Datenanalyse · Bundestagswahl 2025
AfD-Wählerschaft: Profil, Motive und Mythen
Die AfD ist besonders stark bei Männern, Menschen mittleren Alters, Arbeitern und in Ostdeutschland. Ihre Wählerschaft ist trotzdem breiter, als gängige Stereotype vermuten lassen. Eine Analyse amtlicher Wahldaten und aktueller Studien zeigt, was sie verbindet – und was nicht.
Leitfrage: Welche Bevölkerungsgruppen wählen die AfD besonders häufig – und welche Motive verbinden ihre heterogene Wählerschaft?
- Autor:
- politfacts
- Datenstand:
- 28. August 2026
- Lesedauer:
- ca. 16 Minuten
25,1 %
AfD-Zweitstimmenanteil unter Männern 2025
≈ 60 %
Männeranteil an der AfD-Wählerschaft
90 %
Anteil der AfD-wählenden Erwerbspersonen, für die eine Begrenzung der Migration „sehr wichtig“ ist
66 %
Anteil der AfD-Wählenden, die ihre Entscheidung mit Überzeugung statt Enttäuschung begründeten
Die Werte stammen aus unterschiedlichen Erhebungen und Grundgesamtheiten. Sie dürfen nicht direkt miteinander verrechnet werden.
Die kurze Antwort
Die AfD ist keine Partei ausschließlich junger Männer, Arbeitsloser oder einkommensarmer Menschen. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte sie besonders hohe Anteile bei Männern und in den mittleren Altersgruppen. Im Erwerbspersonenpanel des WSI war sie bei Personen mit Haupt- oder Volksschulabschluss, bei Arbeitern und in Ostdeutschland überdurchschnittlich stark. Zugleich bestand ihre Wählerschaft mehrheitlich nicht aus Arbeitern und auch nicht aus jungen Männern.
Inhaltlich verbindet die meisten AfD-Wählenden vor allem der Wunsch nach einer stärkeren Begrenzung von Migration. Hinzu kommen Misstrauen in politische Institutionen, pessimistische Erwartungen für das Land und subjektive Abstiegs- oder Benachteiligungsgefühle. Die Forschung spricht eher für ein Bündel aus kulturellen, politischen und ökonomischen Wahrnehmungen als für eine einzige Ursache.
Häufig gewählt – aber nicht automatisch die größte Gruppe
Ein hoher AfD-Anteil innerhalb einer Bevölkerungsgruppe sagt nicht, dass diese Gruppe den größten Teil der AfD-Wählerschaft stellt. Arbeiter wählten die AfD im WSI-Panel besonders häufig. Wegen der viel größeren Zahl von Angestellten kamen auf einen AfD-wählenden Arbeiter trotzdem ungefähr drei AfD-wählende Angestellte. Derselbe Denkfehler prägt die Debatte über junge Männer: Ihr AfD-Anteil war hoch, ihr Anteil an allen AfD-Stimmen aber klein.
Grafik 1
Zwei Perspektiven, zwei Aussagen
Die linke Seite zeigt, wie häufig eine Gruppe AfD wählte; die rechte Seite zeigt, welchen Anteil sie an allen AfD-Stimmen ausmacht.
AfD-Anteil innerhalb der Gruppe
- Männer, Bundestagswahl 202525,1 %
- Frauen, Bundestagswahl 202516,6 %
- Arbeiter, WSI-Panel 202536 %
- Angestellte, WSI-Panel 202518 %
Anteil an der gesamten AfD-Wählerschaft
- Männer, Bundestagswahl 2025ca. 60 %
- Frauen, Bundestagswahl 2025ca. 40 %
- Arbeiter, WSI-Panel 2025ca. 19 %
Angestellte im Verhältnis zu Arbeitern unter den AfD-Wählenden im WSI-Panel 2025: ungefähr 3 : 1.
Die beiden Seiten verwenden teilweise unterschiedliche Grundgesamtheiten. Die Werte dienen der Erklärung zweier statistischer Perspektiven, nicht einem direkten Gruppenvergleich.
Quelle: Repräsentative Wahlstatistik zur Bundestagswahl 2025, Bundeswahlleiterin; WSI-Erwerbspersonenpanel, Befragung März 2025 (n = 6.671) · Grundgesamtheit: Wählende der Bundestagswahl 2025 bzw. Erwerbspersonen im WSI-Panel · Erhebung: 2025
| Gruppe | Anteil in der Gruppe | Anteil an AfD-Stimmen |
|---|---|---|
| Männer, BTW 2025 | 25,1 % | ca. 60 % |
| Frauen, BTW 2025 | 16,6 % | ca. 40 % |
| Arbeiter, WSI-Panel | 36 % | ca. 19 % |
| Angestellte, WSI-Panel | 18 % | – |
Die Angaben aus amtlicher Wahlstatistik und WSI-Panel beruhen auf unterschiedlichen Grundgesamtheiten und werden nicht miteinander verrechnet.
Die Mitte des Erwerbsalters prägt das Bild
Bei Männern erreichte die AfD ihre höchsten Zweitstimmenanteile in den Altersgruppen von 35 bis 44 Jahren und von 45 bis 59 Jahren. Das widerlegt die verbreitete Vorstellung, die Partei werde hauptsächlich von sehr jungen Männern getragen. Junge Männer fielen 2025 durch einen hohen AfD-Anteil auf, stellten wegen ihrer kleinen Bevölkerungsgruppe aber nur rund vier Prozent der gesamten AfD-Wählerschaft.
Grafik 2
Nicht die Jüngsten, sondern Männer mittleren Alters wählen die AfD am häufigsten
Der AfD-Zweitstimmenanteil unter Männern war 2025 in den Altersgruppen 35 bis 44 und 45 bis 59 Jahre am höchsten.
- 18–2425,2 %
- 25–3425,6 %
- 35–4431,9 %
- 45–5930,4 %
- 60–6924,5 %
- 70+13,7 %
Grundlage sind gekennzeichnete tatsächliche Stimmzettel, nicht eine Nachwahlbefragung.
Quelle: Repräsentative Wahlstatistik zur Bundestagswahl 2025, Bundeswahlleiterin · Grundgesamtheit: Männliche Wählende, ausgewählte tatsächliche Stimmzettel · Erhebung: Bundestagswahl 2025
| Altersgruppe | AfD-Anteil |
|---|---|
| 18–24 | 25,2 % |
| 25–34 | 25,6 % |
| 35–44 | 31,9 % |
| 45–59 | 30,4 % |
| 60–69 | 24,5 % |
| 70+ | 13,7 % |
Die repräsentative Wahlstatistik erfasst Alter und Geschlecht anhand gekennzeichneter Stimmzettel aus 2.689 Wahlbezirken. Motive werden dabei nicht erhoben.
Grafik 3
Fast 70 Prozent der AfD-Wählerschaft sind 35 bis 69 Jahre alt
Die Altersgruppen zwischen 35 und 69 Jahren stellen zusammen den größten Teil aller AfD-Stimmen.
- 18–246,2 %
- 25–3412,5 %
- 35–4419,7 %
- 45–5929,9 %
- 60–6919,7 %
- 70+12,1 %
Rundungsbedingt ergibt die Summe 100,1 Prozent. Die Werte werden nicht nachträglich angeglichen.
Quelle: Repräsentative Wahlstatistik zur Bundestagswahl 2025, Bundeswahlleiterin · Grundgesamtheit: AfD-Wählende der Bundestagswahl 2025 · Erhebung: Bundestagswahl 2025
| Altersgruppe | Anteil |
|---|---|
| 18–24 | 6,2 % |
| 25–34 | 12,5 % |
| 35–44 | 19,7 % |
| 45–59 | 29,9 % |
| 60–69 | 19,7 % |
| 70+ | 12,1 % |
Die Anteile beschreiben die Zusammensetzung der AfD-Wählerschaft, nicht den AfD-Anteil innerhalb einer Altersgruppe.
Bildung trennt stärker als Einkommen
Im WSI-Erwerbspersonenpanel lag der AfD-Anteil bei Personen mit Haupt- oder Volksschulabschluss deutlich höher als bei Personen mit Abitur oder Fachhochschulreife. Einkommensunterschiede fielen kleiner aus und wurden in multivariaten Modellen zu einem erheblichen Teil durch Bildung erklärt. Diese Befunde gelten für Erwerbspersonen; Rentnerinnen und Rentner gehören nicht zur Grundgesamtheit.
Grafik 4
Niedrigere formale Bildung geht mit höherem AfD-Anteil einher
Im WSI-Panel lag der AfD-Anteil bei Personen mit Haupt- oder Volksschulabschluss dreimal so hoch wie bei Personen mit Abitur oder Fachhochschulreife.
- Haupt-/Volksschule34 %
- Mittlere Reife25 %
- Abitur/Fachhochschulreife11 %
Quelle: WSI-Erwerbspersonenpanel, Befragung März 2025 (n = 6.671) · Grundgesamtheit: Erwerbspersonen, darunter 1.150 AfD-Wählende · Erhebung: März 2025
| Bildungsabschluss | AfD-Anteil |
|---|---|
| Haupt-/Volksschule | 34 % |
| Mittlere Reife | 25 % |
| Abitur/Fachhochschulreife | 11 % |
Quotenstichprobe eines Online-Panels von Erwerbspersonen. Die Werte gelten nicht für die gesamte Wahlbevölkerung; Zusammenhänge sind keine Kausalnachweise.
Grafik 5
Bei Arbeitern ist die AfD besonders stark – ihre Wählerschaft besteht aber mehrheitlich aus anderen Gruppen
Der AfD-Anteil ist unter Arbeitern am höchsten, während Angestellte zahlenmäßig die größere Gruppe der AfD-Wählenden im Panel stellen.
- Produktionsarbeiter37 %
- Arbeiter insgesamt36 %
- Angestellte18 %
- Beamte8 %
Arbeiter machen nur rund 19 Prozent der AfD-Wählerschaft im Panel aus.
Quelle: WSI-Erwerbspersonenpanel, Befragung März 2025 (n = 6.671) · Grundgesamtheit: Erwerbspersonen, darunter 1.150 AfD-Wählende · Erhebung: März 2025
| Berufliche Stellung | AfD-Anteil |
|---|---|
| Produktionsarbeiter | 37 % |
| Arbeiter insgesamt | 36 % |
| Angestellte | 18 % |
| Beamte | 8 % |
Anteile innerhalb der jeweiligen Berufsgruppe. Die Zusammensetzung der AfD-Wählerschaft ergibt sich daraus nicht unmittelbar.
Grafik 6
Der Ost-West-Abstand bleibt groß
Im WSI-Panel lag der AfD-Anteil in Ostdeutschland fast doppelt so hoch wie in Westdeutschland.
- Ostdeutschland34 %
- Westdeutschland18 %
Zusatzmarker: Produktionsarbeiter
- Produktionsarbeiter Ost55 %
- Produktionsarbeiter West34 %
Quelle: WSI-Erwerbspersonenpanel, Befragung März 2025 (n = 6.671) · Grundgesamtheit: Erwerbspersonen, darunter 1.150 AfD-Wählende; Ost-West-Abgrenzung gemäß Studiendefinition · Erhebung: März 2025
| Gruppe | AfD-Anteil |
|---|---|
| Ostdeutschland | 34 % |
| Westdeutschland | 18 % |
| Produktionsarbeiter Ost | 55 % |
| Produktionsarbeiter West | 34 % |
Die Studie von Siebel, Horozoğlu und Kessels (2026) ist eine Querschnittserhebung. Sie beschreibt Zusammenhänge, keine Wirkungsrichtung.
Eine repräsentative Querschnittsstudie von Siebel, Horozoğlu und Kessels aus dem Jahr 2026 führt den Ost-West-Unterschied vor allem auf politisches Misstrauen, die Nutzung alternativer politischer Medien sowie populistische und nativistische Einstellungen zurück. Weil die Daten zu einem Zeitpunkt erhoben wurden, belegen sie keine eindeutige Kausalrichtung.
Migration ist der stärkste gemeinsame Nenner
Im WSI-Panel nannten 90 Prozent der AfD-Wählenden eine Begrenzung der Migration als sehr wichtig. Das galt sowohl für den Kern der bereits 2021 AfD-Wählenden als auch für neu hinzugekommene Stimmen. Die Wahltagsbefragung von Infratest dimap zeigt ebenfalls: Migration war für AfD-Wählende das mit Abstand häufigste ausschlaggebende Thema.
Grafik 7
Fast jede zweite AfD-Stimme wurde mit Migration begründet
In der Wahltagsbefragung nannten AfD-Wählende Zuwanderung und Flucht deutlich häufiger als jedes andere Thema als ausschlaggebend.
- Zuwanderung/Flucht46 %
- Wirtschaft18 %
- Innere Sicherheit16 %
- Soziale Sicherheit6 %
- Frieden/Sicherheit6 %
- Klima2 %
Die Kategorien bilden die ausschlaggebende Themenangabe ab und sind nicht mit der WSI-Frage nach „sehr wichtigen“ Anliegen gleichzusetzen.
Quelle: Infratest dimap/ARD-Wahltagsbefragung zur Bundestagswahl 2025 · Grundgesamtheit: AfD-Wählende am Wahltag, Selbstauskunft · Erhebung: Februar 2025
| Thema | Anteil |
|---|---|
| Zuwanderung/Flucht | 46 % |
| Wirtschaft | 18 % |
| Innere Sicherheit | 16 % |
| Soziale Sicherheit | 6 % |
| Frieden/Sicherheit | 6 % |
| Klima | 2 % |
Wahltagsbefragungen erfassen Selbstauskünfte. Sie eignen sich für Themenprioritäten, sind aber keine amtliche Auszählung.
66 %
aus Überzeugung
32 %
aus Enttäuschung
Die Bezeichnung als reine Protestpartei greift zu kurz. Zwei Drittel ihrer Wählenden beschrieben die Entscheidung als Überzeugungswahl. Selbstauskünfte am Wahltag erklären allerdings nicht, wie diese Überzeugungen entstanden sind.
Drei Profile innerhalb derselben Partei
Eine Analyse von Céline Teney auf Basis der GLES-Nachwahlbefragung 2025 identifiziert drei Einstellungsprofile. Alle drei sind migrationspolitisch restriktiver und wirtschaftspolitisch eher marktliberal als die Gesamtwählerschaft. Sie unterscheiden sich jedoch deutlich beim Autoritarismus und Antisemitismus.
Grafik 8
Drei Einstellungsprofile innerhalb der AfD-Wählerschaft
Die drei statistisch geschätzten Profile ähneln sich bei Migration und Wirtschaft, unterscheiden sich aber bei Autoritarismus und Antisemitismus.
Zusammensetzung der AfD-Wählerschaft
- Konservative Hardliner67,2 %
- Radikal-rechte Autoritäre19,9 %
- Moderate Konservative12,9 %
Standardisierte Einstellungswerte von 0 bis 1
| Einstellung | Konservative Hardliner | Radikal-rechte Autoritäre | Moderate Konservative |
|---|---|---|---|
| Restriktive Migration | 0,95 | 0,96 | 0,55 |
| Anpassung von Minderheiten | 0,76 | 0,88 | 0,66 |
| Autoritäre Führung | 0,45 | 0,62 | 0,39 |
| Antisemitismus | 0,17 | 0,72 | 0,19 |
| Weniger Steuern/Sozialstaat | 0,76 | 0,79 | 0,72 |
| Wirtschaft vor Klimaschutz | 0,79 | 0,82 | 0,68 |
„Moderat“ ist eine relative Bezeichnung innerhalb der AfD-Wählerschaft, kein Vergleich mit der Gesamtbevölkerung. Die Skalen sind auf Werte zwischen 0 und 1 standardisiert.
Quelle: Teney (2026) auf Basis der GLES-Nachwahlbefragung 2025 · Grundgesamtheit: 6.414 Wählende, darunter 858 AfD-Wählende · Erhebung: 2025
| Einstellung | Konservative Hardliner | Radikal-rechte Autoritäre | Moderate Konservative |
|---|---|---|---|
| Anteil an der AfD-Wählerschaft | 67,2 % | 19,9 % | 12,9 % |
| Restriktive Migration | 0,95 | 0,96 | 0,55 |
| Anpassung von Minderheiten | 0,76 | 0,88 | 0,66 |
| Autoritäre Führung | 0,45 | 0,62 | 0,39 |
| Antisemitismus | 0,17 | 0,72 | 0,19 |
| Weniger Steuern/Sozialstaat | 0,76 | 0,79 | 0,72 |
| Wirtschaft vor Klimaschutz | 0,79 | 0,82 | 0,68 |
Latent-Profile-Analyse. Die Profile sind geschätzte Gruppen und keine Zuschreibung an einzelne Personen.
Entscheidend ist nicht nur, was Menschen haben – sondern was sie zu verlieren glauben
Das WSI findet keinen einfachen linearen Zusammenhang zwischen Einkommen und AfD-Wahl. Besonders hoch ist der AfD-Anteil in Gruppen, die starke Abstiegsängste mit dem Gefühl verbinden, im Vergleich zu anderen schlechtergestellt zu sein. Dieses Muster tritt auch bei höheren Einkommen auf.
Grafik 9
Subjektive Bedrohung wiegt schwerer als das Einkommensniveau allein
Auch bei hohem Einkommen ist der AfD-Anteil hoch, wenn Abstiegsangst und relative Deprivation stark ausgeprägt sind.
- Niedriges Einkommen37 %
- Mittleres Einkommen38 %
- Hohes Einkommen46 %
Die drei Werte zeigen ausgewählte Kombinationen von Einstellungen und Einkommen, jeweils bei hoher Abstiegsangst und hoher relativer Deprivation. Sie beweisen nicht, dass Abstiegsangst die AfD-Wahl verursacht; umgekehrte Wirkungen und unbeobachtete Faktoren bleiben möglich.
Quelle: WSI-Erwerbspersonenpanel, Befragung März 2025 (n = 6.671) · Grundgesamtheit: Erwerbspersonen, darunter 1.150 AfD-Wählende; Teilgruppen mit hoher Abstiegsangst und hoher relativer Deprivation · Erhebung: März 2025
| Einkommensgruppe | AfD-Anteil |
|---|---|
| Niedriges Einkommen | 37 % |
| Mittleres Einkommen | 38 % |
| Hohes Einkommen | 46 % |
Die drei Werte zeigen ausgewählte Kombinationen von Einstellungen und Einkommen, jeweils bei hoher Abstiegsangst und hoher relativer Deprivation. Sie beweisen nicht, dass Abstiegsangst die AfD-Wahl verursacht; umgekehrte Wirkungen und unbeobachtete Faktoren bleiben möglich.
Die Hälfte der heutigen AfD-Wählerschaft kam seit 2021 neu hinzu
Im WSI-Panel hatten 44 Prozent der AfD-Wählenden bereits 2021 dieselbe Partei gewählt. 51 Prozent kamen neu hinzu. Unter den neu hinzugekommenen Stimmen waren frühere FDP-, SPD- und Unionswählende ebenso vertreten wie frühere Nichtwählende. Das spricht gegen die Vorstellung, die AfD mobilisiere nur ein dauerhaftes, sozial klar begrenztes Milieu.
Grafik 10
Herkunft der neu hinzugekommenen AfD-Stimmen
Unter den seit 2021 neu hinzugekommenen AfD-Stimmen sind frühere FDP-, SPD- und Unionswählende sowie frühere Nichtwählende vertreten.
- FDP21,6 %
- SPD18,4 %
- CDU16,5 %
- Sonstige Parteien16,2 %
- Nichtwahl15,3 %
- CSU4,3 %
- Linke3,2 %
- Grüne2,6 %
Die ausgewiesenen Kategorien summieren sich rundungsbedingt und wegen nicht dargestellter Restkategorien nicht exakt auf 100 Prozent. Fehlende Werte werden nicht ergänzt.
Quelle: WSI-Erwerbspersonenpanel, Befragung März 2025 (n = 6.671) · Grundgesamtheit: Neu hinzugekommene AfD-Wählende im Panel (51 Prozent aller AfD-Wählenden) · Erhebung: März 2025
| Wahlentscheidung 2021 | Anteil |
|---|---|
| FDP | 21,6 % |
| SPD | 18,4 % |
| CDU | 16,5 % |
| Sonstige Parteien | 16,2 % |
| Nichtwahl | 15,3 % |
| CSU | 4,3 % |
| Linke | 3,2 % |
| Grüne | 2,6 % |
Die Prozentwerte beziehen sich ausschließlich auf die Gruppe der neu hinzugekommenen AfD-Wählenden, nicht auf alle Stimmen.
Vier verbreitete Verkürzungen
Krisen, Misstrauen und digitale Verstärkung
Pandemie, Inflation, Energiepreisschock, Russlands Krieg gegen die Ukraine und die Konflikte um Migration haben sich für viele Wählende zu einer allgemeinen Krisenwahrnehmung verdichtet. Studien sprechen dafür, dass solche Belastungen besonders dann politisch wirksam werden, wenn sie als Kontrollverlust, Statusbedrohung oder unfaire Bevorzugung anderer gedeutet werden.
Soziale Medien verstärken Sichtbarkeit und Mobilisierung. Untersuchungen zur Bundestagswahl 2025 zeigen, dass die AfD auf TikTok Hashtags, Duette und nutzergenerierte Reichweite besonders effektiv nutzte. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass TikTok die Einstellungen oder die Wahlentscheidung verursacht hat. Reichweite, Nutzung und Kausalwirkung sind drei verschiedene Aussagen.
Eine Panelstudie von Adena und Huck liefert außerdem Hinweise auf eine Rückkopplung: Die Aktivierung einer neuen oder randständigen AfD-Identität verringerte im Experiment das subjektive Wohlbefinden. Das widerlegt nicht, dass Unzufriedenheit zur AfD führen kann; es zeigt, dass Parteibindung Unzufriedenheit ihrerseits verstärken kann.
Ein Bündel von Motiven, kein einzelner Typ
Die AfD erzielt ihre höchsten Anteile nicht in nur einer sozialen Randgruppe. Männer, Menschen mittleren Alters, Personen mit niedrigerer formaler Bildung, Arbeiter und Ostdeutsche sind überrepräsentiert, doch die absolute Wählerschaft reicht weit darüber hinaus. Migration bildet den stärksten inhaltlichen gemeinsamen Nenner. Politisches Misstrauen, nationaler Wirtschaftspessimismus und subjektive Statusbedrohung ergänzen dieses Motiv.
Die belastbarste Schlussfolgerung lautet deshalb nicht, dass „die“ AfD-Wählenden arm, jung, ostdeutsch oder reine Protestwählende seien. Belastbar ist vielmehr: Bestimmte soziale Gruppen weisen höhere Wahlwahrscheinlichkeiten auf, während die Motive kulturelle Konflikte, politische Entfremdung und ökonomische Wahrnehmungen miteinander verbinden.
Methodik, Begriffe und Quellen
Amtliche Wahlstatistik
Die repräsentative Wahlstatistik 2025 beruht auf gekennzeichneten tatsächlichen Stimmzetteln aus 2.689 ausgewählten Wahlbezirken und erfasst rund 1,6 Millionen Wahlberechtigte. Sie ist für Alter und Geschlecht besonders belastbar, erklärt aber keine Motive.
WSI-Erwerbspersonenpanel
Online-Panel mit 14 Befragungswellen; jüngste Welle März 2025, n = 6.671, darunter 1.150 AfD-Wählende. Es untersucht Erwerbspersonen und schließt etwa Rentnerinnen und Rentner außerhalb des Erwerbslebens aus. Quotenstichprobe, keine reine Zufallsstichprobe.
GLES/Teney
Nachwahlbefragung 2025 mit 6.414 Wählenden, darunter 858 AfD-Wählende. Die drei Profile sind statistisch geschätzte Gruppen, keine festen Menschentypen.
Wahltagsbefragung
Infratest dimap misst Selbstauskünfte unmittelbar rund um die Wahl. Sie eignet sich für Motive und Themenprioritäten, ist aber keine amtliche Auszählung und beweist keine Kausalität.
Allgemeine Grenze
Fast alle Motivstudien sind beobachtend. Sie zeigen Zusammenhänge und plausible Mechanismen, können Ursache und Wirkung aber meist nicht zweifelsfrei trennen.
Begriffe
- Wähleranteil innerhalb einer Gruppe
- Anteil einer Bevölkerungsgruppe, der eine bestimmte Partei gewählt hat. Beispiel: 25,1 Prozent der Männer wählten 2025 die AfD.
- Zusammensetzung der Wählerschaft
- Anteil, den eine Gruppe an allen Stimmen einer Partei ausmacht. Beispiel: rund 60 Prozent der AfD-Stimmen kamen von Männern.
- Erwerbspersonen
- Erwerbstätige und Erwerbslose. Rentnerinnen und Rentner außerhalb des Erwerbslebens gehören nicht dazu; das WSI-Panel bildet deshalb nicht die gesamte Wahlbevölkerung ab.
- Relative Deprivation
- Das subjektive Gefühl, im Vergleich zu anderen Gruppen benachteiligt zu sein – unabhängig von der objektiven Einkommenshöhe.
Primär- und Forschungsquellen
- Die Bundeswahlleiterin: Repräsentative Wahlstatistik zur Bundestagswahl 2025
- Die Bundeswahlleiterin: Heft 4 – Wahlbeteiligung und Stimmabgabe nach Geschlecht und Altersgruppen
- WSI Study 42 (2025): Wer wählt die AfD und warum? Soziale Merkmale, ökonomische Belastungen und politische Einstellungen
- Céline Teney (2026): Was die AfD-Wählerschaft verbindet und trennt – Analyse auf Basis der GLES 2025
- GESIS: GLES: Bundestagswahl 2025
- Infratest dimap/Tagesschau: AfD-Wählerschaft und Motive 2025
- Infratest dimap/Tagesschau: Wählerwanderung 2025
- Adena & Huck (2024), PLOS ONE: The causal effect of radical right membership on subjective well-being: Evidence from Germany
- Siebel, Horozoğlu & Kessels (2026), Frontiers in Sociology: East–West differences in AfD support
- Heinze & Scheuer (2025): Growing Up Far Right? Youth Support for the AfD in Eastern Germany
- Friedrich-Ebert-Stiftung: Mitte-Studie 2024/25
- Institut der deutschen Wirtschaft: AfD gewinnt gerade in Transformationsregionen
- Floris Biskamp (2026), Universität Tübingen: Die wirtschafts- und sozialpolitische Positionierung der AfD
Sekundärquellen (ergänzend, nicht als Hauptbeleg verwendet)
- Marktforschung.de: AfD-Wähler: Herkunft, Profil und Motivation
- Deutschlandfunk: AfD-Wahlverhalten junger Männer
- WEB.DE: Interview mit Floris Biskamp
Weiterführende Forschung
- WSI Report 92 (2023): Ältere WSI-Erhebung zur AfD-WählerschaftFür die zeitliche Einordnung geeignet, nicht als aktuellstes Profil.
- DIW aktuell 88: Vergleich von Parteiprogramm und Wählerpräferenzen über Wahl-O-Mat-PositionenGleichgewichtung der Fragen und Stand 2021 begrenzen die Aussagekraft.
- Wahlkreisanalysen 2013/2014 (WP94): Historische ökologische Analyse auf WahlkreisebeneHistorisch und aggregiert; keine Rückschlüsse auf heutige Einzelpersonen.
Datenstand: 28. August 2026. Veröffentlicht am 28. August 2026, letzte Aktualisierung am 28. August 2026. Werte unterschiedlicher Studien werden nicht miteinander verrechnet; einzige Ausnahme ist die ausdrücklich gekennzeichnete Näherung zu jungen Männern.