Sommerinterviews 2026: Die AfD im Faktencheck
Alice Weidel im ZDF und Tino Chrupalla in der ARD – 24 primärquellenbasiert gewertete Behauptungskomplexe, ein Partei-Rating.
Ergebnis
38von 100 Punktenüberwiegend falsch
900 Punkte ÷ 24 gewertete Behauptungskomplexe = 37,50 (gerundet 38)
- 0–19 falsch
- 20–39 überwiegend falsch
- 40–69 teils wahr
- 70–89 überwiegend wahr
- 90–100 wahr
Das primärquellenbasierte Ergebnis beträgt 38 von 100 Punkten. Weidel erreicht 41 Punkte, Chrupalla 29. Die 24 gewerteten Behauptungskomplexe ergeben zusammen das Urteil „überwiegend falsch“.
Zusätzlich zu den 24 gewerteten Komplexen dokumentiert die Seite 13 nicht bepunktete Aussagen, davon 2 unbelegte und 11 nicht wertbare. Datenstand: 23. August 2026.
Grundlage
Die geprüften Interviews
Alice Weidel
ZDF-Sommerinterview
20:09 Minuten geprüfte Fassung
Originalinterview ansehenTino Chrupalla
ARD-Sommerinterview
29:30 Minuten geprüfte Hauptsendung
Originalinterview ansehen
Die stärksten Abweichungen betreffen bei Weidel offene Grenzen, Einbürgerungen, pauschale Syrien-Rückführungen und die Regulierung des Verbrennungsmotors. Bei Chrupalla sind die Aussagen zum menschlichen Anteil am Klimawandel und zum Sommer 2026 klar falsch. Zutreffende Aussagen gab es ebenfalls: Weidels Hinweis auf weitere Einreisen aus Afghanistan im Rahmen legaler Aufnahmeprogramme und ihr Verweis auf die „Stabilitätsgemeinschaft“ in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts; bei Chrupalla stimmen die historische Einordnung der Briefwahl und der Kern des Jedermann-Festnahmerechts.
Überblick
Wie die Urteile verteilt sind
- wahr0
- überwiegend wahr8
- teils wahr3
- überwiegend falsch6
- falsch7
Grundlage sind ausschließlich die 24 bepunkteten Behauptungskomplexe. Unbelegte und nicht wertbare Aussagen erscheinen weder im Zähler noch im Nenner.
Wichtigste Befunde
Sechs Aussagen im Detail
Im ersten Quartal 2026 seien 500.000 Arbeitsplätze verloren gegangen
Der Rückgang ist eine saisonale Schwankung der unbereinigten Zahlen, kein struktureller Stellenabbau.
Quartalsdifferenz der Erwerbstätigen, 1. Quartal 2026
Personen, Datenstand 23.08.2026
Unbereinigt (4. Quartal 2025 auf 1. Quartal 2026)
rund eine halbe Million weniger Erwerbstätige
Dieser Rückgang wiederholt sich saisonal, etwa wegen Wintereffekten.
Saisonbereinigt
nur ein Bruchteil dieses Rückgangs
Die bereinigte Reihe zeigt kein Minus in der behaupteten Größenordnung.
In Deutschland lebten 1,3 Millionen Syrer
Die Zahl stimmt für Menschen mit syrischer Einwanderungsgeschichte, nicht für syrische Staatsangehörige.
Zwei amtliche Kategorien, zwei Ergebnisse
Personen, Stand 2025
Einheit: Personen. Achse beginnt bei null.
Quelle: Destatis: Ausländerzentralregister und Mikrozensus 2025
Im Vorjahr seien 306.000 Arbeitslose eingebürgert worden
Die amtliche Zahl beschreibt einen Arbeitslosenbestand im Dezember 2025, nicht Einbürgerungen.
Behauptung und amtliche Zahlen
Personen, Stand Dezember 2025 beziehungsweise Jahr 2025
Behauptung
306.000 Arbeitslose seien 2025 eingebürgert worden
Für diese Verknüpfung gibt es keine amtliche Statistik.
Amtlich: Arbeitslosenbestand Dezember 2025
rund 308.000
Deutsche Staatsangehörige mit eigener Migrationserfahrung, einschließlich Aussiedler und Spätaussiedler.
Amtlich: Einbürgerungen 2025
332.500
Zahl der im Jahr 2025 eingebürgerten Menschen insgesamt.
Quelle: Bundestagsdrucksache 21/7434 und Destatis, Einbürgerungen 2025
Der menschengemachte Anteil am Klimawandel sei „wirklich sehr gering“
Der Mensch erklärt nach IPCC praktisch die gesamte beobachtete Erwärmung von rund 1,06 Grad.
Beobachtete und menschlich verursachte Erwärmung
Grad Celsius, 2010–2019 gegenüber 1850–1900
Einheit: Grad Celsius. Achse beginnt bei null.
Quelle: IPCC, AR6-Synthesebericht
Der Sommer 2026 sei ein ganz normaler Sommer gewesen
Der DWD beschrieb Juni 2026 als ungewöhnlich warm und trocken mit einer historischen Hitzewelle.
Sommer 2026 nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes
Ereignisse bis 23.08.2026
- Juni 2026 in Deutschland ungewöhnlich warm, trocken und sonnig
- Seit 18. Juni andauernde Hitzewelle, vom DWD ausdrücklich als historisch bezeichnet
- Bis Anfang August in Teilen Deutschlands ungewöhnlich stark ausgetrocknete Böden
Afghanen würden weiterhin nach Deutschland eingeflogen
Einreisen per Flug fanden auch 2026 statt – allerdings als staatlich geregelte humanitäre Aufnahme.
Ankunft im Bundesaufnahmeprogramm am 28. Januar 2026
Personen
46
Personen im Bundesaufnahmeprogramm, angekommen am 28. Januar 2026
Quelle: Bundestagsdrucksache 21/5145
Daten
Drei Zahlen genauer betrachtet
Bilanzsumme des Eurosystems
Einheit: Billionen Euro. Achse beginnt bei null.
Gegenüber 2009 liegt die Bilanzsumme Ende 2025 rund 4,38 Billionen Euro höher; der Höchststand 2021 lag rund 6,66 Billionen Euro über 2009.
Strompreise im EU-Vergleich, zweites Halbjahr 2025
Eurostat weist Haushalte und mittelgroße Nichthaushaltskunden getrennt aus. Deutschland ist in beiden Gruppen Hochpreisland, aber nicht Spitzenreiter.
Haushaltskunden
- 1.Irland(höhere Preise als Deutschland)
- 2.Deutschland(Hochpreisland, aber nicht an der Spitze)
Mittelgroße Nichthaushaltskunden
- 1.Irland(vor Deutschland)
- 2.Zypern(vor Deutschland)
- 3.Deutschland(dahinter)
Auch bei Gas ist Deutschland nicht in jeder Kundengruppe und jedem Halbjahr Spitzenreiter. Eine pauschale Rangliste „Energiepreise“ über alle Energiearten weist Eurostat nicht aus.
Quelle: Eurostat, Strompreisstatistik
Unbereinigter Pro-Kopf-Vergleich, Vergewaltigung nach § 177 Abs. 6 Nr. 1 und 2
Einheit: Faktor gegenüber deutschen Tatverdächtigen. Achse beginnt bei null. Absolute Tatverdächtigenzahlen 2025: 6.124 deutsche, 605 syrische und 428 afghanische Tatverdächtige.
Methodenkasten: Der Vergleich ist unbereinigt. Alter und Geschlecht der Vergleichsgruppen unterscheiden sich stark, die PKS zählt Tatverdächtige und keine Verurteilten, und für Messerangriffe liegt keine identisch definierte Staatsangehörigkeitsrate vor.
Die Behauptung nennt weder Jahr noch Nenner und verbindet Messerangriffe mit Gruppenvergewaltigungen. Der enge Teilbefund bestätigt keine pauschale Zehnfach-Aussage für beide Nationalitäten und beide Deliktgruppen.
Quelle: BKA, PKS 2025, Tabelle 62, und Destatis-Bevölkerungszahlen
Alle Aussagen
Der vollständige Prüfkatalog
Person
Urteil
Thema
37 von 37 geprüften Behauptungskomplexen
Interviewer-Faktencheck
Die Interviewer im Faktencheck
Nicht nur die Aussagen der Politiker werden geprüft. Auch Tatsachenbehauptungen, Zahlen und Prämissen der Interviewer müssen belastbar sein. politfacts bewertet deshalb auch die journalistische Faktenpräzision der Interviews.
Der Interviewer-Score bewertet in erster Linie die faktische Richtigkeit der vom Interviewer selbst verwendeten Tatsachenbehauptungen und Prämissen. Punkte werden nicht allein deshalb abgezogen, weil eine falsche Aussage des Gesprächspartners nicht unmittelbar korrigiert wurde. Beide Interviews werden getrennt bewertet, ein gemeinsamer Durchschnitt wird nicht gebildet.
Markus Preiß
100von 100 Punkten
Faktisch präzise
- 0–19 falsch
- 20–39 überwiegend falsch
- 40–69 teils wahr
- 70–89 überwiegend wahr
- 90–100 wahr
Keine belastbare falsche Tatsachenbehauptung des Interviewers festgestellt.
Interviewer-Check anzeigen
Für Markus Preiß konnten wir im ARD-Sommerinterview mit Tino Chrupalla keine belastbare falsche Tatsachenbehauptung des Interviewers feststellen. Seine wesentlichen faktischen Prämissen waren durch seriöse Quellen gedeckt.
Einstufung des AfD-Landesverbands Sachsen-Anhalt
Eine zentrale Tatsachenprämisse von Preiß: Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Das ist sachlich korrekt.
Verbindungen ins rechtsextreme Umfeld: HDJ und Identitäre Bewegung
Preiß thematisiert Verbindungen von AfD-Personal zu Organisationen wie der Heimattreuen Deutschen Jugend und der Identitären Bewegung. Die Heimattreue Deutsche Jugend wurde 2009 durch das Bundesinnenministerium verboten; beide Organisationen stehen bzw. standen im relevanten Zeitraum auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD. Bei einzelnen Personen werden ausschließlich nachgewiesene Verbindungen benannt, aus bloßer Nähe wird keine Mitgliedschaft abgeleitet.
Nachfrage zu Laurens Nothdurft
Die Nachfrage zu Laurens Nothdurft beruht auf einem belegbaren historischen Hintergrund. Über die vorliegenden Quellen hinausgehende Schlussfolgerungen zieht Preiß dabei nicht.
Klimawandel, Hitzefolgen, Migration
Auch die faktischen Prämissen der Fragen zu Klimawandel und Hitzefolgen sowie zu Migration und politischen Widersprüchen der Partei sind durch amtliche Quellen gedeckt. Ein eigener Faktenfehler von Preiß, der einen Abzug rechtfertigen würde, ist nicht feststellbar.
Gesamturteil
100 von 100 Punkten – faktisch präzise. Die überprüfbaren Tatsachenbehauptungen und Prämissen von Markus Preiß halten dem Quellencheck stand. Kritik daran, wie intensiv einzelne Antworten Chrupallas weiterverfolgt wurden, ist journalistisch möglich, begründet nach unserer Faktencheck-Methodik aber keinen Abzug von der faktischen Bewertung.
Wulf Schmiese
73von 100 Punkten
Überwiegend faktenstark – aber mit einem erheblichen Fehler
- 0–19 falsch
- 20–39 überwiegend falsch
- 40–69 teils wahr
- 70–89 überwiegend wahr
- 90–100 wahr
Die Aussage zum Anteil elektrifizierter Pkw in Wien ist anhand der amtlichen Statistik falsch.
Interviewer-Check anzeigen
Wulf Schmiese führt ein kritisches und in weiten Teilen faktenbasiertes Interview mit Alice Weidel. Ein zentraler Zahlenfehler zur Elektromobilität in Wien wiegt jedoch schwer: Seine Aussage über den Anteil von Autos mit Elektromotor ist mit dem amtlichen Fahrzeugbestand nicht vereinbar.
Autos mit Elektromotor in Wien (sinngemäße Aussage: etwa jedes zweite Auto)
Zum Jahresende 2025 waren in Wien rund 742.000 Pkw zugelassen, davon rund 45.600 reine Elektro-Pkw – etwa 6,1 Prozent des Bestands. Selbst wenn zusätzlich alle relevanten Hybrid-Pkw mit Elektromotor berücksichtigt werden, liegt der Anteil nur bei ungefähr 17 Prozent. Die Größenordnung von rund 50 Prozent ist damit deutlich falsch. Eine mögliche Erklärung für die stark abweichende Größenordnung ist eine Verwechslung mit den Neuzulassungen, bei denen der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge erheblich höher liegt. Dafür gibt es jedoch keinen Beleg. Entscheidend ist: Die Aussage bezog sich auf die Autos in Wien und ist für den Fahrzeugbestand klar falsch.
Pkw-Bestand Wien Ende 2025
Anteil am gesamten Pkw-Bestand in Prozent
Einheit: %. Achse beginnt bei null.
Warum dieser Fehler journalistisch relevant ist
Der Fehler ist besonders relevant, weil die Zahl nicht beiläufig fällt, sondern als faktische Prämisse einer kritischen Gegenfrage an Alice Weidel dient. Gerade in einem Fakteninterview müssen Zahlen, mit denen ein Politiker konfrontiert wird, selbst belastbar sein. Der Unterschied zwischen rund 17 Prozent und rund 50 Prozent ist kein Rundungsfehler, sondern eine erhebliche Abweichung.
Übrige Tatsachenprämissen
Die weiteren überprüfbaren Tatsachenprämissen Schmieses waren überwiegend belastbar. Der Score von 73 von 100 Punkten ist redaktionell festgelegt und wird nicht automatisch neu berechnet.
Gesamturteil
73 von 100 Punkten – überwiegend faktenstark, aber mit einem erheblichen Zahlenfehler. Schmiese führt ein kritisches und gut vorbereitetes Interview. Seine Aussage, ungefähr jedes zweite Auto in Wien habe einen Elektromotor, hält dem Abgleich mit den amtlichen Zulassungsdaten jedoch nicht stand. Tatsächlich waren Ende 2025 nur rund 6 Prozent des Pkw-Bestands reine Elektroautos; selbst einschließlich der Hybride lag der Anteil lediglich bei ungefähr 17 Prozent.
Gegencheck
Abgleich mit ZDF und ARD
Abgleich mit dem offiziellen ZDF-Faktencheck
ZDF-Faktencheck vom 23. August 2026- Der ZDF-Faktencheck wurde als redaktioneller Gegencheck genutzt, aber nicht als Ersatz für Primärquellen. Er prüft ausgewählte Aussagen zu Einbürgerungen, Klima, Autoindustrie, Euro und Schengen.
- Die Aussage „1,3 Millionen Syrer“ behandelt er nicht.
- Bei der 2035-Regel übernimmt politfacts bewusst nicht die Formulierung, seit Dezember 2025 „gelte“ bereits eine 90-Prozent-Regel. Der amtliche Rechtsstand zeigt zum Stichtag weiterhin das 100-Prozent-Ziel; die Senkung auf 90 Prozent ist Gegenstand des laufenden Verfahrens zu COM(2025) 995.
Abgleich mit dem offiziellen ARD-Faktencheck
ARD-Faktencheck vom 23. August 2026- Der menschliche Anteil an der aktuellen Erderwärmung ist nicht „sehr gering“.
- Der Sommer 2026 war nach den bis zum Sendetag verfügbaren Wetterdaten kein normaler Sommer.
- Für die behaupteten Manipulationsfälle in Pflegeheimen legte Chrupalla keine konkreten Belege vor.
- Eine Strafanzeige setzt keine eigene Tatbeobachtung voraus.
- Die Briefwahl war ursprünglich an Hinderungsgründe gebunden.
- Chrupallas Darstellung der AfD-Position zu integrierten Fachkräften ist angesichts des AfD-Programms Sachsen-Anhalt zu pauschal; politfacts dokumentiert den Widerspruch, bepunktet die normative Aussage aber nicht.
- Eine öffentliche Distanzierung Laurens Nothdurfts von seiner HDJ-Vergangenheit ist nicht dokumentiert.
- Rechtsverstöße führen in der AfD nicht ausnahmslos zum Parteiausschluss; politfacts behandelt die konditionale Formulierung als politische Zusage außerhalb des Ratings.
Außerhalb des Ratings
Die Community-Fragen der ARD
Der ARD-Text prüft ausdrücklich das Sommerinterview und die anschließenden Community-Fragen. Zwei Themen stammen nicht aus der hier gewerteten 29:30-minütigen Hauptsendung und fließen deshalb nicht in das Rating ein. Sie werden erst aufgenommen, wenn bei allen ARD-Sommerinterviews auch das Community-Format vollständig geprüft wird.
Abgelehnte Asylbewerber und Ausreisepflichtige
Chrupalla nannte in den Community-Fragen rund eine Million abgelehnte Asylbewerber sowie 280.000 Menschen ohne Aufenthaltstitel, die abgeschoben werden müssten. Im Ausländerzentralregister waren Ende 2025 insgesamt 930.395 aufhältige Personen mit einer früheren Asylablehnung gespeichert. Die Bundesregierung warnt jedoch ausdrücklich vor der Gleichsetzung mit Ausreisepflicht. Mitte 2026 waren 258.845 Personen ausreisepflichtig; 199.271 davon hatten eine Duldung.
Staatsquote und Beamte
Chrupalla verwendete die „Staatsquote“ im Zusammenhang mit der Zahl der Beamten. Das sind unterschiedliche Kennzahlen: Die Staatsquote misst sämtliche Staatsausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt, nicht den Beamtenanteil. Nach Destatis stieg zwar die absolute Beamtenzahl von 2014 bis 2024, der Beamtenanteil an allen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes sank aber.
- Destatis: Beschäftigte im öffentlichen Dienst nach Vertragsverhältnis
- Eurostat: Staatsausgaben und Bruttoinlandsprodukt
Transparenz
Was bewusst nicht gewertet wurde
- Weidels Prognosen, die AfD werde in mehreren Ländern und später im Bund regieren und die CDU keine Bundestagswahl mehr gewinnen.
- Weidels Aussagen, Klimapolitik „mache die Industrie kaputt“ und Innenstädte wirtschaftlich unzugänglich, weil Maßnahme, Zeitraum und Bezugsgröße fehlen.
- Weidels Aussage, die Menschen in Deutschland und China „wollten“ Verbrenner.
- Weidels persönliche Beobachtung, während ihrer Zeit in China seien „nur deutsche Autos“ gefahren.
- Weidels Deutung des chinesischen Namens für Deutschland als „Land der Tugend und Disziplin“ – sachlich falsch, aber keine klassische Primärdatenfrage.
- Weidels Bezeichnungen des Euro als „instabil“ und „Weichwährung“ sowie die Behauptung, Deutschland sei es vor dem Euro „deutlich besser“ gegangen.
- Weidels Behauptung, die „Weichwährung“ verteile stärker von Arbeitenden zu Vermögenden um als das Steuersystem.
- Chrupallas Behauptung, die AfD habe den Klimawandel „nie geleugnet“.
- Chrupallas Hinweise auf „sehr viele Wissenschaftler“ und „große Widersprüche“ sowie seine Aussage, weniger Waldrodungen für Windkraft machten Deutschland insgesamt kühler.
- Chrupallas konkrete Pflegeheim-Berichte sowie die behauptete Benachteiligung der AfD in Caritas-Heimen.
- Chrupallas Aussagen, Migranten wählten die AfD „in großer Zahl“ und integrierte Menschen seien generell willkommen.
- Chrupallas Aussagen, Polizei sei schlecht ausgebildet beziehungsweise unterfinanziert und Menschen könnten sich Strom und Gas nicht mehr leisten.
- Chrupallas Behauptung, illegale Bürgerwehren existierten wegen ungeschützten Eigentums und unsicherer Frauen.
- Chrupallas Zusage, Personen fänden bei „wirklichen Rechtsverstößen“ keinen Platz in der AfD.
Methodik
Wie dieses Rating entsteht
- Gewertet werden nur überprüfbare Tatsachenbehauptungen mit öffentlich zugänglicher Original- oder Primärquelle.
- Wiederholungen und sinngleiche Formulierungen werden nur einmal gewertet.
- „Unbelegt“ ist nicht „falsch“ und bleibt außerhalb von Zähler und Nenner.
- Das Ergebnis misst Aussagen – nicht Persönlichkeit, Absicht oder Ehrlichkeit.
100 Punkte
wahr
Aussage und entscheidender Kontext stimmen.
75 Punkte
überwiegend wahr
Kern stimmt; eine relevante Einschränkung fehlt.
50 Punkte
teils wahr
Richtiger und irreführender Anteil halten sich ungefähr die Waage.
25 Punkte
überwiegend falsch
Kleiner Tatsachenkern stimmt, die Gesamtaussage führt in die Irre.
0 Punkte
falsch
Der überprüfbare Kern widerspricht den belastbaren Quellen.
Ratingbänder
90–100 wahr, 70–89 überwiegend wahr, 40–69 teils wahr, 20–39 überwiegend falsch, 0–19 falsch. Gerechnet wird mit ungerundeten Punkten; erst die Anzeige wird kaufmännisch gerundet. Stichtag ist der 23. August 2026, 23:59 Uhr (Europe/Berlin).
Eine Einheit pro unabhängig prüfbarer Proposition
Mehrere Angaben in einem Satz werden nur getrennt, wenn jede für sich wahr oder falsch sein kann und separat belegt werden muss. Eng zusammengehörende Begründungsketten bleiben ein Komplex.
Keine Mehrfachzählung
Wiederholungen und dieselbe Behauptung in beiden Interviews werden innerhalb der Parteiauswertung nur einmal gewertet. Abweichende Zahlen oder Zeiträume bilden eine neue Einheit.
Unbelegte Aussagen
Eine präzise Tatsachenbehauptung ohne öffentlich prüfbaren Primärbeleg wird separat ausgewiesen und weder als falsch noch im Nenner gezählt. Das Rating beschreibt daher ausschließlich die überprüfbaren Aussagen.
Keine nachträgliche Auswahl nach Ergebnis
Die Liste der geprüften Aussagen und die Ausschlussgründe werden vor der Punktevergabe festgelegt. Änderungen werden im Korrekturprotokoll mit Auswirkung auf Zähler, Nenner und Rating dokumentiert.
Unabhängige Zweitcodierung
Eine zweite Person ohne Kenntnis des errechneten Ratings grenzt die geprüften Aussagen eigenständig ab und vergibt anhand derselben Quellen ein eigenes Urteil. Abweichungen werden begründet protokolliert.
Erst dann Parteienvergleich
Rankings sind erst zulässig, wenn alle Interviews nach denselben Regeln vollständig codiert wurden. Das Rating ist ein Aussagen- und kein Personen-, Absichts- oder „Ehrlichkeits“-Score.
Sensitivität
Würde der HDJ-Komplex entgegen der hier angewandten Regel vollständig als bloßer Gesprächskontext ausgeschlossen, ergäben sich weiterhin 900 Punkte, aber nur 23 Wertungen und damit 39,13 Punkte. Die Auswahlentscheidung verändert den Zahlenwert, nicht das verbale Urteilsband.
Die Abgrenzung der Behauptungskomplexe beeinflusst den Durchschnitt. Das ist eine redaktionelle Auswahlentscheidung und keine statistische Fehlerspanne.
Einordnung
Was das Ergebnis bedeutet
Das Rating ist kein Beliebtheitswert und bewertet keine politischen Ziele. Es misst ausschließlich die faktische Belastbarkeit der überprüfbaren Aussagen in den beiden Hauptinterviews. Ein niedriger Wert kann sowohl aus klar falschen Zahlen als auch aus wiederholt irreführenden Verkürzungen entstehen. Zutreffende Aussagen werden unabhängig von ihrer politischen Stoßrichtung voll angerechnet.
Der ZDF- und der ARD-Faktencheck wurden zur Gegenprüfung herangezogen. Jede bepunktete Aussage beruht auf den genannten Original- oder Primärquellen. Ändert eine Behörde Daten nachträglich oder wird eine relevante Quelle ergänzt, werden Einzelurteil und Gesamtrating nachvollziehbar versioniert.
Transparenz
Alle verwendeten Quellen
AfD Sachsen-Anhalt
AfD-Bundesgeschäftsstelle
Alternative für Deutschland
Auswärtiges Amt
BKA
Bundesagentur für Arbeit
Bundesinnenministerium
Bundesministerium des Innern
Bundespolizei
Bundesumweltministerium
Bundesverfassungsgericht
Bundeswahlleiterin
Destatis
- Destatis: Reallohnindex, lange Reihe
- Destatis: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, lange Reihen
- Destatis: Erwerbstätigkeit im 1. Quartal 2026
- Destatis: Ausländische Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit
- Destatis: Ausländische Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit, 31.12.2025
- Destatis: Bevölkerung nach Einwanderungsgeschichte 2025 und Herkunftsstaat
- Destatis: Einbürgerungen 2025
- Destatis: Beschäftigte im öffentlichen Dienst nach Vertragsverhältnis
Deutscher Bundestag
- Deutscher Bundestag: Bundestagsdrucksache 21/5145
- Deutscher Bundestag: Einreisen aus Afghanistan seit August 2021
- Deutscher Bundestag: Bundestagsdrucksache 21/7434, Frage 74 und Antwort der Bundesregierung, S. 49–50
- Deutscher Bundestag: Zeitzeugenbericht Tom Koenigs über den „Revolutionären Kampf“ und Fischer
- Deutscher Bundestag: Bundestagsdrucksache 21/4681, S. 2 ff.
- Deutscher Bundestag: Bundestagsdrucksache 21/7637
DWD
EUR-Lex
- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2019/631
- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2023/851
- EUR-Lex: Abstimmungs- und Verfahrensakte zu 2023/851
- EUR-Lex: Verfahrensstand zum Kommissionsvorschlag COM(2025) 995
- EUR-Lex: EU-Qualifikationsverordnung 2024/1347, seit 1. Juli 2026 anwendbar
- EUR-Lex: Schengener Grenzkodex, Sonderregel zu Ceuta und Melilla
Europäische Kommission
Europäisches Parlament
Eurostat
EZB
Gesetze im Internet
IPCC
Kraftfahrt-Bundesamt
Kronen Zeitung/IFDD
Land Niederösterreich
Land Oberösterreich
Land Salzburg
Land Steiermark
Land Vorarlberg
Landtag Sachsen-Anhalt
MDR
Ministerium für Inneres und Sport Sachsen-Anhalt, Verfassungsschutz
Nanjing University
ORF Steiermark
Robert Koch-Institut
Stadt Dessau-Roßlau
Statistik Austria
Süddeutsche Zeitung
taz
Umweltbundesamt
Wissenschaftliche Dienste des Bundestages
Insgesamt 37 dokumentierte Behauptungskomplexe, davon 24 bepunktet. Alle Urteile beruhen auf den hier verlinkten Original- und Primärquellen.