Energie & Klima
Energieversorgung, Klimaschutz, Strompreise, Energiewende und technologische Entwicklungen.
KlimawandelAnalyse
Deutschland im neuen Klima
Deutschland ist heute deutlich wärmer als vor 30 Jahren. Heiße Tage haben stark zugenommen, Frosttage abgenommen. Gleichzeitig stagniert der Rückgang der Treibhausgasemissionen.
KlimaneutralitätFaktencheck
Kann Deutschland bis 2045 klimaneutral werden?
Wissenschaftliche Modellierungen zeigen, dass ein treibhausgasneutrales Energiesystem für Deutschland bis 2045 technisch grundsätzlich darstellbar ist – die Langfristszenarien des BMWK, die Fraunhofer-ISE-Studie und die dena-Leitstudie rechnen jeweils vollständige Pfade durch. Ob das Ziel tatsächlich erreicht wird, ist damit nicht beantwortet: Es hängt von der Geschwindigkeit des Umbaus, von Investitionen, Infrastruktur, industriellen Kapazitäten und politischen Rahmenbedingungen ab. Gemessen ist bisher: 2025 lagen die Emissionen bei rund 648,9 Mio. t CO₂-Äquivalenten, das sind rund 48 Prozent weniger als 1990 (1.251 Mio. t) – 2025 sanken sie allerdings nur noch um 0,1 Prozent. Die amtlichen Projektionsdaten 2026 zeigen mit den bislang beschlossenen Maßnahmen bis 2045 eine Minderung um rund 83 Prozent; es verblieben 212,5 Mio. t Brutto-Emissionen – deutlich mehr, als natürliche und technische Senken nach heutigem Stand ausgleichen könnten. Die Seite bewertet damit weder, dass Klimaneutralität 2045 sicher erreicht wird, noch dass sie unmöglich ist: Technische Machbarkeit und tatsächliche Umsetzung sind zwei verschiedene Fragen.
VersorgungssicherheitFaktencheck
Wie kann Deutschland unabhängiger von Energieimporten werden?
Deutschland importiert einen großen Teil seiner Energie: 2025 lag die Nettoeinfuhr bei rund 6.982 Petajoule gegenüber einem Primärenergieverbrauch von 10.530 Petajoule – das entspricht etwa zwei Dritteln. Betroffen sind fast ausschließlich fossile Energieträger: Mineralöl wird zu 99 Prozent, fossile Gase zu 94 Prozent und Kohle zu 49 Prozent eingeführt, erneuerbare Energien dagegen zu 0 Prozent. Weil Erneuerbare im Inland gewonnen werden, senkt ihr Ausbau die Einfuhr fossiler Energieträger unmittelbar: An der inländischen Energiegewinnung haben sie ihren Anteil von 3 Prozent (1990) auf 65 Prozent (2025) gesteigert. Zugleich zeigen die Quellen Grenzen: Die heimische Förderung von Öl, Gas und Kohle geht seit Jahrzehnten zurück, und für Wasserstoff rechnen die amtlichen Szenarien bis 2045 mit einer Importquote von 57 bis 69 Prozent. Vollständige Unabhängigkeit beschreibt keine der ausgewerteten Quellen als Ziel – beschrieben werden geringere Abhängigkeit, breitere Diversifizierung und mehr eigene Erzeugung.
KernenergieFaktencheck
Welche Rolle könnte Kernenergie künftig spielen?
In Deutschland ist die gewerbliche Stromerzeugung aus Kernenergie abgeschlossen: Am 15. April 2023 gingen mit Emsland, Isar 2 und Neckarwestheim 2 die letzten drei Kernkraftwerke außer Betrieb. Zum 31. Dezember 2024 befanden sich 33 Kernkraftwerksblöcke in Stilllegung, drei waren vollständig abgebaut und aus dem Atomgesetz entlassen; kein einziger Block war im Leistungsbetrieb. Die Aufgaben aus der früheren Nutzung laufen dagegen weiter: Rückbau, Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle und die Suche nach einem Endlager, dessen Standort frühestens 2046 feststeht. International ist Kernkraft rückläufig: Ihr Anteil an der weltweiten Stromerzeugung fiel von 17,6 Prozent (1996) auf unter 10 Prozent (2021); bis 2040 gehen rund 200 Reaktoren vom Netz, dem stehen 53 Neubauprojekte gegenüber (DIW 2023). Neue Reaktorkonzepte sind nach der DIW-Analyse weder zeitnah verfügbar noch wettbewerbsfähig: Für SMR-Konzepte werden Stromgestehungskosten von durchschnittlich 213 bis 581 US-Dollar je Megawattstunde erwartet. Ein schneller Wiedereinstieg ist nach dem Fraunhofer-Faktencheck von 2024 nicht möglich: Rechnerisch kämen noch etwa acht Blöcke für eine Reaktivierung in Frage, doch allein die Beschaffung neuer Brennelemente dauert zwölf Monate bis zwei Jahre; hinzu kommen Gesetzesänderungen, Sicherheitsprüfungen, fehlendes Personal und die fehlende Bereitschaft der bisherigen Betreiber, die Reaktivierung und Neubau vor allem aus Kostengründen ablehnen. Zusammengenommen ergibt sich eine klare Antwort: Nach der vorliegenden Datenlage spricht kein belastbarer wirtschaftlicher oder energiepolitischer Befund für einen Wiedereinstieg – Kernenergie wäre teurer als Wind und Photovoltaik, käme frühestens nach 2040 ans Netz und würde die ungelöste Endlagerfrage vergrößern.
StromsystemFaktencheck
Warum braucht Deutschland Stromnetze und Energiespeicher?
Strom muss in jedem Moment genau so viel erzeugt werden, wie gerade verbraucht wird – das Stromnetz verbindet Erzeugung und Verbrauch und gleicht sie in Echtzeit aus. Das deutsche Stromnetz war Ende 2024 rund 1,97 Millionen Kilometer lang; davon entfielen rund 38.000 Kilometer auf die Höchstspannung und rund 1,3 Millionen Kilometer auf die Niederspannung. Weil Wind und Sonne nicht gleichmäßig liefern, gewinnen Speicher an Bedeutung: Stationäre Batterie- und Pumpspeicher kamen Ende 2025 auf rund 26 Gigawatt Leistung, die Batteriespeicher auf rund 24 bis 25 Gigawattstunden Kapazität. Speicher können Strom jedoch nur zeitlich verschieben – unterschiedliche Technologien decken unterschiedliche Zeiträume ab, von Minuten und Stunden (Batterien) bis zu saisonalen Zeiträumen (Wasserstoff). Die Quellen beschreiben Netze und Speicher als sich ergänzende Bausteine neben steuerbaren Kraftwerken und flexibler Nachfrage; keine der Quellen beschreibt eine dieser Optionen als alleinige Lösung.
EnergieversorgungFaktencheck
Welche Rolle spielen fossile Energieträger heute und künftig?
Fossile Energieträger sind 2025 weiterhin die Grundlage des deutschen Energiesystems: Mineralöl deckt rund 36 Prozent des Primärenergieverbrauchs, fossile Gase rund 27 Prozent, Braun- und Steinkohle zusammen rund 14 Prozent. Der größte Teil davon wird nicht verstromt, sondern für Verkehr, Gebäudewärme und industrielle Prozesse eingesetzt – der Verkehr deckt rund 95 Prozent seines Energiebedarfs aus Ölprodukten. Im Stromsystem lieferten Braunkohle, Steinkohle, Erdgas und Öl 2025 zusammen 194 TWh Bruttostromerzeugung; Erdgaskraftwerke gleichen dabei vor allem wind- und sonnenarme Phasen aus. Deutschland importiert nahezu die gesamte fossile Energie: 99 Prozent des Mineralöls, 94 Prozent der Gase und 49 Prozent der Kohlen. Die vorliegenden Szenarien beschreiben für die kommenden Jahrzehnte einen Rückgang der Kohleverstromung bis spätestens 2038, einen Zubau steuerbarer – zunächst gasbasierter – Kraftwerksleistung bis 2035 und eine Ablösung durch Wasserstoffkraftwerke bis 2045.
StrompreiseFaktencheck
Wie kann Deutschland langfristig bezahlbaren Strom bereitstellen?
Der Preis, den Haushalte für Strom zahlen, besteht aus mehreren Teilen: Beschaffung, Vertrieb und Marge des Lieferanten, Netzentgelten sowie Steuern, Abgaben und Umlagen. Zum Stichtag 1. April 2025 lag der durchschnittliche Haushaltsstrompreis bei 40,05 ct/kWh; rund 60 Prozent davon waren Bestandteile, die der Lieferant nicht beeinflussen kann. Die Kosten, eine Kilowattstunde in einer neuen Anlage zu erzeugen (Stromgestehungskosten), liegen deutlich darunter – für große Freiflächen-Photovoltaik zum Beispiel 2024 bei 4,1 bis 6,9 ct/kWh. Zwischen Erzeugungskosten und Endkundenpreis liegen Netze, Engpassmanagement, Speicher, Reserve, Vertrieb sowie regulierte und steuerliche Bestandteile; die Quellen weisen ausdrücklich darauf hin, dass Stromgestehungskosten diese Posten nicht enthalten. Welche Wirkung am Ende überwiegt, hängt nach den Quellen von Ausbaupfad, Marktregeln, Brennstoff- und CO₂-Preisen, Finanzierung, Standort und zeitlicher Abstimmung ab – ein einzelner kausaler Preiseffekt lässt sich daraus nicht bestimmen.
StromerzeugungFaktencheck
Welche Rolle spielen erneuerbare Energien?
Erneuerbare Energien sind bereits heute die größte Erzeugungsgruppe im deutschen Stromsystem: 2025 erzeugten Wind, Sonne, Wasser, Biomasse und Geothermie zusammen rund 278 Terawattstunden, das sind etwa 57,1 Prozent der gesamten deutschen Nettostromerzeugung. Zu den erneuerbaren Energien gehören sechs Energieformen: Wind an Land, Wind auf See, Photovoltaik, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie – sie unterscheiden sich technisch deutlich voneinander. Wind war 2025 mit rund 131 Terawattstunden der stärkste einzelne Stromerzeuger, gefolgt von Solar mit rund 90 Terawattstunden. In der dena-Leitstudie (Szenario KN100) steigt die erneuerbare Nettostromerzeugung bis 2045 auf 774 Terawattstunden und damit auf rund 92 Prozent der Nettostromerzeugung. Erneuerbare Energien beschreiben das Energiesystem jedoch nicht allein: Netze, Speicher, flexible Nachfrage und steuerbare Kraftwerke sind in denselben Szenarien fester Bestandteil.
GrundlagenFaktencheck
Warum wird Deutschland künftig deutlich mehr Strom benötigen?
Deutschland verbrauchte 2025 rund 528 Terawattstunden Strom – dieser Wert stagnierte gegenüber dem Vorjahr. In den vorliegenden Szenarien steigt der Strombedarf bis 2045 deutlich: die dena-Leitstudie nennt einen Bruttostrombedarf von 910 Terawattstunden, die Langfristszenarien eine Stromnachfrage der Verbrauchssektoren zwischen 751 und 919 Terawattstunden. Der Grund ist die Elektrifizierung: Autos, Heizungen und industrielle Prozesse, die heute Benzin, Diesel, Öl, Gas oder Kohle nutzen, werden auf Strom umgestellt. Hinzu kommt Strom für die Herstellung von grünem Wasserstoff – allein dafür rechnet die dena-Leitstudie 2045 mit 88 Terawattstunden. Gleichzeitig sinkt der gesamte Energieverbrauch, weil elektrische Technologien einen großen Teil der eingesetzten Energie tatsächlich nutzen und weniger als Abwärme verlieren: Der Endenergieverbrauch geht im Szenario KN100 von 2.489 auf 1.477 Terawattstunden zurück.
GrundlagenFaktencheck
Wo verbraucht Deutschland eigentlich Energie?
Deutschland verbrauchte 2023 rund 7.500 Petajoule Endenergie – das ist die Energie, die am Ende bei Haushalten, Betrieben und im Verkehr tatsächlich ankommt. Den größten Anteil hatten laut Internationaler Energieagentur die Gebäude mit 42 Prozent, gefolgt von der Industrie mit 30 Prozent und dem Verkehr mit 28 Prozent. Strom ist dabei nur ein Teil des Ganzen: Der Bruttostromverbrauch lag 2025 bei 528 Terawattstunden, während ein großer Teil der Energie weiterhin als Brennstoff für Heizungen, Öfen und Motoren genutzt wird. In Wohngebäuden entfallen 63 Prozent der Energie auf die Raumwärme, die noch überwiegend aus Erdgas und Öl stammt. Weil Verkehr, Wärme und Teile der Industrie zunehmend auf Strom umgestellt werden, wird der Gesamtstrombedarf nach Einschätzung der Quellen künftig erheblich steigen.
GrundlagenFaktencheck
Warum muss Deutschland sein Energiesystem verändern?
Deutschland hat gesetzlich festgelegt, bis 2045 netto keine Treibhausgase mehr auszustoßen – das nennt man Treibhausgasneutralität oder Klimaneutralität. Der größte Teil der heutigen Emissionen entsteht dort, wo Energie erzeugt und verbraucht wird: in Kraftwerken, in der Industrie, im Verkehr und beim Heizen von Gebäuden. 2025 stieß Deutschland rund 648,9 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente aus; allein die Energiewirtschaft verursachte davon etwa 29 Prozent. Gleichzeitig kommen Öl und Gas fast vollständig aus dem Ausland – 99 Prozent des Mineralöls und 94 Prozent der Gase wurden 2025 importiert. Der Umbau bedeutet deshalb: weniger fossile Brennstoffe, mehr Strom aus erneuerbaren Quellen – und zusätzlich Netze, Speicher, steuerbare Kraftwerke und ein flexiblerer Verbrauch.