Welche Rolle spielen fossile Energieträger heute und künftig?
- Autor:
- politfacts
- Veröffentlicht:
- 28. Juli 2026
- Letzte Aktualisierung:
- 29. Juli 2026
- Lesedauer:
- ca. 13 Minuten
Worum geht es hier?
Fossile Energieträger – Mineralöl, Erdgas, Braunkohle und Steinkohle – decken bis heute den größten Teil des deutschen Energieverbrauchs. Sie werden nicht nur zur Stromerzeugung genutzt, sondern vor allem zum Heizen, im Verkehr und in der Industrie. Diese Seite beschreibt anhand der amtlichen und wissenschaftlichen Quellen, wie viel Deutschland heute von welchem Energieträger einsetzt, wo diese Energie eingesetzt wird, wie stark Deutschland dabei von Importen abhängt und wie sich ihre Rolle in den vorliegenden Szenarien bis 2045 verändert – ohne politische Bewertung und ohne Empfehlung.
- Welche fossilen Energieträger Deutschland nutzt und in welchen Mengen
- In welchen Bereichen sie eingesetzt werden – Strom, Wärme, Verkehr, Industrie
- Warum Erdgaskraftwerke im Stromsystem eine besondere Funktion haben
- Wie die Szenarien die Rolle fossiler Energieträger bis 2045 beschreiben
- Wie groß die Importabhängigkeit ist und welche Fragen die Quellen offenlassen
Kurz erklärt
Fossile Energieträger sind 2025 weiterhin die Grundlage des deutschen Energiesystems: Mineralöl deckt rund 36 Prozent des Primärenergieverbrauchs, fossile Gase rund 27 Prozent, Braun- und Steinkohle zusammen rund 14 Prozent.
Der größte Teil davon wird nicht verstromt, sondern für Verkehr, Gebäudewärme und industrielle Prozesse eingesetzt – der Verkehr deckt rund 95 Prozent seines Energiebedarfs aus Ölprodukten.
Im Stromsystem lieferten Braunkohle, Steinkohle, Erdgas und Öl 2025 zusammen 194 TWh Bruttostromerzeugung; Erdgaskraftwerke gleichen dabei vor allem wind- und sonnenarme Phasen aus.
Deutschland importiert nahezu die gesamte fossile Energie: 99 Prozent des Mineralöls, 94 Prozent der Gase und 49 Prozent der Kohlen.
Die vorliegenden Szenarien beschreiben für die kommenden Jahrzehnte einen Rückgang der Kohleverstromung bis spätestens 2038, einen Zubau steuerbarer – zunächst gasbasierter – Kraftwerksleistung bis 2035 und eine Ablösung durch Wasserstoffkraftwerke bis 2045.
Das Wichtigste auf einen Blick
Der Primärenergieverbrauch lag 2025 bei 2.931 TWh; davon entfielen 1.046 TWh auf Mineralöl, 789 TWh auf fossile Gase, 210 TWh auf Braunkohle und 209 TWh auf Steinkohle (Agora Energiewende nach AGEB).
Der Kohleverbrauch sank 2025 um rund 4,3 Prozent auf 419 TWh; Braunkohle -6,3 Prozent, Steinkohle -2,2 Prozent (Agora Energiewende).
Der Erdgasverbrauch stieg 2025 witterungsbedingt um 3,6 Prozent auf 789 TWh; witterungsbereinigt betrug der Anstieg des Absatzes nur 0,2 Prozent (Agora Energiewende nach AGEB und BDEW).
Im Stromsystem erzeugten 2025 Braunkohle 75 TWh, Erdgas 85 TWh, Steinkohle 30 TWh und Mineralöl 4 TWh (Bruttostromerzeugung, Agora Energiewende nach AGEB).
Die Importquoten 2025: Mineralöl 99 Prozent, fossile Gase 94 Prozent, Kohlen 49 Prozent (Agora Energiewende nach AGEB).
Für 2035 weist die Bundesnetzagentur einen Bedarf an zusätzlichen steuerbaren Kapazitäten von bis zu 22,4 GW im Zielszenario und bis zu 35,5 GW im Szenario „Verzögerte Energiewende“ aus.
Zahlen & Fakten
Die Datenlage
- Mineralölverbrauch 2025
- 1.046 TWh
- Verbrauch fossiler Gase 2025
- 789 TWh
- Kohleverbrauch 2025
- 419 TWh
- Fossile Bruttostromerzeugung 2025
- 194 TWh
- Importquoten 2025
- 99 % / 94 % / 49 %
- Zubaubedarf steuerbarer Leistung bis 2035
- 22,4 GW
Rund 36 Prozent des Primärenergieverbrauchs und damit weiterhin der bedeutendste Energieträger; gegenüber 2024 ein Rückgang um 2,2 Prozent (Agora Energiewende nach AGEB).
Rund 27 Prozent des Primärenergieverbrauchs; 3,6 Prozent mehr als 2024, überwiegend witterungsbedingt (Agora Energiewende nach AGEB).
Braunkohle 210 TWh und Steinkohle 209 TWh; zusammen rund 14 Prozent des Primärenergieverbrauchs, 4,3 Prozent weniger als 2024 (Agora Energiewende).
Summe aus Braunkohle 75 TWh, Erdgas 85 TWh, Steinkohle 30 TWh und Mineralöl 4 TWh bei einer gesamten Bruttostromerzeugung von 502 TWh (Agora Energiewende nach AGEB).
Anteil der Nettoimporte am Verbrauch bei Mineralöl, fossilen Gasen und Kohlen; erneuerbare Energien und Kernenergie wiesen 0 Prozent Importanteil aus (Agora Energiewende nach AGEB).
Bruttozubau vor allem an Gaskraftwerken im Zielszenario der Bundesnetzagentur; davon 10,5 GW aus der Kraftwerksstrategie, netto 12,5 GW nach Stilllegungen. Im Szenario „Verzögerte Energiewende“ bis zu 35,5 GW.
Primärenergieverbrauch 2025 nach Energieträgern
Gesamtverbrauch 2.931 TWh, vorläufige Daten
TWh
Anteile 2025: Mineralöl 36 Prozent, fossile Gase 27 Prozent, erneuerbare Energien 21 Prozent, Braunkohle 7 Prozent, Steinkohle 7 Prozent, Sonstige 3 Prozent (inklusive Stromimportsaldo).
Quelle: Agora Energiewende, „Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2025“, nach AGEB
Fossiler Primärenergieverbrauch im Zeitverlauf
Mineralöl, fossile Gase, Braunkohle und Steinkohle
TWh
- Mineralöl
- Erdgas
- Braunkohle
- Steinkohle
2025 vorläufige Daten. Der Rückgang seit 1990 betrifft vor allem Kohle; der Erdgasverbrauch liegt über dem Niveau von 1990.
Quelle: Agora Energiewende, „Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2025“, Tabelle „Der Stromsektor 2025 auf einen Blick“ und Kapitel 3
Fossile Bruttostromerzeugung im Vergleich
Braunkohle, Steinkohle, Erdgas und Mineralöl
TWh
- Braunkohle
- Steinkohle
- Erdgas
- Mineralöl
2025 vorläufige Daten. Die konventionelle Stromerzeugung lag 2025 insgesamt bei 217 TWh (einschließlich Abfall und Pumpspeicher).
Quelle: Agora Energiewende, „Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2025“, nach AGEB
Fossile Nettostromerzeugung 2025 nach Anlagentyp
Öffentliche Versorgung und industrielle Eigenerzeugung getrennt ausgewiesen
TWh
Die Nettostromerzeugung des Fraunhofer ISE ist nicht mit der Bruttostromerzeugung der AGEB identisch; beide Bilanzgrenzen dürfen nicht vermischt werden.
Quelle: Fraunhofer ISE, „Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2025“
Erdgasabsatz nach Kundengruppen
Aufteilung nach Gaszählertyp; Referenzwert vor der fossilen Energiepreiskrise
TWh
- Industrie, großes Gewerbe und Kraftwerke
- Haushalte und kleines Gewerbe
Gesamtabsatz 2025: 856 TWh gegenüber 982 TWh im Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2021. 2025 vorläufige Daten.
Quelle: Agora Energiewende nach BNetzA und Trading Hub Europe, „Stand der Dinge 2025“
Importquoten nach Energieträgern 2025
Anteil der Nettoimporte am Verbrauch, vorläufig geschätzt
%
Strom ist ein Sekundärenergieträger; der Wert bezeichnet den physischen Nettoimport geteilt durch den Bruttostromverbrauch.
Quelle: Agora Energiewende nach AGEB, „Stand der Dinge 2025“
Energieimporte 2025 nach Energieträgern
Nettoimporte inklusive Bunkereffekte
TWh
2025 vorläufig geschätzt; Nettoexporte sind nicht dargestellt. Braunkohle wird im Inland gefördert und taucht deshalb nicht als Import auf.
Quelle: Agora Energiewende nach AGEB, „Stand der Dinge 2025“
Emissionen der Bruttostromerzeugung 2025 nach Energieträgern
Gesamt 158 Mio. t CO₂-Äquivalente, Emissionsfaktor 310 g CO₂-Äq/kWh
Mio. t CO₂-Äq
2025 Prognose von Agora Energiewende. Bezogen auf die Bruttostromerzeugung inklusive Pumpspeicherkraftwerken.
Quelle: Agora Energiewende basierend auf AGEB und UBA, „Stand der Dinge 2025“
Zubaubedarf steuerbarer Kapazitäten bis 2035
Modellergebnisse der Bundesnetzagentur für zwei Szenarien
GW
Im Zielszenario steigt die installierte Leistung steuerbarer Kapazitäten von 76 GW auf knapp unter 90 GW; ausgehend von 32,9 GW Gaskraftwerken im Jahr 2024 entfallen 13,4 GW des Bruttozubaus auf Erdgas-Gasturbinen, netto verbleiben 12,5 GW.
Quelle: Bundesnetzagentur, „Bericht zur Versorgungssicherheit Strom 2025“
Energieträgereinsatz zur Stromerzeugung 2025
Eingesetzte Brennstoffmengen nach amtlicher Energiebilanz, vorläufige Werte
Petajoule
Insgesamt 2.934 PJ; von den Gasen entfallen 550 PJ auf Erdgas. Die Grafik zeigt den Brennstoffeinsatz, nicht die erzeugte Strommenge: Fossile Kraftwerke setzen für dieselbe Strommenge deutlich mehr Energie ein, weil ein großer Teil als Abwärme verloren geht. Kernenergie trägt seit 2023 nicht mehr bei.
Quelle: AG Energiebilanzen, Auswertungstabellen zur Energiebilanz Deutschland 1990–2025 (Tab. 4.1), Werte für 2025 vorläufig.
Erdgas- und Wasserstoffkraftwerke in den Szenarien
Angenommene installierte Leistung des steuerbaren Kraftwerksparks
Gigawatt
- Erdgaskraftwerke
- Wasserstoffkraftwerke
In allen drei Szenarien des Netzentwicklungsplans ist für 2045 keine Erdgasleistung mehr vorgesehen; steuerbare Leistung wird dort durch Wasserstoffkraftwerke bereitgestellt. Das ist eine Planungsannahme für den Netzausbau und keine Vorhersage, dass es so kommen wird.
Quelle: Netzentwicklungsplan Strom 2037/2045, Version 2025 (Übertragungsnetzbetreiber), Tabelle 8 „Installierte Leistungen des konventionellen Kraftwerksparks“.
Was bedeuten diese Zahlen?
Wenn über Energie gesprochen wird, denken viele zuerst an Strom. Tatsächlich ist Strom aber nur ein Teil des Energieverbrauchs. Der Primärenergieverbrauch umfasst die gesamte Energie, die in Deutschland eingesetzt wird – also auch Benzin und Diesel im Tank, Heizöl und Erdgas im Heizkessel sowie Kohle und Gas in industriellen Prozessen. Genau deshalb liegt Mineralöl mit 1.046 TWh im Jahr 2025 vor allen anderen Energieträgern, obwohl es im Stromsystem fast keine Rolle mehr spielt.
Die vier fossilen Energieträger erfüllen unterschiedliche Funktionen. Mineralöl versorgt vor allem den Verkehr: Nach Angaben der IEA stammen rund 95 Prozent des Energiebedarfs im Verkehrssektor aus Ölprodukten, und der Personenverkehr macht rund 70 Prozent des Energieverbrauchs dieses Sektors aus. Erdgas wird vor allem für Wärme genutzt – in Gebäuden, in Fern- und Prozesswärme sowie in Kraftwerken. Braunkohle wird im Inland gefördert und fast ausschließlich verstromt. Steinkohle wird importiert und sowohl in Kraftwerken als auch in der Roheisen- und Rohstahlerzeugung eingesetzt.
Im Stromsystem hat sich das Verhältnis in den vergangenen Jahrzehnten stark verschoben. 1990 lieferten Braun- und Steinkohle zusammen 312 TWh Bruttostrom, 2025 waren es 105 TWh. Erdgas hat dagegen zugelegt: von 36 TWh im Jahr 1990 auf 85 TWh im Jahr 2025. Der Grund dafür ist in den Quellen konkret beschrieben: In den ersten Monaten des Jahres 2025 sorgten kühle Witterung und ungünstige Windverhältnisse für eine höhere Nachfrage und eine schwächere Windstromerzeugung, was verstärkt durch Gaskraftwerke ausgeglichen wurde.
Diese Ausgleichsfunktion ist der zentrale Grund, warum fossile Kraftwerke im Stromsystem bislang nicht ersetzt sind. Wind- und Solarstrom stehen nicht zu jedem Zeitpunkt in beliebiger Menge zur Verfügung. Steuerbare Kraftwerke, Speicher und flexible Nachfrage müssen die verbleibende Lücke – die Residuallast – decken. Die Bundesnetzagentur beziffert die Jahreshöchstresiduallast für 2035 auf rund 128 GW und rechnet damit, dass Nachfrageflexibilitäten sie um etwa 30 GW verringern können. Für den Rest ist gesicherte Leistung erforderlich.
Beim Klimaschutz zeigt sich der Unterschied zwischen den Energieträgern deutlich: 2025 verursachte die Braunkohleverstromung 76 Mio. t CO₂-Äquivalente bei 75 TWh Bruttostromerzeugung, während Erdgas bei einer höheren Erzeugung von 85 TWh auf 29 Mio. t kam. Insgesamt lag der Emissionsfaktor der Bruttostromerzeugung 2025 bei 310 g CO₂-Äq/kWh. Gesamtwirtschaftlich sanken die Treibhausgasemissionen Deutschlands 2025 nur marginal um 0,9 Mio. t auf rund 648,9 Mio. t CO₂-Äquivalente, weil Rückgänge in der Industrie durch Anstiege in Gebäuden und Verkehr nahezu ausgeglichen wurden.
Für die Zukunft beschreiben die Quellen zwei parallele Bewegungen: den gesetzlich vorgesehenen Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038 und den Aufbau neuer steuerbarer Leistung, die zunächst mit Erdgas betrieben und später auf Wasserstoff umgestellt werden soll. In den Langfristszenarien O45 übernehmen im Jahr 2045 Wasserstoffkraftwerke mit 60 bis 81 GW die saisonale Absicherung, die heute fossile Kraftwerke leisten.
Was wir sicher wissen
- Fossile Energieträger decken 2025 den überwiegenden Teil des deutschen Primärenergieverbrauchs: Mineralöl 36 Prozent, fossile Gase 27 Prozent, Braunkohle 7 Prozent, Steinkohle 7 Prozent (Agora Energiewende nach AGEB).
- Der Verkehrssektor deckt rund 95 Prozent seines Energiebedarfs aus Ölprodukten; im Gebäudebereich entfallen 63 Prozent des Energieeinsatzes auf Raumwärme, die weiterhin überwiegend auf Erdgas und Öl beruht (IEA, Germany 2025).
- Die Industrie deckte 2022 rund 59 Prozent ihres Energieeinsatzes aus fossilen Energieträgern, davon 34 Prozentpunkte Erdgas; Kohle ist vor allem in der Metallerzeugung von Bedeutung (IEA, Germany 2025).
- Die fossile Bruttostromerzeugung lag 2025 bei 75 TWh Braunkohle, 85 TWh Erdgas, 30 TWh Steinkohle und 4 TWh Mineralöl (Agora Energiewende nach AGEB).
- Die Importquoten betrugen 2025 bei Mineralöl 99 Prozent, bei fossilen Gasen 94 Prozent und bei Kohlen 49 Prozent; die Nettoimporte lagen bei 1.038 TWh Mineralöl, 742 TWh Erdgas und 205 TWh Steinkohle (Agora Energiewende nach AGEB).
- Für 2035 weist die Bundesnetzagentur einen Zubaubedarf steuerbarer Kapazitäten von bis zu 22,4 GW im Zielszenario und bis zu 35,5 GW im Szenario „Verzögerte Energiewende“ aus; im Zielszenario steigt die steuerbare Leistung von 76 GW auf knapp unter 90 GW.
- Der Kohleausstieg ist auf spätestens 2038 terminiert; das Zielszenario der Bundesnetzagentur berücksichtigt die Vorgaben des Kohleverstromungsbeendigungsgesetzes (BNetzA, Versorgungssicherheitsbericht 2025).
- Die Emissionen der Stromerzeugung lagen 2025 bei 158 Mio. t CO₂-Äquivalenten, der Emissionsfaktor bei 310 g CO₂-Äq/kWh (Agora Energiewende nach AGEB und UBA).
Was wir nicht sicher wissen
- Wie schnell die Kohleverstromung tatsächlich zurückgeht, ist offen: Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass europaweit bis 2030 mehr als 20 GW Kohlekapazität früher stillgelegt werden könnten, als nationale Ziele vorgeben, und dass sich Kraftwerke in einem verändernden marktlichen Umfeld befinden.
- Wie viel neue Gaskraftwerksleistung wirklich entsteht, hängt von Ausschreibungen und Rahmenbedingungen ab. Die Modellrechnungen unterstellen einen Beitrag der Kraftwerksstrategie von 10,5 GW im Zielszenario beziehungsweise 7 GW in der Sensitivität – die tatsächliche Realisierung ist damit nicht bestimmt.
- Wann und in welchem Umfang Erdgaskraftwerke auf Wasserstoff umgestellt werden, geht aus den Quellen nicht als gesicherte Entwicklung hervor; die Langfristszenarien beschreiben mit 60 bis 81 GW Rückverstromungsleistung im Jahr 2045 Szenarienergebnisse, keine Prognosen.
- Die verwendeten Quellen enthalten keine belastbaren Angaben zu Vorketten- und Methanemissionen der Gas-, Öl- und Kohleimporte. Aussagen dazu sind auf dieser Datengrundlage nicht möglich.
- Die Zahlen für 2025 sind in weiten Teilen vorläufig geschätzt (AGEB, BDEW, Agora Energiewende, Fraunhofer ISE) und können sich in den endgültigen Bilanzen noch verändern.
- Die Projektionsdaten des Umweltbundesamts weisen bis 2030 eine Minderung von 62,6 Prozent aus und damit eine Lücke von 30 Mio. t CO₂-Äquivalenten zum Ziel; das Umweltbundesamt bezeichnet die knappe Zielerreichung selbst als nicht richtungssicher.
Warum diese Antwort nicht ganz einfach ist
Die Frage nach der Rolle fossiler Energieträger lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Die Energieträger unterscheiden sich in ihren Einsatzbereichen, in ihrer technischen Funktion, in ihrer Herkunft und in ihrer Klimawirkung. Wer nur auf den Strommix schaut, übersieht den größten Teil des fossilen Verbrauchs.
- 01
Strom ist nur ein Teil des Energiesystems
Der Primärenergieverbrauch lag 2025 bei 2.931 TWh, die Bruttostromerzeugung bei 502 TWh. Der weit überwiegende Teil des Mineralölverbrauchs und ein großer Teil des Gasverbrauchs fallen außerhalb des Stromsystems an – im Verkehr, in Gebäuden und in der Industrie.
- 02
Unterschiedliche Bilanzgrenzen
Die AGEB weist Bruttostromerzeugung aus, das Fraunhofer ISE Nettostromerzeugung und unterscheidet zusätzlich zwischen öffentlicher Versorgung und industrieller Eigenerzeugung. Werte aus verschiedenen Quellen dürfen deshalb nicht direkt addiert oder verglichen werden.
- 03
Witterung überlagert Trends
Der Anstieg des Gasverbrauchs 2025 um 3,6 Prozent ist nach Angaben von BDEW und Agora Energiewende nahezu vollständig auf die kältere Witterung und wenig Wind zurückzuführen; witterungsbereinigt stieg der Absatz nur um 0,2 Prozent.
- 04
Erzeugung und gesicherte Leistung sind zweierlei
Ein Kraftwerk kann wenige Stunden im Jahr laufen und dennoch systemrelevant sein. Die Bundesnetzagentur bewertet Versorgungssicherheit über Indikatoren wie die erwartete Dauer und Menge nicht gedeckter Last, nicht über Jahresarbeit.
- 05
Szenarien sind keine Prognosen
Die Angaben für 2030, 2035 und 2045 stammen aus Modellrechnungen mit gesetzten Annahmen zu Ausbaupfaden, Brennstoff- und CO₂-Preisen sowie politischen Vorgaben. Sie beschreiben mögliche Entwicklungen unter diesen Annahmen.
- 06
Importe verknüpfen Energie und Außenhandel
Bei Importquoten von 99 Prozent (Mineralöl) und 94 Prozent (Gase) hängt die Versorgung von internationalen Lieferbeziehungen ab. Deutschland ist zudem zunehmend Transitland für Erdgas, unter anderem für Österreich, Tschechien und die Schweiz.
Häufige Missverständnisse
„Deutschland erzeugt seinen Strom inzwischen fast vollständig erneuerbar, fossile Energie spielt kaum noch eine Rolle.“
Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch lag 2025 bei 55,3 Prozent. Braunkohle, Steinkohle, Erdgas und Öl lieferten zusammen 194 TWh Bruttostrom. Bezogen auf den gesamten Primärenergieverbrauch lag der Anteil erneuerbarer Energien bei 20,6 Prozent.
„Fossile Energie wird vor allem für Strom gebraucht.“
Der größte fossile Energieträger ist Mineralöl mit 1.046 TWh – im Stromsystem trug es 2025 nur 4 TWh bei. Öl wird überwiegend im Verkehr eingesetzt, Erdgas überwiegend für Wärme in Gebäuden, Industrie und Fernwärme.
„Erdgas ist erneuerbar oder klimaneutral, weil es „sauber“ verbrennt.“
Erdgas ist ein fossiler Energieträger. Die Gasverstromung verursachte 2025 nach der Prognose von Agora Energiewende 29 Mio. t CO₂-Äquivalente. Zu Vorketten- und Methanemissionen enthalten die hier verwendeten Quellen keine belastbaren Angaben.
„Wenn Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, fehlt automatisch Strom.“
Die Bundesnetzagentur kommt zu dem Ergebnis, dass Versorgungssicherheit gewährleistet werden kann, wenn bis 2035 zusätzliche steuerbare Kapazitäten von bis zu 22,4 GW im Zielszenario errichtet werden. Hinzu kommen Nachfrageflexibilitäten, die die Jahreshöchstresiduallast 2035 um rund 30 GW verringern.
„Braunkohle ist heimisch, deshalb ist Deutschland bei Kohle unabhängig.“
Braunkohle wird im Inland gefördert, Steinkohle dagegen importiert. Über beide Kohlearten zusammen lag die Importquote 2025 bei 49 Prozent, die Steinkohleimporte bei 205 TWh.
„Der Erdgasverbrauch steigt wieder dauerhaft an.“
Der Verbrauch stieg 2025 auf 789 TWh, der Absatz auf 856 TWh. Er liegt damit weiterhin deutlich unter dem Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2021 von 982 TWh. Witterungsbereinigt betrug der Anstieg gegenüber dem Vorjahr 0,2 Prozent.
„Neue Gaskraftwerke bedeuten eine Rückkehr zu mehr fossiler Energie.“
In den Modellrechnungen der Bundesnetzagentur dienen neue Gaskraftwerke der Absicherung von Stunden mit hoher Residuallast; sie ersetzen stillgelegte Kohlekapazität. Im Zielszenario stehen einem Bruttozubau von 22,4 GW netto 12,5 GW nach Stilllegungen gegenüber. Die Anlagen sind in den Szenarien als Erdgas-, H2-ready- und H2-Kraftwerke abgebildet.
„Wenn der Stromsektor dekarbonisiert ist, sind die Klimaziele erreicht.“
Die Emissionen der Stromerzeugung lagen 2025 bei 158 Mio. t CO₂-Äquivalenten, die Gesamtemissionen Deutschlands bei 648,9 Mio. t. 2025 wurden Minderungen in der Industrie (-5,7 Mio. t) durch Anstiege in Gebäuden (+3,4 Mio. t) und im Verkehr (+2,1 Mio. t) nahezu ausgeglichen.
„Braunkohle- und Erdgaskraftwerke sind in ihrer Klimawirkung vergleichbar.“
2025 erzeugten Erdgaskraftwerke mit 85 TWh mehr Strom als Braunkohlekraftwerke mit 75 TWh, verursachten dabei aber deutlich weniger Emissionen (29 gegenüber 76 Mio. t CO₂-Äquivalente).
„Flüssigerdgas aus Übersee deckt inzwischen den größten Teil der deutschen Gasimporte.“
Deutschland bezieht Gas mehrheitlich per Pipeline aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien. Der LNG-Anteil an den gesamten deutschen Erdgasimporten lag im ersten Halbjahr 2025 bei 8 Prozent und im dritten Quartal bei 13,3 Prozent.
Auf einen Blick
Fossile Energieträger tragen 2025 weiterhin den größten Teil des deutschen Energiesystems: Mineralöl deckt mit 1.046 TWh rund 36 Prozent des Primärenergieverbrauchs, fossile Gase mit 789 TWh rund 27 Prozent, Braun- und Steinkohle mit 419 TWh rund 14 Prozent. Der Schwerpunkt liegt außerhalb des Stromsystems – im Verkehr, in Gebäuden und in der Industrie –, während im Stromsystem Erdgas zunehmend die Rolle des Ausgleichs übernimmt und Kohle zurückgeht. Die Importabhängigkeit ist mit 99 Prozent (Öl), 94 Prozent (Gase) und 49 Prozent (Kohlen) hoch. Die Szenarien beschreiben ein Ende der Kohleverstromung bis spätestens 2038, einen Zubau steuerbarer Leistung von bis zu 22,4 GW bis 2035 und eine Ablösung durch Wasserstoffkraftwerke mit 60 bis 81 GW bis 2045.
- Evidenzgrad
- Gut belegt
Der heutige Einsatz fossiler Energieträger ist durch amtliche und etablierte Statistiken belastbar dokumentiert (AGEB-Auswertungstabellen 1990–2025, Fraunhofer ISE, BDEW, UBA, Bundesnetzagentur); die Werte für 2025 sind vorläufig. Die künftige Rolle beruht auf dem genehmigten Netzentwicklungsplan 2037/2045 und den Langfristszenarien O45 und ist damit annahmeabhängig. Zu Vorketten- und Methanemissionen fossiler Importe enthalten die verwendeten Quellen keine belastbaren Angaben.
- Datenstand
- Ist-Daten: 1990 bis 2025 (Primärenergie- und Stromerzeugungsbilanzen, Agora Energiewende nach AGEB; 2025 vorläufig), Jahr 2025 (Fraunhofer ISE, teilweise vorläufig), Emissionsdaten 2025 und Projektionsdaten 2026 (Umweltbundesamt), Stand 2022 bis 2024 für Sektordaten (IEA). Szenarien: 2030 bis 2035 (Bundesnetzagentur) und 2045 (Langfristszenarien O45).
- Letzte Aktualisierung
- 29. Juli 2026
Quellen
- 1
Auswertungstabellen zur Energiebilanz Deutschland 1990–2025
AG Energiebilanzen e. V. (AGEB) · 2026
Primärenergieverbrauch nach Energieträgern sowie Energieträgereinsatz zur Stromerzeugung; Werte für 2025 vorläufig.
Quelle öffnen - 2
Netzentwicklungsplan Strom 2037/2045, Version 2025
Übertragungsnetzbetreiber (50Hertz, Amprion, TenneT, TransnetBW) · 2026
Szenariorahmen: installierte Leistungen von Erdgas- und Wasserstoffkraftwerken in den Szenarien A, B und C für 2037 und 2045.
Quelle öffnen - 3
Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2025
Agora Energiewende · 2026
Primärenergieverbrauch und Energieträgermix 2019–2025, Kapitel 3.3 Kohle, 3.4 Erdgas und 3.5 Mineralöl, Importquoten und Energieimporte, LNG-Anteile, Tabelle „Der Stromsektor 2025 auf einen Blick“, konventionelle Stromerzeugung, Emissionen und Emissionsfaktor der Stromerzeugung.
- 4
Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2025
Fraunhofer ISE (B. Burger, L. Gandhi) · 2026
Nettostromerzeugung 2025 aus Braunkohle, Steinkohle und Erdgas, getrennt nach öffentlicher Versorgung und industrieller Eigenerzeugung.
- 5
Bericht zur Versorgungssicherheit Strom 2025
Bundesnetzagentur · 2025
Zubaubedarf steuerbarer Kapazitäten bis 2035 im Zielszenario und im Szenario „Verzögerte Energiewende“, Bestand an Gaskraftwerken 2024, Kraftwerksstrategie, Residuallast und Nachfrageflexibilitäten, Vorgaben des Kohleverstromungsbeendigungsgesetzes.
- 6
Szenarien O45 – Energieangebot
Langfristszenarien (LFS3) · 2025
Kapazitäten für Wasserstoffrückverstromung im Jahr 2045 (60 GW in O45-H2, 81 GW in O45-Strom), Wasserstoffnachfrage und saisonale Balance im Stromsystem.
- 7
Emissionsdaten 2025 & Projektionsdaten 2026
Umweltbundesamt · 2026
Treibhausgasemissionen 2025 insgesamt und nach Sektoren, Entwicklung in Industrie, Gebäuden und Verkehr, Projektionen bis 2030.
- 8
Germany 2025 – Energy Policy Review
Internationale Energieagentur (IEA) · 2025
Anteil der Ölprodukte am Energiebedarf des Verkehrs, Energieverbrauch und Heizenergie im Gebäudebestand, fossiler Anteil am Energieeinsatz der Industrie, sektorale Anteile an den Treibhausgasemissionen.
Weiterlesen
Warum muss Deutschland sein Energiesystem verändern?
Die Ausgangslage: Emissionen, Importe und Ziele des Energiesystems.
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