Wahlprognose · Ergebnischeck
Wahlprognose Sachsen-Anhalt 2026 im Ergebnischeck
Landtagswahl Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 · Auswertung vom 07.09.2026
Prognosebilanz nach der Wahl
Die AfD gewinnt mit 43,8 Prozent, verfehlt aber mit 39 von 83 Sitzen die absolute Mehrheit.
Vorläufiges amtliches Ergebnis · Stand 7. September 2026, 02:56 Uhr
Prognosebilanz nach der Landtagswahl
Die AfD gewinnt mit 43,8 Prozent, verfehlt aber mit 39 von 83 Sitzen die absolute Mehrheit.
Das politfacts-Modell V4.5 hatte für die AfD einen Median von 39,4 Prozent und eine Wahrscheinlichkeit von 23,2 Prozent für eine absolute Sitzmehrheit ausgewiesen. Das tatsächliche AfD-Ergebnis lag 4,4 Prozentpunkte über dem Modellmedian. Die absolute Mehrheit wurde dennoch – entsprechend dem im Modell wahrscheinlicheren Szenario – verfehlt.
- AfD-Ergebnis
- 43,8 %
- AfD-Sitze
- 39 von 83
- Fehlende Sitze zur Mehrheit
- 3
- Wahlbeteiligung
- 77,8 %
Vorläufiges amtliches Ergebnis · Landeswahlleitung Sachsen-Anhalt · Stand 7. September 2026, 02:56 Uhr · 2.661 von 2.661 Wahlbezirken Zur Landeswahlleitung
Prognose und Ergebnis im Vergleich
Das Modell unterschätzte insbesondere die AfD und die Grünen. CDU und Linke wurden deutlich überschätzt. SPD und BSW schnitten stärker ab als der jeweilige Modellmedian, die FDP lag nahe an der Prognose.
AfD
- Prognose
- 39,4 %
- Ergebnis
- 43,8 %
- Abweichung
- +4,37
CDU
- Prognose
- 21,7 %
- Ergebnis
- 17,2 %
- Abweichung
- −4,47
Linke
- Prognose
- 12,1 %
- Ergebnis
- 8,6 %
- Abweichung
- −3,45
SPD
- Prognose
- 7,6 %
- Ergebnis
- 9,3 %
- Abweichung
- +1,69
Grüne
- Prognose
- 5,4 %
- Ergebnis
- 8,9 %
- Abweichung
- +3,47
BSW
- Prognose
- 4,1 %
- Ergebnis
- 5,3 %
- Abweichung
- +1,19
FDP
- Prognose
- 3,0 %
- Ergebnis
- 2,6 %
- Abweichung
- −0,43
Sonstige
- Prognose
- 3,8 %
- Ergebnis
- 4,3 %
- Abweichung
- +0,51
Angezeigt wird auf eine Nachkommastelle gerundet. Die Fehlermaße werden mit den exakten Modellwerten aus V4.5 berechnet. Abweichung = Ergebnis minus Prognose.
Vorläufiges amtliches Ergebnis · Landeswahlleitung Sachsen-Anhalt · Stand 7. September 2026, 02:56 Uhr · 2.661 von 2.661 Wahlbezirken Zur Landeswahlleitung
Wie genau war die Prognose?
- 2,45 Prozentpunkte
- Mittlere absolute Abweichung (MAE) bei dieser Wahl
- 2,91 Prozentpunkte
- Mittlerer quadratischer Fehler (RMSE) bei dieser Wahl
- 2,38 Prozentpunkte
- Historischer Backtest-MAE des Modells
- 3,24 Prozentpunkte
- Historischer Backtest-RMSE des Modells
- 7 von 8
- Kategorien innerhalb ihres 80-Prozent-Prognosebereichs
Die mittlere absolute Abweichung lag bei rund 2,45 Prozentpunkten und damit geringfügig über dem historischen Backtestwert von 2,38 Punkten. Der RMSE lag mit rund 2,91 Punkten unter dem historischen Backtestwert von 3,24 Punkten. Insgesamt bewegte sich das Ergebnis damit in der zuvor empirisch ermittelten Fehlerdimension des Modells.
Sieben der acht ausgewerteten Kategorien lagen innerhalb ihres veröffentlichten 80-Prozent-Prognosebereichs. Lediglich die Linke unterschritt mit 8,6 Prozent die untere Intervallgrenze von 9,1 Prozent um 0,5 Punkte.
Was das Modell gut erfasst hat
- deutlicher Wahlsieg der AfD
- absolute AfD-Sitzmehrheit als mögliches, aber nicht wahrscheinlichstes Szenario
- tatsächliches Ausbleiben der absoluten AfD-Mehrheit
- SPD und Grüne oberhalb der Fünfprozenthürde
- FDP außerhalb des Landtags
- zentrale AfD-Sitznäherung von 38 Sitzen lag mit einem Sitz Abstand nahe am Ergebnis von 39 Sitzen
- zentrale Bedeutung der Fünfprozenthürde für die Mehrheitsverhältnisse
Wo das Modell danebenlag
- AfD um 4,4 Prozentpunkte unterschätzt
- CDU um 4,5 Punkte überschätzt
- Linke um 3,5 Punkte überschätzt
- Grüne um 3,5 Punkte unterschätzt
- BSW-Einzug trotz einer modellierten Einzugswahrscheinlichkeit von nur 31,3 Prozent
- außergewöhnlich starke Mobilisierung und Rekordwahlbeteiligung nicht numerisch modelliert
Eine Wahrscheinlichkeit von 31,3 Prozent für den BSW-Einzug bedeutete nicht, dass ein Einzug ausgeschlossen war. Das tatsächlich eingetretene Ergebnis gehörte zu den im Modell enthaltenen, aber weniger wahrscheinlichen Szenarien.
Der neue Landtag: Der AfD fehlen drei Sitze zur absoluten Mehrheit
Die AfD stellt mit 39 Mandaten die mit Abstand größte Fraktion. Für eine eigene Mehrheit wären 42 Sitze erforderlich. CDU, SPD, Grüne und Linke verfügen zusammen ebenfalls über 39 Sitze. Die fünf BSW-Mandate können daher für die Regierungsbildung entscheidend werden.
- AfD · 39
- CDU · 16
- Linke · 8
- SPD · 8
- Grüne · 7
- BSW · 5
| Partei | Sitze |
|---|---|
| AfD | 39 |
| CDU | 16 |
| Linke | 8 |
| SPD | 8 |
| Grüne | 7 |
| BSW | 5 |
| Gesamt | 83 |
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39 zu 39 – und fünf Sitze des BSW
Ohne das BSW verfügen weder die AfD noch alle übrigen Parteien gemeinsam über eine absolute Mehrheit. Das BSW besitzt deshalb bei Mehrheitsbildungen und möglicherweise auch bei der Ministerpräsidentenwahl eine Schlüsselstellung.
AfD
39 Sitze
CDU, SPD, Grüne und Linke
39 Sitze
BSW
5 Sitze
Das BSW wird hier bewusst keinem Lager zugerechnet. Senkrechte Linie: Mehrheitsschwelle bei 42 von 83 Sitzen.
Welche Mehrheiten sind rechnerisch möglich?
Rechnerische Mehrheiten sind nicht mit politisch vereinbarten Koalitionen gleichzusetzen. Bislang existiert keine ausgehandelte Regierungsmehrheit.
AfD allein
39 Sitze / 42 benötigt
AfD + BSW
44 Sitze / 42 benötigt
CDU + SPD + Grüne
31 Sitze / 42 benötigt
CDU + SPD + Grüne + BSW
36 Sitze / 42 benötigt
CDU + SPD + Grüne + Linke
39 Sitze / 42 benötigt
CDU + SPD + Grüne + Linke + BSW
44 Sitze / 42 benötigt
Regierungsbildung: Welche Wege sind tatsächlich möglich?
CDU, SPD, Grüne und Linke schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD weiterhin aus. Eine klassische CDU-geführte Koalition aus CDU, SPD und Grünen verfügt mit 31 Sitzen über keine Mehrheit. Selbst unter Einbeziehung des BSW käme sie nur auf 36 Mandate. Für eine parlamentarische Mehrheit ohne die AfD wären deshalb sowohl das BSW als auch die Linke erforderlich.
AfD und BSW
Gemeinsam verfügen AfD und BSW über 44 Sitze. Das BSW zeigt sich für Gespräche und projektbezogene Zusammenarbeit mit der AfD offen. Eine formelle Koalitionsvereinbarung gibt es bislang nicht. Ulrich Siegmund hatte eine Koalition und Abhängigkeit vom BSW vor der Wahl mehrfach abgelehnt, sucht nach dem Wahlergebnis jedoch Unterstützung anderer Fraktionen oder einzelner Abgeordneter.
Überparteiliche Regierung oder wechselnde Mehrheiten
Das BSW wirbt für einen überparteilichen Ministerpräsidenten und eine Regierung, die für einzelne Vorhaben wechselnde Mehrheiten im Landtag sucht. Dieses Modell hatte Siegmund vor der Wahl als nicht ausreichend stabil zurückgewiesen.
Breite Mehrheit ohne AfD
CDU, SPD, Grüne, Linke und BSW kämen gemeinsam auf 44 Sitze. Eine solche Zusammenarbeit würde jedoch erhebliche politische Konflikte und eine Abkehr von bisherigen Ausschlüssen erfordern. Bislang ist keine entsprechende Vereinbarung erkennbar.
Neuwahlen sind kein Automatismus. Bis zur Wahl eines neuen Ministerpräsidenten bleibt die bisherige Landesregierung geschäftsführend im Amt.
Alle Aussagen zur Regierungsbildung geben den öffentlich dokumentierten Stand vom 7. September 2026 wieder. Positionen und Gespräche können sich kurzfristig ändern.
Von der Alleinregierung zur ausgestreckten Hand
Vor der Wahl
Ulrich Siegmund erklärte wiederholt, nur mit einer eigenen beziehungsweise stabilen Mehrheit regieren zu wollen. Eine Minderheitsregierung, wechselnde Mehrheiten und eine Koalition mit dem BSW lehnte er ab.
Am Wahlabend
Siegmund bezeichnete das BSW zunächst erneut als Teil des Problems und erklärte, für eine Koalition keine Kompromisse eingehen zu wollen.
Nach den ersten Hochrechnungen
Kurz darauf kündigte er an, Fraktionen und einzelnen Abgeordneten die Hand auszustrecken, sofern sie zentrale Vorhaben der AfD unterstützen.
Position der Parteiführung
Alice Weidel und Tino Chrupalla erklärten die AfD für gesprächsbereit. Chrupalla hält inzwischen auch eine Minderheitsregierung für denkbar und fordert, dass Siegmund zur Ministerpräsidentenwahl antritt. Auch weitere führende AfD-Politiker drängen auf eine Kandidatur.
Neuwahlen
Siegmund brachte für den Fall einer gescheiterten Regierungsbildung Neuwahlen ins Gespräch und behauptete, die AfD könne dann 50 oder 55 Prozent erreichen. Eine belastbare Datengrundlage für diese Erwartung liegt bislang nicht vor.
Die öffentlichen Aussagen zeigen einen erkennbaren Konflikt zwischen Siegmunds bisherigem Anspruch einer eigenständigen stabilen Mehrheit und dem Drängen der Partei, den Wahlsieg nun auch ohne eigene Mehrheit für eine Regierungsübernahme zu nutzen. Ob dabei konkreter Druck oder eine verbindliche Anweisung der Parteiführung erfolgte, ist bislang nicht belegt.
Alle Aussagen zur Regierungsbildung geben den öffentlich dokumentierten Stand vom 7. September 2026 wieder. Positionen und Gespräche können sich kurzfristig ändern.
Das BSW hält sich mehrere Wege offen
- Gespräche mit allen Parteien, ausdrücklich auch mit der AfD
- Ablehnung einer sogenannten Brandmauerpolitik
- genannte Schnittmengen mit der AfD bei Russlandpolitik, Sanktionen und Energiepreisen
- Differenzen unter anderem in Bildungs-, Wirtschafts- und Sozialpolitik
- projektbezogene Zusammenarbeit mit der AfD wird nicht ausgeschlossen
- bevorzugtes Modell eines überparteilichen Ministerpräsidenten
- angekündigte Enthaltung im dritten Wahlgang, falls kein überparteiliches Modell zustande kommt
- bislang keine Zusage für eine formelle AfD-BSW-Koalition
Das BSW grenzt sich programmatisch in mehreren Bereichen von der AfD ab, hält aber sowohl Gespräche als auch eine projektbezogene Zusammenarbeit für möglich. Seine angekündigte Enthaltung im dritten Wahlgang könnte einem AfD-Kandidaten den Weg ins Amt erleichtern, garantiert dessen Wahl jedoch nicht.
Alle Aussagen zur Regierungsbildung geben den öffentlich dokumentierten Stand vom 7. September 2026 wieder. Positionen und Gespräche können sich kurzfristig ändern.
Wie der Ministerpräsident gewählt wird
- 1
Erster Wahlgang
Mindestens 42 von 83 Stimmen erforderlich.
- 2
Zweiter Wahlgang
Innerhalb von sieben Tagen; erneut mindestens 42 Stimmen erforderlich.
- 3
Danach
Abstimmung über die Auflösung des Landtags.
- 4
Ohne Auflösung
Es folgt ein dritter Wahlgang.
- 5
Dritter Wahlgang
Es genügt die Mehrheit der abgegebenen Stimmen; Enthaltungen zählen nicht.
Enthalten sich die fünf BSW-Abgeordneten und stimmen die übrigen Parteien geschlossen für einen gemeinsamen Gegenkandidaten, ergäbe sich zunächst ein Verhältnis von 39 zu 39. Teilen sich die Gegenstimmen dagegen auf mehrere Kandidaten auf oder enthalten sich weitere Abgeordnete, könnte ein AfD-Kandidat mit 39 Stimmen gewählt werden.
Einordnung der Nachwahldaten
Was erklärt die Prognoseabweichungen?
Nach Veröffentlichung der Wahltagsbefragung von Infratest dimap und der Wahlanalyse der Konrad-Adenauer-Stiftung lassen sich einige Abweichungen zwischen dem Modell V4.5 und dem Wahlergebnis besser einordnen. Der folgende Abschnitt erklärt das Ergebnis im Nachhinein. Er verändert weder die veröffentlichte Prognose noch den historischen Backtest.
- Ex post
- Welche Faktoren erklären das tatsächliche Wahlergebnis, nachdem es vorliegt?
- Ex ante
- Welche dieser Faktoren hätten vor der Wahl überhaupt belastbar modelliert werden können?
Beide Ebenen werden hier strikt getrennt. Nachwahldaten dürfen nicht so dargestellt werden, als wären sie vor der Wahl als Eingangsgrößen verfügbar gewesen.
1. Außergewöhnliche Mobilisierung
- 77,8 %
- Wahlbeteiligung
- +17,5 PP
- gegenüber der Landtagswahl 2021
- ca. 170.000
- AfD-Stimmen aus dem früheren Nichtwählerlager laut Wählerwanderungsmodell
- ca. 30 %
- der AfD-Zweitstimmen stammen rechnerisch aus diesem Nichtwähler-Zufluss
Landeswahlleitung Sachsen-Anhalt
Landeswahlleitung Sachsen-Anhalt
ARD / Infratest dimap, Wählerwanderung
eigene Berechnung aus Wählerwanderung und amtlichem Ergebnis
Ex post · Erklärung des Ergebnisses
Die AfD profitierte überdurchschnittlich von der stark gestiegenen Wahlbeteiligung. Die Wählerwanderungsanalyse weist rund 170.000 Stimmen aus dem bisherigen Nichtwählerlager aus.
Das liefert eine plausible Erklärung dafür, warum die AfD mit 43,8 Prozent deutlich über dem politfacts-Modellmedian von 39,4 Prozent lag.
Ex ante · Was vor der Wahl modellierbar war
Wählerwanderungen werden erst nach der Wahl modelliert. Aus einer erwartbar hohen Wahlbeteiligung allein hätte vor der Wahl nicht seriös abgeleitet werden können, welcher Partei die zusätzliche Mobilisierung zugutekommt.
Es war deshalb methodisch vertretbar, die vor der Wahl diskutierte hohe Wahlbeteiligung nicht als AfD-Korrekturfaktor in das Modell einzubauen.
2. Taktisches Wählen verändert die Ergebnisse an der Fünfprozenthürde
78 %
der SPD-Wählenden
68 %
der Grünen-Wählenden
gaben laut Infratest dimap an, ihre Partei vor allem gewählt zu haben, um einen AfD-Ministerpräsidenten zu verhindern.
SPD
Abweichung: +1,7 Prozentpunkte
Grüne
Abweichung: +3,5 Prozentpunkte
Quelle: ARD / Infratest dimap, Wahltagsbefragung; Modellwerte V4.5; amtliches Ergebnis
Ex post · Erklärung des Ergebnisses
Insbesondere die deutliche Unterschätzung der Grünen lässt sich nach der Wahl teilweise durch strategisches Wahlverhalten erklären.
Das ist auch für die Sitzprognose entscheidend: Parteien rund um die Fünfprozenthürde beeinflussen stark, wie viele Stimmen bei der Sitzverteilung berücksichtigt werden – und damit, wie wahrscheinlich eine absolute AfD-Mehrheit wird.
Ex ante · Was vor der Wahl modellierbar war
Die Wahltagsbefragung erklärt das Ergebnis ex post. Sie darf nicht rückwirkend als vermeintlich bekannte Eingangsvariable des Prognosemodells behandelt werden.
3. Die AfD wurde nicht nur aus Protest gewählt
- Kriminalitätsbekämpfung40 %
- Asyl- und Flüchtlingspolitik38 %
- ostdeutsche Interessen36 %
- Wirtschaft30 %
- Energieversorgung30 %
- Arbeitsplätze29 %
- Bildung29 %
- soziale Gerechtigkeit29 %
Angegeben ist der Anteil der Befragten, die der AfD im jeweiligen Politikfeld die größte Kompetenz zuschreiben. Es handelt sich ausschließlich um Wahrnehmungen der Befragten, nicht um eine Bewertung der tatsächlichen Qualität oder Umsetzbarkeit politischer Konzepte.
Zugeschriebene Wirtschaftskompetenz
2021
8 %
2026
30 %
Quelle: ARD / Infratest dimap, Wahltagsbefragung 6. September 2026; Konrad-Adenauer-Stiftung, Wahlanalyse
Ex post · Erklärung des Ergebnisses
Das Ergebnis lässt sich nicht ausschließlich mit Protestwahl erklären. Die Wahltagsbefragung zeigt, dass der AfD inzwischen auch in klassischen Sachpolitikfeldern erhebliche Kompetenz zugeschrieben wird.
Ex ante · Was vor der Wahl modellierbar war
Kompetenzzuschreibung und tatsächliche Qualität politischer Konzepte sind zwei verschiedene Dinge. Die Daten beschreiben, wie Befragte die AfD wahrnehmen – sie belegen keine objektive Kompetenz.
4. Pessimistische Grundstimmung
„Wirtschaftliche Lage gut oder sehr gut“
2021
47 %
2026
20 %
Veränderung gegenüber 2021: −27 Prozentpunkte
„Sachsen-Anhalt ist gut auf die Zukunft vorbereitet“
2021
41 %
2026
28 %
Veränderung gegenüber 2021: −13 Prozentpunkte
Quelle: ARD / Infratest dimap, Wahltagsbefragung; Konrad-Adenauer-Stiftung, Wahlanalyse
Ex post · Erklärung des Ergebnisses
Das Wahlergebnis entstand in einem Umfeld ausgeprägter wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Zukunftssorgen.
Die Daten zeigen einen Kontext, in dem oppositionelle und stark systemkritische Angebote besonders mobilisierungsfähig sein können. Ein monokausaler Zusammenhang mit der Wahlentscheidung lässt sich daraus nicht ableiten.
5. Was lernen wir daraus für künftige politfacts-Prognosen?
Aus einer einzelnen Wahl werden keine neuen Modellvariablen abgeleitet. Aus den Nachwahldaten ergeben sich drei Forschungsfragen für die Weiterentwicklung des Modells.
- 1
Mobilisierung
Prüfen, ob extreme Veränderungen der erwarteten Wahlbeteiligung künftig als Unsicherheitsindikator verwendet werden können – ohne daraus automatisch einen Vorteil für eine bestimmte Partei abzuleiten.
- 2
Strategisches Wählen
Untersuchen, ob Parteien nahe der Fünfprozenthürde in stark polarisierten Wahlen eine zusätzliche Varianz beziehungsweise breitere Prognoseintervalle benötigen.
- 3
Kompetenz- und Stimmungsdaten
Backtesten, ob Veränderungen bei Parteikompetenzen, Regierungszufriedenheit und Zukunftserwartungen über mehrere historische Landtagswahlen tatsächlich zusätzliche Prognosekraft besitzen.
Keine dieser Variablen wird aufgrund einer einzigen Wahl direkt in das Modell übernommen. Erforderlich sind zuvor historische Out-of-Sample-Tests. Overfitting soll ausdrücklich vermieden werden.
Fazit
Der Ergebnischeck zeigt nicht, dass das Modell nachträglich „korrigiert“ werden muss. Er zeigt, wo zusätzliche Forschung sinnvoll ist.
Mit einer mittleren absoluten Abweichung von 2,45 Prozentpunkten lag V4.5 ungefähr innerhalb seiner historisch gemessenen Fehlerdimension. Die neuen Nachwahldaten helfen vor allem zu verstehen, warum einzelne Parteien vom Median abwichen. Ob sich daraus bessere Prognosevariablen ableiten lassen, muss anhand weiterer historischer Wahlen getestet werden.
Quellen zu diesem Abschnitt
- Landeswahlleitung Sachsen-Anhalt – vorläufiges amtliches Ergebnis der Landtagswahl 2026 (Wahlbeteiligung, Stimmenanteile)
- ARD / Infratest dimap – Wahltagsbefragung und Wählerwanderung zur Landtagswahl Sachsen-Anhalt, 6. und 7. September 2026
- Konrad-Adenauer-Stiftung – „Wahlanalyse der Landtagswahl Sachsen-Anhalt am 6. September 2026“, veröffentlicht am 7. September 2026
Quellen zum Wahlergebnis und zur Regierungsbildung
- Landeswahlleitung Sachsen-Anhalt – vorläufiges amtliches Ergebnis der Landtagswahl 2026 (Stand 07.09.2026, 02:56 Uhr)
- Tagesschau – Ablauf und Rechtslage der Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt (Stand 07.09.2026)
- Tagesschau – AfD und interne Differenzen nach der Wahl (Stand 07.09.2026)
- Deutschlandfunk – Newsblog zur Landtagswahl mit Aussagen von AfD und BSW (Stand 07.09.2026)
- MDR – Wahlergebnis und aktuelle Entwicklungen in Sachsen-Anhalt (Stand 07.09.2026)
Vorläufiges amtliches Ergebnis · Landeswahlleitung Sachsen-Anhalt · Stand 7. September 2026, 02:56 Uhr · 2.661 von 2.661 Wahlbezirken
Archiv
Dokumentation der letzten Vorwahlprognose
Der folgende Abschnitt dokumentiert unverändert den letzten vor der Wahl veröffentlichten Modellstand V4.5 vom 4. September 2026. Die Werte werden nicht nachträglich an das Wahlergebnis angepasst.
Alle Zeitangaben im folgenden Bereich beziehen sich auf den damaligen Stand vom 4. September 2026, also vor der Wahl.
Damalige Überschrift
Wahlprognose Sachsen-Anhalt 2026: AfD bei 39,4 %, Mehrheitsrisiko bei 23,2 %
politfacts-Prognosemodell · Stand 4. September 2026
Die neue Civey/WELT-Erhebung verändert die Stimmenprognose des politfacts-Modells nur moderat. Der AfD-Median sinkt von 39,65 auf 39,43 Prozent. Gleichzeitig steigt die modellierte Wahrscheinlichkeit eines Einzugs der Grünen. Das Risiko einer absoluten AfD-Sitzmehrheit geht dadurch von 25,1 auf rund 23,2 Prozent zurück. Entscheidend bleibt das Abschneiden der kleineren Parteien an der Fünfprozenthürde.
Update 04.09.2026 – Modell V4.5
Die neue Civey/WELT-Sonntagsfrage vom 3. September sieht die AfD bei 41 und die CDU bei 23 Prozent. Im politfacts-Prognosemodell sinkt der AfD-Median dadurch von 39,65 auf 39,43 Prozent. CDU und SPD steigen jeweils um rund 0,22 Prozentpunkte, die Grünen um rund 0,11 Prozentpunkte.
Das modellierte Risiko einer absoluten AfD-Sitzmehrheit sinkt von 25,11 auf rund 23,18 Prozent. Hauptgründe sind der leicht niedrigere AfD-Median und die gestiegene Wahrscheinlichkeit, dass die Grünen die Fünfprozenthürde überwinden. Der niedrigere FDP-Wert wirkt teilweise in die Gegenrichtung, gleicht diesen Effekt aber nicht aus.
Die neue Civey/WELT-Erhebung senkt den AfD-Median leicht auf 39,4 Prozent. Das modellierte Risiko einer absoluten AfD-Sitzmehrheit sinkt auf rund 23,2 Prozent. Entscheidend bleibt die Fünfprozenthürde.
Die Civey/WELT-Sonntagsfrage und das politfacts-Prognosemodell sind strikt zu trennen. Civey weist eigene Umfragewerte aus; die Werte von 39,4 Prozent und 23,2 Prozent stammen ausschließlich aus dem politfacts-Modell.
Das Wichtigste in Kürze
- Die AfD bleibt mit einem Modellmedian von 39,4 Prozent deutlich stärkste Kraft.
- Die CDU steigt auf 21,7 Prozent, die Linke liegt bei 12,1 Prozent.
- SPD und Grüne legen leicht zu; das BSW bleibt unverändert bei 4,1 Prozent.
- Die Wahrscheinlichkeit eines Einzugs der Grünen steigt von 59,9 auf rund 63,2 Prozent.
- Die Einzugswahrscheinlichkeit der FDP sinkt von 20,4 auf rund 18,7 Prozent.
- Das modellierte Risiko einer absoluten AfD-Sitzmehrheit geht von 25,1 auf rund 23,2 Prozent zurück.
- Entscheidend bleibt, welche Parteien die Fünfprozenthürde überwinden.
Wahlprognose Sachsen-Anhalt 2026
politfacts-Prognosemodell · Stand 4. September 2026
Keine Umfrage – statistische Prognose
Balken: Prognosemedian · Fehlerbalken: 80-%-Prognosebereich. Die gestrichelte Linie markiert die Fünfprozenthürde.
| Partei | Prognose | 80-%-Bereich | P(≥5 %) | Δ zu V4.4 |
|---|---|---|---|---|
| AfD | 39,4 % | 33,7–47,4 % | >99 % | −0,22 |
| CDU | 21,7 % | 16,8–27,3 % | >99 % | +0,22 |
| Linke | 12,1 % | 9,1–15,8 % | >99 % | ±0,00 |
| SPD | 7,6 % | 5,6–11,3 % | 95,4 % | +0,22 |
| Grüne | 5,4 % | 3,9–9,5 % | 63,2 % | +0,11 |
| BSW | 4,1 % | 2,7–6,7 % | 31,3 % | ±0,00 |
| FDP | 3,0 % | 1,6–7,6 % | 18,7 % | −0,22 |
| Sonstige | 3,8 % | 2,7–6,4 % | – | −0,11 |
Die einzelnen Parteimediane müssen sich nicht exakt zu 100 Prozent addieren. Sie stammen jeweils aus der Mitte der simulierten Verteilung einer Partei und sind keine gemeinsam ausgewählte Einzelsimulation.
Die Fünfprozenthürde entscheidet mit
SPD
95,4 %
V4.4: 94,1 % · +1,3 Prozentpunkte
Einzug sehr wahrscheinlich.
Grüne
63,2 %
V4.4: 59,9 % · +3,3 Prozentpunkte
Ausgang weiterhin offen, die Einzugstendenz hat sich aber verstärkt.
BSW
31,3 %
V4.4: 31,3 % · ±0,0 Prozentpunkte
Einzug weiterhin eher unwahrscheinlich, gegenüber V4.4 unverändert.
FDP
18,7 %
V4.4: 20,4 % · −1,7 Prozentpunkte
Einzug derzeit unwahrscheinlicher als im vorherigen Modellstand.
Die neue Civey-Erhebung erhöht vor allem die Einzugswahrscheinlichkeit der Grünen und senkt jene der FDP. SPD, Grüne, BSW und FDP können die Sitzverteilung weiterhin erheblich beeinflussen.
AfD, CDU und Linke liegen im Modell praktisch sicher über fünf Prozent. Die Werte geben an, in wie vielen simulierten Wahlverläufen eine Partei mindestens fünf Prozent erreicht. Sie sind Wahrscheinlichkeiten, keine Feststellungen über den künftigen Landtag.
Wie wahrscheinlich ist eine absolute AfD-Sitzmehrheit?
23,2 %
Modellierte Wahrscheinlichkeit einer absoluten AfD-Sitzmehrheit
Das modellierte Risiko einer absoluten AfD-Sitzmehrheit sinkt gegenüber V4.4 von 25,11 auf 23,18 Prozent. Der Sensitivitätskorridor der drei rekonstruierten Abhängigkeitsstrukturen reicht von ungefähr 22,8 bis 23,5 Prozent. Gemeint ist ausschließlich die Wahrscheinlichkeit einer absoluten Mehrheit der Sitze, nicht die Wahrscheinlichkeit eines AfD-Wahlsiegs.
- V4.4
- 25,1 %
- V4.5 (aktuell)
- 23,2 %
- Veränderung
- −1,9 Prozentpunkte
Sensitivitätskorridor: 22,8 bis 23,5 %. Die drei unabhängig gestarteten Simulationen ergaben Werte zwischen 23,11 und 23,19 Prozent.
Gemeint ist eine absolute Mehrheit der Sitze im Landtag, nicht zwingend mehr als 50 Prozent der Stimmen und ausdrücklich nicht die Wahrscheinlichkeit eines AfD-Wahlsiegs. Das Sitzmodell verwendet 83 Basissitze, die landesweite Fünfprozenthürde und das Hare-Niemeyer-Verfahren. Direktmandate sowie mögliche Überhang- und Ausgleichsmandate werden weiterhin nur vereinfacht abgebildet. Die ausgewiesene Wahrscheinlichkeit ist deshalb ein Risikoindikator und keine Vorhersage der künftigen Sitzverteilung.
Im vorherigen Modellstand V4.4 lag dieser Risikoindikator bei 25,11 Prozent, in V4.5 bei 23,18 Prozent.
Warum sinkt das Mehrheitsrisiko stärker als der AfD-Median?
Der AfD-Median sinkt lediglich um rund 0,22 Prozentpunkte. Gleichzeitig steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass die Grünen in den Landtag einziehen. In diesen Simulationen verteilen sich die 83 Sitze auf mehr Parteien, wodurch eine absolute AfD-Sitzmehrheit unwahrscheinlicher wird.
Der niedrigere FDP-Wert wirkt teilweise in die Gegenrichtung: Scheitert die FDP häufiger an der Fünfprozenthürde, steigt der relative Sitzanteil der im Landtag vertretenen Parteien. Insgesamt überwiegen im Modell jedoch der niedrigere AfD-Wert und die gestiegene Einzugschance der Grünen.
Deshalb lässt sich das Mehrheitsrisiko nicht allein aus dem AfD-Median ableiten. Entscheidend ist das gemeinsame Abschneiden aller Parteien rund um die Fünfprozenthürde.
Welche Mehrheiten wären möglich?
- Linke · 12
- Grüne · 5
- SPD · 7
- CDU · 21
- AfD · 38
Vereinfachte zentrale Sitznäherung, kein Simulationswert: Die 83 Sitze sind unter der Annahme verteilt, dass AfD, CDU, Linke, SPD und Grüne die Fünfprozenthürde überwinden (AfD 39,4 %, CDU 21,7 %, Linke 12,1 %, SPD 7,6 %, Grüne 5,4 %). BSW und FDP liegen im Median unter fünf Prozent und erhalten in dieser Näherung keine Sitze.
Parteien nahe der Fünfprozenthürde können die tatsächliche Sitzverteilung deutlich verändern. 83 Basissitze; Direktmandate sowie mögliche Überhang- und Ausgleichsmandate bleiben unberücksichtigt. Die Näherung erzeugt bewusst keine Scheingenauigkeit.
Mögliche Regierungsmehrheiten als bedingte Szenarien
Gezeigt werden nur politisch grundsätzlich denkbare Regierungsoptionen, und zwar als bedingte Szenarien auf Basis der abgeleiteten Sitznäherung. Für einzelne Koalitionen liegen keine eigenen Simulationswahrscheinlichkeiten vor; deshalb wird hier bewusst keine Koalitionswahrscheinlichkeit ausgewiesen. Rechnerische Mehrheiten und politische Realisierbarkeit sind zu trennen.
AfD allein
38 Sitze / 42 benötigt
Der eigenständig simulierte Risikoindikator für eine absolute AfD-Sitzmehrheit liegt bei 23,2 Prozent (Korridor rund 22,8 bis 23,5 Prozent).
CDU + SPD + Grüne
33 Sitze / 42 benötigt
Bedingtes Szenario: setzt voraus, dass die Grünen die Fünfprozenthürde überspringen (Modellwert 63,2 Prozent).
CDU + SPD + BSW
28 Sitze / 42 benötigt
Bedingtes Szenario: nur relevant, wenn das BSW die Fünfprozenthürde überspringt (Modellwert 31,3 Prozent).
CDU + SPD + Grüne + BSW
33 Sitze / 42 benötigt
Bedingtes Szenario: setzt den Einzug von Grünen und BSW voraus.
Minderheitsregierung möglich
Sollte keine politisch realistische Koalition eine eigene Mehrheit erreichen, wäre auch eine Minderheitsregierung denkbar. Sie wäre bei Ministerpräsidentenwahl, Haushalt und Gesetzgebung auf Unterstützung weiterer Fraktionen angewiesen.
Die Linke hat eine Tolerierung einer CDU-geführten Minderheitsregierung nicht grundsätzlich ausgeschlossen, verknüpft dies aber mit Bedingungen. Eine Tolerierung ist keine Koalition; Sitze tolerierender Fraktionen werden hier nicht zur Regierung addiert.
Nicht dargestellte Kombinationen (Stand 04.09.2026)
- CDU: keine Koalition mit der AfD.
- SPD, Grüne und Linke: keine Regierungskoalition mit der AfD.
- CDU: formelle Koalition mit der Linken nach derzeitiger Beschlusslage ausgeschlossen – auch nicht als erweiterte Viererkoalition aus CDU, SPD, Grünen und Linken.
Diese politische Filterung ist ausdrücklich von der statistischen Sitzsimulation zu trennen.
Warum sich die Mehrheiten noch verschieben können
SPD
7,6 %
95,4 %
Einzugswahrscheinlichkeit
Grüne
5,4 %
63,2 %
Einzugswahrscheinlichkeit
BSW
4,1 %
31,3 %
Einzugswahrscheinlichkeit
FDP
3,0 %
18,7 %
Einzugswahrscheinlichkeit
Ob Grüne, BSW oder FDP in den Landtag einziehen, verändert die Sitzverteilung erheblich. Deshalb kann dieselbe Stimmenprognose zu unterschiedlichen parlamentarischen Mehrheiten führen.
Schulze vor Siegmund – aber die Institute messen unterschiedlich
ZDF / Forschungsgruppe Wahlen, Erhebung vom 25. bis 27. August 2026
Wen hätten Sie lieber als Ministerpräsidenten?
Quelle: ZDF-Politbarometer Extra / Forschungsgruppe Wahlen · Feldzeit: 25.–27.08.2026 · n = 1.053
Bei der persönlichen Präferenz liegt Sven Schulze derzeit 16 Prozentpunkte vor Ulrich Siegmund.
Diese Werte nicht mit der Wahlprojektion verwechseln. Die AfD liegt in derselben Erhebung bei der Parteiprojektion mit 40 % deutlich vor der CDU mit 23 %.
Methodikhinweis
Die Kandidatenfragen sind keine Wahlprognosen. Der Ministerpräsident wird in Sachsen-Anhalt zudem nicht direkt von den Wahlberechtigten, sondern vom Landtag gewählt.
Werte verschiedener Institute werden aufgrund unterschiedlicher Erhebungsmethoden nicht zu einer gemeinsamen Trendlinie verbunden.
Was verändert die neue Civey-Erhebung?
V4.5 ergänzt den Modellstand V4.4 um die Civey/WELT-Erhebung vom 3. September 2026. Sie wird innerhalb des bestehenden Civey-Signals zeitgewichtet und nicht wie ein zusätzliches unabhängiges Institut gezählt.
Die neue Erhebung verschiebt keinen Parteimedian um mehr als 0,23 Prozentpunkte. Das Stimmenbild bleibt damit stabil. Bei der Sitzsimulation ist der Effekt etwas deutlicher, weil nicht nur der AfD-Wert, sondern auch die veränderten Einzugswahrscheinlichkeiten von Grünen und FDP berücksichtigt werden.
| Partei | V4.5 exakt | V4.4 exakt | Veränderung |
|---|---|---|---|
| AfD | 39,43 % | 39,65 % | −0,22 |
| CDU | 21,67 % | 21,45 % | +0,22 |
| Linke | 12,05 % | 12,05 % | ±0,00 |
| SPD | 7,61 % | 7,39 % | +0,22 |
| Grüne | 5,43 % | 5,32 % | +0,11 |
| BSW | 4,11 % | 4,11 % | ±0,00 |
| FDP | 3,03 % | 3,25 % | −0,22 |
| Sonstige | 3,79 % | 3,90 % | −0,11 |
Alle Veränderungen sind Differenzen der Prognosemediane gegenüber V4.4 in Prozentpunkten. Sie werden neutral dargestellt und nicht politisch bewertet.
Die neue Civey/WELT-Erhebung senkt den AfD-Median leicht auf 39,4 Prozent. Das modellierte Risiko einer absoluten Sitzmehrheit sinkt auf rund 23,2 Prozent. Entscheidend bleibt die Fünfprozenthürde.
Taktisches Wählen
Taktisches Wählen ist kein Bestandteil der Hauptprognose. Für den aktuellen Modellstand wurden keine taktischen Szenarien neu berechnet. Frühere Szenariowerte aus V3.0 werden deshalb nicht fortgeschrieben, um sie nicht mit den neuen Wahrscheinlichkeiten zu vermischen.
Neue Umfragen im Modell
V4.5 ergänzt den Modellstand V4.4 um die Civey/WELT-Sonntagsfrage vom 3. September 2026. Sie zählt nicht als zusätzliches Institut, sondern wird gemeinsam mit der Civey/WELT-Erhebung vom 25. August innerhalb des bestehenden Civey-Institutssignals zeitgewichtet. Die übrigen Erhebungen waren bereits in den vorherigen Modellständen enthalten.
Civey / WELT
SonntagsfrageNeu in V4.5- AfD41 %
- CDU23 %
- Linke12 %
- SPD9 %
- Grüne6 %
- BSW4 %
- FDP2 %
- Sonstige3 %
Veröffentlicht 03.09.2026 · Feldzeit 20.08.–03.09.2026 · n = 1.500 · Quelle
Die neue Erhebung wird gemeinsam mit der Civey/WELT-Erhebung vom 25. August innerhalb des bestehenden Civey-Institutssignals zeitgewichtet. Civey erhält deshalb kein zusätzliches Institutsgewicht.
Forschungsgruppe Wahlen / ZDF
Wahlprojektion (Politbarometer Extra)bereits in V4.4- AfD41 %
- CDU23 %
- Linke11,5 %
- SPD8,5 %
- Grüne6 %
- BSW4 %
- FDP3 %
- Sonstige3 %
Veröffentlicht 03.09.2026 · Feldzeit 01.–03.09.2026 · n = 1.044 · Quelle
Fehlertoleranz laut Institut: gut ±3 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 40 Prozent und gut ±2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 10 Prozent. Die Erhebung war bereits in V4.4 enthalten und wird innerhalb des bestehenden FGW-Signals zeitgewichtet.
INSA / NIUS
Sonntagsfragebereits in V4.3- AfD43 %
- CDU22 %
- Linke12 %
- SPD7 %
- Grüne5 %
- BSW4 %
- FDP3 %
- Sonstige4 %
Veröffentlicht 02.09.2026 · Feldzeit 26.08.–01.09.2026 · n = 1.000 · Quelle
Forschungsgruppe Wahlen / ZDF (August)
Wahlprojektionbereits in V4.3- AfD40 %
- CDU23 %
- Linke13 %
- SPD9 %
- Grüne6 %
- BSW3 %
- FDP3 %
- Sonstige3 %
Veröffentlicht 28.08.2026 · Feldzeit 25.–27.08.2026 · n = 1.053 · Quelle
Bleibt als älteres Signal derselben Forschungsgruppe Wahlen Bestandteil der Zeitreihe und wird mit der neuen Erhebung im selben Institutssignal zusammengeführt.
Infratest dimap / ARD
Sonntagsfragebereits in V4.3- AfD42 %
- CDU22 %
- Linke11 %
- SPD8 %
- Grüne6 %
- BSW4 %
- FDP3 %
- Sonstige4 %
Veröffentlicht 26.08.2026 · Feldzeit 24.–25.08.2026 · n = 1.511 · Quelle
Civey / WELT (August)
Sonntagsfragebereits in V4.3- AfD43 %
- CDU21 %
- Linke12 %
- SPD7 %
- Grüne5 %
- BSW4 %
- FDP4 %
- Sonstige4 %
Veröffentlicht 25.08.2026 · Feldzeit 06.–20.08.2026 · n = 1.500 · Quelle
Älterer Datenpunkt desselben Instituts: bleibt Bestandteil der Zeitreihe und wird mit der neuen Civey-Erhebung im selben Institutssignal zusammengeführt.
Die Forschungsgruppe Wahlen veröffentlicht im Politbarometer eine Wahlprojektion. Sie ist methodisch nicht vollständig identisch mit einer reinen Sonntagsfrage, weil sie neben der aktuellen Wahlabsicht auch längerfristige Einstellungen berücksichtigt. Ebenso zählt die neue Civey/WELT-Erhebung vom 3. September 2026 nicht als sechstes Institut: Sie wird gemeinsam mit der Civey-Erhebung vom 25. August innerhalb des bestehenden Civey-Institutssignals zeitgewichtet, die ältere Erhebung bleibt Bestandteil der Zeitreihe.
Umfragen messen die politische Stimmung zum Zeitpunkt der Erhebung. Sie sind keine Vorhersage des Wahlergebnisses.
- 17
- veröffentlichte Landes-Signale im betrachteten Zeitraum
- 5
- Institute beziehungsweise Signalgeber
- 3 × 1.000.000
- simulierte Wahlverläufe (je Abhängigkeitsstruktur 1.000.000)
Aktuelle Institute beziehungsweise Signalgeber: INSA, Infratest dimap, pollytix, Civey, Forschungsgruppe Wahlen / ZDF.
So funktioniert das Modell
- 1
Aktuelle Landes-Signale zusammenführen
Grundlage sind 17 veröffentlichte Landes-Signale aus fünf Instituten beziehungsweise Signalgebern. Modellstichtag ist der 4. September 2026. Neu berücksichtigt ist die Civey/WELT-Erhebung vom 3. September 2026.
- 2
Aktualität und Institute berücksichtigen
Innerhalb eines Instituts erhalten neuere Erhebungen ein höheres Gewicht; die Gewichtung halbiert sich nach 30 Tagen. Die beiden Civey-Erhebungen werden deshalb zunächst zu einem zeitgewichteten Civey-Institutssignal zusammengeführt. Erst danach geht dieses Signal mit demselben Gewicht wie die vier anderen Institute beziehungsweise Signalgeber in das Gesamtmodell ein. So wird die neue Erhebung berücksichtigt, ohne Civey doppelt zu zählen.
- 3
Aus früheren Wahlen lernen
Die historische Kalibrierung aus V3.0 bleibt unverändert. Prognoseunsicherheit und Hürdenwahrscheinlichkeiten stammen aus historischen Fehlerverteilungen früherer Landtagswahlen. Die Modellparameter wurden nicht nachträglich an die neue Civey-Erhebung angepasst; auch die Prognoseintervalle bleiben unverändert.
- 4
Mögliche Wahlausgänge simulieren
Die gemeinsame Unsicherheitsstruktur wurde mit drei Gaussian-Copula-Varianten rekonstruiert. Je Variante wurden 1.000.000 Sitzsimulationen gerechnet, insgesamt 3 × 1.000.000 simulierte Wahlverläufe. Das Sitzmodell verwendet 83 Basissitze, die Fünfprozenthürde und das Hare-Niemeyer-Verfahren; Direktmandate sowie mögliche Überhang- und Ausgleichseffekte werden weiterhin nur vereinfacht abgebildet.
Was beobachtet, aber nicht eingerechnet wird
Folgende Daten werden beobachtet und zur Einordnung verwendet, gehen aber nicht als frei gewichtete Korrekturfaktoren in die Stimmenprognose ein:
- Ministerpräsidentenpräferenz
- Regierungszufriedenheit
- Regierungspräferenz
- Problemwahrnehmung
- Entscheidungssicherheit der Befragten
- Anteil unentschlossener Wähler
- erwartete Wahlbeteiligung
- Zahl der Briefwahlanträge
- taktische Wahlaufrufe
- Medienereignisse
- einzelne Social-Media-Trends
Ohne einen historisch validierten Zusammenhang würde eine numerische Gewichtung dieser Faktoren zusätzliche Annahmen in das Modell einführen.
Angaben zur erwarteten Wahlbeteiligung und zur Zahl der Briefwahlanträge sind kein Bestandteil des Prognosemodells. Aus ihnen wird weder ein Stimmenbonus noch eine veränderte Wahlwahrscheinlichkeit für einzelne Parteien abgeleitet. Kandidatenpräferenz, Regierungspräferenz und Entscheidungssicherheit werden ausschließlich als Kontext genannt und nicht zusätzlich numerisch auf die ZDF-Projektion aufgeschlagen, in die sie bereits eingeflossen sind.
Wie wurde das Modell geprüft?
Geprüft wurde an 59 chronologisch getesteten Landtagswahlen mit 405 Partei-Wahl-Beobachtungen. Für jede historische Testwahl durfte das Modell ausschließlich Informationen verwenden, die zum damaligen Prognosezeitpunkt bereits bekannt waren.
- 2,38 Prozentpunkte
- durchschnittliche Abweichung (MAE)
- 3,24 Prozentpunkte
- statistisches Fehlermaß (RMSE)
- 80,5 %
- historische Abdeckung des 80-Prozent-Bereichs
- 94,6 %
- historische Abdeckung des 95-Prozent-Bereichs
Der 80-Prozent-Prognosebereich traf im historischen Rücktest ungefähr so häufig zu, wie seine Bezeichnung verspricht.
Die historischen Backtestwerte aus V3.0 bleiben bestehen, weil die zentrale Kalibrierungslogik für den aktuellen Modellstand nicht neu trainiert wurde.
Technische Prüfung von V4.5
Die Aktualisierung wurde mit drei unabhängig gestarteten Simulationen mit jeweils einer Million Wahlverläufen kontrolliert. Für das Risiko einer absoluten AfD-Sitzmehrheit ergaben sich Werte zwischen 23,11 und 23,19 Prozent.
Zusätzlich wurden unterschiedliche Abhängigkeitsannahmen zwischen den Parteiergebnissen geprüft. Der Rückgang gegenüber V4.4 blieb mit rund 1,9 Prozentpunkten stabil. Der daraus abgeleitete Sensitivitätskorridor liegt ungefähr zwischen 22,8 und 23,5 Prozent.
Aggregation, Stimmennormalisierung, Fünfprozenthürde und Sitzverteilung werden erneut mit den bestehenden technischen Konsistenztests geprüft. Jede simulierte Sitzverteilung muss exakt 83 Sitze umfassen.
Neue historische Backtests waren nicht erforderlich, weil weder die Modellstruktur noch die historische Kalibrierung verändert wurden.
Grenzen der Prognose
Auch ein statistisches Prognosemodell kann den Wahlausgang nicht vorhersagen. Umfragen enthalten Stichproben- und Messfehler, Wahlentscheidungen können sich bis zum Wahltag verändern und außergewöhnliche Ereignisse lassen sich nicht zuverlässig modellieren.
- Wahltag ist erst am 6. September 2026.
- Prognosebereiche sind Unsicherheitsbereiche, keine Garantien.
- Parteien nahe fünf Prozent erzeugen besonders große Sitzunsicherheit.
- Das Sitzmodell bildet Direktmandate und Ausgleichseffekte nur vereinfacht ab.
- Die gemeinsame Fehlerstruktur wurde rekonstruiert und als Sensitivitätskorridor ausgewiesen.
- Das Modell gibt keine Wahlempfehlung.
politfacts-Prognosemodell · Modellstichtag 04.09.2026 · interne Version V4.5 · Wahl am 06.09.2026 · Redaktion: politfacts