politfacts Analyse
Wohnen in Deutschland
Warum Wohnraum in den Städten knapp und teuer ist
Deutschland hat fast 44 Millionen Wohnungen – und trotzdem fehlen in vielen Städten bezahlbare Angebote. Die Wohnungskrise entsteht aus einer Mischung aus regionaler Knappheit, hohen Baukosten, steigender Nachfrage, weniger Sozialwohnungen und einem zunehmend gespaltenen Mietmarkt.
Wohnungen Ende 2025
Quelle: Destatis (amtlich)
fertiggestellte Wohnungen 2025
Quelle: Destatis (amtlich)
Baufertigstellungen gegenüber 2024
Quelle: Destatis (amtlich)
genehmigte, aber Ende 2025 noch nicht fertiggestellte Wohnungen
Quelle: Destatis (amtlich)
Sozialmietwohnungen Ende 2025
Quelle: Bundestagsdrucksache
der Bevölkerung mit Wohnkosten-Überbelastung 2025
Quelle: Eurostat / Destatis
Kurzantwort
Die deutsche Wohnungskrise ist keine einfache landesweite Mengenkrise. Ende 2025 gab es knapp 44 Millionen Wohnungen. Gleichzeitig fehlen vor allem in wirtschaftsstarken Städten und Ballungsräumen Wohnungen, die hinsichtlich Lage, Größe und Preis zur Nachfrage passen.
Die Nachfrage ist durch mehr Haushalte, kleinere Haushaltsgrößen, Binnenwanderung in attraktive Regionen und Zuwanderung gestiegen. Gleichzeitig reagiert das Wohnungsangebot langsam: Bauland ist knapp, Planungs- und Bauzeiten sind lang, Baukosten stark gestiegen und die Finanzierung ist seit der Zinswende erheblich teurer geworden.
Besonders problematisch ist die zunehmende Trennung zwischen günstigen älteren Mietverträgen und deutlich teureren Neuvermietungen. Für Haushalte mit niedrigen Einkommen ist Wohnen deshalb immer häufiger eine erhebliche finanzielle Belastung. Große Wohnungskonzerne wie Vonovia profitieren wirtschaftlich von angespannten Märkten, sind aber nicht die alleinige Ursache der Wohnungsknappheit. Deutschlands Mietwohnungsmarkt ist deutlich breiter verteilt.
Eine wirksame Wohnungspolitik muss deshalb mehrere Probleme gleichzeitig adressieren: mehr Wohnraum in Wachstumsregionen, niedrigere Baukosten, mehr preisgebundenen und gemeinnützigen Wohnraum, bessere Nutzung vorhandener Wohnungen, gezielte Unterstützung einkommensschwacher Haushalte, funktionierende Verkehrsverbindungen ins Umland sowie wirksamen Mieterschutz ohne den Neubau unnötig zu behindern.
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Kapitel 01
Die zentrale Erklärung
Nachfrage
Angebot
Beides zusammen
Die Wohnungskrise entsteht aus mehreren miteinander verbundenen Faktoren. Keine der dargestellten Ursachen erklärt die Entwicklung allein.
Kapitel 02
Fast 44 Millionen Wohnungen – warum reicht das nicht?
Ende 2025 gab es in Deutschland 43,95 Millionen Wohnungen. Gegenüber dem Vorjahr wuchs der Bestand weiter.
Die Gesamtzahl allein sagt jedoch wenig über die tatsächliche Versorgung in einzelnen Regionen aus. Wohnraum ist ortsgebunden. Eine leerstehende Wohnung in einer schrumpfenden Region löst keinen Wohnungsmangel in München, Hamburg, Berlin, Frankfurt oder Köln.
Hinzu kommen
- · unterschiedliche Wohnungsgrößen
- · Sanierungsbedarf
- · ungeeignete Standorte
- · Wohnungen, die nicht kurzfristig verfügbar sind
- · Wohnraum, der preislich nicht zum Einkommen der Nachfragenden passt
Quellen: Statistisches Bundesamt
Kapitel 03
Leerstand mit Vorbehalt
Laut Zensus 2022 standen 1,925 Millionen Wohnungen leer, das sind 4,3 Prozent des gesamten Wohnungsbestands. Nur etwa 700.000 davon – rund 38 Prozent – waren innerhalb von drei Monaten beziehbar. Mehr als die Hälfte der leerstehenden Wohnungen stand bereits mindestens ein Jahr leer.
Wohnungsleerstand laut Zensus 2022
Amtliche Gebäude- und Wohnungszählung; Stichtag 15. Mai 2022.
leerstehende Wohnungen
des gesamten Wohnungsbestands
innerhalb von drei Monaten beziehbar (ca. 38 %)
Deshalb ist die Aussage
„Es stehen doch fast zwei Millionen Wohnungen leer“
ohne regionale und qualitative Einordnung irreführend.
Wohnungsleerstand und Wohnungsknappheit können gleichzeitig existieren.
Kapitel 04
Wie groß ist die Wohnungslücke?
Eine amtliche Zahl „fehlender Wohnungen“ existiert nicht. Das Pestel-Institut berechnet für Ende 2024 modellhaft ein Wohnungsdefizit von rund 1,4 Millionen Wohnungen, wenn langfristiger Leerstand vollständig als nicht nutzbar behandelt wird.
Je nach Annahme zur Aktivierung leerstehender Wohnungen fällt das Defizit niedriger aus.
Modelliertes Wohnungsdefizit Ende 2024
Pestel-Institut: Szenarien je nach angenommener Aktivierung langfristigen Leerstands.
| Szenario | Defizit in Millionen Wohnungen |
|---|---|
| 0 % Aktivierung von Leerstand | 1,4 |
| 40 % Aktivierung | 1,05 |
| 80 % Aktivierung | 0,79 |
Modellrechnung – kein amtlicher Befund.
Quellen: Pestel Institut
Hinweis
Diese Werte sind Modellrechnungen und keine amtliche Zählung fehlender Wohnungen.
Kapitel 05
Nachfrage: Nicht nur die Einwohnerzahl entscheidet
Für den Wohnungsbedarf ist die Zahl der Haushalte wichtiger als nur die Zahl der Einwohner. Wenn Menschen häufiger allein oder zu zweit leben, werden für dieselbe Bevölkerung mehr Wohnungen benötigt.
Nachfragetreiber
- · kleinere Haushalte
- · mehr Singlehaushalte
- · Alterung
- · Binnenwanderung
- · Zuwanderung
- · Konzentration von Arbeitsplätzen, Hochschulen und Infrastruktur in Städten
Kapitel 06
Welche Rolle spielt Zuwanderung?
Zuwanderung erhöht die Wohnraumnachfrage. Das ist ökonomisch unstrittig. Sie ist jedoch keine hinreichende Erklärung der Wohnungskrise.
Auch ohne Zuwanderung wirken: kleinere Haushaltsgrößen, Binnenwanderung, hohe Grundstückspreise, geringe Bautätigkeit, gestiegene Finanzierungskosten, Baukosten, fehlender sozialer Wohnungsbau und die regionale Konzentration der Nachfrage.
Nach Angaben des Sachverständigenrats für Integration und Migration leben knapp 60 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund in städtischen Gebieten, gegenüber etwa 43 Prozent der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund.
Anteil in städtischen Gebieten
Nach Migrationsstatus; Angaben des SVR für Integration und Migration.
| Gruppe | Anteil |
|---|---|
| Mit Migrationshintergrund | knapp 60 % |
| Ohne Migrationshintergrund | ca. 43 % |
Einordnung
Zuwanderung kann bereits angespannte Stadtmärkte zusätzlich belasten, wenn das Wohnungsangebot nicht entsprechend wächst. Formulierungen wie „Migration verursacht die Wohnungskrise“ sind so nicht belegt.
Kapitel 07
Der Neubau ist eingebrochen
2025 wurden so wenige Wohnungen fertiggestellt wie seit 2012 nicht mehr: 206.586, rund 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig existierte Ende 2025 ein Bauüberhang von 760.700 bereits genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen; davon waren rund 307.200 bereits im Bau.
Genehmigung bedeutet nicht Fertigstellung. Hohe Finanzierungskosten, Baukosten, Kapazitätsprobleme und wirtschaftlich nicht mehr tragfähige Projektkalkulationen können dazu führen, dass genehmigte Projekte verzögert oder gar nicht realisiert werden.
Baufertigstellungen in Deutschland
Wohnungen je Jahr; 2021 bis 2023 gerundete Werte (ca.), 2024 und 2025 amtlich.
| Jahr | Wohnungen |
|---|---|
| 2021 | ca. 293.000 |
| 2022 | ca. 295.000 |
| 2023 | ca. 294.000 |
| 2024 | 251.900 |
| 2025 | 206.586 |
2025: −18 % gegenüber 2024. Niedrigster Wert seit 2012.
Quellen: Statistisches Bundesamt · Statistisches Bundesamt
genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen
davon bereits im Bau
Quellen: Statistisches Bundesamt · Statistisches Bundesamt
Kapitel 08
Warum Bauen so teuer geworden ist
Die Baupreise für Wohngebäude sind zwischen 2010 und 2025 um rund 89 Prozent gestiegen – wesentlich stärker als die allgemeinen Verbraucherpreise (+38 Prozent).
Die Branchenstudie ARGE/RegioKontext ermittelt für Geschosswohnungsneubau in Großstädten im vierten Quartal 2025 mediane Herstellungskosten von etwa 4.630 Euro pro Quadratmeter, einschließlich Grundstück etwa 5.390 Euro pro Quadratmeter.
Preisentwicklung 2010–2025
Baupreise für Wohngebäude gegenüber Verbraucherpreisen.
| Größe | Steigerung |
|---|---|
| Baupreise Wohngebäude | +89 % |
| Verbraucherpreise | +38 % |
Quellen: Statistisches Bundesamt · ARGE / RegioKontext
Mediane Herstellungskosten Geschosswohnungsneubau Großstadt
Branchenstudie / Median – kein amtlicher bundesweiter Durchschnitt
Einschließlich Grundstück
ARGE / RegioKontext, 4. Quartal 2025
Grundstücke
Bauland ist insbesondere in Wachstumsregionen knapp und teuer.
Baukosten
Material, Löhne und technische Gebäudekomponenten sind erheblich teurer geworden.
Standards
Energieeffizienz, Barrierefreiheit, Schallschutz und technische Ausstattung erhöhen Qualität, können aber auch Baukosten erhöhen.
Finanzierung
Die Zinswende seit 2022 hat Fremdkapital wesentlich verteuert.
Planung
Genehmigungen und Projektentwicklung dauern häufig Jahre.
Kapitel 09
Bestandsmiete ist nicht Neuvertragsmiete
Bestandsmieten und Neuvermietungsmieten dürfen nicht miteinander verwechselt werden. Wer seit Jahren dieselbe Wohnung mietet, zahlt häufig deutlich weniger als jemand, der heute eine neue Mietwohnung sucht – im selben Stadtteil.
Bruttokaltmiete nach Einzugszeit (2024)
Bestandsverträge vor 2020 gegenüber Verträgen ab 2020, in Euro je Quadratmeter.
Deutschland
Berlin
München
| Region | Einzug vor 2020 | Einzug ab 2020 |
|---|---|---|
| Deutschland | 8,6 €/m² | 10,6 €/m² |
| Berlin | 9,4 €/m² | 12,9 €/m² |
| München | 14,2 €/m² | 19,4 €/m² |
Quelle: IWU / Deutscher Mieterbund, Mikrozensus-Auswertung und Fortschreibung.
Quellen: Institut Wohnen und Umwelt / Deutscher Mieterbund · Deutscher Mieterbund
Kapitel 10
Der Lock-in-Effekt: Warum selbst eine kleinere Wohnung teurer sein kann
Wer einen älteren Mietvertrag besitzt, zahlt häufig deutlich weniger je Quadratmeter als bei einem Umzug. Dadurch können Haushalte in Wohnungen bleiben, die eigentlich nicht mehr optimal zur Haushaltsgröße passen. Eine kleinere Wohnung kann trotz geringerer Fläche insgesamt teurer sein.
Bestandswohnung
80 m² × niedrige Bestandsmiete
Häufig insgesamt geringere Miete als eine kleinere Wohnung am heutigen Mietniveau.
Neue Wohnung
55 m² × hohe Neuvertragsmiete
Kann trotz geringerer Fläche insgesamt teurer sein.
Folgen
- · weniger Umzüge
- · schlechtere Verteilung des Bestands
- · weniger freie Familienwohnungen
- · stärkere Trennung zwischen Bestandsmietern und Wohnungssuchenden
Quellen: Institut Wohnen und Umwelt / Deutscher Mieterbund · Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung
Kapitel 11
Das eigentliche Problem ist nicht nur die Miete – sondern die Miete im Verhältnis zum Einkommen
Durchschnittlich gaben Mietende 2025 rund 31 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens für Wohnen aus. Die Belastung ist jedoch ungleich verteilt: Im untersten Einkommensdezil entfielen im Durchschnitt rund 60 Prozent des Einkommens auf Wohnen (Median: ca. 53 Prozent), in den untersten drei Dezilen rund 48 Prozent – im obersten Dezil nur rund 16 Prozent.
11,2 Prozent der Bevölkerung Deutschlands lebten 2025 in Haushalten, deren Wohnkosten mehr als 40 Prozent des verfügbaren Einkommens beanspruchten.
Wohnkostenbelastung nach Einkommensdezilen
Anteil der Wohnkosten am Haushaltsnettoeinkommen; orange markiert die stärker belasteten Gruppen.
| Gruppe | Anteil am Nettoeinkommen |
|---|---|
| Alle Mietenden (Ø) | 31 % |
| Unterstes Dezil (Ø) | 60 % |
| Unterstes Dezil (Median) | 53 % |
| Unterste drei Dezile (Ø) | 48 % |
| Oberstes Dezil (Ø) | 16 % |
Quellen: Institut Wohnen und Umwelt / Deutscher Mieterbund · Eurostat / Statistisches Bundesamt · Statistisches Bundesamt
Quellen: Institut Wohnen und Umwelt / Deutscher Mieterbund · Eurostat / Statistisches Bundesamt
Kapitel 12
Wer besonders betroffen ist
Junge Menschen
Geringe Einkommen, hoher Anteil der Miete am Einkommen, kleine Wohnungen besonders knapp.
Familien
Benötigen größere Wohnungen, hohe absolute Mietkosten; Familienwohnungen in Städten knapp.
Alleinerziehende
Häufig geringeres Haushaltseinkommen, erschwerter Zugang.
Ältere Menschen
Teilweise große Bestandswohnungen, aber oft keine kleinere, günstigere Alternative; Barrierefreiheit fehlt.
Menschen mit Behinderungen
Zusätzlicher Bedarf an barrierefreiem und inklusivem Wohnraum.
Quellen: Institut Wohnen und Umwelt / Deutscher Mieterbund · Hans-Böckler-Stiftung
Kapitel 13
Nur noch rund eine Million Sozialmietwohnungen
Ende 2025 gab es in Deutschland rund 1,03 Millionen Sozialmietwohnungen. Sozialwohnungen bleiben nicht automatisch dauerhaft Sozialwohnungen: Nach Ablauf der Mietpreis- und Belegungsbindung wechseln sie in den normalen Wohnungsmarkt.
Deshalb kann trotz Neubau geförderter Wohnungen der Gesamtbestand sinken, wenn gleichzeitig mehr ältere Bindungen auslaufen.
Wohngeld
Subjektförderung
Unterstützt Haushalte finanziell.
Sozialwohnung
Objektförderung
Schafft bzw. reserviert preisgebundenen Wohnraum.
Beides löst unterschiedliche Probleme.
Quellen: Deutscher Bundestag (Dokumentensuche) · Pestel Institut · Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen
Kapitel 14
Sind große Wohnungskonzerne schuld an hohen Mieten?
Kurzantwort
Sie sind Teil des Problems, aber keine ausreichende Erklärung der Wohnungskrise.
Die Eigentümerstruktur der vermieteten Wohnungen ist laut Zensus 2022 deutlich breiter verteilt als oft diskutiert. Privatpersonen sind mit deutlichem Abstand die größte Gruppe.
Eigentümerstruktur vermieteter Wohnungen (Zensus 2022)
Anteile an den vermieteten Wohnungen in Deutschland.
- Privatpersonen43 %
- Wohnungseigentümergemeinschaften20,5 %
- Privatwirtschaftliche Wohnungsunternehmen11,3 %
- Kommunen / kommunale Unternehmen10,9 %
- Genossenschaften9 %
- Sonstige Eigentümer5,3 %
| Eigentümergruppe | Anteil |
|---|---|
| Privatpersonen | 43 % |
| Wohnungseigentümergemeinschaften | 20,5 % |
| Privatwirtschaftliche Wohnungsunternehmen | 11,3 % |
| Kommunen / kommunale Unternehmen | 10,9 % |
| Genossenschaften | 9 % |
| Sonstige Eigentümer | 5,3 % |
Vonovia
Wohnungen in Deutschland Ende 2025
des deutschen Mietwohnungsbestands
aller Wohnungen
Wichtiger Hinweis: Die Zeitstände unterscheiden sich – Vonovia-Angabe 2025, Zensus-Mietwohnungsbestand 2022.
Vonovia ist damit der größte einzelne private Wohnungsanbieter, aber kein bundesweiter Monopolist. Regional kann der Einfluss wesentlich größer sein, weil das Portfolio auf große Städte und Ballungsräume konzentriert ist.
Quellen: Vonovia SE · Statistisches Bundesamt / Zensus 2022
Kapitel 15
Wie Wohnungskonzerne profitieren – und was Kommunen und Genossenschaften anders machen
Börsennotierte Wohnungsgesellschaften sind renditeorientierte Unternehmen. In angespannten Märkten entstehen Ertragspotenziale durch steigende Marktmieten, geringe Leerstände, Wiedervermietungen, Modernisierung, Nachverdichtung und Neubau.
Vonovia meldete Ende 2025 in Deutschland eine durchschnittliche Ist-Miete von 8,19 Euro pro Quadratmeter (Ende 2024: 7,89 Euro) und ein organisches Mietwachstum von rund 4 Prozent.
Vonovia: Ist-Miete in Deutschland
Durchschnittliche Ist-Miete in Euro je Quadratmeter.
| Zeitpunkt | Ist-Miete |
|---|---|
| Ende 2024 | 7,89 €/m² |
| Ende 2025 | 8,19 €/m² |
Quellen: Vonovia SE
Einordnung
Daraus folgt nicht, dass Vonovia die bundesweite Wohnungsknappheit verursacht hat. Plausibel ist vielmehr: Große professionelle Bestandshalter können vorhandene Knappheit systematischer wirtschaftlich nutzen als viele kleine Vermieter. Gleichzeitig verfügen sie über Skaleneffekte bei Finanzierung, Verwaltung, Sanierung, Beschaffung und serieller Modernisierung.
Kommunal und genossenschaftlich
Kommunale Wohnungsgesellschaften verfolgen neben wirtschaftlichen Anforderungen einen öffentlichen Versorgungsauftrag. Genossenschaften arbeiten typischerweise nicht nach demselben Renditemodell wie börsennotierte Unternehmen. Vorteil: Mieten können langfristiger stabilisiert werden.
Aber: Auch kommunale und genossenschaftliche Unternehmen können die Knappheit nur reduzieren, wenn tatsächlich zusätzlicher Wohnraum entsteht oder Bestand aktiviert wird.
Quellen: Vonovia SE
Kapitel 16
Was Mietregulierung kann – und was nicht
Mietregulierung schafft keine zusätzliche Wohnung. Sie kann aber den Preisanstieg innerhalb eines knappen Marktes begrenzen.
Die bundesweite Mietpreisbremse gilt inzwischen bis Ende 2029. In ausgewiesenen angespannten Wohnungsmärkten darf die Miete bei einer Neuvermietung grundsätzlich höchstens 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Ausnahmen bleiben bestehen.
Wissenschaftliche Einordnung: Der Sachverständigenrat kommt für die bisherige Mietpreisbremse zu dem Ergebnis, dass ein negativer Neubau-Effekt nicht empirisch nachgewiesen ist. Bei wesentlich strengeren Preisregulierungen wie dem früheren Berliner Mietendeckel zeigen Studien dagegen deutlichere Nebenwirkungen auf Angebot und Marktsegmentierung.
Mietregulierung kann kurzfristig schützen. Sie beseitigt aber nicht die zugrunde liegende Wohnungsknappheit.
Quellen: Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung · Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen · ifo Institut
Kapitel 17
Welche Maßnahmen werden durch die Evidenz gestützt?
Keine Rangliste – sechs Kategorien mit jeweils unterschiedlichen Wirkungswegen und Zielkonflikten.
A. Mehr Wohnungen dort bauen, wo sie gebraucht werden
Nachverdichtung · Dachausbau · Aufstockung · Baulandmobilisierung · Umnutzung geeigneter Büro- und Gewerbeflächen · gezielte Außenentwicklung · ÖPNV-Anbindung des Umlands
B. Baukosten reduzieren
Vereinfachte Standards · Gebäudetyp E · serielles und modulares Bauen · harmonisierte Bauordnungen · digitale Genehmigungen · schnellere Verfahren
C. Sozialen und gemeinnützigen Bestand vergrößern
Mehr Sozialwohnungen · längere oder dauerhafte Bindungen · kommunale Gesellschaften · Genossenschaften · Wohngemeinnützigkeit
D. Bestand besser nutzen
Wohnungstausch · Umzugshilfen · kleinere barrierefreie Wohnungen · Leerstandsaktivierung · Umbau und Teilung großer Wohnungen
E. Haushalte gezielt unterstützen
Wohngeld · Kosten der Unterkunft · Härtefallregelungen
F. Mieterschutz
Mietpreisbremse · Regeln gegen Mietwucher · transparente Mietspiegel · Schutz vor missbräuchlicher Kurzzeitvermietung
Quellen: Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung · ifo Institut · Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
Kapitel 18
Was die Bundesregierung bereits angestoßen hat
Stand der Analyse deutlich gekennzeichnet: Diese Übersicht beschreibt beschlossene und angekündigte Maßnahmen der Bundesregierung – nicht deren Wirkung.
Wichtiger Hinweis
Programmbudgets sind keine fertiggestellten Wohnungen. Zu unterscheiden wären: angekündigte Mittel, bewilligte Projekte, Baubeginn und Fertigstellung.
Quellen: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen
Kapitel 19
Was die Parteien bei der Bundestagswahl 2025 wollten
Die Bundestagswahlprogramme 2025 unterscheiden sich weniger darin, ob Wohnen als Problem erkannt wird, sondern vor allem darin, welcher Mechanismus im Mittelpunkt steht. Ein Teil der Parteien setzt stärker auf Mietregulierung, öffentlichen und gemeinnützigen Wohnungsbau sowie direkte Eingriffe in Bestandsmieten. Andere setzen stärker auf niedrigere Baukosten, Deregulierung, private Investitionen, Wohngeld und Wohneigentum.
Diese Ansätze adressieren unterschiedliche Teile der Wohnungskrise und haben unterschiedliche Zielkonflikte.
SPD
- · Mietpreisbremse dauerhaft verlängern und erweitern
- · Umgehung über möblierte und befristete Vermietungen begrenzen
- · Indexmieten stärker begrenzen, Mietwucher stärker verfolgen
- · Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen stärker begrenzen
- · Sozialer Wohnungsbau auf hohem Niveau, Wohngemeinnützigkeit stärken
- · Genossenschaften und Wohnungsbaugesellschaften unterstützen
- · Genehmigungen beschleunigen, privaten Wohnungsbau ebenfalls fördern
Evidenz-Einordnung: Die SPD kombiniert direkten Mieterschutz mit Angebotsausweitung und sozialem Wohnungsbau. Das adressiert sowohl kurzfristige Belastungen als auch Teile des strukturellen Angebotsproblems.
Zielkonflikt: Strengere Mietregulierung kann Investitionsanreize beeinflussen; die Wirkung hängt von Ausgestaltung und Umfang ab.
Quellen: SPD
Bündnis 90/Die Grünen
- · Mietpreisbremse verlängern, verschärfen und Lücken schließen
- · Stärkere Regulierung möblierter Vermietung
- · In angespannten Märkten stärkere Begrenzung von Mietsteigerungen
- · Kündigungsschutz stärken, Wohnungstausch erleichtern
- · Sozialen Wohnungsbau stärker fördern, neue Wohngemeinnützigkeit ausbauen
- · Aufstockung, Dachausbau, Umwandlung von Büroflächen, Leerstandsaktivierung
- · Baurecht vereinfachen, Genehmigungen digitalisieren und beschleunigen
Evidenz-Einordnung: Die Grünen kombinieren Mieterschutz, Bestandsmobilisierung und zusätzlichen sozialen sowie privaten Wohnungsbau. Der Schwerpunkt auf Aufstockung, Umnutzung und Bestand greift Potenziale auf, die auch der Sachverständigenrat hervorhebt.
Zielkonflikt: Schärfere Regulierung einzelner Marktsegmente kann die Beweglichkeit des Marktes beeinflussen; die Wirkung hängt von der Ausgestaltung ab.
Quellen: Bündnis 90/Die Grünen
CDU/CSU
- · Mehr Wohnungsangebot als zentraler Ansatz
- · Bauordnungs- und Raumordnungsrecht vereinfachen, Bauvorschriften reduzieren
- · Mehr Bauland, einfaches und innovatives Bauen, schnellere Verfahren
- · Mieterschutz einschließlich Regeln zur Miethöhe erhalten
- · Sozialen Wohnungsbau weiter fördern
- · Wohngeld regelmäßig anpassen
Evidenz-Einordnung: CDU/CSU setzen deutlich stärker auf die Angebotsseite. Das entspricht dem Befund, dass langfristig mehr Wohnraum in Wachstumsregionen benötigt wird und hohe Baukosten ein wesentliches Hindernis darstellen.
Zielkonflikt: Kurzfristig hängt die Entlastung bestehender Mieter stärker von den verbleibenden Mieterschutzinstrumenten ab.
Quellen: CDU / CSU
FDP
- · Mietpreisbremse auslaufen lassen, keinen bundesweiten Mietendeckel
- · Mehr Spielraum für Index- und Staffelmieten
- · Bauvorschriften reduzieren, Genehmigungen beschleunigen
- · Serielles Bauen, Gebäudetyp E, mehr Bauland
- · Steuerliche Abschreibungen verbessern, private Investitionen fördern
- · Wohngeld als gezieltes Unterstützungsinstrument
Evidenz-Einordnung: Die FDP setzt besonders stark auf Angebotsausweitung und private Investitionsanreize. Dieser Ansatz adressiert Baukosten und Investitionen direkt.
Zielkonflikt: Das Auslaufen der Mietpreisbremse würde den unmittelbaren gesetzlichen Schutz von Mietern bei Neuvermietungen reduzieren. Die langfristige Entlastungswirkung hängt stark davon ab, ob die Maßnahmen tatsächlich zu einem ausreichend großen zusätzlichen Angebot führen.
Quellen: FDP
Die Linke
- · Bundesweiter Mietendeckel, sechs Jahre keine Mieterhöhungen als Sofortmaßnahme
- · Besonders hohe Mieten in angespannten Märkten senken
- · Staffelmieten und Indexmieten verbieten
- · Kündigungsschutz ausweiten, Modernisierungsumlage abschaffen
- · Wohnungstausch zu Bestandsmieten erleichtern
- · Jährlich 20 Mrd. Euro für gemeinnützigen Wohnungsbau
- · Große Immobilienkonzerne mit mehr als 3.000 Wohnungen vergesellschaften
Evidenz-Einordnung: Die Linke setzt am stärksten auf unmittelbare Mietpreisbegrenzung und eine Verschiebung des Wohnungsbestands in öffentliche bzw. gemeinnützige Strukturen. Mietpreisbegrenzungen können bestehende Mieter kurzfristig stark schützen.
Zielkonflikt: Sehr weitgehende Preisdeckel können jedoch stärkere Auswirkungen auf Investitionsanreize und Wohnungsangebot haben als die bestehende Mietpreisbremse. Die Wirkung des geplanten öffentlichen Wohnungsbaus hängt zudem von Finanzierung, Baukapazitäten und tatsächlichen Fertigstellungen ab.
Quellen: Die Linke
BSW
- · Bundesweiter Mietendeckel
- · In angespannten Regionen Mieten bis Ende des Jahrzehnts einfrieren
- · Gemeinnützigen und kommunalen Wohnungsbau stark ausweiten
- · Dauerhafte Sozialbindungen, zinsvergünstigte Kredite
- · Bauvorschriften auf Kostenwirkung überprüfen, serielles Bauen erleichtern
- · Leerstand und Umwandlung in Ferienwohnungen stärker regulieren
- · Aktive Bodenpolitik
Evidenz-Einordnung: Das BSW verbindet starke Mietregulierung mit einem Ausbau des gemeinnützigen Sektors und gleichzeitig Maßnahmen zur Senkung der Baukosten.
Zielkonflikt: Wie bei anderen weitgehenden Mietendeckeln besteht ein möglicher Zielkonflikt zwischen kurzfristigem Mieterschutz und langfristigen Investitionsanreizen.
Quellen: BSW – Bündnis Sahra Wagenknecht
AfD
- · Mietpreisbremse und Mietendeckel ablehnen (als Investitionshemmnisse bezeichnet)
- · Bau- und Mietrecht deregulieren, Baukosten und Nebenkosten reduzieren
- · Eigentumsbildung fördern, Umwandlungshemmnisse abbauen
- · Mieter beim Erwerb von Wohneigentum unterstützen
- · Öffentlichen Wohnungsbestand teilweise an Mieter verkaufen
- · Stärker auf Wohngeld setzen
- · Sozialen Wohnungsbau ausdrücklich zugunsten von Wohngeld zurückfahren: „Mehr Wohngeld statt sozialem Wohnungsbau“
Evidenz-Einordnung: Der Ansatz adressiert Investitionskosten, Eigentumsbildung und die Zahlungsfähigkeit einkommensschwacher Haushalte. Wohngeld erhöht jedoch nicht unmittelbar das Wohnungsangebot und schafft keine dauerhaften Mietpreis- oder Belegungsbindungen. Der Verzicht auf Mietpreisbremse und Mietendeckel bedeutet zugleich weniger unmittelbare Preisregulierung bei Neuvermietungen.
Zielkonflikt: Ob die Deregulierung längerfristig zu ausreichend zusätzlichem Wohnraum und damit niedrigeren Marktmieten führt, hängt davon ab, wie stark Investitionen und Fertigstellungen tatsächlich reagieren.
Quellen: AfD
Programmpositionen im Überblick
Dokumentierte Positionen aus den Bundestagswahlprogrammen 2025, neutral gegenübergestellt. Keine Bewertung, keine Rangliste.
| Partei | Mieterschutz | Neubau / Baukosten | Sozialer Wohnungsbau | Wohngeld | Konzerne / Eigentum |
|---|---|---|---|---|---|
| SPD | Dauerhaft verlängern und erweitern | Genehmigungen beschleunigen, privaten Wohnungsbau fördern | Auf hohem Niveau fortführen | Vorhanden, kein Schwerpunkt | Umwandlungen stärker begrenzen |
| Grüne | Verlängern, verschärfen, Lücken schließen | Baurecht vereinfachen, Genehmigungen digitalisieren | Stärker fördern, Wohngemeinnützigkeit ausbauen | Grundsätzlich vorgesehen, kein Schwerpunkt | Umwandlungen begrenzen |
| CDU/CSU | Einschließlich Regeln zur Miethöhe erhalten | Zentraler Ansatz: Vorschriften reduzieren, Bauland, schnelle Verfahren | Weiter fördern | Regelmäßig anpassen | Kein zentrales Thema |
| FDP | Mietpreisbremse auslaufen lassen | Zentraler Ansatz: Deregulierung, seriell bauen, Investitionsanreize | Kein Schwerpunkt | Gezieltes Unterstützungsinstrument | Kein zentrales Thema |
| Linke | Bundesweiter Mietendeckel, Mieten senken | Weniger betont | Starker Ausbau: jährlich 20 Mrd. Euro | Grundsätzlich vorgesehen, kein Schwerpunkt | Vergesellschaftung großer Konzerne |
| BSW | Bundesweiter Mietendeckel, Mieten einfrieren | Bauvorschriften auf Kostenwirkung prüfen, seriell bauen | Starker Ausbau, dauerhafte Bindungen | Grundsätzlich vorgesehen, kein Schwerpunkt | Leerstand stärker regulieren |
| AfD | Ablehnen | Zentraler Ansatz: Deregulierung, Kosten senken | Zurückfahren zugunsten von Wohngeld | Zentraler Ansatz | Bestand teilweise verkaufen, Eigentumsbildung fördern |
Bei Parteien ausschließlich dokumentierte Positionen aus den Bundestagswahlprogrammen 2025.
Quellen: SPD · Bündnis 90/Die Grünen · CDU / CSU · FDP · Die Linke · BSW – Bündnis Sahra Wagenknecht · AfD
Kapitel 20
Welche Strategie adressiert welches Problem?
1. Kurzfristiger Schutz bestehender Mieter
Stärkerer Fokus: Linke, BSW, SPD, Grüne. Instrumente: Mietendeckel, Mietpreisbremse, Kappungsgrenzen, Kündigungsschutz. Wirkungslogik: schützt vor schnellen Mietsteigerungen. Grenze: schafft keinen zusätzlichen Wohnraum.
2. Neubau und Angebotsausweitung
Stärkerer Fokus: CDU/CSU, FDP, AfD – aber ebenfalls Bestandteil von SPD, Grüne und BSW. Instrumente: Deregulierung, Bauland, Gebäudetyp E, Genehmigungsbeschleunigung, Investitionsanreize. Wirkungslogik: kann das Angebot langfristig erhöhen. Grenze: Neubau benötigt Jahre und ist bei heutigen Kosten häufig zunächst teuer.
3. Sozialer und gemeinnütziger Bestand
Besonders starker Fokus: Linke, BSW, SPD, Grüne. CDU/CSU: sozialen Wohnungsbau weiter fördern. AfD: setzt stattdessen stärker auf Wohngeld. FDP: Schwerpunkt stärker auf Wohngeld und private Investitionen. Wirkungslogik: schafft Wohnungen mit Mietpreis- und Belegungsbindungen. Grenze: hoher Finanzierungsbedarf und lange Realisierungszeiten.
4. Subjektförderung / Wohngeld
Besonders betont: AfD, FDP, CDU/CSU – auch von anderen Parteien grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Wirkungslogik: hilft einkommensschwachen Haushalten unmittelbar. Grenze: schafft selbst keine neue Wohnung und verändert das Mietangebot nicht.
Kapitel 21
Zentraler politischer Befund
Die Programme unterscheiden sich vor allem darin, ob sie zuerst den Preis, das Angebot oder die Zahlungsfähigkeit der Haushalte beeinflussen wollen.
Nach der ausgewerteten Evidenz gibt es kein einzelnes Instrument, das alle Ursachen der Wohnungskrise gleichzeitig adressiert.
Kapitel 22
Häufige Behauptungen im Faktencheck
„Migration ist die Ursache der Wohnungskrise.“
Unvollständig.
Zuwanderung erhöht die Nachfrage, ist aber nur einer von mehreren Faktoren.
„Vonovia macht die Wohnungen teuer.“
Zu pauschal.
Große Konzerne nutzen vorhandene Knappheit wirtschaftlich, besitzen bundesweit aber nur einen begrenzten Marktanteil.
„Es gibt genug Wohnungen – fast zwei Millionen stehen leer.“
Irreführend.
Leerstand ist regional verteilt und häufig nicht kurzfristig nutzbar.
„Die Mietpreisbremse hat den Neubau zerstört.“
So nicht belegt.
Der Sachverständigenrat sieht für die bisherige Mietpreisbremse keinen nachgewiesenen Neubau-Effekt.
„Wenn einfach mehr gebaut wird, sinken die Mieten automatisch.“
Zu einfach.
Mehr Angebot ist langfristig zentral. Bei heutigen Baukosten entsteht frei finanzierter Neubau aber häufig zunächst im hochpreisigen Segment.
„Bauvorschriften sind der Hauptgrund für hohe Mieten.“
Unvollständig.
Regulierung ist ein Faktor neben Grundstückspreisen, Finanzierung, Material, Löhnen, technischen Standards, Projektlaufzeiten und Marktrisiken.
Kapitel 23
Die Wohnungskrise hat keine einzelne Ursache – und keine einzelne Lösung
Deutschlands Wohnungsproblem ist vor allem eine regional konzentrierte Knappheits-, Kosten- und Verteilungskrise. In prosperierenden Städten trifft hohe Nachfrage auf ein Angebot, das wegen knappen Baulands, langer Projektlaufzeiten, stark gestiegener Baukosten und höherer Finanzierungskosten nur langsam wächst.
Gleichzeitig schützt das Mietrecht Millionen Bestandsmieter vor der vollständigen Marktdynamik. Dadurch entstehen jedoch große Unterschiede zwischen bestehenden und neuen Mietverträgen. Das erschwert Umzüge und kann dazu führen, dass vorhandener Wohnraum nicht optimal genutzt wird.
Große Wohnungsgesellschaften sind relevante Akteure und können von angespannten Märkten profitieren. Sie sind jedoch nicht die alleinige Ursache der Wohnungsknappheit.
Eine langfristig tragfähige Wohnungspolitik muss deshalb gleichzeitig: zusätzlich bauen, günstiger bauen, preisgebundenen Wohnraum schaffen, vorhandenen Wohnraum besser nutzen, einkommensschwache Haushalte schützen, Mieterschutz gewährleisten und Wachstum von Städten mit leistungsfähigem ÖPNV und Umlandentwicklung verbinden.
Keine der untersuchten politischen Strategien adressiert sämtliche Ursachen allein.
Kapitel 24
Zahlencheck
| Kennzahl | Wert | Stand | Quellentyp |
|---|---|---|---|
| Wohnungsbestand | 43,95 Mio. | Ende 2025 | Destatis / amtlich |
| Baufertigstellungen | 206.586 | 2025 | Destatis / amtlich |
| Bauüberhang | 760.700 | Ende 2025 | Destatis / amtlich |
| Leerstand | 1,925 Mio. / 4,3 % | Zensus 2022 | Amtlich |
| Kurzfristig beziehbarer Leerstand | ca. 700.000 / 38 % | Zensus 2022 | Amtlich |
| Sozialmietwohnungen | ca. 1,03 Mio. | Ende 2025 | Bundestagsdrucksache |
| Baupreise Wohngebäude | +89 % | 2010–2025 | Destatis |
| Wohnkosten-Überbelastung | 11,2 % | 2025 | Eurostat / Destatis |
| Vonovia Deutschland | 471.153 Wohnungen | Ende 2025 | Unternehmensbericht |
| Privatwirtschaftliche Wohnungsunternehmen | 11,3 % der vermieteten Wohnungen | 2022 | Zensus |
| Modelliertes Wohnungsdefizit | ca. 1,4 Mio. | Ende 2024 | Pestel-Modell, nicht amtlich |
| Herstellungskosten Großstadtneubau | ca. 4.630 €/m² | Q4 2025 | ARGE-Branchenstudie |
Kapitel 25
Wie wir gearbeitet haben
Die Analyse kombiniert amtliche Daten, wissenschaftliche Untersuchungen, Branchenstudien und originäre Unternehmensdaten.
Amtliche Bestandszahlen werden von Modellrechnungen ausdrücklich getrennt. Bei Studien im Auftrag von Verbänden oder Unternehmen wird der Interessenbezug transparent ausgewiesen.
Bei Wahlprogrammen wird dargestellt, was die Parteien selbst zur Bundestagswahl 2025 angekündigt haben. Die Einordnung der möglichen Wirkungen erfolgt anhand der zuvor dargestellten empirischen und ökonomischen Befunde.
Korrelationen werden nicht als Kausalität dargestellt. Zeitstände der verwendeten Daten sind an jeder Grafik sichtbar.
Kapitel 26
Quellen
Die Analyse stützt sich auf die folgenden Originalveröffentlichungen. Die Hinweise benennen jeweils Datentyp, Zeitstand oder methodische Grenze.
- Wohnungsbestand, Baufertigstellungen und BaupreiseStatistisches BundesamtAmtliche Bestands- und Baustatistik; Bestand Ende 2025, Fertigstellungen und Bauüberhang als Fortschreibung des Bautätigkeitsberichts.
- Bautätigkeit und BaupreiseStatistisches BundesamtAmtliche Statistik zu Fertigstellungen 2025, Bauüberhang und Entwicklung der Baupreise für Wohngebäude 2010–2025.
- Zensus 2022: Wohnungen und Leerstand, EigentümerstrukturStatistisches Bundesamt / Zensus 2022Amtliche Gebäude- und Wohnungszählung mit Stichtag 15. Mai 2022; Grundlage für Leerstand und Eigentümerstruktur.
- Jahresgutachten 2024/25, Kapitel 4: „Wohnen in Deutschland: Knappheiten beheben und Zugang erleichtern“Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen EntwicklungWissenschaftliche Einschätzung zu Knappheiten, Angebotsreaktionen und Wirkung der Mietpreisbremse.
- Wohnen in der Einwanderungsgesellschaft, Jahresgutachten 2026Sachverständigenrat für Integration und MigrationWohnraumnachfrage von Menschen mit Migrationshintergrund; Anteil in städtischen Gebieten.
- Wohnkostenbelastung von Mietenden in DeutschlandInstitut Wohnen und Umwelt / Deutscher MieterbundAuswertung des Mikrozensus und Fortschreibung; Bestands- und Neuvertragsmieten sowie Wohnkostenbelastung nach Einkommensdezilen, Stand 30.03.2026.
- Zahlen und FaktenDeutscher MieterbundZusammenstellung von Wohnungs- und Mietmarktdaten auf Basis amtlicher Quellen und eigener Auswertungen.
- Wohnungsbau in Deutschland 2026 – Bedarf und ErleichterungARGE / RegioKontextBranchenstudie mit Median-Herstellungskosten für Geschosswohnungsneubau in Großstädten, 4. Quartal 2025; kein amtlicher bundesweiter Durchschnitt.
- Sozialer Wohn-Monitor 2026Pestel InstitutModellrechnung zum Wohnungsdefizit Ende 2024; Wertabhängigkeit von Annahmen zur Aktivierung langfristigen Leerstands.
- ifo Schnelldienst 10/2025: Wohnungsknappheit als sozialpolitische Herausforderungifo InstitutWissenschaftliche Beiträge zu Ursachen und Wirkungslogik des Wohnungsmarkts.
- DIW Wochenbericht 1+2/2026Deutsches Institut für WirtschaftsforschungAnalyse zur Entwicklung des Wohnungsmarkts und zu Mietdynamiken.
- Wohnungsnot in Deutschland – Zahlen, Fakten, StudienHans-Böckler-StiftungZusammenstellung aktueller Befunde zur Wohnungskrise; Stand 24.08.2026.
- Wohnimmobilienmarkt Deutschland 2024/2025DZ HYPMarktanalyse zu Nachfrage, Angebot und regionalen Unterschieden im Wohnungsmarkt.
- Wohnkosten-ÜberbelastungEurostat / Statistisches BundesamtAnteil der Bevölkerung in Haushalten mit Wohnkosten über 40 Prozent des verfügbaren Einkommens, Berichtsjahr 2025.
- Bundestagsdrucksache: Bestand der Sozialmietwohnungen Ende 2025Deutscher Bundestag (Dokumentensuche)Amtliche Antwort auf eine parlamentarische Anfrage; ca. 1,03 Millionen Sozialmietwohnungen.
- Geschäftsbericht 2025Vonovia SEOriginäre Unternehmensdaten: Bestand in Deutschland, Ist-Mieten und organische Mietentwicklung Ende 2025.
- Mietpreisbremse, Sozialer Wohnungsbau, Bau-Turbo, Gebäudetyp E, UmnutzungsförderungBundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und BauwesenAnkündigungen und Regelungen der Bundesregierung; Programmbudgets sind nicht gleich fertiggestellte Wohnungen.
- Bundestagswahlprogramm 2025 (SPD)SPDDokumentierte Programmpositionen der SPD zur Wohnungspolitik.
- Programm und Positionen zum Wohnen (Bündnis 90/Die Grünen)Bündnis 90/Die GrünenDokumentierte Programmpositionen zur Wohnungspolitik.
- Wahlprogramm von CDU und CSU 2025CDU / CSUDokumentierte Programmpositionen von CDU und CSU zur Wohnungspolitik.
- Wahlprogramm 2025 und Forderung „Regulierung im Mietmarkt abbauen“FDPDokumentierte Programmpositionen der FDP zur Wohnungspolitik.
- Wahlprogramm Bundestagswahl 2025Die LinkeDokumentierte Programmpositionen der Linken zur Wohnungspolitik.
- Bundestagswahlprogramm 2025AfDDokumentierte Programmpositionen der AfD zur Wohnungspolitik, einschließlich der Formulierung „Mehr Wohngeld statt sozialem Wohnungsbau“.
- Wahlprogramm Bundestagswahl 2025BSW – Bündnis Sahra WagenknechtDokumentierte Programmpositionen des BSW zur Wohnungspolitik.