Wie verändert sich die politische Ausgangslage seit der Bundestagswahl 2025?
Noch keine WahlprognoseStand:
Die AfD führt derzeit bundesweit in den Umfragen. Daraus folgt jedoch noch keine Prognose für die Bundestagswahl 2029. politfacts trennt deshalb zwischen aktueller Stimmung, struktureller Wahltendenz und einer späteren statistisch kalibrierten Wahlprognose.
Einleitung
Die Bundestagswahl 2029 liegt noch weit entfernt. Eine statistisch belastbare Wahlprognose wäre zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös. politfacts beobachtet deshalb zunächst die modellierte Wahltendenz: aktuelle bundesweite Umfragen, das Bundestagswahlergebnis 2025, tatsächliche Landtagswahlergebnisse und weitere strukturelle Signale werden getrennt ausgewertet.
Erst wenn genügend wahlnahe Daten vorliegen, wird die Wahltendenz zu einer probabilistischen Wahlprognose weiterentwickelt.
Warum noch keine Prognose?
Wissenschaftliche Modelle wie zweitstimme.org kombinieren für Bundestagsprognosen unter anderem das Ergebnis der vorherigen Wahl, Umfragen etwa 230 bis 200 Tage vor dem Wahltag, Regierungsfaktoren und aktuelle Umfragen. Diese für 2029 entscheidende frühe Prognosephase ist noch nicht erreicht.
Deshalb verzichten wir derzeit bewusst auf eine vermeintlich präzise Punktschätzung für das Wahlergebnis 2029.
Wenn derzeit Bundestagswahl wäre
Aktuelle bundesweite Stimmung
Gewichteter Wahltrend aus sechs aktuellen bundesweiten Sonntagsfragen mit insgesamt 11.603 Befragten.
AfD28,1 %
CDU/CSU20,5 %
Grüne14,7 %
SPD12,8 %
Die Linke11,3 %
FDP4,3 %
BSW3,1 %
Sonstige5,2 %
Quelle: DAWUM-Wahltrend Bundestagswahl, Stand 12.09.2026
Diese Werte beantworten die Frage, wie die Wahlberechtigten derzeit wählen würden. Sie beantworten ausdrücklich nicht die Frage, wie Deutschland 2029 wählen wird.
Vergleich mit der Bundestagswahl 2025
Veränderung seit der Bundestagswahl 2025
Veränderung in Prozentpunkten: amtliches Ergebnis 2025 gegenüber der aktuellen Stimmung im September 2026. Verluste links, Gewinne rechts der Null-Linie.
AfD+7,3
Grüne+3,1
Die Linke+2,5
FDP±0,0
BSW−1,88
SPD−3,6
CDU/CSU−8,0
Veränderung seit der Bundestagswahl 2025 in Prozentpunkten
AfD
+7,3 Prozentpunkte
Grüne
+3,1 Prozentpunkte
Die Linke
+2,5 Prozentpunkte
FDP
±0,0 Prozentpunkte
BSW
−1,88 Prozentpunkte
SPD
−3,6 Prozentpunkte
CDU/CSU
−8,0 Prozentpunkte
Datengrundlage
CDU/CSU 2025: 28,5 %
AfD 2025: 20,8 %
SPD 2025: 16,4 %
Grüne 2025: 11,6 %
Die Linke 2025: 8,8 %
BSW 2025: 4,98 %
FDP 2025: 4,3 %
Sonstige einschließlich weiterer Parteien entsprechend amtlichem Ergebnis. Quelle: Vergleich: amtliches Endergebnis der Bundestagswahl 2025 (Die Bundeswahlleiterin) und DAWUM-Wahltrend vom 12.09.2026
Seit der Bundestagswahl 2025 hat sich die politische Stimmung deutlich verschoben. Besonders stark gewinnt die AfD, während CDU/CSU und SPD gegenüber ihrem Wahlergebnis deutlich verlieren. Diese Entwicklung beschreibt den bisherigen Trend – nicht dessen Fortsetzung bis 2029.
Wie politfacts die Entwicklung modelliert
Sechs Ebenen werden getrennt ausgewertet. Die zentralen Aussagen stehen jeweils sichtbar, Details lassen sich aufklappen.
A
Struktureller Ausgangspunkt
Bundestagswahl 2025
B
Aktuelle politische Stimmung
Mehrere aktuelle Bundestagsumfragen verschiedener Institute.
C
Tatsächliche Landtagswahlen
Landtagswahlergebnisse werden als zusätzliche reale Wahlbeobachtungen genutzt. Sie werden jedoch nicht direkt auf Deutschland übertragen.
D
Gewicht nach Wahlberechtigten
Landtagswahlergebnisse werden entsprechend der Größe des jeweiligen Wahlkörpers gewichtet.
Gewicht Bundesland = Wahlberechtigte des Bundeslandes / Wahlberechtigte Deutschland
E
Regionale Effekte
Das Modell unterscheidet zwischen drei Ebenen:
F
Fundamentaldaten
Später können zusätzlich berücksichtigt werden:
Was tatsächliche Wahlen seit 2025 zeigen
Landtagswahl 8. März 2026
Baden-Württemberg
Endgültiges Zweitstimmenergebnis
Grüne30,2 %
CDU/CSU29,7 %
AfD18,8 %
SPD5,5 %
FDP4,4 %
Die Linke4,4 %
BSW1,4 %
Wahlberechtigte: 7.764.858
Das starke Grünen-Ergebnis zeigt, wie groß landesspezifische Effekte sein können. Eine direkte Hochrechnung auf den Bund wäre deshalb statistisch nicht vertretbar.
Landtagswahl 22. März 2026
Rheinland-Pfalz
Endgültiges Landesstimmenergebnis
CDU/CSU31,0 %
SPD25,9 %
AfD19,5 %
Grüne7,9 %
Die Linke4,4 %
FDP2,1 %
BSW1,9 %
Stimmberechtigte: 2.990.064
Auch Rheinland-Pfalz zeigt einen ausgeprägten Landeseffekt – insbesondere bei SPD und CDU.
Landtagswahl 6. September 2026
Sachsen-Anhalt
Ergebnis
AfD43,8 %
CDU/CSU17,2 %
Die Linke9,0 %
Grüne8,9 %
SPD8,6 %
BSW5,3 %
Wahlbeteiligung: 77,8 %
Das AfD-Ergebnis ist außergewöhnlich hoch, darf aber nicht unmittelbar auf Deutschland übertragen werden. Die AfD war bereits bei der Bundestagswahl 2025 in Sachsen-Anhalt erheblich stärker als bundesweit. Zudem repräsentiert Sachsen-Anhalt nur einen kleinen Anteil des bundesweiten Wahlkörpers.
Sachsen-Anhalt als Beispiel für die Modelllogik
Nicht das absolute Landtagswahlergebnis beeinflusst den Bundestrend, sondern nur dessen über den regionalen und bundesweiten Trend hinausgehender Informationsgehalt.
Wissenschaftlicher Benchmark
zweitstimme.org wird von Forschenden unter anderem der Universität Mannheim, der Universität Witten/Herdecke und der Hertie School entwickelt. Das Modell kombiniert für Bundestagswahlen ein Fundamentaldatenmodell mit einem dynamischen Umfragemodell.
Fundamentaldaten
vorheriges Wahlergebnis
frühe Umfragen etwa 230–200 Tage vor der Wahl
Regierungs-/Kanzlerparteieffekt
Umfragemodell
aktuelle Umfragen
latente Parteienunterstützung
Institutseffekte
zeitliche Dynamik
Unsicherheit
keine reine Punktschätzung
Wahrscheinlichkeitsverteilungen
Simulationen
historische Prognosefehler
Status 2029
Auch zweitstimme.org veröffentlicht derzeit noch keine eigentliche Bundestagswahlprognose 2029, sondern eine „Aktuelle Stimmung“.
Daraus folgt für politfacts: Auch wir trennen derzeit konsequent zwischen aktueller Stimmung, modellierter Wahltendenz und späterer Wahlprognose.
Wie genau war der wissenschaftliche Benchmark zuletzt?
Evaluation von zweitstimme.org zur Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026. Der MAE bezieht sich auf acht betrachtete Parteien.
ca. 41,0 %
AfD-Prognose zweitstimme.org
43,8 %
tatsächliches Ergebnis
+2,8 PP
Abweichung
2,4 PP
MAE über acht Parteien
CDU deutlich schwächer als prognostiziert
Grüne deutlich stärker als prognostiziert
mehrere Parteien außerhalb des 5/6-Unsicherheitsintervalls
AfD blieb innerhalb des prognostizierten Unsicherheitsbereichs
Auch wissenschaftliche Modelle können kurzfristige taktische Wahlbewegungen und lokale Effekte nicht vollständig vorhersehen. Deshalb sind Unsicherheitsintervalle und eine transparente Evaluation genauso wichtig wie die Punktschätzung.
Entwicklungsstufen des politfacts-Modells
Phase 1 – heute
Modellierte Wahltendenz
aktiv
Bundestagswahl 2025
aktuelle Umfragen
tatsächliche Landtagswahlergebnisse
strukturelle Trends
externe Benchmarks
Keine Wahlprognose.
Phase 2 – etwa 230 Tage vor der Bundestagswahl
Frühprognose
geplant
Dann stehen erstmals jene frühen Umfragen zur Verfügung, die auch wissenschaftliche Fundamentaldatenmodelle wie zweitstimme.org verwenden.
historische Kalibrierung
Backtests
prognostische Punktschätzungen
Unsicherheitsintervalle
Phase 3 – Wahlkampfphase
Wahlprognose
geplant
Dann zusätzlich:
dynamische Umfrageentwicklung
Institutseffekte
Parteien-Momentum
5-%-Wahrscheinlichkeiten
Wahlkreis-/Direktmandatsmodell
Sitzsimulationen
mögliche parlamentarische Mehrheiten
Was wir bewusst noch nicht anzeigen
Noch nicht statistisch belastbar
Bis zur historischen Kalibrierung zeigen wir nicht an:
Wahrscheinlichkeit „Partei X wird stärkste Kraft“
Wahrscheinlichkeit konkreter Koalitionsmehrheiten
scheinexakte Prognosewerte für 2029
Wahrscheinlichkeiten für FDP oder BSW über/unter 5 %
angebliche 80-, 90- oder 95-%-Konfidenzintervalle
1-Million-Simulationen ohne empirisch kalibrierte Ausgangsverteilungen
Simulationen erzeugen nicht automatisch statistische Aussagekraft. Die zugrunde liegenden Wahrscheinlichkeitsverteilungen müssen zunächst anhand vergangener Bundestagswahlen kalibriert und getestet werden.
So entsteht die spätere Prognose
Der geplante Out-of-Sample-Test misst die Fehler über MAE und RMSE; Institutseffekte und Fundamentaldaten werden getrennt geschätzt.
1Historische Bundestagswahlen erfassen.
2Frühere Umfragen zu identischen Zeitpunkten vor den jeweiligen Wahlen rekonstruieren.