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    Warum wird Deutschland künftig deutlich mehr Strom benötigen?

    Autor:
    politfacts
    Veröffentlicht:
    28. Juli 2026
    Letzte Aktualisierung:
    29. Juli 2026
    Lesedauer:
    ca. 11 Minuten
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    Worum geht es hier?

    Heute wird der größte Teil der Energie in Deutschland nicht als Strom genutzt, sondern als Kraftstoff und als Brennstoff zum Heizen. Wenn Autos, Heizungen und Industrieanlagen künftig mit Strom statt mit Öl, Benzin oder Gas betrieben werden, steigt der Strombedarf – auch dann, wenn insgesamt weniger Energie verbraucht wird. Diese Seite erklärt in einfacher Sprache, warum fast alle wissenschaftlichen Szenarien von einem deutlich höheren Strombedarf ausgehen.

    • Was Elektrifizierung bedeutet und welche Bereiche sie betrifft
    • Wie stark der Strombedarf in den Szenarien bis 2045 steigt
    • Warum mehr Strom nicht mehr Gesamtenergie bedeutet
    • Welche Annahmen die Szenarien voneinander unterscheiden

    Kurz erklärt

    Deutschland verbrauchte 2025 rund 528 Terawattstunden Strom – dieser Wert stagnierte gegenüber dem Vorjahr.

    In den vorliegenden Szenarien steigt der Strombedarf bis 2045 deutlich: die dena-Leitstudie nennt einen Bruttostrombedarf von 910 Terawattstunden, die Langfristszenarien eine Stromnachfrage der Verbrauchssektoren zwischen 751 und 919 Terawattstunden.

    Der Grund ist die Elektrifizierung: Autos, Heizungen und industrielle Prozesse, die heute Benzin, Diesel, Öl, Gas oder Kohle nutzen, werden auf Strom umgestellt.

    Hinzu kommt Strom für die Herstellung von grünem Wasserstoff – allein dafür rechnet die dena-Leitstudie 2045 mit 88 Terawattstunden.

    Gleichzeitig sinkt der gesamte Energieverbrauch, weil elektrische Technologien einen großen Teil der eingesetzten Energie tatsächlich nutzen und weniger als Abwärme verlieren: Der Endenergieverbrauch geht im Szenario KN100 von 2.489 auf 1.477 Terawattstunden zurück.

    Das Wichtigste auf einen Blick

    • Der Bruttostromverbrauch lag 2025 bei 528 TWh und stagnierte damit – die erwartete Zunahme blieb aus (Agora Energiewende nach AGEB).

    • Im Szenario KN100 der dena-Leitstudie steigt der Bruttostrombedarf von 595 TWh (2018) auf 910 TWh (2045) – ein Plus von 77 Prozent.

    • In den Langfristszenarien liegt die Stromnachfrage der Verbrauchssektoren 2045 zwischen 751 TWh (Szenario O45-H2) und 919 TWh (Szenario O45-Strom).

    • Der gesamte Endenergieverbrauch sinkt im selben Szenario um 41 Prozent – von 2.489 TWh (2018) auf 1.477 TWh (2045) (dena-Leitstudie).

    • Treiber sind vor allem 31,8 Millionen batterieelektrische Pkw und 9 Millionen Wärmepumpen in Wohngebäuden im Jahr 2045 (dena-Leitstudie, KN100).

    • 2045 entfallen 49 Prozent des Endenergiebedarfs auf Strom; zusätzlich werden 88 TWh Strom für die Erzeugung von grünem Wasserstoff benötigt (dena-Leitstudie).

    Zahlen & Fakten

    Die Datenlage

    Stromverbrauch heute
    528 TWh

    Bruttostromverbrauch 2025, gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert (Agora Energiewende nach AGEB).

    Bruttostrombedarf 2045
    910 TWh

    Szenario KN100 der dena-Leitstudie, inklusive Umwandlungs-, Transport- und Speicherverlusten (+77 % gegenüber 2018).

    Stromnachfrage 2045 in den Szenarien
    751–919 TWh

    Bandbreite der Orientierungsszenarien O45-H2 und O45-Strom (Langfristszenarien).

    Anteil von Strom am Endenergiebedarf 2045
    49 %

    Im Szenario KN100 der dena-Leitstudie; heute liegt der Anteil laut den Quellen deutlich niedriger, wird dort aber nicht als eigene Kennzahl ausgewiesen.

    Batterieelektrische Pkw 2045
    31,8 Mio.

    Szenario KN100; 2018 waren es 0,05 Millionen, 2030 sollen es 9,1 Millionen sein (dena-Leitstudie).

    Wärmepumpen 2045
    9 Mio.

    In Wohngebäuden; 2030 rund 4 Millionen. Anfang 2025 waren rund 1,7 Millionen Wärmepumpen installiert (dena-Leitstudie; Bestandszahl: Agora Energiewende nach BWP).

    Entwicklung des Strombedarfs bis 2045

    Bruttostrombedarf im Szenario KN100: enthält neben dem Verbrauch auch Umwandlungs-, Transport- und Speicherverluste

    Terawattstunden (TWh)

    Die Quelle nennt nur diese Stützjahre. Der Anstieg entspricht 77 Prozent gegenüber 2018.

    Quelle: dena-Leitstudie „Aufbruch Klimaneutralität“, Szenario KN100.

    Woraus sich der künftige Strombedarf zusammensetzt

    Nettostrombedarf der Verbraucher, Strom für die Wasserstofferzeugung und Bruttostrombedarf inklusive Verlusten

    Terawattstunden (TWh)

    • 2018
    • 2030
    • 2045

    Für den Strombedarf der Wasserstofferzeugung nennt die Quelle ausdrücklich nur den Wert für 2045 (88 TWh); für 2018 und 2030 ist er hier mit null dargestellt, weil die Quelle dazu keine vergleichbare Angabe macht.

    Quelle: dena-Leitstudie „Aufbruch Klimaneutralität“, Szenario KN100.

    Heutiger und künftiger Strombedarf im Vergleich

    Verbrauch 2025 gegenüber den Werten für 2045 aus zwei unabhängigen Studien

    Terawattstunden (TWh)

    Die Werte stammen aus verschiedenen Quellen mit unterschiedlichen Abgrenzungen: Brutto-Angaben enthalten Verluste, Netto-Angaben nicht. Ein exakter Vergleich ist deshalb nicht möglich; die Größenordnung des Anstiegs ist aber in allen Rechnungen ähnlich.

    Quelle: Agora Energiewende (nach AGEB) für 2025; dena-Leitstudie (KN100) und Langfristszenarien (Orientierungsszenarien O45) für 2045.

    Elektrifizierung des Verkehrs

    Bestand rein batterieelektrischer Pkw im Hauptszenario und in der strombetonten Variante

    Millionen Fahrzeuge

    • Hauptszenario KN100
    • Variante „Electrons“

    Zusätzlich rechnet das Szenario KN100 für 2030 mit 5 Millionen Plug-in-Hybriden. Zum Vergleich: Anfang 2025 waren laut Agora Energiewende rund 1,7 Millionen E-Autos im Bestand, die Neuzulassungsquote lag bei knapp 20 Prozent.

    Quelle: dena-Leitstudie „Aufbruch Klimaneutralität“ (EWI-Gutachterbericht).

    Elektrifizierung der Wärmeversorgung

    Wärmepumpen in Wohngebäuden: heutiger Bestand und Szenariowerte

    Millionen Anlagen

    Rechnet man Nichtwohngebäude hinzu, nennt die dena-Leitstudie rund 4,5 Millionen Wärmepumpen für 2030 und rund 9,9 Millionen für 2045. In der strombetonten Variante sind es 5 Millionen (2030) und mehr als 11 Millionen (2045).

    Quelle: Bestand Anfang 2025: Agora Energiewende (nach BWP); Szenariowerte: dena-Leitstudie, Szenario KN100.

    Gebäude: weniger Energie, mehr Strom

    Endenergieverbrauch des Gebäudesektors und der darin enthaltene Strombedarf im Szenario KN100

    Terawattstunden (TWh)

    • Endenergieverbrauch
    • davon Strom

    Für 2030 nennt die Quelle keinen eigenen Strombedarf des Gebäudesektors; der Balken ist deshalb mit null dargestellt. Der Strombedarf steigt bis 2045 um rund 29 TWh (rund 10 Prozent), während der gesamte Energieverbrauch des Sektors um etwa 40 Prozent sinkt.

    Quelle: dena-Leitstudie „Aufbruch Klimaneutralität“, Szenario KN100.

    Elektrifizierung der Industrie

    Energiebedarf der Industrie im Szenario KN100

    Terawattstunden (TWh)

    Der Energiebedarf der Industrie sinkt bis 2030 um rund 21 Prozent und bis 2045 auf unter 580 TWh. Gleichzeitig nimmt der Strombedarf laut Quelle kontinuierlich zu, vor allem durch die Elektrifizierung der Prozesswärme. Einen eigenen Zahlenwert für den Strombedarf der Industrie nennt die Studie an dieser Stelle nicht.

    Quelle: dena-Leitstudie „Aufbruch Klimaneutralität“, Szenario KN100.

    Weniger Energie insgesamt, mehr Strom

    Gesamter Endenergieverbrauch und Bruttostrombedarf im Szenario KN100 im direkten Vergleich

    Terawattstunden (TWh)

    • Endenergieverbrauch
    • Bruttostrombedarf

    Der Endenergieverbrauch sinkt um 41 Prozent, während der Strombedarf um 77 Prozent steigt. Das ist kein Widerspruch: Strom ersetzt fossile Energieträger, und elektrische Anwendungen nutzen die eingesetzte Energie besser aus.

    Quelle: dena-Leitstudie „Aufbruch Klimaneutralität“, Szenario KN100.

    Wasserstoff als zusätzlicher Treiber

    Wasserstoffnachfrage in Deutschland im Jahr 2045 in zwei Szenarien

    Terawattstunden (TWh)

    Wasserstoff wird überwiegend mit Strom hergestellt. In den Langfristszenarien wird ein großer Teil davon importiert (2045 rund 418 der 606 TWh im Szenario O45-H2). Je mehr Wasserstoff im Inland erzeugt wird, desto höher fällt der Strombedarf aus.

    Quelle: Langfristszenarien, Orientierungsszenarien O45 – Bericht Energieangebot.

    Bruttostromverbrauch in den Szenarien des Netzentwicklungsplans

    Szenarien A, B und C für die Zieljahre 2037 und 2045 im Vergleich zum Referenzjahr 2024

    Terawattstunden

    Die Szenarien A, B und C unterscheiden sich in Tempo und Ausmaß der Elektrifizierung. Es handelt sich um genehmigte Planungsszenarien für den Netzausbau, nicht um Prognosen. Die Werte enthalten bereits Ergebnisse der Strommarktsimulation.

    Quelle: Netzentwicklungsplan Strom 2037/2045, Version 2025 (Übertragungsnetzbetreiber), Szenariorahmen.

    Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen in den Szenarien

    Angenommene Bestände in den Szenarien des Netzentwicklungsplans

    Millionen Stück

    • Elektrofahrzeuge
    • Wärmepumpen

    Diese Zahlen sind Annahmen der Szenarien, keine Vorhersagen. Sie erklären, warum der Strombedarf in den Szenarien so deutlich steigt: Fahrzeuge und Heizungen wechseln vom Kraftstoff- oder Gasbezug zum Stromnetz.

    Quelle: Netzentwicklungsplan Strom 2037/2045, Version 2025 (Übertragungsnetzbetreiber), Tabelle 1 „Übersicht der Szenariokennzahlen“.

    Was bedeuten diese Zahlen?

    Elektrifizierung bedeutet: Anwendungen, die heute mit Öl, Benzin, Diesel, Gas oder Kohle betrieben werden, laufen künftig mit Strom. Ein Elektroauto statt eines Verbrenners, eine Wärmepumpe statt einer Gasheizung, ein elektrischer Ofen statt eines gasbefeuerten Ofens in der Industrie. Der Energiebedarf verschwindet dabei nicht – er wechselt vom Tank oder Brennstofflager in die Steckdose.

    Wärmepumpen erzeugen Wärme nicht durch Verbrennen, sondern indem sie mit Strom Wärme aus Luft, Erdreich oder Wasser in das Gebäude verlagern. Die dena-Leitstudie rechnet im Szenario KN100 mit 4 Millionen Wärmepumpen in Wohngebäuden im Jahr 2030 und 9 Millionen im Jahr 2045. Anfang 2025 waren es laut Agora Energiewende rund 1,7 Millionen.

    Elektromobilität heißt, dass Fahrzeuge ihre Energie aus dem Stromnetz beziehen. Im Szenario KN100 steigt der Bestand rein batterieelektrischer Pkw von 0,05 Millionen (2018) auf 9,1 Millionen (2030) und 31,8 Millionen (2045). Bei schweren Lkw geht dasselbe Szenario davon aus, dass 2045 rund 20 Prozent batterieelektrisch und knapp 50 Prozent mit Brennstoffzellen fahren.

    In der Industrie wird vor allem die Prozesswärme elektrifiziert – also die Hitze, die zum Schmelzen, Trocknen oder Brennen benötigt wird. Der gesamte Energiebedarf der Industrie sinkt im Szenario bis 2030 auf rund 638 und bis 2045 auf unter 580 TWh, der Strombedarf nimmt laut derselben Quelle dabei kontinuierlich zu.

    Wasserstoff wird mit Strom aus Wasser hergestellt. Er wird dort gebraucht, wo Strom nicht direkt eingesetzt werden kann – etwa in Teilen der Stahl- und Chemieindustrie oder im Flug- und Schiffsverkehr. Für die Elektrolyse in Deutschland nennt die dena-Leitstudie 2045 einen Strombedarf von 88 TWh; ein großer Teil des Wasserstoffs soll importiert werden.

    Zur Digitalisierung als eigenständigem Treiber des Strombedarfs – etwa durch Rechenzentren – enthalten die hier verwendeten Quellen keine belastbaren Zahlen für Deutschland. Diese Frage bleibt auf dieser Seite deshalb bewusst offen.

    Warum steigt der Stromverbrauch, obwohl Energie effizienter genutzt wird? Weil beide Entwicklungen gleichzeitig stattfinden. Eine Wärmepumpe oder ein Elektromotor setzt einen viel größeren Teil der eingesetzten Energie in Nutzen um als ein Verbrennungsprozess, bei dem ein erheblicher Teil als Abwärme verloren geht. Deshalb sinkt der gesamte Energieverbrauch: Im Szenario KN100 geht der Endenergieverbrauch von 2.489 TWh (2018) auf 1.477 TWh (2045) zurück – ein Minus von 41 Prozent. Gleichzeitig verschiebt sich dieser kleinere Gesamtverbrauch immer stärker zum Strom: 2045 entfallen 49 Prozent des Endenergiebedarfs auf Strom. Ein steigender Strombedarf ist damit kein Widerspruch zu einer effizienteren Energienutzung, sondern ihre Folge.

    Was wir sicher wissen

    • Der Bruttostromverbrauch lag 2025 bei 528 TWh und stagnierte gegenüber dem Vorjahr (Agora Energiewende nach AGEB).
    • Im Szenario KN100 der dena-Leitstudie steigt der Bruttostrombedarf von 595 TWh (2018) über 698 TWh (2030) auf 910 TWh (2045) – ein Plus von 77 Prozent gegenüber 2018.
    • In den Orientierungsszenarien O45 der Langfristszenarien liegt die Stromnachfrage der Verbrauchssektoren 2045 zwischen 751 TWh und 919 TWh.
    • Zentrale Treiber sind laut dena-Leitstudie der Umstieg auf Elektromobilität, strombasierte Prozesse in der Industrie und der Zuwachs an Wärmepumpen im Gebäudesektor.
    • Für die Erzeugung von grünem Wasserstoff in Deutschland nennt die dena-Leitstudie 2045 einen zusätzlichen Strombedarf von 88 TWh.
    • Der gesamte Endenergieverbrauch sinkt im selben Szenario um 41 Prozent auf 1.477 TWh (2045); der Stromanteil am Endenergiebedarf steigt dabei auf 49 Prozent.
    • Die Elektrifizierung verlief 2025 langsamer als erwartet; zugleich erreichten Wärmepumpen knapp 50 Prozent Marktanteil an den Heizungsverkäufen und E-Pkw knapp 20 Prozent der Neuzulassungen (Agora Energiewende).

    Was wir nicht sicher wissen

    • Die Spannweite der Szenarien ist erheblich: Der Netzentwicklungsplan Strom 2037/2045 rechnet für 2045 mit 989,5 bis 1.294,3 TWh Bruttostromverbrauch, das Fraunhofer ISE mit einer Stromnutzung von rund 1.100 bis 1.550 TWh. Beide Angaben sind Modellrechnungen unter unterschiedlichen Annahmen und keine Vorhersagen; sie liegen deutlich über den Werten der Langfristszenarien.
    • Wie hoch der Strombedarf 2045 tatsächlich ausfällt, ist offen. Die vorliegenden Rechnungen sind Szenarien – Modellrechnungen unter festgelegten Annahmen –, keine Prognosen.
    • Die Szenarien unterscheiden sich vor allem darin, wie stark direkt elektrifiziert wird und wie viel Wasserstoff eingesetzt wird: Im Szenario O45-Strom liegt die Stromnachfrage 2045 bei 919 TWh und die Wasserstoffnachfrage bei 305 TWh, im Szenario O45-H2 bei 751 TWh Strom und 606 TWh Wasserstoff. Mehr Wasserstoff im Endverbrauch bedeutet in diesen Rechnungen weniger direkten Strombedarf im Inland – auch, weil ein großer Teil des Wasserstoffs importiert wird.
    • Auch innerhalb der dena-Leitstudie hängen die Ergebnisse von der Technologiewahl ab: In der Variante „Electrons“ sind es 11 Millionen batterieelektrische Pkw im Jahr 2030 und 33,7 Millionen im Jahr 2045, in der Variante mit stärkerer Hybridisierung deutlich weniger.
    • Wie schnell die Umstellung gelingt, hängt laut den Quellen von Investitionskosten, Strompreisen, dem Netzzugang und Förderprogrammen ab – 2025 bremsten hohe Investitionskosten die Transformation in Industrie, Gebäuden und Verkehr.
    • Die Wirtschaftsentwicklung wirkt in beide Richtungen: 2025 senkte die schwache Produktion der energieintensiven Industrie den Stromverbrauch, während die Langfristszenarien wegen aktualisierter Wirtschafts- und Bevölkerungsdaten eine höhere Nachfrage ausweisen als frühere Szenarienrunden.
    • Die Energieeffizienz ist eine zentrale Annahme: Würden die in der dena-Leitstudie unterstellten Effizienzverbesserungen in der Industrie nicht erreicht, läge deren Endenergiebedarf 2045 um mindestens 100 TWh höher.
    • Zur Digitalisierung, etwa zum Strombedarf von Rechenzentren in Deutschland, enthalten die verwendeten Quellen keine belastbaren Zahlen.
    • Einen einheitlichen Vergleich zwischen dem heutigen Verbrauch und den Szenariowerten geben die Quellen nicht her, weil Netto- und Bruttogrößen unterschiedlich abgegrenzt sind.

    Warum diese Antwort nicht ganz einfach ist

    Der künftige Strombedarf lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beschreiben. Er hängt davon ab, welche Technologien sich durchsetzen, wie genau gerechnet wird und welche Annahmen zu Wirtschaft, Preisen und Politik in die Modelle eingehen.

    1. 01

      Netto oder brutto

      Der Nettostrombedarf beschreibt die Strommenge, die bei den Verbrauchern ankommt. Der Bruttostrombedarf enthält zusätzlich Umwandlungs-, Transport- und Speicherverluste. In der dena-Leitstudie sind das 2045 der Unterschied zwischen 724 und 910 TWh.

    2. 02

      Strom oder Wasserstoff

      Wo Wasserstoff eingesetzt wird, sinkt der direkte Strombedarf – dafür wird Strom für die Elektrolyse gebraucht, häufig im Ausland. Deshalb unterscheiden sich die Szenarien O45-Strom und O45-H2 um rund 170 TWh.

    3. 03

      Tempo der Umstellung

      Ob Wärmepumpen und Elektroautos schnell oder langsam in den Bestand kommen, verändert den Strombedarf erheblich. 2025 stagnierte der Verbrauch, weil die Elektrifizierung langsamer verlief als erwartet.

    4. 04

      Effizienzannahmen

      Alle Szenarien unterstellen deutliche Effizienzgewinne. Werden sie nicht erreicht, steigt der Energie- und damit auch der Strombedarf. Die dena-Leitstudie beziffert dieses Risiko für die Industrie mit mindestens 100 TWh zusätzlichem Endenergiebedarf.

    5. 05

      Wirtschaftliche Entwicklung

      Produktion und Bevölkerungsentwicklung bestimmen mit, wie viel Energie gebraucht wird. Aktualisierte Wirtschafts- und Bevölkerungsdaten führten in den Orientierungsszenarien zu einer höheren Nachfrage als in den Vorgängerszenarien.

    6. 06

      Unterschiedliche Bezugsjahre

      Die dena-Leitstudie rechnet ab dem Basisjahr 2018, die Bestandszahlen zu Wärmepumpen und E-Autos stammen aus dem Jahr 2025, die Langfristszenarien nutzen wieder andere Kalibrierungsjahre. Zahlen aus verschiedenen Quellen sind deshalb nur eingeschränkt vergleichbar.

    Häufige Missverständnisse

    Mehr Stromverbrauch bedeutet automatisch mehr Energieverbrauch.

    Im Szenario KN100 steigt der Strombedarf bis 2045 um 77 Prozent, während der gesamte Endenergieverbrauch um 41 Prozent auf 1.477 TWh sinkt. Elektrische Anwendungen nutzen die eingesetzte Energie besser aus als Verbrennungsprozesse.

    Elektromobilität erhöht nur den Stromverbrauch.

    Gleichzeitig sinkt der Verbrauch fossiler Kraftstoffe. Die dena-Leitstudie führt den Rückgang der Ölnachfrage ausdrücklich auf die Technologiewechsel im Verkehrs- und Gebäudesektor zurück; laut Agora Energiewende verringerten die 1,7 Millionen E-Autos im Bestand die Verkehrsemissionen 2025 um rund 2,3 Millionen Tonnen CO₂.

    Wärmepumpen verbrauchen nur zusätzlichen Strom.

    Sie ersetzen Öl- und Gasheizungen. Der Absatz von rund 300.000 Wärmepumpen wirkte 2025 emissionsmindernd, und die bereits installierten 1,7 Millionen Anlagen vermieden in diesem Jahr rund 3,4 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente (Agora Energiewende). Im Gebäudesektor sinkt der Energieverbrauch bis 2045 auf 571 TWh, während der Strombedarf nur um rund 29 TWh steigt (dena-Leitstudie).

    Mehr Strombedarf bedeutet automatisch höhere CO₂-Emissionen.

    Das hängt davon ab, wie der Strom erzeugt wird. 2025 deckten erneuerbare Energien 55,3 Prozent der Stromnachfrage (Agora Energiewende); die Szenarien für 2045 unterstellen eine weitgehend erneuerbare Stromerzeugung.

    Weil der Stromverbrauch heute stagniert, wird künftig nicht mehr Strom gebraucht.

    Die Stagnation 2025 bei 528 TWh erklärt Agora Energiewende mit der zu schwachen Elektrifizierungsdynamik und hohen Investitionskosten. Alle vorliegenden Szenarien für 2045 gehen dennoch von einem deutlich höheren Strombedarf aus.

    Wasserstoff macht zusätzlichen Strom überflüssig.

    Wasserstoff wird selbst mit Strom hergestellt. Die dena-Leitstudie rechnet für die Elektrolyse in Deutschland 2045 mit 88 TWh Strom. In den Langfristszenarien senkt ein hoher Wasserstoffeinsatz den inländischen Strombedarf vor allem deshalb, weil ein großer Teil des Wasserstoffs importiert wird.

    Der steigende Strombedarf betrifft nur die Industrie.

    Laut dena-Leitstudie sind Elektromobilität im Verkehr, strombasierte Prozesse in der Industrie und Wärmepumpen im Gebäudesektor gemeinsam die zentralen Treiber. Im Gebäudesektor allein steigt der Strombedarf bis 2045 auf 303 TWh.

    Auf einen Blick

    Deutschland wird künftig deutlich mehr Strom benötigen, weil Verkehr, Wärme und Industrie von fossilen Energieträgern auf Strom umgestellt werden. Die vorliegenden Szenarien nennen für 2045 einen Strombedarf zwischen rund 724 und 919 Terawattstunden gegenüber 528 Terawattstunden Verbrauch im Jahr 2025 – bei gleichzeitig deutlich sinkendem Gesamtenergieverbrauch.

    Evidenzgrad
    Teilweise belegt

    Der heutige Stromverbrauch und die Bestandszahlen zu Wärmepumpen und E-Autos sind belastbar dokumentiert (Agora Energiewende nach AGEB und BWP). Alle Aussagen über die Zukunft beruhen dagegen auf Szenarien zweier unabhängiger Studien, deren Ergebnisse sich je nach Annahmen um mehrere hundert Terawattstunden unterscheiden. Zur Digitalisierung als Treiber und zum heutigen Stromanteil am Endenergieverbrauch enthalten die Quellen keine belastbaren Angaben.

    Datenstand
    Heutige Werte: 2025, teilweise vorläufig (Agora Energiewende nach AGEB und BWP). Szenarien: Basisjahr 2018 bzw. 2020 mit Stützjahren 2030 und 2045 (dena-Leitstudie KN100) sowie Stützjahre bis 2045 (Langfristszenarien, Orientierungsszenarien O45).
    Letzte Aktualisierung
    29. Juli 2026

    Quellen

    1. 1

      Netzentwicklungsplan Strom 2037/2045, Version 2025

      Übertragungsnetzbetreiber (50Hertz, Amprion, TenneT, TransnetBW) · 2026

      Szenariorahmen des 1. und 2. Entwurfs: Netto- und Bruttostromverbrauch, installierte Leistungen, Anzahl Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen in den Szenarien A, B und C für 2037 und 2045.

      Quelle öffnen
    2. 2

      Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem

      Fraunhofer ISE · 2025

      Szenarien Technologieoffen, Effizienz, Beharrung und Robust (Modell REMod); Stromnutzung und Endenergiebedarf 2045.

      Quelle öffnen
    3. 3

      Abschlussbericht dena-Leitstudie „Aufbruch Klimaneutralität“

      Deutsche Energie-Agentur (dena) · 2021

      Szenario KN100: Netto- und Bruttostrombedarf 2018/2030/2045, Stromanteil am Endenergiebedarf, Wärmepumpen- und Fahrzeugbestände, Energiebedarf von Industrie und Gebäuden, Strombedarf der Elektrolyse.

    4. 4

      Orientierungsszenarien O45 – Bericht Energieangebot

      Langfristszenarien für die Transformation des Energiesystems in Deutschland · 2025

      Stromnachfrage der Verbrauchssektoren 2045 (751 bis 919 TWh) und Wasserstoffnachfrage im Szenarienvergleich.

    5. 5

      Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2025

      Agora Energiewende · 2026

      Bruttostromverbrauch 2025, Anteil erneuerbarer Energien an der Stromnachfrage, Bestand und Absatz von Wärmepumpen und E-Autos, Hemmnisse der Elektrifizierung.

    6. 6

      Energy Policy Review – Germany 2025

      Internationale Energieagentur (IEA) · 2025

      Einordnung zur Elektrifizierung der Endverbrauchssektoren und zu den Bereichen, in denen eine direkte Elektrifizierung nicht möglich ist.

    Weiterlesen

    Kein Bullshit. Nur Fakten. Einfach erklärt.

    Alle Angaben auf dieser Seite stammen aus offen zugänglichen Quellen und sind nachvollziehbar belegt. Wie wir arbeiten, steht in unserer Methodik.