Wie entwickeln sich Unternehmensgründungen und Insolvenzen?
- Autor:
- politfacts
- Veröffentlicht:
- 28. Juli 2026
- Letzte Aktualisierung:
- 28. Juli 2026
- Lesedauer:
- ca. 11 Minuten
Worum geht es hier?
Diese Seite zeigt, wie viele Gewerbe in Deutschland angemeldet und abgemeldet werden, wie sich Unternehmensinsolvenzen entwickeln und was die Zahlen über die Wirtschaft wirklich aussagen – und was nicht.
- Wie viele Gewerbe angemeldet und abgemeldet werden
- Wie sich Unternehmensinsolvenzen seit 2015 entwickelt haben
- Welche Branchen und Betriebsgrößen betroffen sind
- Warum Insolvenzzahlen nur einen Teil des Marktaustritts abbilden
Kurz erklärt
In Deutschland werden weiterhin deutlich mehr Gewerbe angemeldet als abgemeldet: 2025 standen rund 762.400 Anmeldungen etwa 612.900 Abmeldungen gegenüber.
Gleichzeitig sind die Unternehmensinsolvenzen seit dem Tiefpunkt 2021 kräftig gestiegen – von 13.993 auf 24.064 Fälle im Jahr 2025.
Damit liegt das Insolvenzniveau höher als in allen Jahren seit 2015, aber weiterhin deutlich unter den Werten der frühen 2000er-Jahre.
Insolvenzen sind nur ein kleiner Teil des Marktgeschehens: Weit mehr Unternehmen verschwinden ohne Insolvenzverfahren vom Markt.
Das Wichtigste auf einen Blick
2025 wurden 762.391 Gewerbe angemeldet und 612.906 abgemeldet – ein Saldo von rund +149.500.
Die Unternehmensinsolvenzen stiegen 2025 auf 24.064 Fälle, das ist der höchste Wert seit 2015 (23.101).
Am stärksten betroffen waren 2025 Baugewerbe (4.062), Handel (3.823) und Gastgewerbe (2.563).
Bei rund zwei Dritteln der Insolvenzfälle sind keine oder unbekannt viele Arbeitnehmende betroffen – es handelt sich meist um Kleinstunternehmen.
Nach fünf Jahren waren nur 37 Prozent der Unternehmensgründungen noch am Markt aktiv (Kohorte 2013, Berichtsjahr 2018).
Rund 9 Prozent junger Betriebe verlassen den Markt ohne Insolvenz, nur etwa 2 Prozent über ein Insolvenzverfahren.
Zahlen & Fakten
Die Datenlage
- Gewerbeanmeldungen 2025
- 762.391
- Gewerbeabmeldungen 2025
- 612.906
- Saldo der Gewerbeanzeigen 2025
- +149.485
- Unternehmensinsolvenzen 2025
- 24.064
- Anstieg der Unternehmensinsolvenzen 2025 gegenüber 2024
- +10,3 %
- Überlebensrate nach fünf Jahren
- 37 %
Statistisches Bundesamt, Gewerbeanzeigenstatistik
Statistisches Bundesamt, Gewerbeanzeigenstatistik
Anmeldungen minus Abmeldungen
beantragte Verfahren, Statistisches Bundesamt
2024: 21.812 Fälle
Gründungskohorte 2013, Berichtsjahr 2018
Unternehmensinsolvenzen 2015 bis 2025
Beantragte Insolvenzverfahren von Unternehmen
Fälle
Der Tiefpunkt 2021 fällt in die Zeit der pandemiebedingten Aussetzung der Insolvenzantragspflicht.
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Insolvenzstatistik
Alle Insolvenzverfahren im Vergleich
Unternehmen sind nur ein kleiner Teil aller Insolvenzen
Verfahren
- Insolvenzverfahren insgesamt
- davon Unternehmen
Die Gesamtzahl enthält vor allem Verbraucherinsolvenzen.
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Insolvenzstatistik
Gewerbean- und -abmeldungen 2025 nach Monaten
Anmeldungen liegen in jedem Monat über den Abmeldungen
Anzeigen
- Gewerbeanmeldungen
- Gewerbeabmeldungen
Alle Monatswerte sind vom Statistischen Bundesamt als geschätzt gekennzeichnet.
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Gewerbeanzeigenstatistik, Stand 28.07.2026
Gewerbeanmeldungen Januar bis Mai: 2025 und 2026 im Vergleich
Anmeldungen
- 2025
- 2026
In den ersten fünf Monaten 2026 wurden 351.376 Gewerbe angemeldet, 2025 waren es 327.405.
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Gewerbeanzeigenstatistik, Stand 28.07.2026
Unternehmensinsolvenzen 2025 nach Wirtschaftsabschnitten
Die zehn Bereiche mit den meisten beantragten Verfahren
Fälle
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Statistischer Bericht „Beantragte Insolvenzverfahren“, Tabelle 52411-b01
Unternehmensinsolvenzen 2025 nach Zahl der Arbeitnehmenden
Insolvenzen betreffen überwiegend sehr kleine Unternehmen
Fälle
Summe aller Größenklassen: 24.064 Fälle.
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Statistischer Bericht „Beantragte Insolvenzverfahren“, Tabelle 52411-b01
Insolvenzanstieg 2023 nach Sektoren
Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft
Fälle 2023
Prozentangaben sind Veränderungen gegenüber 2022.
Quelle: IW-Report 2025: Unternehmensinsolvenzen und Konjunktur
Gründungs- und Schließungsraten im europäischen Vergleich (2018)
Gewerbliche Wirtschaft, Anteil an allen Unternehmen
Prozent
- Gründungsrate
- Schließungsrate
Quelle: Statistisches Bundesamt, WISTA 2/2021: Aktuelle Entwicklungen in der Unternehmensdemografie
Überlebensrate von Gründungen nach fünf Jahren
Gründungskohorte 2013, Stand Berichtsjahr 2018
Prozent
Quelle: Statistisches Bundesamt, WISTA 2/2021: Aktuelle Entwicklungen in der Unternehmensdemografie
Was bedeuten diese Zahlen?
Zwei Statistiken beschreiben das Gründungs- und Schließungsgeschehen in Deutschland. Die Gewerbeanzeigenstatistik zählt jede Anmeldung und Abmeldung eines Gewerbes bei der Kommune. Die Insolvenzstatistik zählt Verfahren, über die ein Amtsgericht entschieden hat. Beide Statistiken messen Unterschiedliches – und beide sind für sich genommen unvollständig.
Die Gewerbeanzeigen zeigen ein weiterhin positives Bild: 2025 kamen auf 762.391 Anmeldungen 612.906 Abmeldungen. Rechnerisch entstanden also rund 149.500 Gewerbe mehr, als aufgegeben wurden. In den ersten fünf Monaten 2026 lagen die Anmeldungen mit 351.376 nochmals über dem Vorjahreszeitraum (327.405). Wichtig ist dabei: Eine Gewerbeanmeldung ist keine Firmengründung im engeren Sinn. Sie umfasst auch Nebenerwerbe, Kleingewerbe und Umzüge von Betrieben. Als Betriebsgründung gilt nur, wer ins Handelsregister eingetragen ist, in die Handwerksrolle eingetragen wird oder mindestens eine Person beschäftigt.
Die Insolvenzstatistik zeigt eine gegenläufige Bewegung. Nach dem historischen Tiefpunkt von 13.993 Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2021 stiegen die Zahlen auf 17.814 (2023), 21.812 (2024) und 24.064 (2025). Der Tiefpunkt war kein Zeichen wirtschaftlicher Stärke: In der Pandemie war die Insolvenzantragspflicht zeitweise ausgesetzt, umfangreiche Staatshilfen hielten Unternehmen im Markt. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle beschrieb dies bereits 2021 als paradoxe Situation und warnte vor einer „Zombifizierung“, falls Hilfen zu lange laufen.
Der Anstieg ist branchenübergreifend, trifft aber nicht alle gleich. 2025 entfielen die meisten beantragten Verfahren auf das Baugewerbe (4.062), den Handel (3.823), freiberufliche und technische Dienstleistungen (2.754) sowie das Gastgewerbe (2.563). Das Institut der deutschen Wirtschaft führt den Anstieg im Bau vor allem auf gestiegene Baukosten, die Zinswende ab Herbst 2022 und den Einbruch der Baugenehmigungen zurück; im Handel spielen auslaufende Corona-Hilfen und der Trend zum Onlinehandel eine Rolle.
Auffällig ist die Größenstruktur: Bei 16.045 der 24.064 Fälle des Jahres 2025 waren keine oder unbekannt viele Arbeitnehmende betroffen. Nur 263 Verfahren betrafen Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten. Für die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze sind aber gerade diese wenigen großen Fälle entscheidend – etwa 90 Prozent der von Insolvenz betroffenen Beschäftigten arbeiten laut IWH in Personen- und Kapitalgesellschaften.
Schließlich relativiert die Unternehmensdemografie das Bild: Von den Gründungen des Jahres 2013 waren fünf Jahre später nur noch 37 Prozent am Markt. Marktaustritte sind also Normalfall, nicht Ausnahme – und die meisten davon laufen ohne Insolvenz ab.
Was wir sicher wissen
- 2025 wurden in Deutschland 762.391 Gewerbe angemeldet und 612.906 abgemeldet (Destatis, Monatswerte, geschätzt).
- Die Zahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen stieg von 13.993 (2021) auf 24.064 (2025).
- 2025 gab es 131.005 Insolvenzverfahren insgesamt; Unternehmen machten davon 24.064 aus.
- Baugewerbe, Handel und Gastgewerbe verzeichneten 2025 die meisten Unternehmensinsolvenzen.
- Nur 263 Insolvenzverfahren des Jahres 2025 betrafen Unternehmen mit mehr als 100 Arbeitnehmenden.
- Von den Gründungen 2013 waren 2018 noch 37 Prozent aktiv; im Grundstücks- und Wohnungswesen nur 20 Prozent.
Was wir nicht sicher wissen
- Wie viele der angemeldeten Gewerbe tatsächlich dauerhaft wirtschaftlich aktiv werden, zeigt die Gewerbeanzeigenstatistik nicht.
- Die Monatswerte der Gewerbeanzeigen für 2025 und 2026 sind vom Statistischen Bundesamt als geschätzt gekennzeichnet und können sich noch ändern.
- Wie viele Arbeitsplätze durch die Insolvenzen 2025 verloren gingen, geht aus den vorliegenden Unterlagen nicht hervor.
- Ob der Anstieg der Insolvenzen 2026 anhält, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten.
- In welchem Umfang Insolvenzen zu Fortführung statt Schließung führen, ist in den vorliegenden Quellen nur für einzelne Jahrgänge dokumentiert.
Warum diese Antwort nicht ganz einfach ist
„Mehr Insolvenzen“ und „mehr Gründungen“ können gleichzeitig zutreffen. Wer nur eine der beiden Zahlen betrachtet, bekommt ein verzerrtes Bild. Fünf Gründe machen die Einordnung schwierig:
- 01
Zwei Statistiken, zwei Definitionen
Die Gewerbeanzeigenstatistik zählt Verwaltungsvorgänge bei den Kommunen, die Insolvenzstatistik gerichtliche Entscheidungen. Eine Gewerbeanmeldung ist keine Unternehmensgründung im Sinne der Unternehmensdemografie.
- 02
Zeitverzug der Insolvenzzahlen
Zwischen Insolvenzantrag und Gerichtsentscheid liegen im Median rund zwei Monate, bis zur amtlichen Veröffentlichung insgesamt etwa vier Monate. Aktuelle Insolvenzzahlen bilden also das Geschehen der Vergangenheit ab.
- 03
Sondereffekt Pandemie
Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht und umfangreiche Staatshilfen drückten die Zahlen 2020 und 2021 künstlich nach unten. Der spätere Anstieg ist deshalb teilweise ein Nachholeffekt.
- 04
Größe entscheidet über die Folgen
Die meisten Insolvenzen betreffen Kleinstunternehmen ohne Beschäftigte. Die wirtschaftlichen Folgen – Arbeitsplatzverluste, Forderungsausfälle bei Zulieferern – hängen an den wenigen großen Fällen.
- 05
Insolvenz ist nur ein Weg aus dem Markt
Nach Berechnungen des IWH verlassen jährlich rund 9 Prozent der höchstens zwei Jahre alten Betriebe den Markt ohne Insolvenz, nur etwa 2 Prozent über ein Insolvenzverfahren. Viele Schließungen sind freiwillig.
Häufige Missverständnisse
„Jede Gewerbeanmeldung ist eine neue Firma.“
Die Gewerbeanzeigenstatistik erfasst auch Nebenerwerbe, Kleingewerbe, Umzüge und Übernahmen. Als Betriebsgründung gilt nur, wer ins Handelsregister oder in die Handwerksrolle eingetragen ist oder mindestens eine Person beschäftigt.
„Sinkende Insolvenzzahlen sind immer ein gutes Zeichen.“
2020 und 2021 sanken die Insolvenzen mitten in der Krise – wegen ausgesetzter Antragspflicht und Staatshilfen. Das IWH warnte damals ausdrücklich vor einer „Zombifizierung“ der Wirtschaft.
„Eine Insolvenz bedeutet immer das Ende des Unternehmens.“
Die Schließung ist zwar das mit Abstand häufigste Ergebnis, aber nicht das einzige. Ein Teil der Unternehmen wird nach Verfahrenseröffnung zunächst fortgeführt.
„Die Insolvenzwelle trifft vor allem Großunternehmen.“
2025 betrafen nur 263 von 24.064 beantragten Verfahren Unternehmen mit mehr als 100 Arbeitnehmenden. Die große Mehrheit sind Kleinst- und Kleinunternehmen.
„Wer scheitert, hat schlecht gewirtschaftet.“
Marktaustritte ohne Insolvenz haben oft andere Gründe: fehlende Unternehmensnachfolge oder bessere Verdienstmöglichkeiten in einer Anstellung. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer bewerten die Schließung selbst als Erfolg.
Auf einen Blick
Deutschland verzeichnet weiterhin deutlich mehr Gewerbeanmeldungen als -abmeldungen, gleichzeitig sind die Unternehmensinsolvenzen seit 2021 auf 24.064 Fälle im Jahr 2025 gestiegen – den höchsten Stand seit 2015. Betroffen sind ganz überwiegend sehr kleine Unternehmen.
- Evidenzgrad
- Gut belegt
Die Kennzahlen zu Gewerbeanzeigen und Insolvenzen stammen direkt aus der amtlichen Statistik des Statistischen Bundesamtes. Die Einordnung stützt sich auf Fachpublikationen des IW und des IWH. Für 2025 und 2026 sind die Monatswerte der Gewerbeanzeigen jedoch als geschätzt gekennzeichnet.
- Datenstand
- Insolvenzen: 2015 bis 2025. Gewerbeanzeigen: Januar 2025 bis Mai 2026 (Stand 28.07.2026). Unternehmensdemografie: Berichtsjahr 2018.
- Letzte Aktualisierung
- 28. Juli 2026
Quellen
- 1
Gewerbeanmeldungen und Gewerbeabmeldungen: Deutschland, Monate (Tabelle 52311-0001)
Statistisches Bundesamt (Destatis) · 2026
Stand 28.07.2026; alle Monatswerte als geschätzt gekennzeichnet.
- 2
Statistischer Bericht – Beantragte Insolvenzverfahren, Tabelle 52411-b01
Statistisches Bundesamt (Destatis) · 2026
Insolvenzverfahren von Unternehmen nach Arbeitnehmergrößenklassen und Wirtschaftsabschnitten.
- 3
Insolvenzverfahren – lange Reihe der beantragten Verfahren
Statistisches Bundesamt (Destatis) · 2026
Jahreswerte insgesamt und für Unternehmen.
- 4
Gewerbeanzeigen – Statistischer Bericht
Statistisches Bundesamt (Destatis) · 2024
Definitionen von Betriebsgründung, Neuerrichtung und Betriebsaufgabe.
- 5
IW-Report 2025: Unternehmensinsolvenzen und Konjunktur
Institut der deutschen Wirtschaft (IW) · 2025
Sektorale Insolvenzentwicklung und konjunkturelle Einordnung.
- 6
Steffen Müller: Insolvenzen in der Corona-Krise, IWH Policy Notes 2/2021
Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) · 2021
Messkonzept der Insolvenzstatistik, Marktaustritte ohne Insolvenz, Beschäftigungswirkung.
- 7
Anke Rink, Ines Seiwert: Aktuelle Entwicklungen in der Unternehmensdemografie, WISTA 2/2021
Statistisches Bundesamt (Destatis) · 2021
Gründungs- und Schließungsraten, Überlebensraten im europäischen Vergleich.
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