Wie kann Deutschland langfristig bezahlbaren Strom bereitstellen?
- Autor:
- politfacts
- Veröffentlicht:
- 28. Juli 2026
- Letzte Aktualisierung:
- 29. Juli 2026
- Lesedauer:
- ca. 12 Minuten
Worum geht es hier?
Der Strompreis, den ein Haushalt zahlt, entsteht nicht an einer einzigen Stelle. Er setzt sich aus den Kosten der Stromerzeugung, dem Preis an der Strombörse, den Netzentgelten, Steuern, Abgaben und Umlagen sowie Vertriebskosten zusammen. Diese Seite erklärt in einfacher Sprache, wie diese Bestandteile zusammenwirken, warum niedrige Erzeugungskosten nicht automatisch niedrige Endkundenpreise bedeuten und welche Faktoren die Quellen als preisrelevant beschreiben – ohne politische Bewertung und ohne Empfehlung für oder gegen eine Technologie.
- Aus welchen Bestandteilen sich der Strompreis zusammensetzt
- Was Stromgestehungskosten sind – und was sie ausdrücklich nicht enthalten
- Welche Faktoren die Quellen als preisbeeinflussend dokumentieren
- Warum aus den Quellen kein einzelner kausaler Preiseffekt einer Technologie abgeleitet werden kann
Kurz erklärt
Der Preis, den Haushalte für Strom zahlen, besteht aus mehreren Teilen: Beschaffung, Vertrieb und Marge des Lieferanten, Netzentgelten sowie Steuern, Abgaben und Umlagen.
Zum Stichtag 1. April 2025 lag der durchschnittliche Haushaltsstrompreis bei 40,05 ct/kWh; rund 60 Prozent davon waren Bestandteile, die der Lieferant nicht beeinflussen kann.
Die Kosten, eine Kilowattstunde in einer neuen Anlage zu erzeugen (Stromgestehungskosten), liegen deutlich darunter – für große Freiflächen-Photovoltaik zum Beispiel 2024 bei 4,1 bis 6,9 ct/kWh.
Zwischen Erzeugungskosten und Endkundenpreis liegen Netze, Engpassmanagement, Speicher, Reserve, Vertrieb sowie regulierte und steuerliche Bestandteile; die Quellen weisen ausdrücklich darauf hin, dass Stromgestehungskosten diese Posten nicht enthalten.
Welche Wirkung am Ende überwiegt, hängt nach den Quellen von Ausbaupfad, Marktregeln, Brennstoff- und CO₂-Preisen, Finanzierung, Standort und zeitlicher Abstimmung ab – ein einzelner kausaler Preiseffekt lässt sich daraus nicht bestimmen.
Das Wichtigste auf einen Blick
Nach der BDEW-Strompreisanalyse vom April 2026 liegt der durchschnittliche Haushaltsstrompreis (3.500 kWh/Jahr, Neukundentarife) 2026 bei 37,0 ct/kWh und damit unter dem Vorjahreswert; der mengengewichtete Durchschnitt aller Vertragsarten lag zum 1. April 2025 bei 40,05 ct/kWh (Monitoringbericht Energie 2025).
Rund 60 Prozent des Haushaltspreises entfielen 2025 auf vom Lieferanten nicht beeinflussbare Bestandteile (Abgaben, Steuern und weitere regulierte Posten), rund 40 Prozent auf Beschaffung, Vertrieb und Marge (Monitoringbericht Energie 2025).
Die mengengewichteten Netzentgelte für Haushaltskunden sanken 2025 leicht auf 10,72 ct/kWh (2024: 10,95 ct/kWh); bei Gewerbekunden auf 8,49 ct/kWh, bei Industriekunden auf 4,14 ct/kWh (Monitoringbericht Energie 2025).
Der volumengewichtete Day-Ahead-Börsenstrompreis lag 2025 bei 86,54 €/MWh bzw. 8,65 ct/kWh und damit 10,9 Prozent über 2024 (78,01 €/MWh) (Fraunhofer ISE).
Für neue Anlagen berechnet Fraunhofer ISE für 2024 Stromgestehungskosten von 4,1 bis 6,9 ct/kWh (Freiflächen-PV), 4,3 bis 9,2 ct/kWh (Wind an Land) und 5,5 bis 10,3 ct/kWh (Wind auf See) – ohne Netz-, Speicher- und Reservekosten.
Der Netzausbaubedarf der Übertragungsnetzbetreiber wird mit rund 110 Mrd. Euro bis 2033 und rund 207 Mrd. Euro bis 2045 beziffert; Netzkosten wirken über die Netzentgelte auf den Endkundenpreis (Monitoringbericht Energie 2025).
Zahlen & Fakten
Die Datenlage
- Haushaltsstrompreis 2026
- 37,0 ct/kWh
- Nicht beeinflussbarer Preisanteil
- 60 %
- Netzentgelt Haushaltskunden 2025
- 10,72 ct/kWh
- Börsenstrompreis 2025
- 8,65 ct/kWh
- Stromgestehungskosten Freiflächen-PV 2024
- 4,1–6,9 ct/kWh
- Netzausbaubedarf bis 2033
- 110 Mrd. €
Durchschnittlicher Strompreis für Haushalte mit 3.500 kWh Jahresverbrauch, Neukundentarife, Stand April 2026; davon 15,17 ct/kWh Beschaffung und Vertrieb, 9,26 ct/kWh Netzentgelt und 12,6 ct/kWh Steuern, Abgaben und Umlagen (BDEW-Strompreisanalyse April 2026). Der mengengewichtete Durchschnitt aller Vertragsarten lag zum 1. April 2025 bei 40,05 ct/kWh (Monitoringbericht Energie 2025).
Anteil der Bestandteile, die der Lieferant nicht beeinflussen kann (Abgaben, Steuern und weitere regulierte Posten); 2024 waren es 56 Prozent (Monitoringbericht Energie 2025).
Mengengewichtetes Netzentgelt bei einem Jahresverbrauch zwischen 2.500 und 5.000 kWh; rund zwei Prozent unter dem Vorjahr (2024: 10,95 ct/kWh) (Monitoringbericht Energie 2025).
Durchschnittlicher volumengewichteter Day-Ahead-Preis von 86,54 €/MWh, 10,9 Prozent mehr als 2024 (78,01 €/MWh) (Fraunhofer ISE).
Kostenband für neue große Freiflächenanlagen in Deutschland; enthält keine Netz-, Speicher-, Reserve-, Profil- oder Verteilungskosten (Fraunhofer ISE 2024).
Investitionsbedarf für netzdimensionierenden Ausbau der Übertragungsnetze bis 2033; bis 2045 rund 207 Mrd. Euro, zuzüglich Verteilernetze (Monitoringbericht Energie 2025).
Modellierter Strompreis für Neukunden
Jahresdurchschnitt auf Basis des Modells der Bundesnetzagentur
ct/kWh
Das Modell berücksichtigt Großhandelspreise, Umlagen, Steuern, Netzentgelte, weitere Abgaben sowie Vertriebskosten und Marge. Für dynamische Tarife liegt der Wert 2025 bei 36,3 ct/kWh.
Quelle: Monitoringbericht Energie 2025 (BNetzA/BKartA), Kapitel Strompreise Haushaltskunden
Beeinflussbare und nicht beeinflussbare Preisbestandteile
Anteile am Haushaltsstrompreis zum Stichtag 1. April
%
- Beschaffung, Vertrieb, Marge
- Abgaben, Steuern, regulierte Bestandteile
Der Anteil der vom Lieferanten nicht beeinflussbaren Bestandteile ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Quelle: Monitoringbericht Energie 2025 (BNetzA/BKartA)
Strompreise nach Kundengruppe 2025
Beispielhafte Abnahmefälle zum Stichtag 1. April 2025
ct/kWh
Der Industriewert versteht sich ohne Umsatzsteuer und ohne Inanspruchnahme von Reduktionsmöglichkeiten. Die Werte sind wegen unterschiedlicher Abnahmefälle und Steuerbehandlung nicht unmittelbar vergleichbar.
Quelle: Monitoringbericht Energie 2025 (BNetzA/BKartA)
Entwicklung der Netzentgelte Strom
Mengengewichtete Netzentgelte nach Kundengruppe
ct/kWh
- 2024
- 2025
Hauptgrund für die sinkenden Verteilernetzentgelte 2025 ist eine Festlegung der Bundesnetzagentur zur bundesweiten Verteilung von Mehrkosten aus der Integration erneuerbarer Anlagen (Umverteilungsvolumen rund 2,4 Mrd. Euro).
Quelle: Monitoringbericht Energie 2025 (BNetzA/BKartA), Kapitel Netzentgelte Strom
Entwicklung der Großhandelspreise
Durchschnittlicher Day-Ahead-Strompreis, Wert für 2030 aus dem Terminmarkt
EUR/MWh
Der Wert für 2030 ist ein börslicher Terminmarktpreis und keine Prognose. Agora beziffert einen möglichen Börsenstrompreiseffekt je nach künftigem Ausbautempo erneuerbarer Energien mit +/- 20 EUR/MWh.
Quelle: Agora Energiewende, „Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2025“, Tabelle 1
Stromgestehungskosten neuer Anlagen 2024
Kostenbänder für Deutschland, untere und obere Grenze
ct/kWh
- Untere Grenze
- Obere Grenze
Standort, Volllaststunden, Anlagenpreis, Finanzierung und bei Bioenergie Substrat- sowie Wärmeerlöse erklären einen großen Teil der Bandbreiten. Für Biogas ist eine Wärmegutschrift berücksichtigt.
Quelle: Fraunhofer ISE (2024), „Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien“, S. 2–4 und 18–19
Entwicklung der Stromgestehungskosten bis 2045
Modellierte Kostenbänder für Neuanlagen im jeweiligen Installationsjahr
ct/kWh
- Untere Grenze
- Obere Grenze
Bei Bioenergie steigen die modellierten Bänder bis 2045 unter den getroffenen Annahmen an (feste Biomasse 14,6 bis 31,9 ct/kWh, Biogas 25,4 bis 43,3 ct/kWh), vor allem wegen angenommener Substratpreise. Alle Werte bleiben annahmenabhängig.
Quelle: Fraunhofer ISE (2024), „Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien“, S. 3–4 und 30–31
Erzeugungskosten, Börsenpreis und Endkundenpreis im Vergleich
Verschiedene Kostenebenen, keine addierbaren Größen
ct/kWh
Die Balken zeigen unterschiedliche Kostenebenen: Anlagenkosten, Marktpreis, reguliertes Netzentgelt und Endkundenpreis. Sie dürfen weder addiert noch als Ursache-Wirkungs-Kette gelesen werden.
Quelle: Fraunhofer ISE (2024) und „Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2025“; Monitoringbericht Energie 2025 (BNetzA/BKartA)
Kosten für Systemdienstleistungen 2024
Kosten der Übertragungsnetzbetreiber, die über Netzentgelte refinanziert werden
Mrd. Euro
Die Gesamtkosten lagen 2024 bei rund 5,2 Mrd. Euro und damit auf dem Niveau des Vorjahres. Die Kosten des Engpassmanagements sind im Bericht nicht kausal einzelnen Technologien zugeordnet.
Quelle: Monitoringbericht Energie 2025 (BNetzA/BKartA)
Investitionsbedarf im Stromnetz
Netzdimensionierender Ausbau ohne reine Ersatzinvestitionen
Mrd. Euro
- Übertragungsnetz
- Verteilernetz (ausgewiesener Teil)
Reine Ersatzinvestitionen sind in diesen Zahlen nicht enthalten. Netzkosten wirken über die Netzentgelte auf die Endkundenpreise.
Quelle: Monitoringbericht Energie 2025 (BNetzA/BKartA), Kapitel Netzausbau
Über Netzentgelte erhobene Umlagen 2024
Von Netzbetreibern von den Netznutzern erhobene Beträge
Mrd. Euro
Insgesamt rund 4,72 Mrd. Euro. Die EEG-Umlage wurde zum 1. Juli 2022 auf 0 ct/kWh gesenkt; die EEG-Förderung wird seither nicht mehr über diese Umlage erhoben.
Quelle: Monitoringbericht Energie 2025 (BNetzA/BKartA)
Bestandteile des Haushaltsstrompreises 2026
Durchschnittspreis für 3.500 kWh Jahresverbrauch, Neukundentarife
ct/kWh
Summe 37,0 ct/kWh. Auf Beschaffung und Vertrieb entfallen 41,3 Prozent, auf Netzentgelte 24,9 Prozent und auf Steuern, Abgaben und Umlagen 33,9 Prozent. Rundungsdifferenzen sind möglich.
Quelle: BDEW-Strompreisanalyse April 2026, Folie 11 (Datenstand 04/2026)
Strompreis für Neuabschlüsse in der Industrie
Jahresverbrauch 160.000 bis 20 Mio. kWh, Mittelspannung, inkl. reduzierter Stromsteuer
ct/kWh
Der Rückgang 2026 um rund 0,9 ct/kWh gegenüber dem Vorjahr wird im Bericht mit dem Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten erklärt. Es handelt sich um Preise für Neuabschlüsse, nicht um den Durchschnitt bestehender Verträge.
Quelle: BDEW-Strompreisanalyse April 2026, Folie 31 (BDEW/VEA, Datenstand 04/2026)
Was bedeuten diese Zahlen?
Der Preis für eine Kilowattstunde Haushaltsstrom entsteht in mehreren Schritten. Am Anfang steht die Erzeugung: Die Stromgestehungskosten (englisch LCOE) verteilen Investitions-, Finanzierungs-, Betriebs- und gegebenenfalls Brennstoffkosten einer Anlage über die Strommenge, die sie im Lauf ihrer Lebensdauer erzeugt. Fraunhofer ISE weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Kennzahl weder ein Großhandelspreis noch ein Endkundenpreis ist und dass sie Netz-, Speicher-, Reserve-, Profil- und Verteilungskosten nicht automatisch enthält.
Der Börsenstrompreis ist der Preis, zu dem Strom kurzfristig gehandelt wird. 2025 lag der durchschnittliche volumengewichtete Day-Ahead-Preis bei 86,54 €/MWh, also 8,65 ct/kWh, nach 78,01 €/MWh im Jahr 2024. Agora Energiewende beschreibt die Brennstoff- und CO₂-Kosten von Gaskraftwerken als wesentlichen Preistreiber: 2025 setzten sich diese aus 104 EUR/MWh für Erdgas und 30 EUR/MWh für CO₂-Zertifikate zusammen.
Netzentgelte decken den Bau, Betrieb und Erhalt der Strom- und Verteilernetze sowie Kosten wie Engpassmanagement, Verlustenergie und Regelleistung. Für Haushaltskunden lagen sie 2025 bei 10,72 ct/kWh. Steuern, Abgaben und Umlagen sind gesetzlich festgelegte Bestandteile; sie machen zusammen mit weiteren regulierten Posten den Teil des Preises aus, den der Lieferant nicht beeinflussen kann – 2025 rund 60 Prozent.
Systemkosten sind die Kosten, die zusätzlich zur reinen Erzeugung entstehen, damit Strom jederzeit dort verfügbar ist, wo er gebraucht wird: Netze, Engpassmanagement, Speicher, Reserve und weitere Systemdienstleistungen. Für 2024 weist der Monitoringbericht rund 5,2 Mrd. Euro Systemdienstleistungskosten aus, davon rund 2,9 Mrd. Euro für Netzengpassmanagement.
Der Endkundenpreis ist die Summe aus all diesen Bestandteilen zuzüglich Vertriebskosten und Marge. Er lag zum 1. April 2025 im Durchschnitt bei 40,05 ct/kWh. Zwischen Vertragsarten bestehen deutliche Unterschiede: In der Grundversorgung waren es 44,93 ct/kWh, bei einem Vertrag außerhalb der Grundversorgung 39,51 ct/kWh und bei einem anderen Lieferanten als dem örtlichen Grundversorger 38,20 ct/kWh.
Für das Jahr 2026 weist die BDEW-Strompreisanalyse vom April 2026 einen durchschnittlichen Neukundenpreis von 37,0 ct/kWh aus (3.500 kWh Jahresverbrauch). Davon entfallen 15,17 ct/kWh auf Beschaffung und Vertrieb, 9,26 ct/kWh auf das Netzentgelt und 12,6 ct/kWh auf Steuern, Abgaben und Umlagen. Die Netzentgelte sind gegenüber dem Vorjahr um 1,6 ct/kWh gesunken; der BDEW führt das auf den Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten zurück. Für Neuabschlüsse kleiner und mittlerer Industriebetriebe nennt der BDEW 16,7 ct/kWh, rund 0,9 ct/kWh weniger als im Vorjahr.
Die Zahlen zeigen damit vor allem eines: Erzeugungskosten, Börsenpreis, Netzentgelt und Endkundenpreis sind vier verschiedene Größen. Sie beschreiben unterschiedliche Ebenen desselben Systems und lassen sich weder gleichsetzen noch einfach addieren.
Was wir sicher wissen
- Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis lag zum 1. April 2025 bei 40,05 ct/kWh inklusive Umsatzsteuer nach 41,59 ct/kWh im Jahr 2023 (Monitoringbericht Energie 2025).
- Nach der BDEW-Strompreisanalyse vom April 2026 liegt der durchschnittliche Neukundenpreis für Haushalte 2026 bei 37,0 ct/kWh (3.500 kWh/Jahr): 15,17 ct/kWh Beschaffung und Vertrieb, 9,26 ct/kWh Netzentgelt, 12,6 ct/kWh Steuern, Abgaben und Umlagen.
- Der Strompreis für Neuabschlüsse kleiner und mittlerer Industriebetriebe liegt 2026 bei 16,7 ct/kWh nach 17,64 ct/kWh 2025 und 43,2 ct/kWh im Jahr 2022 (BDEW-Strompreisanalyse April 2026).
- Rund 60 Prozent des Haushaltspreises entfielen 2025 auf vom Lieferanten nicht beeinflussbare Bestandteile, rund 40 Prozent auf Beschaffung, Vertrieb und Marge (2024: 56 zu 44 Prozent).
- Die Netzentgelte für Haushaltskunden lagen 2025 bei 10,72 ct/kWh, für Gewerbekunden bei 8,49 ct/kWh und für Industriekunden bei 4,14 ct/kWh – jeweils leicht unter den Vorjahreswerten.
- Der durchschnittliche volumengewichtete Day-Ahead-Börsenstrompreis betrug 2025 86,54 €/MWh (8,65 ct/kWh) und lag damit 10,9 Prozent über 2024 (Fraunhofer ISE).
- Stromgestehungskosten sind laut Fraunhofer ISE weder Großhandels- noch Endkundenpreis und enthalten nicht automatisch Netz-, Speicher-, Reserve-, Profil- oder Verteilungskosten.
- Die Kosten der Systemdienstleistungen der Übertragungsnetzbetreiber lagen 2024 bei rund 5,2 Mrd. Euro, davon rund 2,9 Mrd. Euro für Netzengpassmanagement, 1,6 Mrd. Euro für Verlustenergie und 0,5 Mrd. Euro für Regelleistung.
- Die EEG-Umlage wurde zum 1. Juli 2022 auf 0 ct/kWh gesenkt; nach Darstellung der IEA machte sie zuvor rund ein Fünftel des Verbraucherpreises aus und wird seither aus dem allgemeinen Staatshaushalt finanziert.
- Fraunhofer ISE weist für 2025 einen statistischen Zusammenhang aus: Jedes zusätzliche Gigawatt Windeinspeisung senkt den Day-Ahead-Börsenstrompreis um 1,43 Euro/MWh.
Was wir nicht sicher wissen
- Wie sich die Weltmarktpreise für Erdgas und die Preise für CO₂-Zertifikate entwickeln, ist offen. Agora Energiewende beschreibt sie als wesentlichen Preistreiber des Börsenstrompreises; künftige Werte sind Markterwartungen, keine gesicherten Größen.
- Die Terminmarktpreise für die kommenden Jahre (etwa 80 EUR/MWh bis Ende 2028, 74 EUR/MWh für 2030) sind Abrechnungspreise gehandelter Kontrakte und spiegeln Erwartungen von Marktteilnehmern, keine Prognose.
- Agora beziffert den Börsenstrompreiseffekt je nach künftigem Ausbautempo erneuerbarer Energien mit +/- 20 EUR/MWh. Wie stark er tatsächlich eintritt, hängt von Ausbaugeschwindigkeit, Nachfrage und Marktregeln ab.
- Wie sich die Netzentgelte langfristig entwickeln, ist aus den Quellen nicht ableitbar: Sie hängen von Investitionsvolumen (rund 110 Mrd. Euro bis 2033, rund 207 Mrd. Euro bis 2045 allein im Übertragungsnetz), von Regulierungsentscheidungen und von der Verteilung der Kosten ab.
- Die modellierten Stromgestehungskosten für 2045 beruhen auf Annahmen zu Technologiepreisen, Volllaststunden, Substratpreisen und Finanzierung. IRENA betont, dass Kapitalkosten, Länderrisiko, Zinsen und Inflation die Kosten stärker verändern können als reine Technologiepreise.
- Die Quellen erlauben keine Aussage darüber, welche Wirkung im Zusammenspiel von sinkenden Erzeugungskosten und steigenden Integrationskosten überwiegt. Ein einzelner kausaler Preiseffekt für 2030, 2035 oder 2045 lässt sich aus ihnen ausdrücklich nicht bestimmen.
- Zu künftigen politischen Rahmenbedingungen – etwa Steuern, Abgaben, Umlagen oder Entlastungsregelungen – trifft diese Seite keine Aussage; solche Entscheidungen sind in den Quellen nicht vorhergesagt.
Warum diese Antwort nicht ganz einfach ist
Der Strompreis ist keine einzelne Zahl mit einer einzelnen Ursache. Er entsteht aus mehreren Kostenebenen, die unterschiedlich zustande kommen, unterschiedlich reguliert sind und sich unterschiedlich schnell verändern. Die folgenden Faktoren beschreiben die Quellen als preisrelevant.
- 01
Kraftwerke und Brennstoffpreise
Am Großhandelsmarkt ist häufig das teuerste noch benötigte Kraftwerk preissetzend. Agora Energiewende führt die Strompreisentwicklung 2025 zu weiten Teilen auf die Brennstoffkosten der Gaskraftwerke zurück: 104 EUR/MWh für Erdgas und 30 EUR/MWh für CO₂-Zertifikate. Mit steigender erneuerbarer Einspeisung sinkt der Anteil der Viertelstunden, in denen Gaskraftwerke preissetzend sind.
- 02
Netzausbau und Netzentgelte
Netzkosten werden über Netzentgelte refinanziert und machten 2025 bei Haushaltskunden 10,72 ct/kWh aus. Der Monitoringbericht beziffert den netzdimensionierenden Ausbaubedarf der Übertragungsnetze mit rund 110 Mrd. Euro bis 2033 und rund 207 Mrd. Euro bis 2045; für Verteilernetze werden zusätzlich rund 15 bzw. 30 Mrd. Euro ausgewiesen. Zugleich sanken die Verteilernetzentgelte 2025 durch eine bundesweite Umverteilung von rund 2,4 Mrd. Euro Mehrkosten.
- 03
Speicher und Flexibilität
Speicher verschieben Energie zwischen Zeitpunkten und verursachen eigene Kosten. Ende 2025 waren in Deutschland rund 25 GWh Batteriekapazität installiert, davon 4,0 GWh Großbatteriespeicher (Fraunhofer ISE). IRENA beziffert die installierten Kosten eines vierstündigen Großbatteriesystems 2025 global auf rund 140 USD/kWh, knapp 30 Prozent weniger als 2024. Wie stark Speicher die Preise beeinflussen, quantifizieren die Quellen nicht.
- 04
Stromimporte und europäischer Markt
Der deutsche Strommarkt ist Teil eines gekoppelten europäischen Marktes; Day-Ahead- und Intraday-Märkte sind größtenteils gekoppelt. Fraunhofer ISE nennt niedrige Gaspreise und höhere Börsenstrompreise in Deutschland als Gründe für Handelsströme mit dem Ausland. Preise entstehen damit nicht ausschließlich im Inland.
- 05
Stromnachfrage
Die Last im öffentlichen Netz betrug 2025 rund 466 TWh und lag damit etwa auf dem Niveau von 2024, die gesamte Last bei 495 TWh (Fraunhofer ISE). Agora nennt eine geringe Stromnachfrageentwicklung als einen der Gründe für die erwarteten Terminmarktpreise. Zur künftigen Nachfrageentwicklung treffen die hier verwendeten Quellen keine eindeutige Aussage.
- 06
Wetter und zeitliche Verfügbarkeit
Wetterlagen wirken unmittelbar auf die Preise. Die Preisspitzen im November und Dezember 2024 von über 230 bzw. 395 EUR/MWh traten in Phasen mit extrem niedrigem Wind- und Solarangebot auf. Umgekehrt senkt hohe Windeinspeisung den Börsenpreis; in Stunden sehr hoher Einspeisung können negative Preise auftreten.
- 07
Vertragsart und Verbrauchsprofil
Auch bei identischem Netzgebiet unterscheiden sich Preise: Grundversorgung 44,93 ct/kWh, Vertrag außerhalb der Grundversorgung 39,51 ct/kWh, Vertrag bei einem anderen Lieferanten 38,20 ct/kWh, Ökostromtarife im Mittel 39,32 ct/kWh (jeweils Stichtag 1. April 2025). 2024 wechselten rund 7,1 Mio. Haushaltskunden den Lieferanten.
- 08
Warum niedrige Erzeugungskosten kein niedriger Endpreis sind
Der wichtigste Punkt: Stromgestehungskosten beschreiben die Kosten einer erzeugten Kilowattstunde auf Anlagenebene. Der Marktwert beschreibt den Erlös zum tatsächlichen Erzeugungszeitpunkt, Systemkosten umfassen zusätzlich Integration, Netze, Flexibilität und Absicherung, und Endkundenpreise enthalten darüber hinaus regulierte und fiskalische Bestandteile. Ein Beispiel: Freiflächen-PV kostet in der Erzeugung 4,1 bis 6,9 ct/kWh, ein Haushalt zahlte 2025 im Mittel 40,05 ct/kWh – allein 10,72 ct/kWh davon sind Netzentgelt. Nach den Quellen lässt sich daraus kein einzelner kausaler Preiseffekt einer Technologie ableiten.
Häufige Missverständnisse
„Günstige Stromerzeugung bedeutet automatisch günstigen Haushaltsstrom.“
Zwischen Erzeugung und Haushaltspreis liegen weitere Kostenbestandteile: Netzentgelte, Steuern, Abgaben, Umlagen, Vertrieb und Marge. 2025 waren rund 60 Prozent des Haushaltspreises vom Lieferanten nicht beeinflussbar. Fraunhofer ISE stellt ausdrücklich fest, dass Stromgestehungskosten weder Großhandels- noch Endkundenpreis sind.
„Der Strompreis hängt nur von den Kraftwerken ab.“
Auch Netze, Engpassmanagement, Speicher, Reserve, Steuern und Abgaben, die Nachfrage und der gekoppelte europäische Markt wirken auf den Preis. Allein die Systemdienstleistungen der Übertragungsnetzbetreiber kosteten 2024 rund 5,2 Mrd. Euro.
„Eine einzelne Technologie bestimmt den Strompreis.“
Der Preis entsteht aus dem Zusammenspiel des gesamten Systems. Die Quellen dokumentieren zwar Einzeleffekte – etwa 1,43 Euro/MWh geringerer Börsenpreis je zusätzlichem Gigawatt Windeinspeisung –, betonen aber, dass sich daraus kein Gesamtpreiseffekt einer Technologie ableiten lässt.
„Der Börsenpreis entspricht dem Strompreis für Haushalte.“
2025 lag der Day-Ahead-Börsenpreis bei 8,65 ct/kWh, der durchschnittliche Haushaltspreis bei 40,05 ct/kWh. Haushalte zahlen zusätzlich Netzentgelte, Steuern, Abgaben, Umlagen sowie Vertriebskosten und Marge.
„Stromgestehungskosten und Marktwert sind dasselbe.“
Stromgestehungskosten vergleichen Kosten je erzeugter Kilowattstunde auf Anlagenebene. Der Marktwert beschreibt den Erlös einer Kilowattstunde zu ihrem tatsächlichen Erzeugungszeitpunkt. Ein niedriger Kostenwert sagt nichts darüber aus, zu welcher Stunde erzeugt wird und welchen Wert der Strom dann hat.
„Netzentgelte steigen zwangsläufig immer weiter.“
2025 sanken die Netzentgelte Strom in allen betrachteten Kundengruppen leicht, unter anderem wegen einer bundesweiten Verteilung von rund 2,4 Mrd. Euro Mehrkosten. Gleichzeitig steht ein erheblicher Investitionsbedarf an. Wie sich die Entgelte langfristig entwickeln, geht aus den Quellen nicht hervor.
„Alle Verbraucher zahlen denselben Strompreis.“
Zum 1. April 2025 reichte die Spanne von 44,93 ct/kWh in der Grundversorgung bis 38,20 ct/kWh bei einem anderen Lieferanten. Gewerbekunden zahlten im Beispielfall 28,75 ct/kWh, Industriekunden 19,09 ct/kWh ohne Umsatzsteuer – bei Ausschöpfung von Vergünstigungen kann der nicht beeinflussbare Anteil dort von 7,64 auf 1,16 ct/kWh sinken.
„Die EEG-Umlage treibt weiterhin den Strompreis.“
Die EEG-Umlage wurde zum 1. Juli 2022 auf 0 ct/kWh gesenkt. Nach Darstellung der IEA machte sie zuvor rund ein Fünftel der Verbraucherpreise aus; die Förderung wird seither aus dem allgemeinen Staatshaushalt finanziert. 2024 erhielten Anlagenbetreiber nach dem EEG durchschnittlich rund 8,0 ct/kWh bei einem Gesamtvolumen von 18,5 Mrd. Euro.
„Negative Börsenpreise bedeuten kostenlosen Strom für Haushalte.“
Negative Preise treten in einzelnen Stunden am Großhandelsmarkt auf. Für Haushalte wirken sie sich allenfalls über dynamische Tarife anteilig aus; der Jahresdurchschnitt dynamischer Tarife lag 2025 mit 36,3 ct/kWh nur geringfügig unter dem Preisniveau von Neukunden-Fixpreisverträgen.
„Ein niedriger Kostenwert im internationalen Vergleich gilt auch für Deutschland.“
IRENA weist für 2025 global 44 USD/MWh für Photovoltaik und 33 USD/MWh für Wind an Land aus, für Deutschland dagegen rund 65 USD/MWh (PV) und 52 USD/MWh (Wind an Land). Standort, Finanzierung und Länderrisiko unterscheiden sich erheblich; globale Werte sind nicht direkt übertragbar.
Auf einen Blick
Der Strompreis für Haushalte entsteht aus mehreren Ebenen: Erzeugungskosten, Börsenpreis, Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen sowie Vertrieb und Marge. 2025 lag der durchschnittliche Haushaltspreis bei 40,05 ct/kWh, davon rund 60 Prozent nicht vom Lieferanten beeinflussbar und 10,72 ct/kWh Netzentgelt, während der Börsenpreis 8,65 ct/kWh und die Erzeugungskosten neuer Freiflächen-PV 4,1 bis 6,9 ct/kWh betrugen. Bezahlbarer Strom hängt nach den Quellen deshalb nicht von einer einzelnen Technologie ab, sondern vom Zusammenspiel von Erzeugung, Netzen, Speichern, Nachfrage, Brennstoff- und CO₂-Preisen sowie regulierten Kostenbestandteilen.
- Evidenzgrad
- Gut belegt
Preisbestandteile, Netzentgelte, Börsenpreise und Stromgestehungskosten sind für 2024 bis 2026 durch amtliche und etablierte Quellen belastbar dokumentiert (Monitoringbericht Energie 2025 der Bundesnetzagentur, BDEW-Strompreisanalyse 2026, Fraunhofer ISE, Agora Energiewende). Aussagen über die künftige Preisentwicklung beruhen dagegen auf Terminmarktpreisen und Szenarien; ein einzelner kausaler Preiseffekt einer Technologie lässt sich aus den Quellen ausdrücklich nicht bestimmen.
- Datenstand
- Ist-Daten: Jahr 2024 und Stichtag 1. April 2025 (Monitoringbericht Energie 2025), Jahr 2025 (Fraunhofer ISE, teilweise vorläufig), Jahre 2023 bis 2025 (Agora Energiewende). Kostenrechnungen: 2024 und 2045 (Fraunhofer ISE) sowie 2025 im globalen Vergleich (IRENA). Terminmarktwerte: bis 2030.
- Letzte Aktualisierung
- 29. Juli 2026
Quellen
- 1
BDEW-Strompreisanalyse April 2026
BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft · 2026
Durchschnittliche Strompreise für Haushalte und Industrie, Preisbestandteile, Steuern, Abgaben und Umlagen, Datenstand 04/2026.
Quelle öffnen - 2
Monitoringbericht Energie 2025
Bundesnetzagentur / Bundeskartellamt · 2026
Haushalts-, Gewerbe- und Industriestrompreise zum Stichtag 1. April 2025, Preisbestandteile, Netzentgelte Strom, Umlagen, Systemdienstleistungs- und Engpassmanagementkosten, Netzinvestitionsbedarf, Groß- und Terminmarktpreise, Lieferantenwechsel.
- 3
Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2025
Agora Energiewende · 2026
Tabelle 1 zur Entwicklung der Strompreise 2023–2025 und 2030, Brennstoff- und CO₂-Kosten als Preistreiber, Börsenstrompreiseffekt des Erneuerbaren-Ausbaus, Haushalts- und Industriestrompreise, Zusammensetzung des Haushaltspreises.
- 4
Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2025
Fraunhofer ISE (B. Burger, L. Gandhi) · 2026
Volumengewichtete Day-Ahead- und Intraday-Börsenstrompreise 2024 und 2025, Last, installierte Batteriekapazität, Zusammenhang von Windeinspeisung und Börsenpreis.
- 5
Studie Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien
Fraunhofer ISE · 2024
Definition und Abgrenzung der Stromgestehungskosten, Kostenbänder für Photovoltaik, Wind an Land, Wind auf See und Bioenergie für 2024 und 2045, PV-Batterie-Systeme; zitiert im wissenschaftlichen Bericht, Kapitel 5.
- 6
Renewable Power Generation Costs in 2025
IRENA · 2026
Globale kapazitätsgewichtete Stromgestehungskosten 2025, deutsche Vergleichswerte, Einfluss von Kapitalkosten und Finanzierung, Kosten von Großbatteriesystemen; zitiert im wissenschaftlichen Bericht, Kapitel 5.
- 7
Erneuerbare Energien – Potenziale, Grenzen und Rolle im zukünftigen Energiesystem
Wissenschaftlicher Bericht, Kapitel 5 · 2026
Abgrenzung von Stromgestehungskosten, Marktwert, Systemkosten und Endkundenpreis, Kosten des Engpassmanagements, Speicher- und Flexibilitätsangaben, Evidenzgrenzen.
- 8
Germany 2025 – Energy Policy Review
Internationale Energieagentur (IEA) · 2025
Preisbestandteile für Haushalte mit 3.500 kWh Jahresverbrauch, Abschaffung der EEG-Umlage und ihre Größenordnung, Entwicklung der Großhandelspreise seit 2022, negative Strompreise.
Weiterlesen
Welche Rolle spielen erneuerbare Energien?
Wind, Sonne, Wasser, Biomasse und Geothermie im deutschen Stromsystem.
Welche Rolle spielen fossile Energieträger?
Öl, Erdgas und Kohle: Verbrauch heute, Einsatzbereiche und Szenarien bis 2045.
Welche Rolle könnte Kernenergie künftig spielen?
Stand, Szenarien und offene Fragen – Seite in Vorbereitung.
Warum braucht Deutschland Stromnetze und Speicher?
Netze, Speicher und Flexibilität im Stromsystem – Seite in Vorbereitung.
Kein Bullshit. Nur Fakten. Einfach erklärt.
Alle Angaben auf dieser Seite stammen aus offen zugänglichen Quellen und sind nachvollziehbar belegt. Wie wir arbeiten, steht in unserer Methodik.