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    Welche Rolle spielen erneuerbare Energien?

    Autor:
    politfacts
    Veröffentlicht:
    28. Juli 2026
    Letzte Aktualisierung:
    29. Juli 2026
    Lesedauer:
    ca. 12 Minuten
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    Worum geht es hier?

    Erneuerbare Energien liefern in Deutschland heute den größeren Teil des Stroms. Zu ihnen gehören nicht nur Wind und Sonne, sondern auch Wasserkraft, Biomasse und Geothermie. Diese Seite erklärt in einfacher Sprache, welche Technologien es gibt, wie viel sie beitragen, welche Stärken sie haben und wo ihre technischen Grenzen liegen – ohne politische Bewertung und ohne Empfehlung für oder gegen eine einzelne Technologie.

    • Welche sechs erneuerbaren Energieformen es gibt und wie sie sich unterscheiden
    • Wie viel Strom sie heute erzeugen und wie viel Leistung installiert ist
    • Welche Aufgaben ihnen die Szenarien für 2030 und 2045 zuweisen
    • Warum installierte Leistung, Jahreserzeugung und gesicherte Leistung nicht dasselbe sind

    Kurz erklärt

    Erneuerbare Energien sind bereits heute die größte Erzeugungsgruppe im deutschen Stromsystem: 2025 erzeugten Wind, Sonne, Wasser, Biomasse und Geothermie zusammen rund 278 Terawattstunden, das sind etwa 57,1 Prozent der gesamten deutschen Nettostromerzeugung.

    Zu den erneuerbaren Energien gehören sechs Energieformen: Wind an Land, Wind auf See, Photovoltaik, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie – sie unterscheiden sich technisch deutlich voneinander.

    Wind war 2025 mit rund 131 Terawattstunden der stärkste einzelne Stromerzeuger, gefolgt von Solar mit rund 90 Terawattstunden.

    In der dena-Leitstudie (Szenario KN100) steigt die erneuerbare Nettostromerzeugung bis 2045 auf 774 Terawattstunden und damit auf rund 92 Prozent der Nettostromerzeugung.

    Erneuerbare Energien beschreiben das Energiesystem jedoch nicht allein: Netze, Speicher, flexible Nachfrage und steuerbare Kraftwerke sind in denselben Szenarien fester Bestandteil.

    Das Wichtigste auf einen Blick

    • 2025 erzeugten erneuerbare Energien rund 278 TWh Strom; ihr Anteil an der gesamten Nettostromerzeugung lag bei etwa 57,1 Prozent nach 56,1 Prozent im Jahr 2024 (Fraunhofer ISE).

    • Die Solarerzeugung stieg 2025 um rund 16 TWh bzw. 21 Prozent auf etwa 90 TWh; der Nettozubau betrug 17,0 GWp (Fraunhofer ISE).

    • Die Windstromerzeugung lag 2025 mit rund 131 TWh etwa 3,8 Prozent unter dem Vorjahr, die Wasserkraft sank wegen geringer Niederschläge von 22,3 auf 16,7 TWh (Fraunhofer ISE).

    • Ende 2024 waren in Deutschland 265,8 GW Erzeugungsleistung installiert, davon 177,8 GW erneuerbar (Monitoringbericht 2025).

    • Photovoltaik ist mit rund vier Millionen Anlagen und 100,577 GW das größte Segment nach installierter EEG-Leistung, Wind an Land mit 110,685 TWh das größte nach eingespeister Strommenge (Monitoringbericht 2025, Werte für 2024).

    • Installierte Leistung, Jahreserzeugung und gesicherte Leistung sind drei verschiedene Größen und dürfen nicht gleichgesetzt werden (wissenschaftlicher Bericht, Kapitel 5).

    Zahlen & Fakten

    Die Datenlage

    Anteil an der Nettostromerzeugung 2025
    57,1 %

    Anteil erneuerbarer Energien an der gesamten deutschen Nettostromerzeugung einschließlich industrieller Eigenerzeugung; 2024 waren es 56,1 Prozent (Fraunhofer ISE).

    Erneuerbare Stromerzeugung 2025
    278 TWh

    Solar, Wind, Wasser, Biomasse und Geothermie zusammen; davon 254 TWh ins öffentliche Netz eingespeist und 24 TWh selbst verbraucht (Fraunhofer ISE).

    Installierte erneuerbare Leistung
    177,8 GW

    Ende 2024 von insgesamt 265,8 GW installierter Erzeugungsleistung in Deutschland (Monitoringbericht 2025).

    Wichtigste Energiequelle 2025: Wind
    131 TWh

    105 TWh Wind an Land und 26,1 TWh Wind auf See; Wind war damit der stärkste Nettostromerzeuger des Jahres, gefolgt von Solar (Fraunhofer ISE).

    Mehr erneuerbare als fossile Erzeugung
    seit 2019

    In der öffentlichen Nettostromerzeugung liegen erneuerbare Energien seit 2019 über den fossilen Energien; eine durchgehende Zahlenreihe seit 2000 enthalten die Quellen nicht (Fraunhofer ISE, Jahresauswertung 2002–2025).

    Ausbau im Jahr 2025
    +22,1 GW

    Nettozubau 2025: 17,0 GWp Photovoltaik (Modulleistung), 4,6 GW Wind an Land und 0,52 GW Wind auf See (Fraunhofer ISE).

    Erneuerbare Stromerzeugung 2025 nach Technologien

    Nettostromerzeugung in Terawattstunden

    TWh

    Geothermie wird in dieser Auswertung nicht gesondert ausgewiesen; ihr Beitrag liegt im Bereich weniger Hundert Gigawattstunden.

    Quelle: Fraunhofer ISE, „Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2025“

    Veränderung der Erzeugung 2025 gegenüber 2024

    Differenz in Terawattstunden

    TWh

    Wind gesamt: rund 3,8 Prozent unter dem Vorjahr. Der Rückgang der Wasserkraft wird auf die geringe Niederschlagsmenge des Jahres 2025 zurückgeführt.

    Quelle: Fraunhofer ISE, „Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2025“

    Eingespeiste Strommenge 2024 nach Energieform

    Anlagen mit Zahlungsanspruch nach dem EEG

    TWh

    Abgrenzung: nur Anlagen mit Zahlungsanspruch nach dem EEG. Die Werte sind deshalb nicht identisch mit dem gesamten deutschen Kraftwerksbestand; Eigenverbrauch erscheint nicht als Einspeisung.

    Quelle: Monitoringbericht Energie 2025 (BNetzA/BKartA), S. 73–78

    Installierte Leistung Ende 2024 nach Energieform

    EEG-erfasste Leistung in Gigawatt

    GW

    Photovoltaik ist das größte Segment nach installierter Leistung, Wind an Land das größte nach erzeugter Strommenge.

    Quelle: Monitoringbericht Energie 2025 (BNetzA/BKartA), S. 73–78

    Leistung und Strommenge entwickeln sich unterschiedlich

    Veränderung 2024 gegenüber 2023 in Prozent

    %

    • Installierte Leistung
    • Eingespeiste Strommenge

    Mehr installierte Leistung führt nicht automatisch zu proportional mehr Strom: Wetterjahr, Zeitpunkt des Zubaus im Jahresverlauf und Eigenverbrauch wirken mit.

    Quelle: Monitoringbericht Energie 2025 (BNetzA/BKartA), S. 73–78

    Ausbau im Jahr 2025

    Nettozubau installierter Leistung

    GW

    Ende 2025 waren 117,7 GWp Photovoltaik (Modulleistung), 68,2 GW Wind an Land und 9,7 GW Wind auf See installiert.

    Quelle: Fraunhofer ISE, „Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2025“

    Installierte Wind- und PV-Leistung im Szenario KN100

    Szenariowerte der dena-Leitstudie, keine Prognose

    GW

    • Photovoltaik
    • Wind an Land
    • Wind auf See

    Die Summe steigt von 103 GW (2018) über 246 GW (2030) auf 433 GW (2045). Photovoltaik 2018 als Differenz aus der ausgewiesenen Summe.

    Quelle: dena-Leitstudie „Aufbruch Klimaneutralität“, Szenario KN100, S. 20–21

    Erneuerbare Nettostromerzeugung im Szenario KN100

    Modellergebnis der dena-Leitstudie

    TWh

    2045 entfallen im Szenario 303 TWh auf Wind an Land, 235 TWh auf Photovoltaik und 199 TWh auf Wind auf See; der erneuerbare Anteil erreicht rund 92 Prozent.

    Quelle: dena-Leitstudie „Aufbruch Klimaneutralität“, Szenario KN100, S. 20–21

    Bestand Ende 2024 und Ausbaupfade für 2030

    Installierte Leistung und gesetzlich hinterlegte Pfade

    GW

    • EEG-Leistung Ende 2024
    • Ausbaupfad 2030

    Der Bestand ist EEG-erfasst, der Pfad beschreibt eine Zielgröße. Beide Größen haben unterschiedliche Abgrenzungen und sind nur eingeschränkt direkt vergleichbar.

    Quelle: Monitoringbericht Energie 2025 (BNetzA/BKartA), S. 13–14 und 73–78

    Stromgestehungskosten in Deutschland: 2024 und 2045

    Obergrenze der modellierten Kostenbänder für Neuanlagen

    ct/kWh

    • 2024 (oberer Wert)
    • 2045 (oberer Wert)

    Die unteren Werte der Bänder liegen 2024 bei 4,1 (PV Freifläche), 4,3 (Wind an Land) und 5,5 ct/kWh (Wind auf See), 2045 bei 3,1, 3,9 und 5,5 ct/kWh. Reale Werte, Preisbasis 2024.

    Quelle: Fraunhofer ISE, Stromgestehungskosten 2024, S. 2–4 und 30–31

    Globale Stromgestehungskosten 2025 im Vergleich

    Kapazitätsgewichtete weltweite Mittelwerte

    USD/MWh

    Globale Mittelwerte, nicht direkt in Euro-Cent oder auf deutsche Projekte übertragbar. Für Deutschland weist IRENA 2025 rund 65 USD/MWh für Photovoltaik und 52 USD/MWh für Wind an Land aus.

    Quelle: IRENA, Renewable Power Generation Costs 2025, S. 3 und 5–7

    Installierte erneuerbare Leistung in den Szenarien für 2045

    Szenarien A, B und C des Netzentwicklungsplans im Vergleich zum Referenzjahr 2024

    Gigawatt

    • Photovoltaik
    • Wind an Land
    • Wind auf See

    Genehmigte Planungsszenarien für den Netzausbau, keine Prognosen. Zum Vergleich: Das Fraunhofer ISE nennt für ein klimaneutrales System 2045 rund 420 GW Photovoltaik und rund 290 GW Windenergie an Land und auf See zusammen.

    Quelle: Netzentwicklungsplan Strom 2037/2045, Version 2025 (Übertragungsnetzbetreiber), Tabelle 1 „Übersicht der Szenariokennzahlen“.

    Was bedeuten diese Zahlen?

    Erneuerbare Energien sind keine einheitliche Technologie, sondern sechs sehr unterschiedliche Energieformen. Wind an Land nutzt den Wind über Land, Wind auf See denselben Rohstoff auf Nord- und Ostsee, allerdings mit höheren Volllaststunden. Photovoltaik wandelt Sonnenstrahlung in Strom um, Wasserkraft die Bewegung von fließendem oder gespeichertem Wasser, Biomasse verbrennt biogene Brenn- und Reststoffe, und Geothermie nutzt Erdwärme.

    Die Zahlen für Deutschland stammen aus zwei getrennten Statistiken. Der Monitoringbericht erfasst Anlagen mit Zahlungsanspruch nach dem EEG: Für 2024 sind das 63,563 GW Wind an Land mit 110,685 TWh Einspeisung, 9,215 GW Wind auf See mit 25,677 TWh, 100,577 GW Photovoltaik mit 57,819 TWh, 1,685 GW Wasserkraft mit 6,191 TWh, 8,483 GW Biomasse mit 36,831 TWh und 47 MW Geothermie aus elf Anlagen mit 214 GWh. Die Jahresauswertung des Fraunhofer ISE erfasst dagegen die gesamte Stromerzeugung des Jahres 2025 – dort ergeben sich rund 105 TWh Wind an Land, 26,1 TWh Wind auf See, 90 TWh Solar, 40,4 TWh Biomasse und 16,7 TWh Wasserkraft.

    Beide Statistiken zeigen dasselbe Grundmuster: Wind liefert die größte Strommenge, Photovoltaik hat die größte installierte Leistung und wächst am schnellsten, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie sind mengenmäßig deutlich kleiner, haben aber eigene, teils steuerbare Erzeugungsprofile.

    Der Vergleich von Leistung und Strommenge erklärt einen häufigen Irrtum. Die EEG-erfasste Photovoltaikleistung wuchs 2024 um 36 Prozent, die eingespeiste Strommenge aber nur um 9,2 Prozent. Bei Wind an Land stieg die Leistung um 6,5 Prozent, während die Erzeugung um 4,6 Prozent sank. Ursachen sind das jeweilige Wetterjahr, der Zeitpunkt des Zubaus im Jahresverlauf und der Eigenverbrauch, der nicht als Einspeisung erscheint.

    Für die Zukunft liegen mit der dena-Leitstudie und den gesetzlich hinterlegten Ausbaupfaden zwei unterschiedliche Arten von Zahlen vor. Der Monitoringbericht nennt für 2030 Pfade von 215 GW Photovoltaik, 115 GW Wind an Land, 30 GW Wind auf See und 8,4 GW Biomasse. Die dena-Leitstudie modelliert im Szenario KN100 einen Anstieg der Wind- und PV-Leistung von 103 GW (2018) über 246 GW (2030) auf 433 GW (2045) und eine erneuerbare Nettostromerzeugung von 214 über 472 auf 774 TWh. Szenariowerte sind weder Prognose noch technisches Maximum.

    Was wir sicher wissen

    • Erneuerbare Energien sind bereits heute die größte Erzeugungsgruppe im deutschen Stromsystem: 2024 entfielen 278,4 TWh von 477,7 TWh Nettostromerzeugung auf erneuerbare Energieträger, 2025 lag ihr Anteil bei rund 57,1 Prozent (Monitoringbericht 2025; Fraunhofer ISE).
    • Zu den erneuerbaren Energien zählen sechs Energieformen: Wind an Land, Wind auf See, Photovoltaik, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie.
    • Wind lieferte 2025 mit rund 131 TWh die größte Strommenge, Photovoltaik hat mit 100,577 GW EEG-Leistung (Ende 2024) das größte Leistungssegment und wuchs 2025 mit 17,0 GWp Nettozubau am stärksten.
    • Wind, Sonne und Wasserkraft verursachen im Betrieb keine direkten CO₂-Emissionen aus Brennstoffverbrennung; über den Lebenszyklus entstehen Emissionen von 8 bis 83 g CO₂-Äquivalent je kWh (Photovoltaik), 7,8 bis 16 (Wind an Land), 12 bis 23 (Wind auf See) und 6 bis 147 (Wasserkraft).
    • Die Stromgestehungskosten neuer Anlagen liegen 2024 in Deutschland bei 4,1 bis 6,9 ct/kWh für große Freiflächen-Photovoltaik, 4,3 bis 9,2 ct/kWh für Wind an Land und 5,5 bis 10,3 ct/kWh für Wind auf See (Fraunhofer ISE).
    • Global sanken die Stromgestehungskosten seit 2010 um 89 Prozent bei Photovoltaik, 71 Prozent bei Wind an Land und 63 Prozent bei Wind auf See (IRENA).
    • Installierte Leistung, Jahreserzeugung und gesicherte Leistung sind drei unterschiedliche Größen und nicht austauschbar.
    • Ein hoher erneuerbarer Anteil ist eine Eigenschaft des Gesamtsystems: Netze, Speicher, flexible Nachfrage, Prognosen, Märkte und steuerbare Erzeugung erfüllen dabei unterschiedliche Aufgaben.

    Was wir nicht sicher wissen

    • Wie schnell der Ausbau tatsächlich voranschreitet: Für Ende 2025 waren im EEG 76,5 GW Wind an Land vorgesehen, installiert waren 68,2 GW; der Photovoltaik-Zielwert von 108 GWp wurde mit 117,7 GWp dagegen übertroffen (Fraunhofer ISE).
    • Wie hoch die technischen Potenziale von Wasserkraft, nachhaltiger Biomasse und tiefer Geothermie in Deutschland sind: Die Quellenbasis erlaubt hierzu keine belastbare deutschlandweite Bezifferung in GW oder TWh. Das Fehlen einheitlicher Zahlen ist kein Beleg für fehlende Potenziale, sondern eine dokumentierte Evidenzgrenze.
    • Wie stark Speicher und Lastmanagement die zeitlichen Unterschiede zwischen Erzeugung und Verbrauch ausgleichen können: Die dena-Leitstudie modelliert 2 GW Großbatterien für 2030 und 15 GW für 2045; Leistungswerte sagen ohne Angabe der Speicherdauer nichts über die gespeicherte Energiemenge aus.
    • Wie häufig und wie lange großräumige Wetterlagen Wind- und Solarerzeugung gleichzeitig begrenzen: Die zugelassenen Quellen enthalten keine vollständige stündliche Wetterjahranalyse; eine numerische Aussage wäre damit nicht belastbar.
    • Wie sich der Netzausbau auswirkt: Für 2024 weist der Monitoringbericht rund 1,781 Mrd. Euro Redispatchkosten aus – diese Zahl beschreibt Engpassmanagement insgesamt und lässt sich keiner einzelnen Ursache zurechnen.
    • Welche Wirkung ein wachsender erneuerbarer Anteil auf die Endkundenpreise hat: Aus den Quellen lässt sich kein einzelner kausaler Preiseffekt für 2030, 2035 oder 2045 ableiten.
    • Wie der Technologiemix 2035 aussieht: Für dieses Jahr enthält die Quellenbasis keine konsistente, technologiescharfe Kapazitätstabelle. Ein interpolierter Wert wäre eine zusätzliche, nicht belegte Annahme.

    Warum diese Antwort nicht ganz einfach ist

    Die Rolle erneuerbarer Energien lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beschreiben. Unterschiedliche Statistiken, Zeitprofile und Begriffe führen dazu, dass mehrere Angaben gleichzeitig richtig sein können.

    1. 01

      Zwei Prozentwerte, zwei Nenner

      Bezogen auf den Bruttostromverbrauch lag der erneuerbare Anteil 2024 bei 54 Prozent, bezogen auf die Nettostromerzeugung bei rund 58 Prozent. Beide Werte sind korrekt, verwenden aber unterschiedliche Bezugsgrößen.

    2. 02

      EEG-Statistik ist nicht der gesamte Kraftwerkspark

      Der Monitoringbericht erfasst Anlagen mit Zahlungsanspruch nach dem EEG. Die Gesamtleistung erneuerbarer Energieträger im Kraftwerksbestand ist damit nicht identisch.

    3. 03

      Leistung ist nicht Energie

      Installierte Leistung beschreibt, was eine Anlage unter definierten Bedingungen maximal leisten kann. Die Jahreserzeugung hängt zusätzlich von Standortgüte, Volllaststunden und Wetterjahr ab. Offshore-Anlagen erreichen nach Annahmen des Fraunhofer ISE etwa 3.200 bis 4.500 Volllaststunden.

    4. 04

      Eigenverbrauch bleibt teilweise unsichtbar

      2025 wurden von rund 90 TWh Solarstrom etwa 19,8 TWh selbst verbraucht und erscheinen nicht in der Einspeisestatistik. Der Eigenverbrauch wird abgeschätzt, aber nicht vollständig erfasst.

    5. 05

      Kosten sind nicht gleich Preise

      Stromgestehungskosten verteilen Investition, Finanzierung und Betrieb über die erzeugte Strommenge. Sie enthalten weder Netz-, Speicher-, Reserve- und Profilkosten noch Steuern und Abgaben und sind deshalb kein Endkundenpreis.

    6. 06

      Szenario, Ziel und Potenzial sind verschiedene Dinge

      Der heutige Bestand, technische Potenziale, gesetzliche Ausbaupfade und Szenarien beantworten unterschiedliche Fragen. Ein Szenariowert ist weder Prognose noch technisches Maximum.

    Häufige Missverständnisse

    Erneuerbare Energien bestehen nur aus Wind und Solar.

    Auch Wasserkraft, Biomasse und Geothermie gehören dazu. 2024 speisten Biomasseanlagen 36,831 TWh, Wasserkraftanlagen 6,191 TWh und elf Geothermieanlagen 214 GWh ein (Monitoringbericht 2025). Ihre Erzeugung ist in unterschiedlichen Grenzen steuerbar oder kontinuierlich.

    Mehr installierte Leistung bedeutet automatisch mehr Strom.

    2024 stieg die EEG-erfasste Photovoltaikleistung um 36 Prozent, die Einspeisung aber nur um 9,2 Prozent; bei Wind an Land wuchs die Leistung um 6,5 Prozent, während die Erzeugung um 4,6 Prozent sank. Wetterjahr, Zubauzeitpunkt und Eigenverbrauch wirken mit.

    Erneuerbare Energien allein beschreiben das gesamte Energiesystem.

    Auch Netze, Speicher, flexible Kraftwerke und der Stromverbrauch sind Bestandteile des Systems. Im Szenario KN100 sind neben 433 GW Wind- und PV-Leistung ausdrücklich 15 GW Großbatterien, 24 GW Elektrolyse, europäischer Stromhandel und steuerbare Kraftwerke Teil desselben Pfads.

    Alle erneuerbaren Energien haben dieselben technischen Eigenschaften.

    „Erneuerbar“ beschreibt die Herkunft der Energie, nicht das technische Verhalten. Wind und Sonne sind dargebotsabhängig, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie sind in Grenzen steuerbar. Photovoltaik erzeugt ausschließlich tagsüber, Wind auch nachts und typischerweise stärker im Winterhalbjahr.

    Niedrige Stromgestehungskosten bedeuten automatisch niedrige Strompreise.

    Der Endkundenpreis setzt sich aus Beschaffung und Vertrieb, Netzentgelten, Steuern, Abgaben und Umlagen zusammen. Stromgestehungskosten enthalten weder Netz-, Speicher- und Reservekosten noch regulierte Bestandteile. Ein einzelner kausaler Preiseffekt lässt sich aus den Quellen nicht ableiten.

    Wenn Strom abgeregelt wird, ist zu viel gebaut worden.

    Abregelung ist weder ein reiner Effizienzverlust noch ein Beleg für zu viel Erzeugung. In einem optimierten System kann ein begrenzter Anteil nicht genutzter Energie wirtschaftlicher sein, als alle Infrastrukturen auf seltene Einspeisespitzen auszulegen. 2025 lagen die Abregelungen wegen Netzengpässen bei rund 6,7 TWh (Stand Ende September).

    Erneuerbare Energien verursachen überhaupt keine CO₂-Emissionen.

    Im Betrieb entstehen bei Wind, Sonne und Wasserkraft keine direkten Emissionen aus Brennstoffverbrennung. Über den Lebenszyklus entstehen jedoch Emissionen durch Rohstoffe, Herstellung, Bau, Wartung und Rückbau – dokumentiert sind 8 bis 83 g CO₂-Äquivalent je kWh für Photovoltaik und 7,8 bis 16 g für Wind an Land.

    Ein Windpark macht seine gesamte Fläche unbrauchbar.

    Flächenbedarf ist keine einheitliche Kennzahl. Bei Windparks bleibt ein großer Teil der Fläche zwischen den Anlagen anderweitig nutzbar, Photovoltaik kann auf Dächern, Fassaden oder doppelt genutzten Flächen stehen. Eine technologieübergreifende Flächenrangliste mit einheitlicher Methodik erlauben die Quellen nicht.

    Auf einen Blick

    Erneuerbare Energien sind mit rund 278 TWh und etwa 57,1 Prozent der Nettostromerzeugung (2025) bereits heute die größte Erzeugungsgruppe im deutschen Stromsystem. Sie umfassen sechs technisch unterschiedliche Energieformen: Wind liefert die größte Strommenge, Photovoltaik wächst am schnellsten, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie sind kleiner, aber teilweise steuerbar. In den vorliegenden Szenarien bilden sie bis 2045 die energetische Basis der Stromversorgung, bleiben dabei aber auf Netze, Speicher, flexible Nachfrage und steuerbare Leistung angewiesen.

    Evidenzgrad
    Gut belegt

    Bestand, Erzeugung, Ausbau und Kosten erneuerbarer Energien sind für Deutschland durch amtliche und etablierte Quellen belastbar dokumentiert (Monitoringbericht Energie 2025 der Bundesnetzagentur, Fraunhofer ISE, AGEB). Die Ausbaupfade bis 2037/2045 stammen aus dem genehmigten Netzentwicklungsplan der Übertragungsnetzbetreiber. Zukunftsaussagen bleiben szenarienabhängig; für Wasserkraft, nachhaltige Biomasse und tiefe Geothermie enthalten die Quellen keine deutschlandweite Potenzialbilanz.

    Datenstand
    Ist-Daten: Jahr 2024 (Monitoringbericht Energie 2025) und Jahr 2025, teilweise vorläufig (Fraunhofer ISE). Kosten: 2024 und 2045 (Fraunhofer ISE) sowie 2025 im globalen Vergleich (IRENA). Szenario: Basisjahr 2018 mit Stützjahren 2030 und 2045 (dena-Leitstudie KN100).
    Letzte Aktualisierung
    29. Juli 2026

    Quellen

    1. 1

      Netzentwicklungsplan Strom 2037/2045, Version 2025

      Übertragungsnetzbetreiber (50Hertz, Amprion, TenneT, TransnetBW) · 2026

      Szenariorahmen: installierte Leistungen von Wind an Land, Wind auf See und Photovoltaik in den Szenarien A, B und C für 2037 und 2045.

      Quelle öffnen
    2. 2

      Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem

      Fraunhofer ISE · 2025

      Szenarien Technologieoffen, Effizienz, Beharrung und Robust (Modell REMod); Ausbaubedarf von Photovoltaik und Windenergie sowie Anteile an der Stromerzeugung 2045.

      Quelle öffnen
    3. 3

      Erneuerbare Energien – Potenziale, Grenzen und Rolle im zukünftigen Energiesystem

      Wissenschaftlicher Bericht, Kapitel 5 · 2026

      Systematisierung der sechs Energieformen, Kennzahlen aus dem Monitoringbericht, Szenariowerte der dena-Leitstudie, Kostenangaben von Fraunhofer ISE und IRENA, Lebenszyklusemissionen, Evidenzgrenzen.

    4. 4

      Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2025

      Fraunhofer ISE (B. Burger, L. Gandhi) · 2026

      Nettostromerzeugung 2025 nach Energieträgern, Anteil erneuerbarer Energien, installierte Leistungen und Nettozubau, Abregelungen, Zielvergleich EEG 2023.

    5. 5

      Monitoringbericht Energie 2025

      Bundesnetzagentur / Bundeskartellamt · 2026

      EEG-erfasste Leistung und Einspeisung 2024 nach Energieform, installierte Erzeugungsleistung insgesamt, Ausbaupfade 2030, Kosten des Engpassmanagements.

    6. 6

      Abschlussbericht dena-Leitstudie „Aufbruch Klimaneutralität“

      Deutsche Energie-Agentur (dena) · 2021

      Szenario KN100: installierte Wind- und PV-Leistung 2018/2030/2045, erneuerbare Nettostromerzeugung, Großbatterien und Elektrolyse.

    7. 7

      Studie Stromgestehungskosten erneuerbarer Energien

      Fraunhofer ISE · 2024

      Kostenbänder für Photovoltaik, Wind an Land, Wind auf See und Bioenergie für 2024 und 2045, PV-Batterie-Systeme, Volllaststundenannahmen.

    8. 8

      Renewable Power Generation Costs in 2025

      IRENA · 2026

      Globale kapazitätsgewichtete Stromgestehungskosten 2025, Kostenrückgänge seit 2010, Batteriekosten, Einfluss der Finanzierungskosten.

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    Kein Bullshit. Nur Fakten. Einfach erklärt.

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