht zu einem Index verrechnet werden.

    Kapitel 15

    Fazit

    Deutschland ist keine mehrheitlich rechtsextreme Gesellschaft. Je nach Studie weisen aktuell etwa drei bis fünf Prozent der Befragten ein geschlossen rechtsextremes Weltbild auf. Dieser harte Kern ist jedoch nur ein Teil des Befundes.

    Deutlich größer ist die Gruppe, die einzelnen autoritären, nationalistischen oder menschenfeindlichen Aussagen zustimmt oder ambivalent bleibt. Gleichzeitig bleibt die Unterstützung der Demokratie als Staatsform sehr hoch. Zweifel richten sich stärker gegen ihr Funktionieren, politische Repräsentation und die wahrgenommene Problemlösungsfähigkeit.

    Kritik an Regierung und Politik ist Bestandteil einer Demokratie. Relevant wird Unzufriedenheit dort, wo sie mit autoritären Vorstellungen, Abwertung gesellschaftlicher Gruppen oder der grundsätzlichen Delegitimierung demokratischer Verfahren zusammentrifft. Die Studien weisen Zusammenhänge nach, aber keine einfache Ursache-Wirkungs-Kette.

    Nicht die Mehrheit lehnt die Demokratie ab. Die Herausforderung liegt darin, dass demokratische Selbstbeschreibung und antidemokratische Einzelpositionen bei Teilen der Bevölkerung gleichzeitig vorkommen können.

    Kapitel 16

    Methodik

    Die herangezogenen Untersuchungen unterscheiden sich in Stichprobe, Erhebungsmodus, Frageformulierung, Schwellenwert, Zeitpunkt und Datentyp. politfacts vergleicht deshalb primär Größenordnungen, Richtungen und Muster. Prozentwerte unterschiedlicher Messinstrumente werden nicht zu einem gemeinsamen Index verrechnet.

    Zeitreihen werden nur innerhalb derselben Studie interpretiert. Theoretische Begriffe wie „Ausländerfeindlichkeit“, „Antifeminismus“ oder „Transfeindlichkeit“ werden als Bezeichnungen des jeweiligen Messinstruments kenntlich gemacht. Korrelationen werden nicht als Ursachen ausgegeben.

    Stichprobe
    Erhebungsmodus
    Frageformulierung
    Schwellenwert
    Zeitpunkt
    Datentyp

    Kapitel 17

    Quellen

    Die Analyse stützt sich auf die folgenden Originalveröffentlichungen. Die Hinweise benennen jeweils Datentyp, Stichprobe oder methodische Grenze.

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