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    Datenanalyse · Demokratie & Politik

    Wird die AfD wirklich überall stärker?

    AfD-Politiker sprechen nach Wahlerfolgen regelmäßig davon, dass „die Menschen“ einen Politikwechsel wollten, „das Volk“ gesprochen habe oder eine politische „Wende“ bevorstehe. Wir haben die Bundestags-, Europa- und Landtagswahlergebnisse seit 2013 sowie die verfügbaren und methodisch vergleichbaren Kommunalwahldaten ausgewertet.

    Datenstand: 21.9.202616 BundesländerVier WahlebenenAnalysezeitraum 2013–2026

    Ausgangspunkt

    Die Behauptung

    Führende AfD-Politiker beschreiben die jüngsten Wahlerfolge zunehmend als Ausdruck eines allgemeinen politischen Richtungswechsels. Die Aussagen bilden den Ausgangspunkt dieser Analyse; sie werden hier nicht weiter zugespitzt.

    Die Menschen wollen endlich einen Politikwechsel.

    Alice Weidel · 9. September 2026ZDF/phoenix

    Die Menschen wollen kein Weiter-So.

    Björn Höcke · 1. September 2024tagesschau/ARD

    Heute spricht das Volk. Endlich.

    Es ist Zeit für die Wende.

    Leif-Erik Holm · 23. Februar 2025eigene Website

    … weil von hier aus endlich die politische Wende auch in Deutschland eingeleitet werden kann.

    Ulrich Siegmund · April 2026Panorama/NDR

    Was lässt sich davon tatsächlich überprüfen?

    1. 1

      Wird die AfD langfristig immer stärker?

      Prüfung anhand sämtlicher vergleichbarer Wahlen seit 2013.

    2. 2

      Wird sie derzeit tatsächlich fast überall stärker?

      Prüfung anhand der jeweils jüngsten vergleichbaren Wahl.

    3. 3

      Bedeutet ein höherer Stimmenanteil automatisch, dass „die Menschen“ AfD-Politik wollen?

      Prüfung anhand von Wahlberechtigten, Wahlbeteiligung und absoluten Stimmen.

    4. 4

      Lässt sich daraus ein einheitlicher Wunsch nach einer „politischen Wende“ ableiten?

      Dafür betrachten wir zusätzlich Wahlebenen, regionale Unterschiede, Kommunalwahlen und die Grenzen der Wahldaten.

    Kurzantwort

    Kurzantwort

    Die AfD ist heute deutlich stärker als bei ihrer Gründung 2013. Ihre Entwicklung verlief jedoch nicht kontinuierlich: Zwischen 2020 und 2022 verlor sie bei zahlreichen Landtagswahlen Stimmenanteile und fiel bei der Bundestagswahl 2021 ebenfalls zurück.

    Seit Ende 2022 hat sich das Bild grundlegend verändert. Bei den jüngsten vergleichbaren Wahlen legt die AfD in einem großen Teil Deutschlands deutlich zu – inzwischen auch in zahlreichen westdeutschen Ländern. Dieser aktuelle Aufwärtstrend ist real.

    Aus diesen Wahlerfolgen folgt jedoch nicht automatisch, dass „die Menschen“ oder „das Volk“ insgesamt die von der AfD definierte politische „Wende“ unterstützen. Wahlergebnisse messen Parteipräferenzen unter abgegebenen Stimmen. Sie sind kein Referendum über ein vollständiges Parteiprogramm und kein einheitliches Mandat der gesamten Bevölkerung.

    Die Daten zeigen also gleichzeitig einen starken aktuellen AfD-Aufstieg und klare Grenzen der daraus abgeleiteten politischen Interpretation.

    Interaktive Daten

    Erkunden Sie die Wahlergebnisse selbst

    Alle im Datensatz erfassten AfD-Ergebnisse seit 2013 – nach Bundesland, Wahlebene und Bezugsgröße. Die Karte beantwortet, wo und wann die AfD wie stark war; Ursachen oder Wahlmotive kann sie nicht zeigen.

    Zu diesem Zeitpunkt zuletzt verfügbares Landtagswahlergebnis. Landtagswahlen finden nicht gleichzeitig statt; das jeweilige Wahljahr steht in der Fläche.

    Baden-Württemberg Landtagswahl 2026 AfD: 18,8 % Anteil aller Wahlberechtigten: 13,01 % Veränderung: +9,06 Prozentpunkte AfD-Stimmen: 1.010.574 Wahlbeteiligung: 69,6 % Status: endgültig Klicken für Details13,01 %2026WahlberechtigteBayern Landtagswahl 2023 AfD: 14,6 % Anteil aller Wahlberechtigten: 10,52 % Veränderung: +4,36 Prozentpunkte AfD-Stimmen: 2.000.435 Wahlbeteiligung: 73,12 % Status: endgültig Klicken für Details10,52 %2023WahlberechtigteBerlin Landtagswahl 2026 AfD: 16,3 % Anteil aller Wahlberechtigten: 11,92 % Veränderung: +7,2 Prozentpunkte AfD-Stimmen: 296.601 Wahlbeteiligung: 74,2 % Status: Vorläufig Hinweis: 2021 Wahl aufgehoben / wiederholt Klicken für Details11,92 %2026Brandenburg Landtagswahl 2024 AfD: 29,23 % Anteil aller Wahlberechtigten: 21,13 % Veränderung: +5,72 Prozentpunkte AfD-Stimmen: 438.811 Wahlbeteiligung: 72,88 % Status: endgültig Klicken für Details21,13 %2024Bremen Landtagswahl 2019 AfD: 6,12 % Anteil aller Wahlberechtigten: Kein direkt vergleichbarer Personenanteil verfügbar. Stimmenäquivalent †: 3,78 % – AfD-Stimmen als Anteil aller theoretisch verfügbaren Stimmen Veränderung: +0,61 Prozentpunkte AfD-Stimmen: 89.939 Wahlbeteiligung: 64,07 % Status: endgültig Hinweis: 2023 nicht vergleichbar Klicken für Details3,78 % †2019Hamburg Landtagswahl 2025 AfD: 7,5 % Anteil aller Wahlberechtigten: Kein direkt vergleichbarer Personenanteil verfügbar. Stimmenäquivalent †: 5,02 % – AfD-Landesstimmen als Anteil aller theoretisch verfügbaren Landesstimmen Veränderung: +2,2 Prozentpunkte AfD-Stimmen: 329.651 Wahlbeteiligung: 67,6 % Status: endgültig Klicken für Details5,02 % †2025Hessen Landtagswahl 2023 AfD: 18,44 % Anteil aller Wahlberechtigten: 11,97 % Veränderung: +5,3 Prozentpunkte AfD-Stimmen: 518.674 Wahlbeteiligung: 65,98 % Status: endgültig Klicken für Details11,97 %2023WahlberechtigteMecklenburg-Vorpommern Landtagswahl 2026 AfD: 38,22 % Anteil aller Wahlberechtigten: 29,59 % Veränderung: +21,5 Prozentpunkte AfD-Stimmen: 388.026 Wahlbeteiligung: 78,11 % Status: Vorläufig Klicken für Details29,59 %2026WahlberechtigteNiedersachsen Landtagswahl 2022 AfD: 10,95 % Anteil aller Wahlberechtigten: 6,54 % Veränderung: +4,79 Prozentpunkte AfD-Stimmen: 396.839 Wahlbeteiligung: 60,31 % Status: endgültig Klicken für Details6,54 %2022WahlberechtigteNordrhein-Westfalen Landtagswahl 2022 AfD: 5,44 % Anteil aller Wahlberechtigten: 3 % Veränderung: -1,94 Prozentpunkte AfD-Stimmen: 388.893 Wahlbeteiligung: 55,54 % Status: endgültig Klicken für Details3 %2022WahlberechtigteRheinland-Pfalz Landtagswahl 2026 AfD: 19,46 % Anteil aller Wahlberechtigten: 13,2 % Veränderung: +11,18 Prozentpunkte AfD-Stimmen: 394.756 Wahlbeteiligung: 68,44 % Status: endgültig Klicken für Details13,2 %2026WahlberechtigteSaarland Landtagswahl 2022 AfD: 5,68 % Anteil aller Wahlberechtigten: 3,45 % Veränderung: -0,49 Prozentpunkte AfD-Stimmen: 25.719 Wahlbeteiligung: 61,38 % Status: endgültig Klicken für Details3,45 %2022Sachsen-Anhalt Landtagswahl 2026 AfD: 43,79 % Anteil aller Wahlberechtigten: 33,75 % Veränderung: +22,97 Prozentpunkte AfD-Stimmen: 576.037 Wahlbeteiligung: 77,82 % Status: Vorläufig Klicken für Details33,75 %2026WahlberechtigteSachsen Landtagswahl 2024 AfD: 30,63 % Anteil aller Wahlberechtigten: 22,6 % Veränderung: +3,14 Prozentpunkte AfD-Stimmen: 719.279 Wahlbeteiligung: 74,39 % Status: endgültig Klicken für Details22,6 %2024WahlberechtigteSchleswig-Holstein Landtagswahl 2022 AfD: 4,41 % Anteil aller Wahlberechtigten: 2,64 % Veränderung: -1,46 Prozentpunkte AfD-Stimmen: 61.169 Wahlbeteiligung: 60,36 % Status: endgültig Klicken für Details2,64 %2022WahlberechtigteThüringen Landtagswahl 2024 AfD: 32,84 % Anteil aller Wahlberechtigten: 23,96 % Veränderung: +9,44 Prozentpunkte AfD-Stimmen: 396.711 Wahlbeteiligung: 73,57 % Status: endgültig Klicken für Details23,96 %2024Wahlberechtigte
    0 %10 %20 %30 %40 %

    Feste Skala 0–40 %. Volle Farbfläche: exakter Personenanteil. Farbfläche mit Schraffur und †: Stimmenäquivalent im Mehrstimmensystem, kein Personenanteil. Graue Schraffur ohne Wert: keine vergleichbare Wahlteilnahme – ausdrücklich nicht 0 Prozent.

    Schraffierte Flächen bedeuten: kein vergleichbarer Wert – ausdrücklich nicht null Prozent. Kartenflächen zeigen keine Bevölkerungsanteile.

    Die Karte macht Unterschiede zwischen Wahljahren, Ebenen und Bezugsgrößen sichtbar. Sie zeigt keine Bevölkerungsanteile; schraffierte Flächen stehen für methodisch nicht vergleichbare oder fehlende Werte, nicht für null Prozent.

    Langfristige Entwicklung

    2013 bis 2026: Wachstum, Rückschläge und neuer Aufstieg

    Die AfD entwickelte sich von einer Partei knapp unterhalb der Sperrklausel bei der Bundestagswahl 2013 zu einer Partei mit zweistelligen Ergebnissen auf fast allen politischen Ebenen. Die vollständige Zeitreihe zeigt jedoch drei unterschiedliche Phasen.

    Phase 1 · 2013–2019

    Etablierung und Expansion

    Bei der Bundestagswahl stieg die AfD von 4,7 % auf 12,6 %. Sie zog in die Landesparlamente ein und erzielte besonders in ostdeutschen Ländern erhebliche Zugewinne. Auch bei Europawahlen wuchs ihr Stimmenanteil.

    Phase 2 · 2020–2022

    Deutliche Rückschläge

    In Hamburg sowie in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, im Saarland, in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen gingen die Anteile zurück. Auch die Bundestagswahl 2021 lag unter 2017.

    Phase 3 · seit Ende 2022

    Neue Wachstumsphase

    In Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen weisen die jüngsten Wahlen seit 2022 Zugewinne aus. Der gegenwärtige Aufwärtstrend ist breit und quantitativ erheblich.

    Welche Entwicklung zeigt jede einzelne Zeitreihe?

    Die identische Skala macht Phasen vergleichbar. Sie zeigt langfristiges Wachstum, aber auch Brüche; sie erklärt nicht, warum sich Ergebnisse verändert haben.

    Baden-Württemberg18,8 %

    20162026 · Skala 0–50 %

    Bayern14,6 %

    20182023 · Skala 0–50 %

    Berlin16,3 %

    20162026 · Skala 0–50 %

    Brandenburg29,23 %

    20142024 · Skala 0–50 %

    Bremen6,12 %

    20152023 · Skala 0–50 %

    Hamburg7,5 %

    20152025 · Skala 0–50 %

    Hessen18,44 %

    20132023 · Skala 0–50 %

    Mecklenburg-Vorpommern38,22 %

    20162026 · Skala 0–50 %

    Niedersachsen10,95 %

    20172022 · Skala 0–50 %

    Nordrhein-Westfalen5,44 %

    20172022 · Skala 0–50 %

    Rheinland-Pfalz19,46 %

    20162026 · Skala 0–50 %

    Saarland5,68 %

    20172022 · Skala 0–50 %

    Sachsen30,63 %

    20142024 · Skala 0–50 %

    Sachsen-Anhalt43,79 %

    20162026 · Skala 0–50 %

    Schleswig-Holstein4,41 %

    20172022 · Skala 0–50 %

    Thüringen32,84 %

    20142024 · Skala 0–50 %

    Bundestagswahl (Deutschland)20,8 %

    20132025 · Skala 0–50 %

    Europawahl (Deutschland)15,9 %

    20142024 · Skala 0–50 %

    Wann gab es Gewinne – und wann Verluste?

    Die Matrix prüft die These einer ununterbrochenen Aufwärtsbewegung Wahl für Wahl. Erstteilnahmen und nicht vergleichbare Fälle bleiben getrennt.

    Gewinn- und Verlustmatrix je Wahljahr
    Wahlebene1314151617181920212223242526
    Baden-Württemberg···········
    Bayern············
    Berlin··········
    Brandenburg···········
    Bremen········×···
    Hamburg···········
    Hessen···········
    Mecklenburg-Vorpommern···········
    Niedersachsen············
    Nordrhein-Westfalen············
    Rheinland-Pfalz···········
    Saarland············
    Sachsen···········
    Sachsen-Anhalt···········
    Schleswig-Holstein············
    Thüringen···········
    Bundestagswahl×··········
    Europawahl·×··········
    • Zugewinn
    • Verlust
    • Erstteilnahme
    • ×nicht vergleichbar / keine Teilnahme
    • aufgehobene Wahl
    • ·keine Wahl in diesem Jahr

    Die Verlustphase ist kein Randbefund: Hamburg 2020 (-0,79 Prozentpunkte), Baden-Württemberg 2021 (-5,36 Prozentpunkte), Rheinland-Pfalz 2021 (-4,29 Prozentpunkte), Sachsen-Anhalt 2021 (-3,45 Prozentpunkte), Mecklenburg-Vorpommern 2021 (-4,05 Prozentpunkte), Saarland 2022 (-0,49 Prozentpunkte), Schleswig-Holstein 2022 (-1,46 Prozentpunkte), Nordrhein-Westfalen 2022 (-1,94 Prozentpunkte). Die These einer seit 2013 ununterbrochenen Aufwärtsbewegung wird durch die vollständige Wahlhistorie nicht getragen.

    Jeweils jüngste vergleichbare Landeswahl

    Wird die AfD wirklich überall stärker?

    Da Landtagswahlen in den Ländern zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfinden, werden hier die jeweils jüngsten vergleichbaren Wahlergebnisse gegenübergestellt. Diese reichen derzeit von 2022 bis 2026.

    Historisch seit 2013: nein. Die Zeitreihen enthalten zahlreiche Wahlen mit Verlusten.

    In 12 von 15 vergleichbaren Ländern lag die AfD bei der jeweils jüngsten Wahl über ihrem vorherigen Ergebnis. In 3 Ländern lag sie darunter. Bremen 2023 ist wegen der fehlenden vergleichbaren AfD-Liste nicht Bestandteil dieser Berechnung.

    12 von 15

    vergleichbaren Ländern mit Zugewinn

    3 von 15

    vergleichbaren Ländern mit Verlust

    1

    nicht vergleichbarer Sonderfall: Bremen

    +22,97 Prozentpunkte

    stärkster Zugewinn · Sachsen-Anhalt

    Die pauschale historische Aussage „immer und überall stärker“ ist zu grob. Für die jeweils jüngsten vergleichbaren Landeswahlen beschreibt „breit stärker“ die Daten dagegen wesentlich besser. Der stärkste Rückgang lag bei -1,94 Prozentpunkte in Nordrhein-Westfalen.

    Regionale Unterschiede

    Kein reines Ost-Phänomen mehr

    Die AfD erreicht weiterhin deutlich höhere Spitzenwerte in mehreren ostdeutschen Ländern. Gleichzeitig zeigen die jüngsten Landtagswahlergebnisse auch erhebliche Zugewinne in westdeutschen Ländern.

    Baden-Württemberg

    18,8 %

    2026 · +9,06 Prozentpunkte

    Rheinland-Pfalz

    19,46 %

    2026 · +11,18 Prozentpunkte

    Hessen

    18,44 %

    2023 · +5,3 Prozentpunkte

    Bayern

    14,6 %

    2023 · +4,36 Prozentpunkte

    Niedersachsen

    10,95 %

    2022 · +4,79 Prozentpunkte

    Die Höhe der Unterstützung unterscheidet sich regional weiterhin stark. Das aktuelle Wachstum ist aber nicht mehr auf Ostdeutschland begrenzt.

    Bezugsgröße

    20 Prozent Wahlergebnis sind nicht 20 Prozent der Bevölkerung

    Das Wahlergebnis bezieht sich auf gültige Stimmen. Der Anteil an allen Wahlberechtigten beantwortet eine andere Frage: Wie groß ist der Anteil aller Wahlberechtigten, der diese Partei tatsächlich gewählt hat?

    Wahlergebnis · Zweitstimme20,8 %
    Anteil aller Wahlberechtigten17,07 %

    Bundestagswahl 2025: 10.328.780 AfD-Zweitstimmen bei 60.510.631 Wahlberechtigten.

    Bei der Bundestagswahl 2025 entfielen 20,8 % der gültigen Zweitstimmen auf die AfD. Bezogen auf alle Wahlberechtigten waren es 17,07 %.

    Daraus folgt nicht, dass die übrigen 82,93 % gegen die AfD waren. Nichtwähler dürfen keiner politischen Position zugerechnet werden.

    Politische Interpretation

    Kann eine Partei für „das Volk“ sprechen?

    In einer pluralistischen Wahl konkurrieren mehrere politische Angebote. Eine Partei kann stärkste Kraft sein, ohne eine absolute Mehrheit der Stimmen oder der Wahlberechtigten zu erreichen.

    Eine Wahl misst, welche Partei eine Person gewählt hat. Sie misst nicht automatisch die Zustimmung zu jedem Programmpunkt, zu einer bestimmten Koalition, zu jeder politischen Forderung oder einen einheitlichen politischen Willen der gesamten Bevölkerung.

    Aus einem Wahlergebnis lässt sich präzise ableiten, wie viele gültige Stimmen eine Partei erhalten hat. Eine weitergehende Aussage darüber, was „das Volk“ insgesamt will, benötigt zusätzliche Evidenz.

    Kommunalebene

    Wo Bundespolitik weniger zählt: Was passiert kommunal?

    Kommunalwahlen ermöglichen einen anderen Blick auf politische Unterstützung. Hier geht es häufiger auch um konkrete Kandidaten, kommunale Verwaltung, Schulen, Straßen, Wohnen, Verkehr, lokale Infrastruktur sowie Bürgermeister und Landräte. Das bedeutet nicht, dass Kommunalwahlen ausschließlich lokale Themen messen.

    Bundesweite Referenzwerte

    Bundestagswahl 2025: 20,8 % der Zweitstimme · Europawahl 2024: 15,9 %. Diese Werte stammen aus den bundesweiten Datensätzen und werden nicht aus Länderergebnissen hochgerechnet.

    Baden-WürttembergWahltermine liegen zeitlich nah beieinander
    Landtags-/Abgeordnetenhaus-/Bürgerschaftswahl · 8.3.202618,8 %
    Gemeinde- und Stadträte · 9.6.20244,2 %
    BayernWahltermine liegen 3 Jahre auseinander – nur eingeschränkt vergleichbar
    Landtags-/Abgeordnetenhaus-/Bürgerschaftswahl · 8.10.202314,6 %
    Kreistage und Stadträte kreisfreier Städte · 8.3.202612,2 %
    BerlinWahltermine liegen zeitlich nah beieinander
    Landtags-/Abgeordnetenhaus-/Bürgerschaftswahl · 20.9.202616,3 % Vorläufig
    Bezirksversammlungen · 20.9.202615,7 % Vorläufig
    BrandenburgWahltermine liegen zeitlich nah beieinander
    Landtags-/Abgeordnetenhaus-/Bürgerschaftswahl · 22.9.202429,23 %
    Kreistage und Räte der kreisfreien Städte · 9.6.202425,7 %
    BremenWahltermine liegen 4 Jahre auseinander – nur eingeschränkt vergleichbar
    Landtags-/Abgeordnetenhaus-/Bürgerschaftswahl · 26.5.20196,12 %
    Stadtbürgerschaft · 14.5.2023nicht vergleichbar keine zugelassene Liste
    Stadtverordnetenversammlung · 14.5.20235,9 %
    HamburgWahltermine liegen zeitlich nah beieinander
    Landtags-/Abgeordnetenhaus-/Bürgerschaftswahl · 2.3.20257,5 %
    Bezirksversammlungen · 9.6.20248,8 %
    HessenWahltermine liegen 3 Jahre auseinander – nur eingeschränkt vergleichbar
    Landtags-/Abgeordnetenhaus-/Bürgerschaftswahl · 8.10.202318,44 %
    Gemeinde- und Stadträte · 15.3.202614,8 %
    Mecklenburg-VorpommernWahltermine liegen zeitlich nah beieinander
    Landtags-/Abgeordnetenhaus-/Bürgerschaftswahl · 20.9.202638,22 % Vorläufig
    Kreistage und Räte der kreisfreien Städte · 9.6.202425,6 %
    Gemeindevertretungen (landesweit) · 9.6.202413,4 %
    NiedersachsenWahltermine liegen 4 Jahre auseinander – nur eingeschränkt vergleichbar
    Landtags-/Abgeordnetenhaus-/Bürgerschaftswahl · 9.10.202210,95 %
    Kreistage und Räte der kreisfreien Städte · 13.9.202615,9 % Vorläufig
    Gemeinde- und Stadträte · 13.9.202611,2 % Vorläufig
    Nordrhein-WestfalenWahltermine liegen 3 Jahre auseinander – nur eingeschränkt vergleichbar
    Landtags-/Abgeordnetenhaus-/Bürgerschaftswahl · 15.5.20225,44 %
    Kreistage und Räte der kreisfreien Städte · 14.9.202514,5 %
    Rheinland-PfalzWahltermine liegen zeitlich nah beieinander
    Landtags-/Abgeordnetenhaus-/Bürgerschaftswahl · 22.3.202619,46 %
    Kreistage und Räte der kreisfreien Städte · 9.6.202414 %
    SaarlandWahltermine liegen 4 Jahre auseinander – nur eingeschränkt vergleichbar
    Landtags-/Abgeordnetenhaus-/Bürgerschaftswahl · 27.3.20225,68 %
    Kreisebene – aktualisierter Landesaggregat nach Neuwahl der Regionalversammlung Saarbrücken16,4 %
    SachsenWahltermine liegen zeitlich nah beieinander
    Landtags-/Abgeordnetenhaus-/Bürgerschaftswahl · 1.9.202430,63 %
    Kreistage und Räte der kreisfreien Städte · 9.6.202426,9 %
    Sachsen-AnhaltWahltermine liegen zeitlich nah beieinander
    Landtags-/Abgeordnetenhaus-/Bürgerschaftswahl · 6.9.202643,79 % Vorläufig
    Kreistage und Räte der kreisfreien Städte · 9.6.202428,1 %
    Schleswig-HolsteinWahltermine liegen zeitlich nah beieinander
    Landtags-/Abgeordnetenhaus-/Bürgerschaftswahl · 8.5.20224,41 %
    Kreistage und Räte der kreisfreien Städte · 14.5.20238,1 %
    ThüringenWahltermine liegen zeitlich nah beieinander
    Landtags-/Abgeordnetenhaus-/Bürgerschaftswahl · 1.9.202432,84 %
    Kreistage und Räte der kreisfreien Städte · 26.5.202425,8 %

    Skala jeweils 0 bis 50 Prozent der gültigen maßgeblichen Stimmen. Unterschiedliche Wahltermine, Wahlsysteme und Wahlbeteiligungen begrenzen die Vergleichbarkeit. Aus einer Differenz zwischen zwei Ebenen folgt keine Ursache.

    Die Unterschiede zwischen Landtags- und Kommunalwahlergebnissen sind erheblich, aber nicht einheitlich. In einigen Ländern liegt die AfD kommunal nur wenige Punkte unter dem Landtagsniveau, in anderen deutlich darunter. Damit gibt es keinen einfachen bundesweiten „Kommunaleffekt“. Hohe Parteiergebnisse bei Kommunalvertretungswahlen bedeuten zudem nicht automatisch, dass AfD-Kandidaten personenbezogene Mehrheitswahlen gewinnen.

    Bremen: zwei kommunale Ebenen

    • Stadtbürgerschaft · 14.5.2023nicht vergleichbar
    • Stadtverordnetenversammlung · 14.5.20235,9 %

    Die Ebenen werden weder zusammengerechnet noch gemittelt.

    Mecklenburg-Vorpommern: zwei kommunale Ebenen

    • Kreistage und Räte der kreisfreien Städte · 9.6.202425,6 %
    • Gemeindevertretungen (landesweit) · 9.6.202413,4 %

    Die Ebenen werden weder zusammengerechnet noch gemittelt.

    Niedersachsen: zwei kommunale Ebenen

    • Kreistage und Räte der kreisfreien Städte · 13.9.202615,9 %
    • Gemeinde- und Stadträte · 13.9.202611,2 %

    Die Ebenen werden weder zusammengerechnet noch gemittelt.

    Mecklenburg-Vorpommern 2024

    Erheblicher Abstand zwischen zwei Ebenen

    Kreistage und Räte der kreisfreien Städte
    25,6 %
    Gemeindevertretungen (landesweit)
    13,4 %

    Die Differenz ist erheblich. Die Wahldaten allein erklären ihre Ursache nicht.

    Thüringen 2024

    Parteistärke ist nicht lokale Mehrheitsfähigkeit

    25,8 %

    Kreistage und Räte der kreisfreien Städte

    Bei den im Datensatz ausgewerteten Bürgermeisterwahlen wurden zugleich 0 Ämter durch AfD-Kandidaten gewonnen. Parteistärke und personenbezogene lokale Mehrheitsfähigkeit sind nicht dasselbe.

    Direktwahlen

    Direktwahlen: deutlich schwächere Bilanz als bei vielen Listenwahlen

    Vertretungswahlen messen Parteistärke. Bürgermeister-, Oberbürgermeister- und Landratswahlen messen die Unterstützung für konkrete Personen in bestimmten Wahlgebieten. Die Werte dürfen nicht zu einer gemeinsamen Kennzahl vermischt werden.

    30 von 32 nicht gewonnen

    Von 32 durch die taz erfassten Bürgermeister- und Landratswahlen mit AfD-Beteiligung in Ostdeutschland seit Jahresbeginn 2026 gewann die AfD bis 28. Juni zwei und verlor 30.

    Ostdeutschland · dokumentierte Direktwahlen 2026 bis 28.06. Keine bundesweite Vollerhebung und keine bundesweite Erfolgsquote.

    taz – AfD-Niederlagen im Kommunalen (29.06.2026)

    2 von 32 gewonnen = 6,25 %

    Ostdeutschland · dokumentierte Direktwahlen 2026 bis 28.06. Kein bundesweiter Wert.

    taz – AfD-Niederlagen im Kommunalen (29.06.2026)

    9 von 9 verloren

    AfD-Stichwahlteilnahmen bei kommunalen Spitzenämtern in Thüringen 2024

    MDR Thüringen / Thüringer Landesamt für Statistik

    0 von 3 gewonnen

    Landratsstichwahlen Mecklenburg-Vorpommern 2025

    ZDFheute

    Datenstand Direktwahl-Teilauswertung: 28.6.2026. Die quantitative Auswertung der 32 Wahlverfahren endet an diesem Tag; die Gesamtseite hat einen späteren Datenstand. Zähleinheit: Abgeschlossenes Direktwahlverfahren um genau ein Amt (Bürgermeister, Oberbürgermeister, Landrat). Ein erster Wahlgang plus Stichwahl zählt zusammen als ein Verfahren. Deutschland hat kein zentrales vollständiges Register aller kommunalen Direktwahlen mit Parteizugehörigkeit. Deshalb werden nur belastbar belegte Vollerhebungen für definierte Teilräume/-zeiträume sowie verifizierte Einzelwahlen verwendet. Eine bundesweite Erfolgsquote wird nicht berechnet, weil der Nenner nicht vollständig harmonisiert ist.

    Die Direktwahldaten zeigen kein einheitliches Scheitern der AfD: Sie hat einzelne kommunale Spitzenämter gewonnen. Gleichzeitig fällt die Bilanz bei personenbezogenen Direktwahlen deutlich schwächer aus als ihre Ergebnisse bei vielen Verhältnis- und Listenwahlen. Besonders 2026 ist in Ostdeutschland eine große Zahl verlorener Bürgermeister- und Landratswahlen dokumentiert. Daraus folgt jedoch keine automatische Ursache. Kandidatenprofil, Amtsinhaberbonus, lokale Verankerung, Stichwahldynamik und das jeweilige politische Umfeld müssen getrennt untersucht werden.

    Die Partei hat einzelne kommunale Spitzenämter gewonnen – etwa Sonneberg, Raguhn-Jeßnitz, Pirna sowie 2026 Altenberg und Zehdenick. Zugleich ist die Zahl verlorener personenbezogener Direktwahlen erheblich: In dem von der taz erfassten ostdeutschen Teilraum gewann die AfD 2026 bis zum 28. Juni zwei von 32 abgeschlossenen Verfahren. Das unterscheidet sich deutlich von den hohen AfD-Anteilen bei vielen Landtags-, Bundestags- und kommunalen Vertretungswahlen.

    Verifizierte Einzelwahlen

    Die Tabelle enthält keine vollständige bundesweite Liste aller Direktwahlen seit 2013, sondern belastbare Teilraum-Auswertungen und einzeln verifizierte Wahlverfahren. Jede Zeile verweist auf ihre eigene Quelle.

    27 von 27 dokumentierten Wahlverfahren angezeigt.

    Die 32er-Auswertung beruht auf einer Teilraum-Vollerhebung der taz für Ostdeutschland 2026. Die folgende Tabelle enthält 27 davon beziehungsweise weitere einzeln verifizierte Verfahren und ist nicht als vollständige Reproduktion aller 32 Fälle angelegt.

    Verifizierte kommunale Direktwahlen mit AfD-Beteiligung
    BundeslandOrt / KreisAmtDatumAfD-KandidatAfD-ErgebnisAusgangGewinnerQuelle
    Sachsen-AnhaltSaalekreisLandrat28.6.2026Uwe Arendt45,7 %Amt nicht gewonnenSven CzekallaCDU · 54,3 %Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt
    BrandenburgOstprignitz-RuppinLandrat28.6.2026Torsten Arndt39,4 %Amt nicht gewonnenRalf ReinhardtSPD · 60,6 %Landeswahlleiter Brandenburg
    SachsenGörlitzOberbürgermeister31.5.2026Sebastian Wippel11.089 Stimmen44,2 %Amt nicht gewonnenOctavian UrsuZugehörigkeit nicht angegeben · 55,8 % · 13.986 StimmenStadt Görlitz – offizielles Wahlergebnis 2. Wahlgang
    BrandenburgBarnimLandrat10.5.2026Matthäus Mikolaszek33,9 %Amt nicht gewonnenDaniel KurthSPD · 66,1 %Landeswahlleiter Brandenburg
    BrandenburgPanketalBürgermeister10.5.2026Steffen John29,38 %Amt nicht gewonnenMaximilian WonkeSPD · 70,62 %Landeswahlleiter Brandenburg
    BrandenburgZehdenickBürgermeister10.5.2026René Stadtkewitzkeine AngabeAmt gewonnenkeine Angabe im Datensatztaz / amtliche Wahlberichterstattung
    Mecklenburg-VorpommernWismarBürgermeister26.4.2026Manuela Medrow31,8 %Amt nicht gewonnenFrank JungeSPD · 68,2 %Hansestadt Wismar
    Mecklenburg-VorpommernAnklamBürgermeister12.4.2026Jörg Valentin27,9 %Amt nicht gewonnenMichael Galanderparteilostaz
    Sachsen-AnhaltGommernBürgermeister22.3.2026Phillipp-Anders Rau12,9 %Amt nicht gewonnenkeine Angabe im Datensatztaz (mit verlinkter Ergebnisquelle)
    ThüringenKraftsdorfBürgermeister15.3.2026AfD-/lokaler-Wahlbündnis-Kandidat28,9 %Amt nicht gewonnenGerhard Rassierparteilos · 71,1 %taz
    SachsenRodewischBürgermeister1.2.2026Tino Wolf36 %Amt nicht gewonnenKerstin Schönigerparteilos · 64 %taz
    BrandenburgOberspreewald-LausitzLandrat25.1.2026Antje Ruhland-Führer46,6 %Amt nicht gewonnenAlexander ErbertCDU · 53,4 %Landeswahlleiter Brandenburg
    SachsenAltenbergBürgermeister25.1.2026André Barth61,8 %Amt gewonnenkeine Angabe im Datensatztaz / amtliche Wahlberichterstattung
    Sachsen-AnhaltWolmirstedtBürgermeister7.9.2025Mathias Knispel36,2 %Amt nicht gewonnenMike SteffensKWG Börde · 54,4 %Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt
    Mecklenburg-VorpommernMecklenburgische SeenplatteLandrat25.5.2025Enrico Schult40,3 %Amt nicht gewonnenThomas MüllerCDU · 59,7 %ZDFheute
    Mecklenburg-VorpommernVorpommern-RügenLandrat25.5.2025Carlos Dias Rodrigues24,9 %Amt nicht gewonnenStefan Kerthparteilos · 75,1 %ZDFheute
    Mecklenburg-VorpommernVorpommern-GreifswaldLandrat25.5.2025Inken Arndt38,6 %Amt nicht gewonnenMichael SackCDU · 61,4 %ZDFheute
    ThüringenZeulenroda-TriebesBürgermeister9.6.2024Andreas Stiller43,9 %Amt nicht gewonnenkeine Angabe im DatensatzMDR Thüringen
    ThüringenSaale-Holzland-KreisLandrat9.6.2024Christian Bratfisch39,4 %Amt nicht gewonnenJohann WaschnewskiCDU · 60,6 %MDR Thüringen
    ThüringenEichsfeldLandrat9.6.2024Marcel König29,8 %Amt nicht gewonnenMarion FrantCDU · 70,2 %Thüringer Landesamt für Statistik
    ThüringenWartburgkreisLandrat9.6.2024AfD-Kandidat37 %Amt nicht gewonnenMichael BrodführerCDU · 63 %Thüringer Landesamt für Statistik
    ThüringenGothaLandrat9.6.2024AfD-Kandidat37,2 %Amt nicht gewonnenOnno EckertSPD · 62,8 %Thüringer Landesamt für Statistik
    ThüringenAltenburger LandLandrat9.6.2024Heiko Philipp45 %Amt nicht gewonnenUwe MelzerCDU · 55 %Thüringer Landesamt für Statistik / Bundes-SGK compilation
    ThüringenSaale-Orla-KreisLandrat28.1.2024Uwe Thrum47,6 %Amt nicht gewonnenChristian HerrgottCDU · 52,4 %MDR Thüringen
    SachsenPirnaOberbürgermeister17.12.2023Tim Lochner6.541 Stimmen38,5 %Amt gewonnenkeine Angabe im DatensatzStatistisches Landesamt Sachsen
    Sachsen-AnhaltRaguhn-JeßnitzBürgermeister2.7.2023Hannes Lothkeine AngabeAmt gewonnenkeine Angabe im DatensatzAmtliche Wahlstatistik Sachsen-Anhalt
    ThüringenSonnebergLandrat25.6.2023Robert Sesselmann52,8 %Amt gewonnenkeine Angabe im DatensatzAmtliche Wahlstatistik Thüringen / ZDF

    Nicht gezählt werden: bloße Kandidaturausschlüsse ohne Wahlteilnahme; Parteiübertritte bereits gewählter Amtsinhaber; stellvertretende Bürgermeister/Vizeämter, die nicht direkt von den Wahlberechtigten gewählt wurden; mehrfache Zählung von Hauptwahl und Stichwahl desselben Amtes. Nie 'bundesweit X verlorene Direktwahlen' schreiben, wenn X nur eine Mindestzahl oder Teilraum-Auswertung ist.

    Was in den Direktwahldaten belastbar ist

    • Landesweit beziehungsweise zyklusweit auswertbar: Bayern (Kommunalwahl 2026 – Direktwahlen), Nordrhein-Westfalen (Kommunalwahl 2025 – Direktwahlen), Thüringen (Kommunalwahl 2024 – Direktwahlen).
    • Laufender Wahlzyklus mit offenen Stichwahlen: Niedersachsen.
    • Keine vergleichbare direkte Wahl des kommunalen Spitzenamts: Berlin, Bremen, Hamburg.
    • In allen übrigen Ländern finden Direktwahlen statt, sie sind aber nicht zu einem landesweiten AfD-Wert zusammenfassbar.

    Keine pauschale Aussage 'AfD scheitert bei Direktwahlen'. Daten zeigen sowohl Niederlagen als auch einzelne gewonnene Ämter.

    Ein fehlender Landeswert bedeutet weder 0 Prozent noch, dass AfD-Kandidaten erfolglos geblieben wären. Umgekehrt belegen die im Datensatz dokumentierten gewonnenen Ämter in Raguhn-Jeßnitz (2023) und im Landkreis Sonneberg (2023), dass AfD-Direktkandidaten kommunale Spitzenämter gewinnen können. Diese Länderübersicht beschreibt nur, welche Daten je Bundesland überhaupt vergleichbar vorliegen. Die belastbaren Fallzahlen stehen in der verifizierten Recherche oberhalb. Eine bundesweite Erfolgsquote wird nicht berechnet, solange Kandidaturen und Wahlzyklen nicht vergleichbar erfasst sind.

    Wahlbeteiligung und Stimmen

    Mehr Stimmen – oder andere Wahlbeteiligung?

    Eine Partei kann prozentual zulegen, weil sie zusätzliche Wähler mobilisiert, weil andere Parteien Stimmen verlieren, weil sich die Wahlbeteiligung verändert oder durch eine Kombination dieser Faktoren.

    Deshalb zeigt die Detailansicht der Karte neben Prozentwerten auch absolute AfD-Stimmen, Wahlbeteiligung und – soweit methodisch zulässig – den Anteil aller Wahlberechtigten. Aus den Prozentwerten allein lässt sich keine vollständige Wählerwanderung ableiten.

    Bedeutung einer Parteistimme

    Warum eine Parteistimme keine Volksabstimmung über ein Programm ist

    Wahlentscheidungen können auf Zustimmung zu einzelnen Themen, genereller Parteibindung, Unzufriedenheit mit Regierungsparteien, einem Protestmotiv, Kandidaten oder Themen wie wirtschaftlicher Lage, Migration und Außenpolitik beruhen. Welches Motiv dominiert, lässt sich aus dem Wahlergebnis nicht bestimmen.

    Die Aussage „Viele Menschen wollen politische Veränderungen“ kann mit Regierungszufriedenheit, Wechselwählern, Oppositionsgewinnen und Befragungen untersucht werden. Die spezifischere Aussage „Die Menschen wollen die politische Wende der AfD“ kann aus einem AfD-Wahlergebnis allein nicht abgeleitet werden.

    Abschließender Faktencheck

    Was bleibt von den Aussagen übrig?

    • Durch die Wahldaten weitgehend gestützt
    • Nur eingeschränkt oder phasenweise zutreffend
    • Je nach Wahl unterschiedlich – einzeln zu prüfen
    • Aus Wahldaten allein nicht ableitbar

    Die AfD wird seit 2013 immer stärker.

    Langfristiger Befund: keine durchgehend steigende Entwicklung

    Die AfD liegt heute deutlich über ihrem Ausgangsniveau von 2013, verlor aber insbesondere 2020–2022 bei mehreren Wahlen Stimmenanteile.

    Die AfD wird derzeit fast überall stärker.

    Jeweils jüngste vergleichbare Landeswahl: Zugewinn in 12 von 15 Ländern

    In 3 Ländern lag das jüngste vergleichbare Ergebnis unter der Vorwahl; Bremen ist aktuell nicht vergleichbar.

    Immer mehr Menschen wählen AfD.

    Absolute Stimmenzahlen unterscheiden sich nach Wahl

    Bei zahlreichen jüngeren Wahlen nahm auch die absolute Zahl der AfD-Stimmen zu. Die Aussage muss aber für jede Wahl separat geprüft werden.

    Die Menschen wollen einen Politikwechsel.

    Bezugsgröße: Parteistimmen einzelner Wahlen

    Die Aussage ist allgemeiner als die Datengrundlage. Wahlergebnisse einer Partei enthalten keine Messung eines gesellschaftsweiten Veränderungswunsches.

    Die Menschen wollen die Wende der AfD.

    Bezugsgröße: Stimme für eine Partei, nicht für ein Programm

    Eine Parteistimme dokumentiert die Wahlentscheidung, nicht die Zustimmung zu einzelnen Programmpunkten oder zu einem vollständigen politischen Projekt.

    Das Volk hat gesprochen.

    Bezugsgröße: abgegebene gültige Stimmen

    Wahlen zeigen die Verteilung abgegebener Stimmen. Ein einheitlicher politischer Wille der gesamten Bevölkerung ist darin nicht enthalten; Nichtwähler werden keiner Position zugerechnet.

    Fazit

    Starker Aufstieg, begrenzte Aussage über den „Volkswillen“

    Die AfD ist 2026 deutlich stärker als bei ihrer Gründung 2013. Besonders seit Ende 2022 erlebt sie eine breite Wachstumsphase, die längst nicht mehr nur ostdeutsche Bundesländer betrifft. Dieser Aufwärtstrend ist in den jüngsten vergleichbaren Wahlergebnissen deutlich erkennbar.

    Ebenso wenig tragen die Daten jedoch die weitergehende Behauptung einer seit 2013 ununterbrochenen Aufwärtsbewegung. Zwischenzeitlich verlor die AfD bei zahlreichen Wahlen deutlich.

    Vor allem aber beantworten Wahlergebnisse nur begrenzt die Frage, was „die Menschen“ oder „das Volk“ politisch wollen. Eine Stimme für die AfD ist eine Stimme für die AfD – nicht automatisch eine Zustimmung zu jedem Programmpunkt oder ein Referendum über eine umfassende „politische Wende“.

    Die präziseste Aussage lautet deshalb: Die AfD gewinnt derzeit erheblich an Unterstützung. Wie weit daraus ein gesellschaftlicher Mehrheitswunsch nach ihrem politischen Programm folgt, lässt sich erst mit zusätzlicher Wahl- und Meinungsforschung beantworten.

    Methodik und Definitionen

    Vollständige Datensätze und Downloads

    Die vollständige Datengrundlage dieser Analyse steht zur Überprüfung und Reproduktion zur Verfügung.

    Für alle 16 Bundesländer sind die Struktur und Verfügbarkeit kommunaler Direktwahldaten erfasst. Konkrete Wahlverfahren sind dort einzeln dokumentiert, wo belastbare und vergleichbare Daten vorliegen.

    Die Tabelle der Direktwahlen ist keine vollständige bundesweite Liste aller Bürgermeister-, Oberbürgermeister- und Landratswahlen.

    16 Bundesländer sind im Kommunaldatensatz der Vertretungswahlen erfasst.

    Quellen

    Die Originalaussagen sind am Anfang direkt verlinkt. Hier folgen die in den Wahldatensätzen hinterlegten Quellen.

    Für Werte ohne eigene Quellenangabe im Datensatz gilt: Quellenreferenz siehe Datensatz / Wahlhistorie. Es werden keine Ersatzquellen ergänzt.