Migration & Integration
Zuwanderung, Asyl, Integration, Demografie und ihre Auswirkungen auf Gesellschaft, Arbeitsmarkt und Bevölkerung.
RemigrationFaktencheck
Welche Folgen hätte eine millionenfache Remigration?
Die Richtung ist datenseitig eindeutig: Bei sonst gleichen Bedingungen senken zusätzliche Ausreisen oder geringere Zuzüge Bevölkerung und Arbeitskräfteangebot; höhere Zuzüge erhöhen sie. Die Größe des Effekts hängt davon ab, wer betroffen wäre – Erwerbstätige, Nichterwerbstätige, Kinder, Schutzberechtigte oder bereits Eingebürgerte. Für den amtlich messbaren Bestand von 232.067 ausreisepflichtigen Personen (31.12.2025) ist der unmittelbare gesamtstaatliche Bevölkerungseffekt selbst bei vollständiger Realisierung auf weniger als drei Zehntelprozent der Bevölkerung begrenzt. Für eine nicht näher definierte „millionenfache Remigration“ gibt es laut Bericht weder eine amtliche Zielgröße noch eine belastbare Gesamtfolgenrechnung.
RemigrationFaktencheck
Was bedeutet Remigration?
„Remigration“ ist weder im deutschen Aufenthaltsrecht noch in der amtlichen Wanderungsstatistik eine eigenständige Kategorie. In der internationalen Forschung gibt es den Oberbegriff Rückkehrmigration – das Verlassen eines Aufnahmelandes mit Wiederansiedlung im Herkunftsland; eine universelle Definition besteht laut OECD nicht. Im deutschen parteipolitischen Sprachgebrauch bezeichnet vor allem die AfD mit „Remigration“ ein Maßnahmenpaket aus freiwilliger Rückkehr, Abschiebung, Widerrufsprüfungen und vorrangiger Rückführung bestimmter ausländischer Personen. Belastbare Aussagen sind erst möglich, wenn Zielgruppe, Rechtsstatus, Maßnahme und Bezugszeitpunkt gleichzeitig festgelegt sind.
ArbeitsmarktFaktencheck
Zahlen Menschen mit Migrationshintergrund Steuern?
Ja: Wer erwerbstätig ist, zahlt – wie alle Beschäftigten – Lohn- und Einkommensteuer, indirekte Steuern über den Konsum und in aller Regel Sozialversicherungsbeiträge. 2025 waren 11,446 Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichte erwerbstätig, das entspricht 26,9 Prozent aller Erwerbstätigen; unter den sozialversicherungspflichtig Pflichtversicherten lag der Anteil bei 29,8 Prozent. Wie hoch die Steuer- und Beitragssummen dieser Gruppe sind, lässt sich nicht beziffern: Weder die Steuerstatistik noch die Sozialversicherungsstatistik erfassen die Einwanderungsgeschichte. Die einzige im Bericht ausgewertete Fiskalrechnung stammt aus dem Jahr 2015 und bezieht sich auf 2012 – sie zeigt vor allem, wie stark das Ergebnis von der gewählten Abgrenzung abhängt.
ArbeitsmarktFaktencheck
Wie viele Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten?
2025 hatten 11,446 Millionen der 42,520 Millionen Erwerbstätigen in privaten Haushalten eine Einwanderungsgeschichte – davon 9,182 Millionen selbst Eingewanderte und 2,264 Millionen direkte Nachkommen. Für 10,269 Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichte ist die eigene Erwerbstätigkeit die überwiegende Quelle des Lebensunterhalts. Die Beschäftigung nimmt mit der Aufenthaltsdauer deutlich zu: von 7 Prozent im ersten Jahr auf 68 Prozent nach acht oder mehr Jahren bei Geflüchteten mit Zuzug 2013 bis 2019. „Menschen mit Migrationshintergrund“ sind keine einheitliche Gruppe: Die Quoten unterscheiden sich stark nach Aufenthaltsdauer, Herkunft, Geschlecht und Qualifikation.
IntegrationFaktencheck
Funktioniert Integration in Deutschland?
Der Bericht kommt zu einem differenzierten Ergebnis: Es gibt substanzielle Fortschritte bei Beschäftigung, sozialversicherungspflichtiger Arbeit, Sprache und sinkendem Leistungsbezug mit wachsender Aufenthaltsdauer. Gleichzeitig bestehen Defizite: niedrige Erwerbsbeteiligung bestimmter Gruppen – besonders vieler geflüchteter Frauen –, hohe Arbeitslosigkeit und Hilfebedürftigkeit, fehlende formale Berufsabschlüsse und unterwertige Beschäftigung. Herkunft und Aufenthaltsdauer verändern die Ergebnisse erheblich; pauschale Aussagen über „Migranten“ sind laut Bericht nicht belastbar. Integration verläuft je nach Lebensbereich unterschiedlich schnell – Arbeit, Bildung und Sprache entwickeln sich nicht im Gleichschritt.
ArbeitsmarktFaktencheck
Wie wirkt sich Zuwanderung auf den Arbeitsmarkt aus?
2025 waren 11,446 Millionen der 42,520 Millionen Erwerbstätigen in privaten Haushalten Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Beschäftigung steigt deutlich mit der Aufenthaltsdauer: Bei den 2013 bis 2019 zugezogenen Geflüchteten lag die Erwerbstätigenquote im ersten Jahr bei 7 Prozent und nach acht oder mehr Jahren bei 68 Prozent. Die Unterschiede zwischen Gruppen sind groß – nach Geschlecht, Herkunft, Qualifikation und Rechtsstatus. Integration in den Arbeitsmarkt ist damit kein Zustand, sondern ein Verlauf über Jahre.
ArbeitsmarktFaktencheck
Warum fehlen Deutschland Fachkräfte?
Große Jahrgänge verlassen den Arbeitsmarkt, kleinere rücken nach: Für 2025 bis 2029 sind 5,26 Millionen altersbedingte Abgänge aus der Erwerbstätigkeit modelliert. Gleichzeitig entsteht mehr neuer Bedarf als neues Angebot – die rechnerische Unterdeckung beträgt rund 440.000 Personen. Fachkräftemangel ist kein reines Mengenproblem: Engpässe können gleichzeitig mit Arbeitslosigkeit auftreten, wenn Beruf, Qualifikation, Region, Arbeitszeit oder Arbeitsbedingungen nicht zusammenpassen. Zuwanderung erhöht das Arbeitskräfteangebot messbar, ersetzt aber weder Ausbildung und Weiterbildung noch eine höhere Erwerbsbeteiligung.
DemografieFaktencheck
Wie entwickelt sich die Bevölkerung Deutschlands?
Ende 2025 lebten 83,5 Millionen Menschen in Deutschland, rund 0,1 Prozent weniger als Ende 2024. Entscheidender als die Gesamtzahl ist die Altersstruktur: Große Jahrgänge verlassen den Arbeitsmarkt, kleinere rücken nach. Die Bevölkerung zwischen 20 und 66 Jahren sinkt in der mittleren Vorausberechnung bis 2070 von 51,25 auf 41,21 Millionen, während die Zahl der Menschen ab 67 Jahren steigt. Zuwanderung verändert die Bevölkerungszahl stark, hebt die Alterung in keinem ausgewerteten Szenario auf.
DemografieFaktencheck
Wie viel Zuwanderung braucht Deutschland?
Deutschland altert: Große Jahrgänge verlassen den Arbeitsmarkt, kleinere rücken nach. Zuwanderung erhöht die Bevölkerung und das mögliche Arbeitskräfteangebot, hebt die Alterung in keinem ausgewerteten Szenario auf. Eine einzelne wissenschaftlich belastbare Zielzahl für den Zuwanderungsbedarf gibt es nicht. Wie groß der Bedarf ist, hängt zugleich von Geburtenrate, Erwerbsbeteiligung, Arbeitszeit, Produktivität sowie Qualifikation und Anerkennung ab.