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    Demokratie & PolitikAnalyse

    Die AfD baut ihre Schule für die Macht

    Personalregister, Ministeriumsschulungen und politische Nachwuchsarbeit: Mit der Schwarz-Rot-Gold Akademie bereitet sich die AfD systematisch auf Regierungsverantwortung vor. Die Ausbildung von Parteipersonal ist grundsätzlich legitim. Doch zentrale Fragen zu Auswahl, Finanzierung und politischer Ausrichtung bleiben unbeantwortet.

    Autor:
    politfacts
    Veröffentlicht:
    21. August 2026
    Lesedauer:
    ca. 7 Minuten
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    Abstrakte Grafik: stilisierte Ministeriumsgebäude, Aktenordner und Organigramm-Linien mit schmalen Farbbändern in Schwarz, Rot und Gold
    Symbolische Illustration von politfacts. Sie zeigt keine reale Veranstaltung und keine beteiligten Personen.

    Kurz erklärt

    Die Schwarz-Rot-Gold Akademie ist mehr als ein gewöhnliches Seminarangebot. Die parteieigene GmbH soll nach Medienrecherchen Fachpersonal identifizieren, Qualifikationen erfassen und mögliche Mitarbeiter für Ministerien, Fraktionen und politische Leitungsstäbe schulen. Ergänzt wird sie durch Landesakademien und eine Arbeitsgruppe zur Vorbereitung auf Regierungsbeteiligungen. Über Kosten, Teilnehmer, Referenten und Auswahlverfahren ist jedoch nur wenig öffentlich bekannt.

    Vier Angaben zur Einordnung

    • 2023

      Erstes bundesweites Akademieprojekt

      Start unter dem Namen „Akademie Schwarz Rot Gold“

    • 2025

      Gründung der parteieigenen GmbH

      Rechtsträger im April eingetragen, Name und Zweck im Juni geändert

    • 100 %

      Mittelbar im Eigentum der AfD-Bundespartei

      Über die Tauroggen Holding GmbH

    • Mindestens drei

      Öffentlich dokumentierte Landesakademien beziehungsweise konkrete Gründungsprojekte

      Belegt: Thüringen und Bayern; Brandenburg konkret angekündigt

    Abschnitt 1 · Was ist die Akademie?

    Vom Schulungsprojekt zur parteieigenen GmbH

    Die Pläne reichen mindestens bis Anfang 2023 zurück. Zum zehnten Geburtstag der AfD kündigte Parteichefin Alice Weidel „Personalentwicklungsprogramme und interne Ausbildungsprogramme“ an. Die Partei müsse diese nach ihrer Vorstellung „wie in einem Konzern“ aufbauen, um Regierungsverantwortung übernehmen zu können.

    Noch im selben Jahr begann unter dem Namen „Akademie Schwarz Rot Gold“ ein bundesweites Schulungsprojekt. Maßgeblich beteiligt war der frühere Bundestagsabgeordnete und damalige Weidel-Mitarbeiter Roland Hartwig. Im November 2023 fand in Leipzig ein erstes bekanntes Seminar statt.

    Nach Hartwigs Teilnahme am später von Correctiv aufgedeckten Potsdamer Treffen trennte sich Weidel im Januar 2024 von ihrem Mitarbeiter. Nach Recherchen der ZEIT geriet das Akademieprojekt zunächst ins Stocken. Es verschwand jedoch nicht.

    2025 folgte die gesellschaftsrechtliche Institutionalisierung. Der heutige Rechtsträger wurde am 8. April 2025 beim Amtsgericht Charlottenburg eingetragen. Am 16. Juni 2025 wurden Name, Sitz und Unternehmensgegenstand geändert. Seitdem firmiert das Unternehmen als Schwarz-Rot-Gold Akademie GmbH.

    Der eingetragene Zweck umfasst Erwachsenenbildung und Schulungen für haupt- und ehrenamtliche Tätigkeiten in Politik und Verwaltung, außerdem Archivierungsdienstleistungen und die Organisation von Veranstaltungen.

    Registerdaten

    Firma
    Schwarz-Rot-Gold Akademie GmbH
    Handelsregister
    HRB 276076 B
    Registergericht
    Amtsgericht Charlottenburg
    Rechtsträger eingetragen
    8. April 2025
    Name und Zweck geändert
    16. Juni 2025
    Stammkapital
    25.000 Euro
    Sitz
    Brümmerstraße 36, 14195 Berlin
    Geschäftsführer
    Dr. Andrei Hesse
    Prokurist
    Hans-Holger Malcomeß
    Gesellschafterin
    Tauroggen Holding GmbH, 100 Prozent

    Quelle: Handelsregisterdaten (Amtsgericht Charlottenburg, HRB 276076 B), abgeglichen mit Creditreform und North Data.

    Mehrere Medien vereinfachen die Chronologie mit der Formulierung, die Akademie sei im April oder Juni 2025 gegründet worden. Präzise ist: Der Rechtsträger wurde im April eingetragen; Name und Unternehmensgegenstand wurden im Juni geändert.

    Abschnitt 2 · Wem gehört die Akademie?

    Eine Parteifirma unter Kontrolle der Bundes-AfD

    Beteiligungsstruktur nach Handelsregisterdaten

    AfD-Bundespartei

    100 %

    Tauroggen Holding GmbH

    Geschäftsführer: Carsten Hütter · Prokurist: Hans-Holger Malcomeß

    100 %

    Schwarz-Rot-Gold Akademie GmbH

    Geschäftsführer: Dr. Andrei Hesse

    Castel del Monte Immobilien GmbH

    Weitere Tochter der Holding – nur Kontext, gehört nicht zur Akademietätigkeit

    Die Grafik zeigt ausschließlich gesellschaftsrechtliche Beteiligungen. Sie behauptet keine organisatorische Unterordnung der Politischen Landesakademien unter die GmbH.

    Alleinige Gesellschafterin der Akademie ist die Tauroggen Holding GmbH. Diese gehört nach den Handelsregisterdaten zu 100 Prozent der AfD-Bundespartei. Geschäftsführer der Holding ist Carsten Hütter; Prokurist ist der AfD-Bundesgeschäftsführer Hans-Holger Malcomeß.

    Die Akademie ist damit nicht lediglich eine lose parteinahe Einrichtung. Sie befindet sich mittelbar vollständig im Eigentum der Bundes-AfD.

    Anders als eine parteinahe politische Stiftung ist sie als GmbH unter dem Dach einer parteieigenen Holding organisiert. Das ist nicht automatisch problematisch oder unzulässig. Öffentlich nicht nachvollziehbar sind bislang jedoch das Budget, die laufende Finanzierung, Beschäftigtenzahlen, Honorare und mögliche Teilnahmeentgelte.

    Ein unmittelbarer Bezug staatlicher Fördermittel durch die GmbH ist nicht belegt. Diese Analyse behauptet eine staatliche Finanzierung der Akademie ausdrücklich nicht.

    Abschnitt 3 · Was macht die Akademie?

    Schulungszentrum, Personalregister und Vermittlungsstelle

    • Medienrecherche

      Personal identifizieren

      Nach Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung führt die Akademie ein Register mit Namen und Qualifikationen möglicher Mitarbeiter. Die genaue Größe dieses Registers ist nicht bekannt.

    • AfD-Angabe

      Fachwissen vermitteln

      Dokumentiert beziehungsweise von beteiligten AfD-Politikern beschrieben sind Schulungen zu:

      • Haushalts- und Finanzpolitik
      • Innen- und Ausländerrecht
      • Aufbau von Ministerien und Behörden
      • Erstellung von Haushaltsentwürfen
      • Schreiben von Reden und Ministertexten
      • Medienarbeit
      • Rhetorik
      • Konfliktmanagement
    • Medienrecherche

      Personal vermitteln

      Gesucht werden nach Medienrecherchen unter anderem:

      • Büroleiter
      • Redenschreiber
      • Fachreferenten
      • Mitarbeiter für Minister- und Staatssekretärsbüros
      • Personen mit Verwaltungs- oder Ministerialerfahrung

    Hannes Gnauck erklärte gegenüber FOCUS online sinngemäß, die Akademie könne Landesverbänden nach einer Wahl geeignete Büroleiter, Redenschreiber oder Fachreferenten vermitteln.

    Potenzielle Kandidaten sollen bereits gefragt werden, ob sie für eine Tätigkeit nach Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern umziehen würden. Der Einsatz externer Headhunter wurde als künftige Möglichkeit genannt. Ein konkreter Auftrag an einen Headhunter ist nicht belegt.

    Die AfD und Akademie-Geschäftsführer Andrei Hesse beantworteten Fragen von FOCUS online zu den konkreten Tätigkeiten der GmbH nicht. Die offizielle Akademieseite der AfD ist passwortgeschützt.

    Abschnitt 4 · Beteiligte

    Wer steht hinter der Akademie?

    • Dr. Andrei Hesse

      Geschäftsführer

      • Geschäftsführer der Schwarz-Rot-Gold Akademie GmbHHandelsregister
      • Nach Recherchen von Table.Briefings zugleich Leiter der Strategieabteilung der AfD-BundesgeschäftsstelleMedienangabe – eine öffentlich zugängliche Bestätigung der AfD liegt nicht vor
    • Hannes Gnauck

      Bundesschatzmeister der AfD

      • Koordiniert nach eigenen Angaben seit 2024 den weiteren AkademieaufbauEigene Angabe
      • Am Aufbau der Landesakademie Brandenburg beteiligtrbb24
      • Seit 4. Juli 2026 Bundesschatzmeister der AfDAfD-Pressemitteilung
    • Hans-Holger Malcomeß

      Prokurist

      • Prokurist der Schwarz-Rot-Gold Akademie GmbHHandelsregister
      • Prokurist der Tauroggen Holding GmbHHandelsregister
      • Bundesgeschäftsführer der AfD
    • Carsten Hütter

      Geschäftsführer der Holding

      • Geschäftsführer der Tauroggen Holding GmbHHandelsregister
      • Bis Juli 2026 Bundesschatzmeister der AfDNicht mehr amtierender Bundesschatzmeister
    • Roland Hartwig

      Leiter der Politischen Akademie Thüringen

      • Maßgeblich am ersten Akademieprojekt 2023 beteiligt
      • Früherer Bundestagsabgeordneter und ehemaliger persönlicher Referent Alice Weidels
      • Heute Leiter der Politischen Akademie Thüringen
      • Berät weitere Landesakademien

    Abschnitt 5 · Das Netz der Landesakademien

    Fachliche Ausbildung und weltanschauliche Formierung

    • Thüringen

      aktiv

      Start November 2025, rund 40 Teilnehmer, zweijährige Ausbildung

    • Bayern

      aktiv

      Gründung Mai 2026, rund 100 Teilnehmer beim Auftakt, bis zu 140 vorgesehen

    • Brandenburg

      angekündigt

      Start für September 2026 mit rund 50 Teilnehmern angekündigt

    • Baden-Württemberg

      im Aufbau

      Landesverband spricht von eigenen Schulungs- und Bildungsangeboten

    Eine formale gesellschaftsrechtliche Unterordnung der Landesakademien unter die Schwarz-Rot-Gold Akademie GmbH ist nicht belegt. Nachweisbar sind personelle, konzeptionelle und strategische Verbindungen.

    Thüringen

    Im November 2025 startete die Politische Akademie Thüringen mit einem ersten Jahrgang von rund 40 jungen Parteimitgliedern. Die Ausbildung soll etwa zwei Jahre dauern.

    Roland Hartwig nennt drei Säulen: theoretisches Wissen, Rhetorik- und Medientraining sowie eine parteiinterne Denkfabrik. Deren Vorschläge sollen nach Hartwigs Angaben Eingang in Parteiprogramme finden. Eine Teilnehmerin erklärte gegenüber dem MDR, für sie stehe die „weltanschauliche Festigung“ junger Mitglieder im Vordergrund.

    Bayern

    Die Politische Akademie Bayern wurde im Mai 2026 gegründet. Rund 100 Mitglieder nahmen an der nicht öffentlich angekündigten Auftaktveranstaltung teil. Bis zu 140 Teilnehmer sind vorgesehen. Für Mitglieder der neuen AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland waren 40 Plätze reserviert.

    Verantwortlich ist Rainer Rothfuß; Roland Hartwig berät das Projekt. Gastredner war Björn Höcke. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung forderte er die Teilnehmer auf: „Werdet Elite!“

    Der bayerische Landesvorsitzende Stephan Protschka bezeichnete die Akademie gegenüber BR24 selbst als „Kaderschmiede“ und erklärte, sie solle auf eine spätere Arbeit in Ministerien vorbereiten.

    Brandenburg

    Die brandenburgische Landesakademie soll im September 2026 mit rund 50 Teilnehmern starten. Die Kandidaten wurden von den 16 Kreisverbänden benannt. Am Aufbau sind Hannes Gnauck und Roland Hartwig beteiligt.

    Zum angekündigten Programm gehören fachliche Inhalte wie Medienarbeit, Konfliktmanagement sowie Aufbau und Organisation von Behörden und Ministerien. Zugleich erklärte Hartwig gegenüber rbb24, es gehe auch darum, „Kulturhoheit“ über politische Begriffe zu erlangen. Als Beispiel nannte er „Remigration“.

    Als Referent wird Benedikt Kaiser genannt, ein Autor der Neuen Rechten. Er vermittelt nach rbb-Recherchen Strategien zur kommunalen Verankerung.

    Diese weltanschaulichen Inhalte sind ausschließlich den dokumentierten Landesakademien zuzurechnen. Dass „Remigration“ auf dem Lehrplan der Bundes-GmbH steht, ist nicht belegt.

    Abschnitt 6 · Der Testfall Sachsen-Anhalt

    Personal für eine mögliche Landesregierung

    Die Akademiestrukturen erhalten durch die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt besondere Bedeutung. Ulrich Siegmund bestätigte im Juli 2026 bei „Markus Lanz“, dass sich die AfD seit mehreren Jahren personell auf Regierungsverantwortung vorbereite.

    Der Journalist Justus Bender berichtete in der Sendung von einer bundesweiten Suche nach Referenten und Büroleitern. Diese würden unter anderem darin ausgebildet, Haushalte und Reden zu schreiben.

    Table.Briefings berichtet, dass die AfD für jedes Ministerium mit sechs bis zehn eigenen politischen Mitarbeitern kalkuliere. Hinzu käme weiterer Personalbedarf in Behörden und Leitungsfunktionen. Vor der Thüringer Landtagswahl 2024 soll die Partei einen Bedarf von rund 150 neu zu besetzenden Stellen berechnet haben.

    Die Zahlen zu Personalbedarf und Ministerienbesetzung beruhen auf Medienrecherchen. Eine offiziell veröffentlichte Personalplanung der AfD liegt nicht vor.

    So ist der beschriebene Ablauf angelegt
    1. 1.Landesverband meldet Personalbedarf

    2. 2.Akademie durchsucht Personalpool

    3. 3.Schulung und fachliche Vorbereitung

    4. 4.Vermittlung für Büros und Fachreferate

    Eine Ernennung oder Einstellung folgt weiterhin den jeweiligen gesetzlichen Voraussetzungen. Die Akademie kann Personal suchen und vorbereiten, entscheidet aber nicht selbst über staatliche Stellenbesetzungen.

    Abschnitt 7 · Die AG Regierungsbeteiligung

    Juristische Vorbereitung auf Konflikte

    Neben der Akademie setzte der AfD-Bundesvorstand 2025 eine Arbeitsgruppe „Regierungsbeteiligung“ ein. Nach übereinstimmenden Medienberichten wurden dafür zwei Stellen mit jährlichen Gesamtkosten von rund 185.000 Euro geschaffen.

    Die Gruppe soll mögliche Gesetzesvorhaben vorbereiten und rechtliche, politische sowie institutionelle Konflikte untersuchen, die einer AfD-Regierung begegnen könnten.

    Alice Weidel sprach auf dem Bundesparteitag von Abwehrmaßnahmen gegen eine von ihr erwartete „Regierungssabotage“.

    Table.Briefings berichtet über Planspiele zu:

    • gerichtlichen Grenzen politischer Vorhaben
    • einem möglichen Ausschluss aus der Innenministerkonferenz
    • möglichen Einschränkungen beim Austausch von Verfassungsschutzinformationen
    • Kommunikationsstrategien für solche Konflikte

    Diese Angaben beruhen teilweise auf Gesprächen von Table.Briefings mit nicht namentlich genannten AfD-Funktionären. Ein öffentlich einsehbares Strategiepapier liegt nicht vor.

    Die Arbeitsgruppe ist keine Abteilung der Akademie. Beide sind getrennte Strukturen innerhalb der Vorbereitung der Partei; eine formale organisatorische Unterordnung ist nicht belegt.

    Abschnitt 8 · Die Rolle der FPÖ

    Regierungsberatung aus Österreich

    Die AfD orientiert sich bei ihren Vorbereitungen auch an der österreichischen FPÖ, die über Regierungserfahrung auf Bundes- und Landesebene verfügt.

    Bei einem Strategietreffen im April 2026 berichtete der frühere FPÖ-Finanzstaatssekretär Hubert Fuchs über Regierungsarbeit, Koalitionspraxis und Personalgewinnung. Weitere Medien berichten über einen intensiveren Erfahrungsaustausch zur Organisation und Kommunikation einer möglichen Regierungsübernahme.

    Eine direkte Tätigkeit von FPÖ-Politikern als Referenten der Schwarz-Rot-Gold Akademie ist bislang nicht belegt. Belegt ist ein Erfahrungsaustausch mit der AfD.

    Parlamentarische Aufklärung läuft

    Eine Kleine Anfrage der Grünen vom August 2026 fragt die Bundesregierung, welche Erkenntnisse über ausländische Referenten, Berater oder Dienstleister innerhalb der Schulungs- und Rekrutierungsstrukturen der AfD vorliegen – ausdrücklich auch zur Schwarz-Rot-Gold Akademie.

    Eine Antwort liegt noch nicht vor. Die Anfrage ist daher kein Beleg für eine bereits festgestellte ausländische Beteiligung an der Akademie.

    Abschnitt 9 · Was ist daran normal?

    Parteischulung ist nicht das Problem

    Parteien bilden regelmäßig Mitglieder, Funktionäre und Mitarbeiter aus. Die Bundeszentrale für politische Bildung weist darauf hin, dass parteiinterne und zweckgebundene Mitglieder- und Funktionärsschulungen üblich sind.

    Auch die Vorbereitung auf eine mögliche Regierungsbeteiligung ist grundsätzlich legitim. Parteien müssen über Personal verfügen, das parlamentarische Verfahren, Haushaltsrecht und Verwaltungsstrukturen versteht.

    Kritikwürdig ist deshalb nicht die Existenz einer AfD-Akademie an sich.

    Politisch relevant ist die Kombination aus:

    • nicht öffentlichem Personalregister
    • Vermittlung für Ministerien und Leitungsstäbe
    • unbekannten Auswahlregeln
    • weitgehend nicht öffentlichen Referenten
    • fachlicher und weltanschaulicher Ausbildung
    • parteiinternen Denkfabriken
    • Strategien zur politischen „Kulturhoheit“
    • paralleler Vorbereitung auf institutionelle Konflikte
    • fehlender finanzieller Transparenz

    Abschnitt 10 · Belegqualität

    Was wir wissen – und was nicht

    Belegt

    • Die GmbH existiert.
    • Sie gehört mittelbar vollständig der AfD-Bundespartei.
    • Ihr eingetragener Zweck umfasst Schulungen für Politik und Verwaltung.
    • Dr. Andrei Hesse ist Geschäftsführer.
    • Hans-Holger Malcomeß ist Prokurist.
    • Thüringen und Bayern betreiben Landesakademien.
    • Brandenburg hat einen konkreten Start angekündigt.
    • Die Landesakademien vermitteln fachliche und teilweise weltanschauliche Inhalte.
    • Die AfD bereitet sich nach eigenen Angaben auf Regierungsverantwortung vor.

    Medienberichten zufolge

    • Die Bundesakademie führt ein Register mit Namen und Qualifikationen.
    • Sie verfügt über einige Dutzend Dozenten.
    • Kandidaten werden für mögliche Einsätze in verschiedenen Bundesländern angesprochen.
    • Für Ministerien werden sechs bis zehn politische Mitarbeiter kalkuliert.
    • Die AG Regierungsbeteiligung spielt konkrete institutionelle Konflikte durch.
    • Andrei Hesse leitet zusätzlich die Strategieabteilung der Bundesgeschäftsstelle.

    Offen

    • Budget und Geldflüsse
    • Beschäftigtenzahl
    • Zahl der erfassten Kandidaten
    • Auswahlkriterien
    • konkrete Datenschutzregeln
    • vollständige Liste der Referenten
    • Verträge mit externen Dienstleistern
    • organisatorische Beziehungen zu den Landesakademien
    • mögliche ausländische Referenten
    • konkrete Erfolgs- oder Qualitätskontrollen

    Schlussfolgerung

    Die entscheidende Frage

    Die Schwarz-Rot-Gold Akademie ist keine nachgewiesene „Schattenregierung“. Ihre Existenz beweist für sich genommen weder einen geplanten Rechtsbruch noch die Fähigkeit der AfD, tatsächlich eine Regierung oder Verwaltung zu führen.

    Die verfügbaren Fakten zeigen aber ein systematisch aufgebautes Rekrutierungs- und Schulungsinstrument. Es soll der Partei ermöglichen, nach einem Wahlerfolg nicht nur Minister zu stellen, sondern auch die zweite und dritte politische Führungsebene mit vorbereitetem Personal zu besetzen.

    Auf Landesebene kommt eine ausdrücklich weltanschauliche Komponente hinzu. Dort geht es nicht allein um Haushaltsrecht, Rhetorik oder Verwaltungsorganisation, sondern auch um „Kulturhoheit“, „Remigration“ und die Ausbildung einer neuen parteiinternen Elite.

    Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob eine Partei ihre Mitglieder schulen darf. Natürlich darf sie das.

    Entscheidend ist, nach welchen Kriterien die AfD ihr künftiges Personal auswählt, welches Staats- und Demokratieverständnis sie vermittelt und wie stark fachliche Qualifikation gegenüber ideologischer Loyalität gewichtet wird. Genau darüber gibt die Partei bislang kaum Auskunft.

    POLITFACTS-Bewertung

    Die Akademie ist ein legitimes Instrument parteiinterner Personalentwicklung. Ihre politische Bedeutung geht jedoch deutlich darüber hinaus: Sie verbindet Rekrutierung, Verwaltungsschulung und Vorbereitung auf Regierungsbeteiligungen. Die fehlende Transparenz über Personalregister, Auswahl, Referenten und Finanzierung verhindert eine unabhängige Bewertung ihrer Arbeit. Besonders kritisch ist die dokumentierte Verbindung fachlicher Ausbildung mit weltanschaulicher Formierung in mehreren Landesakademien.

    Quellenverzeichnis

    So haben wir gearbeitet

    POLITFACTS hat Handelsregisterdaten, Selbstdarstellungen der AfD, öffentlich dokumentierte Äußerungen beteiligter Politiker sowie Berichte mehrerer Medien ausgewertet und miteinander abgeglichen. Registerdaten und Primäräußerungen wurden höher gewichtet als anonyme Medienangaben. Nicht unabhängig bestätigte Informationen werden ausdrücklich als Medienrecherche gekennzeichnet. Aus einer parlamentarischen Anfrage wurden keine Tatsachen abgeleitet, solange keine Antwort der Bundesregierung vorliegt.

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