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    politfacts Analyse

    Wohnen in Deutschland

    Warum Wohnraum in den Städten knapp und teuer ist

    Deutschland hat fast 44 Millionen Wohnungen – und trotzdem fehlen in vielen Städten bezahlbare Angebote. Die Wohnungskrise entsteht aus einer Mischung aus regionaler Knappheit, hohen Baukosten, steigender Nachfrage, weniger Sozialwohnungen und einem zunehmend gespaltenen Mietmarkt.

    43,95 Mio.

    Wohnungen Ende 2025

    Quelle: Destatis (amtlich)

    206.586

    fertiggestellte Wohnungen 2025

    Quelle: Destatis (amtlich)

    −18 %

    Baufertigstellungen gegenüber 2024

    Quelle: Destatis (amtlich)

    760.700

    genehmigte, aber Ende 2025 noch nicht fertiggestellte Wohnungen

    Quelle: Destatis (amtlich)

    ca. 1,03 Mio.

    Sozialmietwohnungen Ende 2025

    Quelle: Bundestagsdrucksache

    11,2 %

    der Bevölkerung mit Wohnkosten-Überbelastung 2025

    Quelle: Eurostat / Destatis

    Kurzantwort

    Die deutsche Wohnungskrise ist keine einfache landesweite Mengenkrise. Ende 2025 gab es knapp 44 Millionen Wohnungen. Gleichzeitig fehlen vor allem in wirtschaftsstarken Städten und Ballungsräumen Wohnungen, die hinsichtlich Lage, Größe und Preis zur Nachfrage passen.

    Die Nachfrage ist durch mehr Haushalte, kleinere Haushaltsgrößen, Binnenwanderung in attraktive Regionen und Zuwanderung gestiegen. Gleichzeitig reagiert das Wohnungsangebot langsam: Bauland ist knapp, Planungs- und Bauzeiten sind lang, Baukosten stark gestiegen und die Finanzierung ist seit der Zinswende erheblich teurer geworden.

    Besonders problematisch ist die zunehmende Trennung zwischen günstigen älteren Mietverträgen und deutlich teureren Neuvermietungen. Für Haushalte mit niedrigen Einkommen ist Wohnen deshalb immer häufiger eine erhebliche finanzielle Belastung. Große Wohnungskonzerne wie Vonovia profitieren wirtschaftlich von angespannten Märkten, sind aber nicht die alleinige Ursache der Wohnungsknappheit. Deutschlands Mietwohnungsmarkt ist deutlich breiter verteilt.

    Eine wirksame Wohnungspolitik muss deshalb mehrere Probleme gleichzeitig adressieren: mehr Wohnraum in Wachstumsregionen, niedrigere Baukosten, mehr preisgebundenen und gemeinnützigen Wohnraum, bessere Nutzung vorhandener Wohnungen, gezielte Unterstützung einkommensschwacher Haushalte, funktionierende Verkehrsverbindungen ins Umland sowie wirksamen Mieterschutz ohne den Neubau unnötig zu behindern.

    Analyse · Wohnen · WohnungspolitikStand: 2. Oktober 2026Lesedauer: ca. 28 Minuten
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    Kapitel 01

    Die zentrale Erklärung

    Nachfrage

    Mehr HaushalteZuwanderung und BinnenwanderungKleinere HaushaltsgrößenNachfragekonzentration in StädtenHöhere Wohnraumnachfrage

    Angebot

    Knappes BaulandHohe BaukostenHöhere ZinsenLange Genehmigungs- und BauzeitenRegulatorische AnforderungenAngebot reagiert langsam

    Beides zusammen

    Knappheit → höhere Neuvertrags- und Angebotsmieten → steigende Wohnkostenbelastung → geringere Umzugsmobilität → soziale Verteilungsprobleme
    Die Wohnungskrise entsteht aus mehreren miteinander verbundenen Faktoren. Keine der dargestellten Ursachen erklärt die Entwicklung allein.

    Kapitel 02

    Fast 44 Millionen Wohnungen – warum reicht das nicht?

    Ende 2025 gab es in Deutschland 43,95 Millionen Wohnungen. Gegenüber dem Vorjahr wuchs der Bestand weiter.

    Die Gesamtzahl allein sagt jedoch wenig über die tatsächliche Versorgung in einzelnen Regionen aus. Wohnraum ist ortsgebunden. Eine leerstehende Wohnung in einer schrumpfenden Region löst keinen Wohnungsmangel in München, Hamburg, Berlin, Frankfurt oder Köln.

    Hinzu kommen

    • · unterschiedliche Wohnungsgrößen
    • · Sanierungsbedarf
    • · ungeeignete Standorte
    • · Wohnungen, die nicht kurzfristig verfügbar sind
    • · Wohnraum, der preislich nicht zum Einkommen der Nachfragenden passt

    Quellen: Statistisches Bundesamt

    Kapitel 03

    Leerstand mit Vorbehalt

    Laut Zensus 2022 standen 1,925 Millionen Wohnungen leer, das sind 4,3 Prozent des gesamten Wohnungsbestands. Nur etwa 700.000 davon – rund 38 Prozent – waren innerhalb von drei Monaten beziehbar. Mehr als die Hälfte der leerstehenden Wohnungen stand bereits mindestens ein Jahr leer.

    Wohnungsleerstand laut Zensus 2022

    Amtliche Gebäude- und Wohnungszählung; Stichtag 15. Mai 2022.

    1,925 Mio.

    leerstehende Wohnungen

    4,3 %

    des gesamten Wohnungsbestands

    ca. 700.000

    innerhalb von drei Monaten beziehbar (ca. 38 %)

    Deshalb ist die Aussage

    „Es stehen doch fast zwei Millionen Wohnungen leer“

    ohne regionale und qualitative Einordnung irreführend.

    Wohnungsleerstand und Wohnungsknappheit können gleichzeitig existieren.

    Quellen: Statistisches Bundesamt / Zensus 2022

    Quellen: Statistisches Bundesamt / Zensus 2022

    Kapitel 04

    Wie groß ist die Wohnungslücke?

    Eine amtliche Zahl „fehlender Wohnungen“ existiert nicht. Das Pestel-Institut berechnet für Ende 2024 modellhaft ein Wohnungsdefizit von rund 1,4 Millionen Wohnungen, wenn langfristiger Leerstand vollständig als nicht nutzbar behandelt wird.

    Je nach Annahme zur Aktivierung leerstehender Wohnungen fällt das Defizit niedriger aus.

    Modelliertes Wohnungsdefizit Ende 2024

    Pestel-Institut: Szenarien je nach angenommener Aktivierung langfristigen Leerstands.

    Wohnungsdefizit nach Szenario
    SzenarioDefizit in Millionen Wohnungen
    0 % Aktivierung von Leerstand1,4
    40 % Aktivierung1,05
    80 % Aktivierung0,79

    Modellrechnung – kein amtlicher Befund.

    Quellen: Pestel Institut

    Hinweis

    Diese Werte sind Modellrechnungen und keine amtliche Zählung fehlender Wohnungen.

    Kapitel 05

    Nachfrage: Nicht nur die Einwohnerzahl entscheidet

    Für den Wohnungsbedarf ist die Zahl der Haushalte wichtiger als nur die Zahl der Einwohner. Wenn Menschen häufiger allein oder zu zweit leben, werden für dieselbe Bevölkerung mehr Wohnungen benötigt.

    Nachfragetreiber

    • · kleinere Haushalte
    • · mehr Singlehaushalte
    • · Alterung
    • · Binnenwanderung
    • · Zuwanderung
    • · Konzentration von Arbeitsplätzen, Hochschulen und Infrastruktur in Städten

    Kapitel 06

    Welche Rolle spielt Zuwanderung?

    Zuwanderung erhöht die Wohnraumnachfrage. Das ist ökonomisch unstrittig. Sie ist jedoch keine hinreichende Erklärung der Wohnungskrise.

    Auch ohne Zuwanderung wirken: kleinere Haushaltsgrößen, Binnenwanderung, hohe Grundstückspreise, geringe Bautätigkeit, gestiegene Finanzierungskosten, Baukosten, fehlender sozialer Wohnungsbau und die regionale Konzentration der Nachfrage.

    Nach Angaben des Sachverständigenrats für Integration und Migration leben knapp 60 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund in städtischen Gebieten, gegenüber etwa 43 Prozent der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund.

    Anteil in städtischen Gebieten

    Nach Migrationsstatus; Angaben des SVR für Integration und Migration.

    Anteil in städtischen Gebieten
    GruppeAnteil
    Mit Migrationshintergrundknapp 60 %
    Ohne Migrationshintergrundca. 43 %

    Quellen: Sachverständigenrat für Integration und Migration

    Einordnung

    Zuwanderung kann bereits angespannte Stadtmärkte zusätzlich belasten, wenn das Wohnungsangebot nicht entsprechend wächst. Formulierungen wie „Migration verursacht die Wohnungskrise“ sind so nicht belegt.

    Kapitel 07

    Der Neubau ist eingebrochen

    2025 wurden so wenige Wohnungen fertiggestellt wie seit 2012 nicht mehr: 206.586, rund 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig existierte Ende 2025 ein Bauüberhang von 760.700 bereits genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen; davon waren rund 307.200 bereits im Bau.

    Genehmigung bedeutet nicht Fertigstellung. Hohe Finanzierungskosten, Baukosten, Kapazitätsprobleme und wirtschaftlich nicht mehr tragfähige Projektkalkulationen können dazu führen, dass genehmigte Projekte verzögert oder gar nicht realisiert werden.

    Baufertigstellungen in Deutschland

    Wohnungen je Jahr; 2021 bis 2023 gerundete Werte (ca.), 2024 und 2025 amtlich.

    Baufertigstellungen
    JahrWohnungen
    2021ca. 293.000
    2022ca. 295.000
    2023ca. 294.000
    2024251.900
    2025206.586

    2025: −18 % gegenüber 2024. Niedrigster Wert seit 2012.

    Quellen: Statistisches Bundesamt · Statistisches Bundesamt

    760.700

    genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen

    307.200

    davon bereits im Bau

    Quellen: Statistisches Bundesamt · Statistisches Bundesamt

    Kapitel 08

    Warum Bauen so teuer geworden ist

    Die Baupreise für Wohngebäude sind zwischen 2010 und 2025 um rund 89 Prozent gestiegen – wesentlich stärker als die allgemeinen Verbraucherpreise (+38 Prozent).

    Die Branchenstudie ARGE/RegioKontext ermittelt für Geschosswohnungsneubau in Großstädten im vierten Quartal 2025 mediane Herstellungskosten von etwa 4.630 Euro pro Quadratmeter, einschließlich Grundstück etwa 5.390 Euro pro Quadratmeter.

    Preisentwicklung 2010–2025

    Baupreise für Wohngebäude gegenüber Verbraucherpreisen.

    Preisentwicklung 2010–2025
    GrößeSteigerung
    Baupreise Wohngebäude+89 %
    Verbraucherpreise+38 %

    Quellen: Statistisches Bundesamt · ARGE / RegioKontext

    4.630 €/m²

    Mediane Herstellungskosten Geschosswohnungsneubau Großstadt

    Branchenstudie / Median – kein amtlicher bundesweiter Durchschnitt

    ca. 5.390 €/m²

    Einschließlich Grundstück

    ARGE / RegioKontext, 4. Quartal 2025

    Grundstücke

    Bauland ist insbesondere in Wachstumsregionen knapp und teuer.

    Baukosten

    Material, Löhne und technische Gebäudekomponenten sind erheblich teurer geworden.

    Standards

    Energieeffizienz, Barrierefreiheit, Schallschutz und technische Ausstattung erhöhen Qualität, können aber auch Baukosten erhöhen.

    Finanzierung

    Die Zinswende seit 2022 hat Fremdkapital wesentlich verteuert.

    Planung

    Genehmigungen und Projektentwicklung dauern häufig Jahre.

    Kapitel 09

    Bestandsmiete ist nicht Neuvertragsmiete

    Bestandsmieten und Neuvermietungsmieten dürfen nicht miteinander verwechselt werden. Wer seit Jahren dieselbe Wohnung mietet, zahlt häufig deutlich weniger als jemand, der heute eine neue Mietwohnung sucht – im selben Stadtteil.

    Bruttokaltmiete nach Einzugszeit (2024)

    Bestandsverträge vor 2020 gegenüber Verträgen ab 2020, in Euro je Quadratmeter.

    Einzug vor 2020Einzug ab 2020

    Deutschland

    Berlin

    München

    Bruttokaltmiete nach Einzugszeit
    RegionEinzug vor 2020Einzug ab 2020
    Deutschland8,6 €/m²10,6 €/m²
    Berlin9,4 €/m²12,9 €/m²
    München14,2 €/m²19,4 €/m²

    Quelle: IWU / Deutscher Mieterbund, Mikrozensus-Auswertung und Fortschreibung.

    Quellen: Institut Wohnen und Umwelt / Deutscher Mieterbund · Deutscher Mieterbund

    Kapitel 10

    Der Lock-in-Effekt: Warum selbst eine kleinere Wohnung teurer sein kann

    Wer einen älteren Mietvertrag besitzt, zahlt häufig deutlich weniger je Quadratmeter als bei einem Umzug. Dadurch können Haushalte in Wohnungen bleiben, die eigentlich nicht mehr optimal zur Haushaltsgröße passen. Eine kleinere Wohnung kann trotz geringerer Fläche insgesamt teurer sein.

    Bestandswohnung

    80 m² × niedrige Bestandsmiete

    Häufig insgesamt geringere Miete als eine kleinere Wohnung am heutigen Mietniveau.

    Neue Wohnung

    55 m² × hohe Neuvertragsmiete

    Kann trotz geringerer Fläche insgesamt teurer sein.

    Folgen

    • · weniger Umzüge
    • · schlechtere Verteilung des Bestands
    • · weniger freie Familienwohnungen
    • · stärkere Trennung zwischen Bestandsmietern und Wohnungssuchenden

    Quellen: Institut Wohnen und Umwelt / Deutscher Mieterbund · Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung

    Kapitel 11

    Das eigentliche Problem ist nicht nur die Miete – sondern die Miete im Verhältnis zum Einkommen

    Durchschnittlich gaben Mietende 2025 rund 31 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens für Wohnen aus. Die Belastung ist jedoch ungleich verteilt: Im untersten Einkommensdezil entfielen im Durchschnitt rund 60 Prozent des Einkommens auf Wohnen (Median: ca. 53 Prozent), in den untersten drei Dezilen rund 48 Prozent – im obersten Dezil nur rund 16 Prozent.

    11,2 Prozent der Bevölkerung Deutschlands lebten 2025 in Haushalten, deren Wohnkosten mehr als 40 Prozent des verfügbaren Einkommens beanspruchten.

    Wohnkostenbelastung nach Einkommensdezilen

    Anteil der Wohnkosten am Haushaltsnettoeinkommen; orange markiert die stärker belasteten Gruppen.

    Wohnkostenbelastung
    GruppeAnteil am Nettoeinkommen
    Alle Mietenden (Ø)31 %
    Unterstes Dezil (Ø)60 %
    Unterstes Dezil (Median)53 %
    Unterste drei Dezile (Ø)48 %
    Oberstes Dezil (Ø)16 %

    Quellen: Institut Wohnen und Umwelt / Deutscher Mieterbund · Eurostat / Statistisches Bundesamt · Statistisches Bundesamt

    Quellen: Institut Wohnen und Umwelt / Deutscher Mieterbund · Eurostat / Statistisches Bundesamt

    Kapitel 12

    Wer besonders betroffen ist

    Junge Menschen

    Geringe Einkommen, hoher Anteil der Miete am Einkommen, kleine Wohnungen besonders knapp.

    Familien

    Benötigen größere Wohnungen, hohe absolute Mietkosten; Familienwohnungen in Städten knapp.

    Alleinerziehende

    Häufig geringeres Haushaltseinkommen, erschwerter Zugang.

    Ältere Menschen

    Teilweise große Bestandswohnungen, aber oft keine kleinere, günstigere Alternative; Barrierefreiheit fehlt.

    Menschen mit Behinderungen

    Zusätzlicher Bedarf an barrierefreiem und inklusivem Wohnraum.

    Quellen: Institut Wohnen und Umwelt / Deutscher Mieterbund · Hans-Böckler-Stiftung

    Kapitel 13

    Nur noch rund eine Million Sozialmietwohnungen

    Ende 2025 gab es in Deutschland rund 1,03 Millionen Sozialmietwohnungen. Sozialwohnungen bleiben nicht automatisch dauerhaft Sozialwohnungen: Nach Ablauf der Mietpreis- und Belegungsbindung wechseln sie in den normalen Wohnungsmarkt.

    Deshalb kann trotz Neubau geförderter Wohnungen der Gesamtbestand sinken, wenn gleichzeitig mehr ältere Bindungen auslaufen.

    Wohngeld

    Subjektförderung

    Unterstützt Haushalte finanziell.

    Sozialwohnung

    Objektförderung

    Schafft bzw. reserviert preisgebundenen Wohnraum.

    Beides löst unterschiedliche Probleme.

    Quellen: Deutscher Bundestag (Dokumentensuche) · Pestel Institut · Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen

    Kapitel 14

    Sind große Wohnungskonzerne schuld an hohen Mieten?

    Kurzantwort

    Sie sind Teil des Problems, aber keine ausreichende Erklärung der Wohnungskrise.

    Die Eigentümerstruktur der vermieteten Wohnungen ist laut Zensus 2022 deutlich breiter verteilt als oft diskutiert. Privatpersonen sind mit deutlichem Abstand die größte Gruppe.

    Eigentümerstruktur vermieteter Wohnungen (Zensus 2022)

    Anteile an den vermieteten Wohnungen in Deutschland.

    • Privatpersonen43 %
    • Wohnungseigentümergemeinschaften20,5 %
    • Privatwirtschaftliche Wohnungsunternehmen11,3 %
    • Kommunen / kommunale Unternehmen10,9 %
    • Genossenschaften9 %
    • Sonstige Eigentümer5,3 %
    Eigentümerstruktur vermieteter Wohnungen
    EigentümergruppeAnteil
    Privatpersonen43 %
    Wohnungseigentümergemeinschaften20,5 %
    Privatwirtschaftliche Wohnungsunternehmen11,3 %
    Kommunen / kommunale Unternehmen10,9 %
    Genossenschaften9 %
    Sonstige Eigentümer5,3 %

    Quellen: Statistisches Bundesamt / Zensus 2022

    Vonovia

    471.153

    Wohnungen in Deutschland Ende 2025

    ca. 2 %

    des deutschen Mietwohnungsbestands

    rund 1,1 %

    aller Wohnungen

    Wichtiger Hinweis: Die Zeitstände unterscheiden sich – Vonovia-Angabe 2025, Zensus-Mietwohnungsbestand 2022.

    Vonovia ist damit der größte einzelne private Wohnungsanbieter, aber kein bundesweiter Monopolist. Regional kann der Einfluss wesentlich größer sein, weil das Portfolio auf große Städte und Ballungsräume konzentriert ist.

    Quellen: Vonovia SE · Statistisches Bundesamt / Zensus 2022

    Kapitel 15

    Wie Wohnungskonzerne profitieren – und was Kommunen und Genossenschaften anders machen

    Börsennotierte Wohnungsgesellschaften sind renditeorientierte Unternehmen. In angespannten Märkten entstehen Ertragspotenziale durch steigende Marktmieten, geringe Leerstände, Wiedervermietungen, Modernisierung, Nachverdichtung und Neubau.

    Vonovia meldete Ende 2025 in Deutschland eine durchschnittliche Ist-Miete von 8,19 Euro pro Quadratmeter (Ende 2024: 7,89 Euro) und ein organisches Mietwachstum von rund 4 Prozent.

    Vonovia: Ist-Miete in Deutschland

    Durchschnittliche Ist-Miete in Euro je Quadratmeter.

    Vonovia Ist-Miete
    ZeitpunktIst-Miete
    Ende 20247,89 €/m²
    Ende 20258,19 €/m²

    Quellen: Vonovia SE

    Einordnung

    Daraus folgt nicht, dass Vonovia die bundesweite Wohnungsknappheit verursacht hat. Plausibel ist vielmehr: Große professionelle Bestandshalter können vorhandene Knappheit systematischer wirtschaftlich nutzen als viele kleine Vermieter. Gleichzeitig verfügen sie über Skaleneffekte bei Finanzierung, Verwaltung, Sanierung, Beschaffung und serieller Modernisierung.

    Kommunal und genossenschaftlich

    Kommunale Wohnungsgesellschaften verfolgen neben wirtschaftlichen Anforderungen einen öffentlichen Versorgungsauftrag. Genossenschaften arbeiten typischerweise nicht nach demselben Renditemodell wie börsennotierte Unternehmen. Vorteil: Mieten können langfristiger stabilisiert werden.

    Aber: Auch kommunale und genossenschaftliche Unternehmen können die Knappheit nur reduzieren, wenn tatsächlich zusätzlicher Wohnraum entsteht oder Bestand aktiviert wird.

    Quellen: Vonovia SE

    Kapitel 16

    Was Mietregulierung kann – und was nicht

    Mietregulierung schafft keine zusätzliche Wohnung. Sie kann aber den Preisanstieg innerhalb eines knappen Marktes begrenzen.

    Die bundesweite Mietpreisbremse gilt inzwischen bis Ende 2029. In ausgewiesenen angespannten Wohnungsmärkten darf die Miete bei einer Neuvermietung grundsätzlich höchstens 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Ausnahmen bleiben bestehen.

    Wissenschaftliche Einordnung: Der Sachverständigenrat kommt für die bisherige Mietpreisbremse zu dem Ergebnis, dass ein negativer Neubau-Effekt nicht empirisch nachgewiesen ist. Bei wesentlich strengeren Preisregulierungen wie dem früheren Berliner Mietendeckel zeigen Studien dagegen deutlichere Nebenwirkungen auf Angebot und Marktsegmentierung.

    Mietregulierung kann kurzfristig schützen. Sie beseitigt aber nicht die zugrunde liegende Wohnungsknappheit.

    Quellen: Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung · Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen · ifo Institut

    Kapitel 17

    Welche Maßnahmen werden durch die Evidenz gestützt?

    Keine Rangliste – sechs Kategorien mit jeweils unterschiedlichen Wirkungswegen und Zielkonflikten.

    A. Mehr Wohnungen dort bauen, wo sie gebraucht werden

    Nachverdichtung · Dachausbau · Aufstockung · Baulandmobilisierung · Umnutzung geeigneter Büro- und Gewerbeflächen · gezielte Außenentwicklung · ÖPNV-Anbindung des Umlands

    B. Baukosten reduzieren

    Vereinfachte Standards · Gebäudetyp E · serielles und modulares Bauen · harmonisierte Bauordnungen · digitale Genehmigungen · schnellere Verfahren

    C. Sozialen und gemeinnützigen Bestand vergrößern

    Mehr Sozialwohnungen · längere oder dauerhafte Bindungen · kommunale Gesellschaften · Genossenschaften · Wohngemeinnützigkeit

    D. Bestand besser nutzen

    Wohnungstausch · Umzugshilfen · kleinere barrierefreie Wohnungen · Leerstandsaktivierung · Umbau und Teilung großer Wohnungen

    E. Haushalte gezielt unterstützen

    Wohngeld · Kosten der Unterkunft · Härtefallregelungen

    F. Mieterschutz

    Mietpreisbremse · Regeln gegen Mietwucher · transparente Mietspiegel · Schutz vor missbräuchlicher Kurzzeitvermietung

    Quellen: Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung · ifo Institut · Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung

    Kapitel 18

    Was die Bundesregierung bereits angestoßen hat

    Stand der Analyse deutlich gekennzeichnet: Diese Übersicht beschreibt beschlossene und angekündigte Maßnahmen der Bundesregierung – nicht deren Wirkung.

    MietpreisbremseVerlängert bis 31.12.2029
    Sozialer WohnungsbauBundesmittel 2025–2029 insgesamt 23,5 Mrd. Euro; 2026 rund 4 Mrd. Euro
    Bau-Turbo§ 246e BauGB ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen schnellere Planung und Genehmigung
    Gebäudetyp EVereinfachungen beim Bauen in Vorbereitung bzw. Weiterentwicklung
    Umnutzung Gewerbe → WohnenBundesförderung 2026

    Wichtiger Hinweis

    Programmbudgets sind keine fertiggestellten Wohnungen. Zu unterscheiden wären: angekündigte Mittel, bewilligte Projekte, Baubeginn und Fertigstellung.

    Quellen: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen

    Kapitel 19

    Was die Parteien bei der Bundestagswahl 2025 wollten

    Die Bundestagswahlprogramme 2025 unterscheiden sich weniger darin, ob Wohnen als Problem erkannt wird, sondern vor allem darin, welcher Mechanismus im Mittelpunkt steht. Ein Teil der Parteien setzt stärker auf Mietregulierung, öffentlichen und gemeinnützigen Wohnungsbau sowie direkte Eingriffe in Bestandsmieten. Andere setzen stärker auf niedrigere Baukosten, Deregulierung, private Investitionen, Wohngeld und Wohneigentum.

    Diese Ansätze adressieren unterschiedliche Teile der Wohnungskrise und haben unterschiedliche Zielkonflikte.

    SPD

    • · Mietpreisbremse dauerhaft verlängern und erweitern
    • · Umgehung über möblierte und befristete Vermietungen begrenzen
    • · Indexmieten stärker begrenzen, Mietwucher stärker verfolgen
    • · Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen stärker begrenzen
    • · Sozialer Wohnungsbau auf hohem Niveau, Wohngemeinnützigkeit stärken
    • · Genossenschaften und Wohnungsbaugesellschaften unterstützen
    • · Genehmigungen beschleunigen, privaten Wohnungsbau ebenfalls fördern

    Evidenz-Einordnung: Die SPD kombiniert direkten Mieterschutz mit Angebotsausweitung und sozialem Wohnungsbau. Das adressiert sowohl kurzfristige Belastungen als auch Teile des strukturellen Angebotsproblems.

    Zielkonflikt: Strengere Mietregulierung kann Investitionsanreize beeinflussen; die Wirkung hängt von Ausgestaltung und Umfang ab.

    Quellen: SPD

    Bündnis 90/Die Grünen

    • · Mietpreisbremse verlängern, verschärfen und Lücken schließen
    • · Stärkere Regulierung möblierter Vermietung
    • · In angespannten Märkten stärkere Begrenzung von Mietsteigerungen
    • · Kündigungsschutz stärken, Wohnungstausch erleichtern
    • · Sozialen Wohnungsbau stärker fördern, neue Wohngemeinnützigkeit ausbauen
    • · Aufstockung, Dachausbau, Umwandlung von Büroflächen, Leerstandsaktivierung
    • · Baurecht vereinfachen, Genehmigungen digitalisieren und beschleunigen

    Evidenz-Einordnung: Die Grünen kombinieren Mieterschutz, Bestandsmobilisierung und zusätzlichen sozialen sowie privaten Wohnungsbau. Der Schwerpunkt auf Aufstockung, Umnutzung und Bestand greift Potenziale auf, die auch der Sachverständigenrat hervorhebt.

    Zielkonflikt: Schärfere Regulierung einzelner Marktsegmente kann die Beweglichkeit des Marktes beeinflussen; die Wirkung hängt von der Ausgestaltung ab.

    Quellen: Bündnis 90/Die Grünen

    CDU/CSU

    • · Mehr Wohnungsangebot als zentraler Ansatz
    • · Bauordnungs- und Raumordnungsrecht vereinfachen, Bauvorschriften reduzieren
    • · Mehr Bauland, einfaches und innovatives Bauen, schnellere Verfahren
    • · Mieterschutz einschließlich Regeln zur Miethöhe erhalten
    • · Sozialen Wohnungsbau weiter fördern
    • · Wohngeld regelmäßig anpassen

    Evidenz-Einordnung: CDU/CSU setzen deutlich stärker auf die Angebotsseite. Das entspricht dem Befund, dass langfristig mehr Wohnraum in Wachstumsregionen benötigt wird und hohe Baukosten ein wesentliches Hindernis darstellen.

    Zielkonflikt: Kurzfristig hängt die Entlastung bestehender Mieter stärker von den verbleibenden Mieterschutzinstrumenten ab.

    Quellen: CDU / CSU

    FDP

    • · Mietpreisbremse auslaufen lassen, keinen bundesweiten Mietendeckel
    • · Mehr Spielraum für Index- und Staffelmieten
    • · Bauvorschriften reduzieren, Genehmigungen beschleunigen
    • · Serielles Bauen, Gebäudetyp E, mehr Bauland
    • · Steuerliche Abschreibungen verbessern, private Investitionen fördern
    • · Wohngeld als gezieltes Unterstützungsinstrument

    Evidenz-Einordnung: Die FDP setzt besonders stark auf Angebotsausweitung und private Investitionsanreize. Dieser Ansatz adressiert Baukosten und Investitionen direkt.

    Zielkonflikt: Das Auslaufen der Mietpreisbremse würde den unmittelbaren gesetzlichen Schutz von Mietern bei Neuvermietungen reduzieren. Die langfristige Entlastungswirkung hängt stark davon ab, ob die Maßnahmen tatsächlich zu einem ausreichend großen zusätzlichen Angebot führen.

    Quellen: FDP

    Die Linke

    • · Bundesweiter Mietendeckel, sechs Jahre keine Mieterhöhungen als Sofortmaßnahme
    • · Besonders hohe Mieten in angespannten Märkten senken
    • · Staffelmieten und Indexmieten verbieten
    • · Kündigungsschutz ausweiten, Modernisierungsumlage abschaffen
    • · Wohnungstausch zu Bestandsmieten erleichtern
    • · Jährlich 20 Mrd. Euro für gemeinnützigen Wohnungsbau
    • · Große Immobilienkonzerne mit mehr als 3.000 Wohnungen vergesellschaften

    Evidenz-Einordnung: Die Linke setzt am stärksten auf unmittelbare Mietpreisbegrenzung und eine Verschiebung des Wohnungsbestands in öffentliche bzw. gemeinnützige Strukturen. Mietpreisbegrenzungen können bestehende Mieter kurzfristig stark schützen.

    Zielkonflikt: Sehr weitgehende Preisdeckel können jedoch stärkere Auswirkungen auf Investitionsanreize und Wohnungsangebot haben als die bestehende Mietpreisbremse. Die Wirkung des geplanten öffentlichen Wohnungsbaus hängt zudem von Finanzierung, Baukapazitäten und tatsächlichen Fertigstellungen ab.

    Quellen: Die Linke

    BSW

    • · Bundesweiter Mietendeckel
    • · In angespannten Regionen Mieten bis Ende des Jahrzehnts einfrieren
    • · Gemeinnützigen und kommunalen Wohnungsbau stark ausweiten
    • · Dauerhafte Sozialbindungen, zinsvergünstigte Kredite
    • · Bauvorschriften auf Kostenwirkung überprüfen, serielles Bauen erleichtern
    • · Leerstand und Umwandlung in Ferienwohnungen stärker regulieren
    • · Aktive Bodenpolitik

    Evidenz-Einordnung: Das BSW verbindet starke Mietregulierung mit einem Ausbau des gemeinnützigen Sektors und gleichzeitig Maßnahmen zur Senkung der Baukosten.

    Zielkonflikt: Wie bei anderen weitgehenden Mietendeckeln besteht ein möglicher Zielkonflikt zwischen kurzfristigem Mieterschutz und langfristigen Investitionsanreizen.

    Quellen: BSW – Bündnis Sahra Wagenknecht

    AfD

    • · Mietpreisbremse und Mietendeckel ablehnen (als Investitionshemmnisse bezeichnet)
    • · Bau- und Mietrecht deregulieren, Baukosten und Nebenkosten reduzieren
    • · Eigentumsbildung fördern, Umwandlungshemmnisse abbauen
    • · Mieter beim Erwerb von Wohneigentum unterstützen
    • · Öffentlichen Wohnungsbestand teilweise an Mieter verkaufen
    • · Stärker auf Wohngeld setzen
    • · Sozialen Wohnungsbau ausdrücklich zugunsten von Wohngeld zurückfahren: „Mehr Wohngeld statt sozialem Wohnungsbau“

    Evidenz-Einordnung: Der Ansatz adressiert Investitionskosten, Eigentumsbildung und die Zahlungsfähigkeit einkommensschwacher Haushalte. Wohngeld erhöht jedoch nicht unmittelbar das Wohnungsangebot und schafft keine dauerhaften Mietpreis- oder Belegungsbindungen. Der Verzicht auf Mietpreisbremse und Mietendeckel bedeutet zugleich weniger unmittelbare Preisregulierung bei Neuvermietungen.

    Zielkonflikt: Ob die Deregulierung längerfristig zu ausreichend zusätzlichem Wohnraum und damit niedrigeren Marktmieten führt, hängt davon ab, wie stark Investitionen und Fertigstellungen tatsächlich reagieren.

    Quellen: AfD

    Programmpositionen im Überblick

    Dokumentierte Positionen aus den Bundestagswahlprogrammen 2025, neutral gegenübergestellt. Keine Bewertung, keine Rangliste.

    ParteiMieterschutzNeubau / BaukostenSozialer WohnungsbauWohngeldKonzerne / Eigentum
    SPDDauerhaft verlängern und erweiternGenehmigungen beschleunigen, privaten Wohnungsbau fördernAuf hohem Niveau fortführenVorhanden, kein SchwerpunktUmwandlungen stärker begrenzen
    GrüneVerlängern, verschärfen, Lücken schließenBaurecht vereinfachen, Genehmigungen digitalisierenStärker fördern, Wohngemeinnützigkeit ausbauenGrundsätzlich vorgesehen, kein SchwerpunktUmwandlungen begrenzen
    CDU/CSUEinschließlich Regeln zur Miethöhe erhaltenZentraler Ansatz: Vorschriften reduzieren, Bauland, schnelle VerfahrenWeiter fördernRegelmäßig anpassenKein zentrales Thema
    FDPMietpreisbremse auslaufen lassenZentraler Ansatz: Deregulierung, seriell bauen, InvestitionsanreizeKein SchwerpunktGezieltes UnterstützungsinstrumentKein zentrales Thema
    LinkeBundesweiter Mietendeckel, Mieten senkenWeniger betontStarker Ausbau: jährlich 20 Mrd. EuroGrundsätzlich vorgesehen, kein SchwerpunktVergesellschaftung großer Konzerne
    BSWBundesweiter Mietendeckel, Mieten einfrierenBauvorschriften auf Kostenwirkung prüfen, seriell bauenStarker Ausbau, dauerhafte BindungenGrundsätzlich vorgesehen, kein SchwerpunktLeerstand stärker regulieren
    AfDAblehnenZentraler Ansatz: Deregulierung, Kosten senkenZurückfahren zugunsten von WohngeldZentraler AnsatzBestand teilweise verkaufen, Eigentumsbildung fördern

    Bei Parteien ausschließlich dokumentierte Positionen aus den Bundestagswahlprogrammen 2025.

    Quellen: SPD · Bündnis 90/Die Grünen · CDU / CSU · FDP · Die Linke · BSW – Bündnis Sahra Wagenknecht · AfD

    Kapitel 20

    Welche Strategie adressiert welches Problem?

    1. Kurzfristiger Schutz bestehender Mieter

    Stärkerer Fokus: Linke, BSW, SPD, Grüne. Instrumente: Mietendeckel, Mietpreisbremse, Kappungsgrenzen, Kündigungsschutz. Wirkungslogik: schützt vor schnellen Mietsteigerungen. Grenze: schafft keinen zusätzlichen Wohnraum.

    2. Neubau und Angebotsausweitung

    Stärkerer Fokus: CDU/CSU, FDP, AfD – aber ebenfalls Bestandteil von SPD, Grüne und BSW. Instrumente: Deregulierung, Bauland, Gebäudetyp E, Genehmigungsbeschleunigung, Investitionsanreize. Wirkungslogik: kann das Angebot langfristig erhöhen. Grenze: Neubau benötigt Jahre und ist bei heutigen Kosten häufig zunächst teuer.

    3. Sozialer und gemeinnütziger Bestand

    Besonders starker Fokus: Linke, BSW, SPD, Grüne. CDU/CSU: sozialen Wohnungsbau weiter fördern. AfD: setzt stattdessen stärker auf Wohngeld. FDP: Schwerpunkt stärker auf Wohngeld und private Investitionen. Wirkungslogik: schafft Wohnungen mit Mietpreis- und Belegungsbindungen. Grenze: hoher Finanzierungsbedarf und lange Realisierungszeiten.

    4. Subjektförderung / Wohngeld

    Besonders betont: AfD, FDP, CDU/CSU – auch von anderen Parteien grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Wirkungslogik: hilft einkommensschwachen Haushalten unmittelbar. Grenze: schafft selbst keine neue Wohnung und verändert das Mietangebot nicht.

    Kapitel 21

    Zentraler politischer Befund

    Die Programme unterscheiden sich vor allem darin, ob sie zuerst den Preis, das Angebot oder die Zahlungsfähigkeit der Haushalte beeinflussen wollen.
    Mietregulierung→ wirkt direkt auf Preise→ schafft aber keinen Wohnraum
    Neubau / Deregulierung→ kann Angebot erhöhen→ benötigt Zeit
    Sozialer Wohnungsbau→ schafft preisgebundenes Angebot→ benötigt öffentliche Mittel und Baukapazität
    Wohngeld→ entlastet Haushalte→ schafft keine Wohnung
    Gemeinnütziger / kommunaler Bestand→ kann Mietpreise langfristiger stabilisieren→ muss ebenfalls gebaut oder erworben werden

    Nach der ausgewerteten Evidenz gibt es kein einzelnes Instrument, das alle Ursachen der Wohnungskrise gleichzeitig adressiert.

    Kapitel 22

    Häufige Behauptungen im Faktencheck

    „Migration ist die Ursache der Wohnungskrise.“

    Unvollständig.

    Zuwanderung erhöht die Nachfrage, ist aber nur einer von mehreren Faktoren.

    „Vonovia macht die Wohnungen teuer.“

    Zu pauschal.

    Große Konzerne nutzen vorhandene Knappheit wirtschaftlich, besitzen bundesweit aber nur einen begrenzten Marktanteil.

    „Es gibt genug Wohnungen – fast zwei Millionen stehen leer.“

    Irreführend.

    Leerstand ist regional verteilt und häufig nicht kurzfristig nutzbar.

    „Die Mietpreisbremse hat den Neubau zerstört.“

    So nicht belegt.

    Der Sachverständigenrat sieht für die bisherige Mietpreisbremse keinen nachgewiesenen Neubau-Effekt.

    „Wenn einfach mehr gebaut wird, sinken die Mieten automatisch.“

    Zu einfach.

    Mehr Angebot ist langfristig zentral. Bei heutigen Baukosten entsteht frei finanzierter Neubau aber häufig zunächst im hochpreisigen Segment.

    „Bauvorschriften sind der Hauptgrund für hohe Mieten.“

    Unvollständig.

    Regulierung ist ein Faktor neben Grundstückspreisen, Finanzierung, Material, Löhnen, technischen Standards, Projektlaufzeiten und Marktrisiken.

    Kapitel 23

    Die Wohnungskrise hat keine einzelne Ursache – und keine einzelne Lösung

    Deutschlands Wohnungsproblem ist vor allem eine regional konzentrierte Knappheits-, Kosten- und Verteilungskrise. In prosperierenden Städten trifft hohe Nachfrage auf ein Angebot, das wegen knappen Baulands, langer Projektlaufzeiten, stark gestiegener Baukosten und höherer Finanzierungskosten nur langsam wächst.

    Gleichzeitig schützt das Mietrecht Millionen Bestandsmieter vor der vollständigen Marktdynamik. Dadurch entstehen jedoch große Unterschiede zwischen bestehenden und neuen Mietverträgen. Das erschwert Umzüge und kann dazu führen, dass vorhandener Wohnraum nicht optimal genutzt wird.

    Große Wohnungsgesellschaften sind relevante Akteure und können von angespannten Märkten profitieren. Sie sind jedoch nicht die alleinige Ursache der Wohnungsknappheit.

    Eine langfristig tragfähige Wohnungspolitik muss deshalb gleichzeitig: zusätzlich bauen, günstiger bauen, preisgebundenen Wohnraum schaffen, vorhandenen Wohnraum besser nutzen, einkommensschwache Haushalte schützen, Mieterschutz gewährleisten und Wachstum von Städten mit leistungsfähigem ÖPNV und Umlandentwicklung verbinden.

    Keine der untersuchten politischen Strategien adressiert sämtliche Ursachen allein.

    Kapitel 24

    Zahlencheck

    KennzahlWertStandQuellentyp
    Wohnungsbestand43,95 Mio.Ende 2025Destatis / amtlich
    Baufertigstellungen206.5862025Destatis / amtlich
    Bauüberhang760.700Ende 2025Destatis / amtlich
    Leerstand1,925 Mio. / 4,3 %Zensus 2022Amtlich
    Kurzfristig beziehbarer Leerstandca. 700.000 / 38 %Zensus 2022Amtlich
    Sozialmietwohnungenca. 1,03 Mio.Ende 2025Bundestagsdrucksache
    Baupreise Wohngebäude+89 %2010–2025Destatis
    Wohnkosten-Überbelastung11,2 %2025Eurostat / Destatis
    Vonovia Deutschland471.153 WohnungenEnde 2025Unternehmensbericht
    Privatwirtschaftliche Wohnungsunternehmen11,3 % der vermieteten Wohnungen2022Zensus
    Modelliertes Wohnungsdefizitca. 1,4 Mio.Ende 2024Pestel-Modell, nicht amtlich
    Herstellungskosten Großstadtneubauca. 4.630 €/m²Q4 2025ARGE-Branchenstudie

    Kapitel 25

    Wie wir gearbeitet haben

    Die Analyse kombiniert amtliche Daten, wissenschaftliche Untersuchungen, Branchenstudien und originäre Unternehmensdaten.

    Amtliche Bestandszahlen werden von Modellrechnungen ausdrücklich getrennt. Bei Studien im Auftrag von Verbänden oder Unternehmen wird der Interessenbezug transparent ausgewiesen.

    Bei Wahlprogrammen wird dargestellt, was die Parteien selbst zur Bundestagswahl 2025 angekündigt haben. Die Einordnung der möglichen Wirkungen erfolgt anhand der zuvor dargestellten empirischen und ökonomischen Befunde.

    Korrelationen werden nicht als Kausalität dargestellt. Zeitstände der verwendeten Daten sind an jeder Grafik sichtbar.

    Kapitel 26

    Quellen

    Die Analyse stützt sich auf die folgenden Originalveröffentlichungen. Die Hinweise benennen jeweils Datentyp, Zeitstand oder methodische Grenze.

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