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    Wie kann Deutschland unabhängiger von Energieimporten werden?

    Autor:
    politfacts
    Veröffentlicht:
    29. Juli 2026
    Letzte Aktualisierung:
    29. Juli 2026
    Lesedauer:
    ca. 16 Minuten
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    Worum geht es hier?

    Deutschland deckt rund zwei Drittel seines Primärenergieverbrauchs mit Importen. Diese Seite zeigt anhand amtlicher Energiebilanzen, wie groß die Importabhängigkeit ist, welche Energieträger betroffen sind und welche Möglichkeiten die Quellen zur Verringerung beschreiben.

    • Wie hoch die Importabhängigkeit heute ist und wie sie sich seit 1990 entwickelt hat
    • Welche Energieträger Deutschland einführt und woher sie kommen
    • Welche Wege die Quellen beschreiben, um Importe zu verringern
    • Wo die Grenzen liegen – und welche Fragen die Quellen offen lassen

    Kurz erklärt

    Deutschland importiert einen großen Teil seiner Energie: 2025 lag die Nettoeinfuhr bei rund 6.982 Petajoule gegenüber einem Primärenergieverbrauch von 10.530 Petajoule – das entspricht etwa zwei Dritteln.

    Betroffen sind fast ausschließlich fossile Energieträger: Mineralöl wird zu 99 Prozent, fossile Gase zu 94 Prozent und Kohle zu 49 Prozent eingeführt, erneuerbare Energien dagegen zu 0 Prozent.

    Weil Erneuerbare im Inland gewonnen werden, senkt ihr Ausbau die Einfuhr fossiler Energieträger unmittelbar: An der inländischen Energiegewinnung haben sie ihren Anteil von 3 Prozent (1990) auf 65 Prozent (2025) gesteigert.

    Zugleich zeigen die Quellen Grenzen: Die heimische Förderung von Öl, Gas und Kohle geht seit Jahrzehnten zurück, und für Wasserstoff rechnen die amtlichen Szenarien bis 2045 mit einer Importquote von 57 bis 69 Prozent.

    Vollständige Unabhängigkeit beschreibt keine der ausgewerteten Quellen als Ziel – beschrieben werden geringere Abhängigkeit, breitere Diversifizierung und mehr eigene Erzeugung.

    Das Wichtigste auf einen Blick

    • Die Nettoimportquote sank von rund 74 Prozent (2001) auf rund 66 Prozent (2025) – vor allem, weil der Energieverbrauch insgesamt zurückging.

    • Mineralöl und Erdgas machen zusammen rund 89 Prozent aller deutschen Energieimporte aus.

    • Der Anteil erneuerbarer Energien an der inländischen Energiegewinnung stieg von 3,2 Prozent (1990) auf 65,3 Prozent (2025).

    • Russisches Pipelinegas floss 2024 nicht mehr nach Deutschland; Norwegen, die Niederlande und Belgien lieferten 91 Prozent der Gasimporte.

    • Seit 2023 ist Deutschland Nettoimporteur von Strom – 2024 standen 64,9 TWh Importen 37,6 TWh Exporte gegenüber.

    • Für Wasserstoff erwarten die Langfristszenarien 2045 eine Importquote von 57 bis 69 Prozent – Importabhängigkeit verschiebt sich also, sie verschwindet nicht.

    Zahlen & Fakten

    Die Datenlage

    Anteil der Nettoimporte am Primärenergieverbrauch 2025
    rund 66 %

    Eigene Berechnung: Nettoeinfuhr 6.982 PJ geteilt durch Primärenergieverbrauch 10.530 PJ (AGEB, Werte für 2025 vorläufig).

    Energieimporte 2025 (Mineralöl, Erdgas, Steinkohle, Strom)
    2.004 TWh

    Summe der von Agora Energiewende nach AGEB ausgewiesenen Nettoimporte: Mineralöl 1.038, Erdgas 742, Steinkohle 205, Strom 19 TWh.

    Importquote bei Mineralöl 2025
    99 %

    Zum Vergleich: fossile Gase 94 Prozent, Kohlen 49 Prozent, Strom 4 Prozent, erneuerbare Energien und Kernenergie 0 Prozent (Agora Energiewende nach AGEB).

    Anteil erneuerbarer Energien an der inländischen Energiegewinnung 2025
    65,3 %

    1990 waren es 3,2 Prozent. Erneuerbare sind damit heute die wichtigste heimische Energiequelle (AGEB).

    Rückgang der inländischen Energiegewinnung seit 1990
    −46 %

    Von 6.224 PJ (1990) auf 3.368 PJ (2025), vor allem durch das Ende des Steinkohlebergbaus und sinkende Erdgasförderung (AGEB).

    Russisches Pipelinegas in Deutschland 2024
    0 TWh

    2024 wurden insgesamt 865 TWh Erdgas importiert, 103 TWh weniger als 2023 (Monitoringbericht Energie 2025).

    Anteil Norwegens, der Niederlande und Belgiens an den Gasimporten 2024
    91 %

    786 von 865 TWh. Norwegen 48 Prozent, Niederlande 25 Prozent, Belgien 18 Prozent (Monitoringbericht Energie 2025).

    Anteil von Flüssigerdgas (LNG) an den Gasimporten 2024
    8 %

    70 TWh über die Terminals Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Lubmin und Mukran; rund 91 Prozent davon aus den USA. Im dritten Quartal 2025 stieg der LNG-Anteil auf 13,3 Prozent.

    Rechnerische Vollversorgung aus deutschen Gasspeichern
    80 Tage

    Arbeitsgasvolumen 289 TWh zum 31.12.2024 – die größte Speicherkapazität in der Europäischen Union (Monitoringbericht Energie 2025; IEA).

    Importquote für Wasserstoff im Jahr 2045 (Szenario O45-H2)
    69 %

    606 TWh Nachfrage, davon 418 TWh Import. Im Szenario O45-Strom sind es 57 Prozent. Szenarien sind keine Prognosen (Langfristszenarien LFS3).

    Ziel für den Endenergieverbrauch bis 2030 gegenüber 2008
    −26,5 %

    Vorgabe des deutschen Energieeffizienzgesetzes; weniger Verbrauch bedeutet unmittelbar weniger Importbedarf (IEA, Germany 2025).

    Inländische Erdgasförderung 2023
    4,4 bcm

    Rückgang von 8,7 Milliarden Kubikmetern (2015); die heimische Förderung deckte 2023 nur 6 Prozent der Nachfrage (IEA, Germany 2025).

    Anteil der Nettoimporte am Primärenergieverbrauch

    Deutschland, 1990 bis 2025

    Prozent

    Eigene Berechnung: Nettoeinfuhr geteilt durch Primärenergieverbrauch. Werte für 2025 vorläufig.

    Quelle: AG Energiebilanzen (AGEB), Auswertungstabellen zur Energiebilanz 1990–2025

    Nettoeinfuhr von Energie insgesamt

    Deutschland, 1990 bis 2025

    Petajoule

    Nettoeinfuhr = Einfuhr minus Ausfuhr. Werte für 2025 vorläufig.

    Quelle: AG Energiebilanzen (AGEB), Auswertungstabellen zur Energiebilanz 1990–2025

    Woraus die deutschen Energieimporte bestehen

    Nettoimporte 2025

    Terawattstunden

    Vorläufig geschätzt, Nettoimporte inklusive Bunkereffekte. Strom als physischer Nettoimport.

    Quelle: Agora Energiewende nach AGEB, Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2025 (Abb. 3_4)

    Importquote nach Energieträgern

    Anteil der Importe am jeweiligen Verbrauch, 2025

    Prozent

    Strom: physischer Nettoimport geteilt durch den Bruttostromverbrauch. Kernenergie 0 Prozent, weil seit 2023 keine Kernkraftwerke mehr am Netz sind.

    Quelle: Agora Energiewende nach AGEB, Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2025 (Abb. 3_3)

    Nettoeinfuhr nach Energieträgern

    Deutschland, 1990 bis 2025

    Petajoule

    • Mineralöle
    • Gase
    • Steinkohle

    Werte für 2025 vorläufig.

    Quelle: AG Energiebilanzen (AGEB), Auswertungstabellen zur Energiebilanz 1990–2025

    Einfuhr von Kernbrennstoff

    Deutschland, 1990 bis 2025

    Petajoule

    Kernbrennstoff wurde vollständig eingeführt. Mit der Abschaltung der letzten Kernkraftwerke im April 2023 entfiel dieser Importposten. Aus welchen Ländern das Uran stammte, weisen die verwendeten Quellen nicht aus.

    Quelle: AG Energiebilanzen (AGEB), Auswertungstabellen zur Energiebilanz 1990–2025

    Energiegewinnung im Inland

    Insgesamt und aus erneuerbaren Energien, 1990 bis 2025

    Petajoule

    • Gewinnung insgesamt
    • davon erneuerbare Energien

    Erneuerbare aus Mio. t SKE umgerechnet (1 Mio. t SKE = 29,308 PJ). Werte für 2025 vorläufig.

    Quelle: AG Energiebilanzen (AGEB), Auswertungstabellen zur Energiebilanz 1990–2025

    Anteil erneuerbarer Energien an der inländischen Energiegewinnung

    Deutschland, 1990 bis 2025

    Prozent

    Werte für 2025 vorläufig.

    Quelle: AG Energiebilanzen (AGEB), Auswertungstabellen zur Energiebilanz 1990–2025

    Woher das nach Deutschland importierte Erdgas kam

    Anteile an den Gasimporten 2024

    Prozent

    Gesamtimport 2024: 865 TWh. Norwegen, Niederlande und Belgien lieferten zusammen 786 TWh (rund 91 Prozent). Russisches Pipelinegas: 0 TWh. Der Anteil „Übrige“ ergibt sich rechnerisch aus der Differenz.

    Quelle: Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt, Monitoringbericht Energie 2025

    Vom Stromexporteur zum Stromimporteur

    Nettoeinfuhr von Strom, 2015 bis 2025

    Petajoule

    Negative Werte bedeuten Nettoexport. 2024 standen laut Monitoringbericht Energie 2025 Importen von 64,9 TWh Exporte von 37,6 TWh gegenüber.

    Quelle: AG Energiebilanzen (AGEB), Auswertungstabellen zur Energiebilanz 1990–2025

    Wasserstoff: Nachfrage und Importbedarf im Szenario O45-H2

    Modellrechnung der Langfristszenarien – keine Prognose

    Terawattstunden

    • Wasserstoffnachfrage
    • davon Import

    Im Szenario O45-H2 erreicht die Importquote 2045 69 Prozent, im Szenario O45-Strom 57 Prozent. Szenarien beschreiben mögliche Entwicklungen unter Modellannahmen.

    Quelle: Langfristszenarien (LFS3), Szenario O45 – Energieangebot

    Was bedeuten diese Zahlen?

    Energie kommt zuerst als Primärenergie ins Land oder aus dem Boden: Rohöl, Erdgas, Kohle, Uran, Wind, Sonne, Wasser, Biomasse. Erst nach Umwandlung – etwa in Raffinerien oder Kraftwerken – wird daraus die Endenergie, die Haushalte, Betriebe und Fahrzeuge tatsächlich nutzen. Die Frage nach der Importabhängigkeit setzt bei der Primärenergie an: Wie viel davon gewinnt Deutschland selbst, wie viel muss eingeführt werden?

    Die amtliche Energiebilanz gibt darauf eine klare Antwort. 2025 verbrauchte Deutschland 10.530 Petajoule Primärenergie. Im Inland gewonnen wurden davon 3.368 Petajoule, netto eingeführt 6.982 Petajoule. Das sind rund 66 Prozent. Diese Quote ist seit den 1990er Jahren erstaunlich stabil: Sie stieg von 57,5 Prozent (1990) auf einen Höchstwert von 74,4 Prozent (2001) und liegt seither meist zwischen 67 und 74 Prozent. Bemerkenswert ist vor allem, dass die absolute Importmenge deutlich gesunken ist – von rund 10.900 Petajoule im Jahr 2006 auf 6.982 Petajoule im Jahr 2025. Hauptgrund ist der insgesamt gesunkene Energieverbrauch.

    Die Abhängigkeit betrifft praktisch nur fossile Energieträger. Mineralöl wird zu 99 Prozent eingeführt, fossile Gase zu 94 Prozent, Kohlen zu 49 Prozent. Bei erneuerbaren Energien liegt die Importquote bei 0 Prozent, bei Strom bei 4 Prozent. In absoluten Zahlen entfielen die Importe 2025 auf Mineralöl (1.038 TWh), Erdgas (742 TWh), Steinkohle (205 TWh) und Strom (19 TWh). Öl und Gas machen zusammen knapp neun Zehntel aller Energieimporte aus.

    Bei den Lieferländern hat sich seit 2022 viel verändert. Russisches Rohöl, das 2021 noch 34 Prozent und 2022 noch 25 Prozent der deutschen Einfuhren ausmachte, wurde 2023 fast vollständig ersetzt – vor allem durch die USA, Norwegen und Libyen. Bei Steinkohle brachen die Einfuhren aus Russland 2023 um 96 Prozent ein; heute liefern überwiegend die USA, Australien und Kolumbien. Beim Erdgas floss 2024 kein russisches Pipelinegas mehr; Norwegen (48 Prozent), die Niederlande (25 Prozent) und Belgien (18 Prozent) deckten zusammen 91 Prozent der Importe. Über die neuen LNG-Terminals kamen 70 TWh oder rund 8 Prozent der Gasimporte, davon etwa 91 Prozent aus den USA. Im dritten Quartal 2025 stieg der LNG-Anteil auf 13,3 Prozent.

    Einen Sonderfall bildet die Kernenergie. Kernbrennstoff wurde vollständig importiert – 1990 im Umfang von 1.606 Petajoule, 2022 noch 379 und 2023 nur noch 79 Petajoule. Seit 2024 weist die Energiebilanz null aus. Aus welchen Ländern das Uran bezogen wurde, geht aus den hier verwendeten Quellen nicht hervor.

    Welche Wege beschreiben die Quellen, um Importe zu verringern? Erstens die heimische Erzeugung: Erneuerbare Energien sind der einzige Energieträger, dessen inländische Gewinnung seit 1990 kontinuierlich gestiegen ist – von 199 auf 2.198 Petajoule. Ihr Anteil an der gesamten inländischen Gewinnung wuchs von 3,2 auf 65,3 Prozent, während die Gewinnung insgesamt um 46 Prozent zurückging. Zweitens die Effizienz: Das Energieeffizienzgesetz sieht vor, den Endenergieverbrauch bis 2030 um 26,5 Prozent gegenüber 2008 zu senken. Jede eingesparte Kilowattstunde muss nicht importiert werden. Drittens die Diversifizierung: Der schnelle Aufbau von LNG-Kapazitäten und die Verlagerung auf Norwegen, die Niederlande und Belgien haben die Bezugsquellen verbreitert. Viertens Speicher und Netze: Deutschland verfügt über die größte Gasspeicherkapazität der EU (289 TWh Arbeitsgasvolumen, rechnerisch 80 Tage Vollversorgung); seit Herbst 2025 gilt ein durchschnittliches Füllstandsziel von rund 70 Prozent. Im Stromsystem gilt: Je mehr im Inland erzeugt wird, desto geringer der Importbeitrag – die Bundesnetzagentur weist für 2030 einen notwendigen Importbeitrag von nur 6,3 TWh aus, während marktliche Importe (aus Kostengründen) bei 146,7 TWh liegen. Deutschland könnte sich mit dem ermittelten Kraftwerkspark also weitgehend selbst versorgen.

    Zugleich zeigen die Quellen deutliche Grenzen. Die heimische Erdgasförderung fiel von 8,7 Milliarden Kubikmetern (2015) auf 4,4 Milliarden (2023) und deckte damit nur noch 6 Prozent der Nachfrage. Der Steinkohlebergbau endete 2018. Und der künftige Energieträger Wasserstoff wird nach den amtlichen Langfristszenarien überwiegend eingeführt: 2045 stehen im Szenario O45-H2 einer Nachfrage von 606 TWh Importe von 418 TWh gegenüber – eine Importquote von 69 Prozent (im Szenario O45-Strom 57 Prozent). Die IEA erwartet bereits für 2030 einen Importanteil von 50 bis 70 Prozent und verweist auf die 2024 beschlossene Importstrategie, deren erklärtes Ziel es ist, breit gestreute Lieferbeziehungen aufzubauen und neue Abhängigkeiten zu vermeiden.

    Was wir sicher wissen

    • Deutschland deckte 2025 rund 66 Prozent seines Primärenergieverbrauchs über Nettoimporte (6.982 von 10.530 Petajoule).
    • Die Importabhängigkeit betrifft fast ausschließlich fossile Energieträger: Mineralöl 99 Prozent, fossile Gase 94 Prozent, Kohlen 49 Prozent; erneuerbare Energien 0 Prozent.
    • Mineralöl (1.038 TWh) und Erdgas (742 TWh) machten 2025 den weit überwiegenden Teil der Energieimporte aus.
    • Die absolute Nettoeinfuhr ist seit 2006 von rund 10.900 auf 6.982 Petajoule gesunken – vor allem, weil der Energieverbrauch insgesamt zurückging.
    • Die inländische Energiegewinnung sank seit 1990 um 46 Prozent; erneuerbare Energien stellen mit 65,3 Prozent inzwischen den größten Teil davon.
    • Russisches Pipelinegas erreichte Deutschland 2024 nicht mehr; Norwegen, die Niederlande und Belgien lieferten 91 Prozent der 865 TWh Gasimporte.
    • Russisches Rohöl (2021: 34 Prozent der Einfuhren) wurde 2023 fast vollständig durch Lieferungen aus den USA, Norwegen und Libyen ersetzt.
    • Steinkohleimporte aus Russland fielen 2023 um 96 Prozent; Hauptlieferanten sind heute die USA, Australien und Kolumbien.
    • Kernbrennstoff wurde vollständig importiert; seit 2024 weist die Energiebilanz hierfür null aus.
    • Seit 2023 ist Deutschland Nettoimporteur von Strom (2024: 64,9 TWh Import, 37,6 TWh Export).
    • Deutschland hat mit 289 TWh Arbeitsgasvolumen die größte Gasspeicherkapazität der EU – rechnerisch 80 Tage Vollversorgung.
    • Das Energieeffizienzgesetz sieht eine Senkung des Endenergieverbrauchs bis 2030 um 26,5 Prozent gegenüber 2008 vor.

    Was wir nicht sicher wissen

    • Wie hoch die Importquote in zehn oder zwanzig Jahren liegt, hängt vom künftigen Energiebedarf ab – und dieser wiederum von Wirtschaftsentwicklung, Elektrifizierung und Effizienzfortschritten. Belastbare Messdaten hierfür gibt es naturgemäß nicht.
    • Die Wasserstoffzahlen für 2035 bis 2045 stammen aus Modellrechnungen (Langfristszenarien). Szenarien sind keine Prognosen: Sie zeigen, was unter bestimmten Annahmen zu Kosten, Technik und Ausbaugeschwindigkeit herauskäme.
    • Ob und wie schnell Wasserstoff tatsächlich per Pipeline oder Schiff verfügbar sein wird, hängt von internationalen Infrastrukturprojekten und Handelsbeziehungen ab, über deren Realisierung die Quellen keine Aussage treffen.
    • Wie sich Weltmarktpreise für Öl, Gas und Kohle entwickeln, ist offen. Die IEA hält fest, dass Deutschland auch bei breiterer Diversifizierung über LNG hohen Gaspreisen ausgesetzt bleibt.
    • Geopolitische Veränderungen können Lieferbeziehungen kurzfristig verschieben – das hat der Wegfall russischer Lieferungen ab 2022 gezeigt. Solche Ereignisse lassen sich nicht vorhersagen.
    • Über die Herkunftsländer des früher importierten Urans machen die hier verwendeten Quellen keine Angaben.
    • Zu kritischen Rohstoffen für Energietechnologien – etwa Metalle für Batterien, Windkraftanlagen oder Elektrolyseure – enthalten die ausgewerteten Quellen keine belastbaren Angaben. Auch zum Recycling solcher Rohstoffe treffen sie keine Aussagen. Diese Seite kann dazu deshalb nichts belegen.
    • Ein systematischer Vergleich der Importabhängigkeit Deutschlands mit anderen europäischen Ländern ist auf Basis der verwendeten Quellen nicht möglich.

    Warum diese Antwort nicht ganz einfach ist

    „Unabhängiger werden“ klingt nach einer einzigen Stellschraube. Tatsächlich hängt die Importquote von mehreren Größen ab, die sich gegenseitig beeinflussen – und die sich unterschiedlich schnell verändern lassen.

    1. 01

      Zähler und Nenner

      Die Importquote ist ein Verhältnis: Importe geteilt durch Verbrauch. Sie sinkt sowohl, wenn mehr im Inland erzeugt wird, als auch, wenn insgesamt weniger Energie verbraucht wird. Zwischen 2006 und 2025 ist die absolute Importmenge um mehr als ein Drittel gefallen, die Quote aber nur um rund sieben Prozentpunkte – weil auch der Verbrauch stark sank.

    2. 02

      Nicht jeder Energieträger ist ersetzbar

      Strom aus Wind und Sonne ersetzt importierte Kohle und Gas in der Stromerzeugung direkt. Mineralöl im Verkehr oder Gas in der Industrie lassen sich dagegen nur ersetzen, wenn zugleich Fahrzeuge, Heizungen und Produktionsanlagen umgestellt werden.

    3. 03

      Heimische Vorkommen sind begrenzt

      Die deutsche Erdgasförderung deckte 2023 nur noch 6 Prozent der Nachfrage und geht seit Jahren zurück. Der Steinkohlebergbau endete 2018. Eine nennenswerte Ausweitung heimischer fossiler Förderung beschreiben die Quellen nicht.

    4. 04

      Neue Energieträger, neue Importe

      Wasserstoff soll Erdgas in Teilen ersetzen. Nach den Langfristszenarien wird er aber selbst überwiegend importiert – 2045 zu 57 bis 69 Prozent. Importabhängigkeit verschiebt sich damit, statt zu verschwinden.

    5. 05

      Physische und marktliche Importe

      Ein Teil der Importe ist nicht technisch nötig, sondern ökonomisch günstig. Die Bundesnetzagentur beziffert den für 2030 notwendigen Stromimportbeitrag auf 6,3 TWh, die marktlichen Importe aber auf 146,7 TWh. Deutschland importiert Strom also überwiegend, weil er im Ausland zeitweise billiger ist.

    6. 06

      Transit ist kein Verbrauch

      Deutschland leitet zunehmend Gas an Österreich, Tschechien, die Schweiz und weitere Länder weiter. Solche Mengen erscheinen in den Rohdaten als Import, werden aber nicht im Inland verbraucht. Die Nettoeinfuhr rechnet Ausfuhren deshalb heraus.

    Häufige Missverständnisse

    Energieunabhängigkeit bedeutet, dass Deutschland keinerlei Energie mehr importiert.

    Vollständige Energieautarkie beschreibt keine der ausgewerteten Quellen als realistisches Ziel. Selbst in den Langfristszenarien für 2045 werden große Mengen Wasserstoff eingeführt. Beschrieben werden geringere Abhängigkeit und breitere Diversifizierung.

    Erneuerbare Energien machen Deutschland vollständig unabhängig.

    Erneuerbare haben eine Importquote von 0 Prozent und stellen 65,3 Prozent der inländischen Energiegewinnung. Sie ersetzen damit importierte fossile Energie. Gleichzeitig rechnen die Szenarien für 2045 mit Wasserstoffimporten von 418 TWh.

    Deutschland könnte seine gesamte Energie selbst erzeugen.

    Wie viel Eigenversorgung möglich ist, hängt von Energiebedarf, Technik, Flächen und internationalen Lieferketten ab. Die inländische Gewinnung lag 2025 bei 3.368 Petajoule – einem Drittel des Verbrauchs von 10.530 Petajoule.

    Energieimporte sind grundsätzlich negativ.

    Internationale Energiemärkte gehören seit Jahrzehnten zur Versorgung von Industrieländern. Beim Strom weist die Bundesnetzagentur aus, dass ein großer Teil der Importe nicht nötig, sondern schlicht günstiger ist. Entscheidend sind Umfang, Diversifizierung und Versorgungssicherheit.

    Die Importabhängigkeit ist in den letzten Jahren stark gestiegen.

    Das Gegenteil trifft zu. Die Nettoimportquote lag 2001 bei 74,4 Prozent und 2025 bei 66,3 Prozent. Die absolute Nettoeinfuhr sank von rund 10.900 Petajoule (2006) auf 6.982 Petajoule (2025).

    Deutschland bezieht immer noch russisches Gas über Pipelines.

    Der Monitoringbericht Energie 2025 weist für 2024 russische Pipelinegaslieferungen von 0 TWh aus. Die Hauptbezugsländer waren Norwegen, die Niederlande und Belgien mit zusammen 786 von 865 TWh.

    Weil Deutschland Strom importiert, ist die Stromversorgung von Nachbarländern abhängig.

    Die Bundesnetzagentur beziffert den für die Versorgungssicherheit notwendigen Importbeitrag im Jahr 2030 auf 6,3 TWh – gegenüber marktlichen Importen von 146,7 TWh. Deutschland könnte sich mit dem ermittelten Kraftwerkspark nach dieser Analyse fast vollständig selbst versorgen, tut es aus Kostengründen aber nicht.

    Der Weiterbetrieb von Kernkraftwerken hätte Importe vermieden.

    Kernbrennstoff wurde vollständig eingeführt: 1990 im Umfang von 1.606 Petajoule, 2022 noch 379 Petajoule. Kernenergie war in der deutschen Energiebilanz also selbst ein Importenergieträger.

    LNG hat Deutschland unabhängig gemacht.

    LNG deckte 2024 rund 8 Prozent der Gasimporte (70 TWh), im dritten Quartal 2025 rund 13,3 Prozent. Rund 91 Prozent davon kamen aus den USA. LNG verbreitert die Bezugsquellen, ersetzt aber keine Importe.

    Wasserstoff löst das Importproblem.

    Nach den Langfristszenarien liegt die Wasserstoff-Importquote 2045 bei 69 Prozent (Szenario O45-H2) beziehungsweise 57 Prozent (O45-Strom). Die IEA erwartet bereits 2030 einen Importanteil von 50 bis 70 Prozent.

    Energiesparen hat mit Importabhängigkeit nichts zu tun.

    Doch – unmittelbar. Der stärkste Treiber des Importrückgangs seit 2006 war der sinkende Energieverbrauch. Das Energieeffizienzgesetz zielt auf 26,5 Prozent weniger Endenergieverbrauch bis 2030 gegenüber 2008.

    Deutschland hat keine Vorsorge für Lieferausfälle.

    Deutschland verfügt über rund 40 Gasspeicher mit 289 TWh Arbeitsgasvolumen – die größte Kapazität der EU und rechnerisch 80 Tage Vollversorgung. Seit Herbst 2025 gilt ein durchschnittliches Füllstandsziel von rund 70 Prozent zum 1. November.

    Auf einen Blick

    Deutschland deckt rund zwei Drittel seines Primärenergieverbrauchs mit Importen – nahezu ausschließlich fossile Energieträger. Die Datenlage zeigt einen klaren Zusammenhang: Weniger Verbrauch und mehr heimische erneuerbare Erzeugung senken die Importmenge unmittelbar, denn Erneuerbare haben eine Importquote von 0 Prozent und stellen inzwischen 65 Prozent der inländischen Energiegewinnung. Vollständige Unabhängigkeit beschreibt keine der ausgewerteten Quellen als erreichbar: Heimische fossile Vorkommen gehen zurück, und der künftige Energieträger Wasserstoff wird nach den amtlichen Szenarien selbst zu 57 bis 69 Prozent eingeführt. Realistisch beschrieben wird deshalb ein anderes Ziel – geringere Abhängigkeit, breiter gestreute Lieferbeziehungen und mehr eigene Erzeugung.

    Evidenzgrad
    Gut belegt

    Die zentralen Aussagen beruhen auf amtlichen und anerkannten Primärquellen: der Energiebilanz der AG Energiebilanzen (Messdaten 1990–2025), dem Monitoringbericht Energie 2025 von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt, dem Energy Policy Review der Internationalen Energieagentur und dem Bericht zur Versorgungssicherheit Strom 2025. Importquoten, Importmengen, Lieferländer und die Entwicklung der inländischen Gewinnung sind damit durchgängig belegt. Zukunftsbezogene Angaben zu Wasserstoff stammen aus Modellrechnungen und sind als Szenarien gekennzeichnet. Nicht belegbar sind auf dieser Quellengrundlage Aussagen zu kritischen Rohstoffen, zu deren Recycling sowie ein europäischer Vergleich der Importabhängigkeit – diese Punkte bleiben ausdrücklich offen.

    Datenstand
    Energiebilanzdaten 1990 bis 2025 (Werte für 2025 vorläufig), Gas- und Strommarktdaten 2024 mit Ergänzungen bis Quartal 3/2025, Szenarien bis 2045
    Letzte Aktualisierung
    29. Juli 2026

    Quellen

    1. 1

      Auswertungstabellen zur Energiebilanz Deutschland 1990–2025

      AG Energiebilanzen e. V. (AGEB) · 2026

      Primärenergiegewinnung im Inland, Einfuhr, Ausfuhr und Nettoeinfuhr nach Energieträgern sowie Primärenergieverbrauch, jeweils 1990 bis 2025. Grundlage für Importquote, Importmengen, Kernbrennstoffeinfuhr und Anteil erneuerbarer Energien an der inländischen Gewinnung. Werte für 2025 vorläufig.

      Quelle öffnen
    2. 2

      Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2025

      Agora Energiewende · 2026

      Abbildung 3_3 (Importquoten nach Energieträgern 2025), Abbildung 3_4 (Importmix Primärenergie und Strom 2025), Kapitelabschnitt „Energieimporte“ zu Gasbezugsländern, LNG-Anteilen, Transitrolle und Gasspeicherfüllständen.

    3. 3

      Monitoringbericht Energie 2025

      Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt · 2025

      Erdgasimporte und -exporte 2024 einschließlich Lieferländern und LNG-Mengen, inländische Erdgasförderung, Arbeitsgasvolumen und Füllstandsvorgaben der Gasspeicher, Stromhandelsvolumen sowie Import- und Exportmengen 2024.

    4. 4

      Germany 2025 – Energy Policy Review

      Internationale Energieagentur (IEA) · 2025

      Herkunft der Rohöl- und Steinkohleimporte vor und nach 2022, Rückgang der heimischen Erdgasförderung, LNG-Terminalkapazitäten, Ziel des Energieeffizienzgesetzes sowie Angaben zur künftigen Wasserstoffimportquote und zur Importstrategie von 2024.

    5. 5

      Bericht zur Versorgungssicherheit Strom 2025

      Bundesnetzagentur · 2025

      Notwendiger Importbeitrag zur Lastdeckung gegenüber marktlichen Stromimporten in den Zielszenarien für 2030 und 2035.

    6. 6

      Szenarien O45 – Energieangebot

      Langfristszenarien (LFS3) · 2025

      Wasserstoffnachfrage und Wasserstoffimporte in den Stützjahren 2030, 2035, 2040 und 2045 sowie Importquoten in den Szenarien O45-H2 und O45-Strom.

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    Kein Bullshit. Nur Fakten. Einfach erklärt.

    Alle Angaben auf dieser Seite stammen aus offen zugänglichen Quellen und sind nachvollziehbar belegt. Wie wir arbeiten, steht in unserer Methodik.