Wie entwickelt sich die Gewaltkriminalität?
- Autor:
- politfacts
- Veröffentlicht:
- 28. Juli 2026
- Letzte Aktualisierung:
- 28. Juli 2026
- Lesedauer:
- ca. 9 Minuten
Worum geht es hier?
Die polizeilich registrierte Gewaltkriminalität ist zwischen 2010 und 2025 nicht einfach gestiegen oder gesunken – sie verlief in einer ausgeprägten U-Form: erst über ein Jahrzehnt rückläufig, dann ab 2022 stark ansteigend, 2025 erstmals wieder leicht sinkend. Diese Seite zeigt den Verlauf nach Jahren und Deliktgruppen, ohne Bewertung und ohne Ursachenzuschreibung.
- Wie sich die Fallzahlen von 2010 bis 2025 entwickelt haben.
- Warum 2021 der Tiefpunkt und 2024 der Höchststand war.
- Wie unterschiedlich sich einzelne Deliktgruppen entwickelt haben.
- Was in den Corona-Jahren 2020 und 2021 sichtbar wurde.
- Wie stark die Aussage vom gewählten Vergleichsjahr abhängt.
- Welche Ursachen aus diesen Daten nicht ableitbar sind.
Kurz erklärt
Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) weist für 2025 bundesweit 212.335 Fälle von Gewaltkriminalität aus – 5,5 Prozent mehr als 2010 und 2,3 Prozent weniger als 2024.
Der Verlauf war keine kontinuierliche Zunahme: Von 201.243 Fällen (2010) sank die Zahl bis 2021 auf den Tiefpunkt von 164.646 Fällen und stieg danach bis zum Höchststand von 217.277 Fällen (2024).
Die Teilbereiche entwickelten sich unterschiedlich: Raub lag 2025 langfristig unter, gefährliche und schwere Körperverletzung über dem Niveau von 2010.
Eine Aussage über einen allgemeinen, ununterbrochenen Anstieg aller Gewalt- und Sexualdelikte wird von den PKS-Reihen nicht getragen.
Das Wichtigste auf einen Blick
2025 registrierte die PKS 212.335 Fälle von Gewaltkriminalität – über dem Ausgangsniveau von 2010, aber unter dem Höchststand von 2024.
Zwischen 2010 und 2021 sank die Zahl um 18,2 Prozent auf 164.646 Fälle – den Tiefpunkt des gesamten Untersuchungszeitraums.
Die stärkste Veränderung erfolgte 2022: plus 32.556 Fälle beziehungsweise 19,8 Prozent gegenüber 2021.
Gefährliche und schwere Körperverletzung (73,0 Prozent) sowie Raub (18,9 Prozent) machen zusammen 91,9 Prozent der Gewaltkriminalität aus und prägen die Gesamtentwicklung.
Kleine und große Deliktgruppen bewegen sich gegenläufig: 2025 stiegen Mord, Totschlag und schwere Sexualdelikte, während die Gesamtzahl sank.
Kurzfristige Ausschläge sind keine Trends: Je nach Vergleichsjahr ergibt dieselbe Zahl 2025 ein Plus von 5,5, 17,3 oder 29,0 Prozent – oder ein Minus von 2,3 Prozent.
Zahlen & Fakten
Die Datenlage
- Fälle von Gewaltkriminalität im Jahr 2025
- 212.335
- Veränderung gegenüber 2010 (201.243 Fälle)
- +5,5 %
- Veränderung gegenüber 2024 – erster Rückgang seit 2021
- −2,3 %
- Fälle im Tiefpunktjahr 2021 – 18,2 Prozent unter 2010
- 164.646
- Stärkster Jahresanstieg des Zeitraums: 2022 gegenüber 2021
- +19,8 %
- Anteil von gefährlicher/schwerer Körperverletzung und Raub an der Gewaltkriminalität 2025
- 91,9 %
PKS-Summenschlüssel 892000; die vorsätzliche einfache Körperverletzung gehört nicht dazu.
Ein moderater Nettoanstieg, der die ausgeprägte U-Form des Verlaufs verdeckt.
4.942 Fälle weniger als beim Höchststand von 217.277 Fällen im Jahr 2024.
Gegenüber diesem Tiefpunkt lag 2025 um 29,0 Prozent höher.
Plus 32.556 Fälle auf 197.202; 2023 folgten weitere plus 8,6 Prozent.
195.121 von 212.335 Fällen. Veränderungen dieser beiden Reihen prägen die Gesamtzahl.
Gewaltkriminalität 2010–2025: erst Rückgang, dann Wiederanstieg
Erfasste Fälle des PKS-Summenschlüssels 892000, Bundesgebiet
Fälle
Zwischen 2010 und 2015 sank die Zahl von 201.243 auf 181.386 Fälle, 2016 folgte ein Anstieg auf 193.542. Danach nahm sie bis zum Tiefpunkt 2021 (164.646) erneut ab. 2024 wurde der Höchstwert des Zeitraums erreicht, 2025 ging die Zahl erstmals seit 2021 zurück.
Quelle: BKA, PKS 2025, T01-ZR-Bund-Fälle; politfacts-Bericht, Kapitel 4, Tabellen 4.3 und 4.4.
Vor, während und nach den Corona-Jahren
Gewaltkriminalität, Raub und Körperverletzung insgesamt, erfasste Fälle 2019 bis 2025
Fälle
- Gewaltkriminalität
- Körperverletzung insgesamt
- Raub
Gewaltkriminalität, Körperverletzung und Raub gingen 2020 und besonders 2021 zurück und stiegen 2022 und 2023 gleichzeitig deutlich an. Dieses Muster fällt zeitlich mit den pandemiebedingten Einschränkungen und der späteren Normalisierung von Mobilität und Kontakten zusammen. Der Befund lautet „zeitlich konsistent“, nicht „kausal bewiesen“.
Quelle: BKA, PKS 2025, T01-ZR-Bund-Fälle; politfacts-Bericht, Kapitel 4, Tabelle 4.4 und Abschnitt 4.10.
Woraus die Gewaltkriminalität 2025 besteht
Bestandteile des Summenschlüssels 892000, erfasste Fälle 2025
Fälle
Angriff auf den Luft- und Seeverkehr wurde 2025 mit 0 Fällen ausgewiesen. Gefährliche/schwere Körperverletzung und Raub machen zusammen 195.121 Fälle beziehungsweise 91,9 Prozent aus – ein Anstieg kleinerer Deliktgruppen kann daher mit einem Rückgang der Gesamtzahl zusammenfallen.
Quelle: Eigene Berechnung nach BKA, PKS 2025, T01-ZR-Bund-Fälle; politfacts-Bericht, Kapitel 4, Tabelle 4.5.
Deliktgruppen entwickeln sich nicht parallel
Veränderung 2010 bis 2025 in Prozent, jeweils erfasste Fälle
Veränderung in Prozent
Die Sexualdeliktreihen sind aus diesem Langfristvergleich ausgeschlossen, weil die Reform des Sexualstrafrechts 2016 und ihre Umsetzung in der PKS 2017/2018 den Deliktsumfang veränderten. Ein Index über diesen Bruch hinweg würde eine Genauigkeit vortäuschen, die die amtlichen Hinweise ausdrücklich verneinen.
Quelle: Eigene Berechnung nach BKA, PKS 2025, T01-ZR-Bund-Fälle; politfacts-Bericht, Kapitel 4, Tabelle 4.9 und Abschnitt 4.8.
Dieselbe Zahl 2025 – vier Vergleichsmaßstäbe
Veränderung der Gewaltkriminalität (212.335 Fälle) gegenüber vier Referenzjahren
Veränderung in Prozent
Alle vier Angaben beschreiben dieselbe Fallzahl des Jahres 2025. Welche Aussage entsteht, hängt maßgeblich vom gewählten Ausgangsjahr ab. Erst mehrere Referenzjahre gemeinsam bilden die Zeitreihe vollständig ab.
Quelle: politfacts-Bericht, Kapitel 4, Tabelle 4.9 und Abschnitt 4.1.
Auch bevölkerungsbezogen bleibt das Muster sichtbar
Häufigkeitszahl der Gewaltkriminalität: Fälle je 100.000 Einwohner, ausgewiesene Referenzwerte
Fälle je 100.000 Einwohner
Die Häufigkeitszahl folgt grundsätzlich dem Verlauf der absoluten Fallzahl. Der Rückgang von 2024 auf 2025 beträgt innerhalb derselben Zensus-2022-Basis 2,4 Prozent. Für den Vergleich 2010 bis 2025 ist die Häufigkeitszahl wegen der Basiswechsel 2013 und 2024 nur ergänzend zu verwenden; der Bericht weist nur diese vier Werte aus.
Quelle: BKA, PKS 2025, T01-ZR-Bund-Fälle; politfacts-Bericht, Kapitel 4, Abschnitt 4.1 und 4.10.
Was bedeuten diese Zahlen?
Die Gewaltkriminalität ist in der PKS kein Oberbegriff für jede gewaltsame Tat, sondern der amtliche Summenschlüssel 892000 aus neun Deliktsgruppen. Dazu gehören Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen, schwere Sexualdelikte, Raub, Körperverletzung mit Todesfolge, gefährliche und schwere Körperverletzung, erpresserischer Menschenraub, Geiselnahme sowie Angriff auf den Luft- und Seeverkehr. Die vorsätzliche einfache Körperverletzung ist ausdrücklich nicht enthalten.
Für 2025 weist die PKS 212.335 Fälle aus. Gegenüber 2010 sind das 11.092 Fälle oder 5,5 Prozent mehr. Dieser Endpunktvergleich verdeckt jedoch den tatsächlichen Verlauf: Bis 2015 sank die Zahl auf 181.386 Fälle, 2016 stieg sie auf 193.542, danach nahm sie bis 2021 erneut ab. Der Tiefpunkt lag 2021 bei 164.646 Fällen – 18,2 Prozent unter 2010.
Die stärkste Veränderung des gesamten Zeitraums erfolgte 2022 mit einem Plus von 32.556 Fällen oder 19,8 Prozent. 2023 kamen weitere 8,6 Prozent hinzu, 2024 wurde mit 217.277 Fällen der Höchststand erreicht. 2025 sank die Zahl erstmals seit 2021 wieder, um 4.942 Fälle beziehungsweise 2,3 Prozent. Der Verlauf hat damit eine ausgeprägte U-Form: erst ein mehrjähriger Rückgang, dann ein sehr deutlicher Wiederanstieg nach 2021.
Genau deshalb sagt ein einzelnes Jahr wenig aus. Gegenüber 2019 lag 2025 um 17,3 Prozent höher, gegenüber 2021 um 29,0 Prozent – gegenüber 2024 dagegen um 2,3 Prozent niedriger. Alle vier Werte beschreiben dieselbe Fallzahl. Ob eine Entwicklung als Anstieg oder Rückgang erscheint, hängt maßgeblich vom gewählten Ausgangsjahr ab. Der Bericht ordnet 2025 deshalb als „über 2010, unter dem Höchststand 2024“ ein.
Auch die Deliktgruppen verlaufen nicht gleichförmig. Körperverletzung insgesamt lag 2025 bei 617.257 Fällen und damit 13,6 Prozent über 2010, aber 1,4 Prozent unter 2024. Mord lag mit 784 Fällen 13,3 Prozent über 2010, jedoch unter dem Höchstwert von 901 Fällen aus dem Jahr 2018. Raub lag mit 40.119 Fällen 16,7 Prozent unter 2010, aber 33,2 Prozent über dem Tiefpunkt 2021. Weil gefährliche und schwere Körperverletzung sowie Raub 91,9 Prozent der Gesamtzahl ausmachen, prägen ihre Bewegungen das Gesamtbild – 2025 sanken sie, während Mord, Totschlag und schwere Sexualdelikte zunahmen.
Bei der Bewertung müssen relative und absolute Veränderungen zusammen gelesen werden: Ein Plus von 7,4 Prozent bei Mord entsprach 2025 54 zusätzlichen Fällen, ein Minus von 2,0 Prozent bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung dagegen 3.175 Fällen. Kleine Reihen schwanken prozentual stark; 79 der 784 Mordfälle des Jahres 2025 entfielen auf eine einzige Berliner Tatserie, also 10,1 Prozent.
Was wir sicher wissen
- 2025 registrierte die PKS 212.335 Fälle von Gewaltkriminalität; 5,5 Prozent mehr als 2010 und 2,3 Prozent weniger als 2024 (Evidenzgrad A · sehr gut belegt).
- Der Tiefpunkt des Untersuchungszeitraums lag 2021 bei 164.646 Fällen, 18,2 Prozent unter 2010.
- 2022 stieg die Zahl gegenüber 2021 um 32.556 Fälle beziehungsweise 19,8 Prozent auf 197.202, 2023 um weitere 8,6 Prozent auf 214.099.
- 2024 wurde mit 217.277 Fällen der Höchstwert des Zeitraums erreicht; 2025 ging die Zahl erstmals seit 2021 zurück.
- Gegenüber 2019 lag die Gewaltkriminalität 2025 um 17,3 Prozent höher, gegenüber 2021 um 29,0 Prozent.
- Raub lag 2025 langfristig unter, gefährliche und schwere Körperverletzung über dem Niveau von 2010 (Evidenzgrad A · sehr gut belegt).
- Gefährliche und schwere Körperverletzung (155.002 Fälle) und Raub (40.119 Fälle) machten 2025 zusammen 91,9 Prozent der Gewaltkriminalität aus.
- Gewaltkriminalität, Körperverletzung und Raub gingen 2020 und besonders 2021 zurück und stiegen 2022 und 2023 gleichzeitig deutlich an.
- Die Häufigkeitszahl sank von 246,0 Fällen je 100.000 Einwohner (2010) auf 198,0 (2021), stieg bis 2024 auf 260,3 und lag 2025 bei 254,1.
- Eine Aussage über einen allgemeinen, ununterbrochenen Anstieg aller Gewalt- und Sexualdelikte wird von den PKS-Reihen nicht getragen.
Was wir nicht sicher wissen
- Die PKS allein identifiziert keine kausalen Ursachen der beobachteten Entwicklung (Evidenzgrad D · derzeit nicht eindeutig belegbar).
- Wie groß der Anteil pandemiebedingt veränderter Kontakte und Tatgelegenheiten am Rückgang 2020/2021 und am Anstieg 2022/2023 war, lässt sich nicht quantifizieren – der Befund ist zeitlich konsistent, nicht kausal bewiesen.
- Wie viel der langfristigen Veränderung auf tatsächliches Verhalten, Anzeigebereitschaft, Kontrollintensität, Rechtsänderungen oder geänderte Erfassung entfällt, ist aus der PKS nicht zerlegbar.
- Die Sexualdeliktreihe ist über die Reform 2017/2018 hinweg nur eingeschränkt vergleichbar (Evidenzgrad B); der Anteil einer „realen“ Zunahme seit 2010 ist nicht bestimmbar.
- Eine bundesweit valide Messer-Gesamtreihe für 2010 bis 2023 existiert nicht (Evidenzgrad D); die Gesamtzahl wurde erstmals für 2024 veröffentlicht.
- Wie sich die gesamte tatsächlich begangene Gewaltkriminalität entwickelt hat, zeigt die Statistik nicht – sie bildet nur das polizeilich registrierte Hellfeld ab.
- Fallzahlen sind keine Opfer-, Täter- oder Verurteiltenzahlen; bei Mord und Totschlag sind Versuche enthalten und die Fallzahl ist keine Todesfallzahl.
Warum diese Antwort nicht ganz einfach ist
Eine Kriminalitätsreihe misst nicht nur Verhalten, sondern auch, wie viel davon angezeigt, kontrolliert, rechtlich eingeordnet und statistisch erfasst wird. Der PKS-Bericht nennt fünf allgemeine Einflussgrößen: Anzeigeverhalten, polizeiliche Kontrollintensität, Änderungen der statistischen Erfassung, Änderungen des Strafrechts und echte Kriminalitätsänderungen. Welche davon in welchem Umfang wirkt, zeigt die Statistik selbst nicht.
- 01
Anzeigeverhalten verschiebt die Grenze zum Dunkelfeld
Eine Tat erscheint nur in der PKS, wenn sie der Polizei bekannt und endbearbeitet wird. Steigt die Anzeigebereitschaft, können die Fallzahlen zunehmen, obwohl die tatsächliche Zahl der Taten unverändert bleibt. Eine vollständige jährliche Anzeigequote enthält die PKS nicht.
- 02
Kontakte, Mobilität und die Pandemiejahre
Der gemeinsame Rückgang kontakt- und gelegenheitsabhängiger Delikte 2020/2021 und ihr Wiederanstieg 2022/2023 ist mit den pandemiebedingten Veränderungen von Mobilität und Tatgelegenheiten vereinbar. Die PKS kann aber nicht bestimmen, wie viele Fälle ohne diese Einschränkungen registriert worden wären.
- 03
Rechts- und Erfassungsänderungen verändern den Messgegenstand
Bei Sexualdelikten erweiterten neue und geänderte Straftatbestände die statistische Abgrenzung; die PKS-Kataloge wurden 2017 und 2018 angepasst. Bei Messerangriffen betrifft der Bruch die bundesweite Erfassung ab 2020 mit eingeschränkter Validität bis 2023.
- 04
Bevölkerungsbezug hilft nur teilweise
Die Häufigkeitszahl kontrolliert allein für die Bevölkerungsgröße. Sie erklärt weder Altersstruktur noch räumliche Verteilung, Tatgelegenheiten oder Anzeigeverhalten. Zusätzlich wechselte die Nennerbasis 2013 und 2024.
- 05
Berichtsjahr ist nicht Tatjahr
Die PKS zählt bei Abschluss der polizeilichen Bearbeitung. Bei den 2025 registrierten schweren Sexualdelikten lag die Tatzeit in 46,1 Prozent der Fälle im Jahr 2024 oder früher. Jahresveränderungen sind damit auch Veränderungen der Endbearbeitung.
- 06
Einzelne Fallkomplexe verändern kleine Reihen
79 Mordfälle des Berichtsjahres 2025 wurden einer Berliner Tatserie zugeordnet – bei 784 Fällen bundesweit sind das 10,1 Prozent. Bei den viel größeren Körperverletzungsreihen fällt derselbe absolute Umfang statistisch kaum ins Gewicht.
Häufige Missverständnisse
„Ein einzelnes Jahr zeigt den langfristigen Trend.“
Nein. Erst mehrere Jahre ermöglichen eine belastbare Einordnung. Dieselbe Fallzahl 2025 bedeutet gegenüber 2010 ein Plus von 5,5 Prozent, gegenüber 2019 von 17,3 Prozent, gegenüber 2021 von 29,0 Prozent und gegenüber 2024 ein Minus von 2,3 Prozent.
„Mehr registrierte Straftaten bedeuten automatisch mehr tatsächliche Kriminalität.“
Nein. Änderungen können auch durch Anzeigeverhalten, polizeiliche Kontrollintensität, geänderte Erfassung oder Rechtsänderungen entstehen. Die PKS bildet nur das polizeilich bekannte Hellfeld ab.
„Die Gewaltkriminalität ist seit 2010 durchgehend gestiegen.“
Nein. Die Zahl sank von 201.243 Fällen (2010) bis auf 164.646 Fälle (2021) und stieg erst danach wieder an. Der Nettoanstieg von 5,5 Prozent über die gesamte Spanne verdeckt diese ausgeprägte U-Form.
„Alle Gewaltdelikte entwickeln sich in dieselbe Richtung.“
Nein. Raub lag 2025 um 16,7 Prozent unter dem Niveau von 2010, gefährliche und schwere Körperverletzung um 8,5 Prozent darüber. 2025 stiegen Mord, Totschlag und schwere Sexualdelikte, während die Gesamtzahl zurückging.
„„Gewaltkriminalität“ umfasst jede Form von Gewalt.“
Nein. Gewaltkriminalität ist der technische PKS-Summenschlüssel 892000 aus neun Deliktsgruppen. Die vorsätzliche einfache Körperverletzung gehört ausdrücklich nicht dazu. Eine allgemeine Aussage über „Gewalt“ außerhalb dieser Definition ist aus den Daten nicht ableitbar.
„Ein Prozentwert reicht zur Bewertung einer Deliktgruppe.“
Nein. Prozentwerte schwanken bei kleinen Reihen stark. Plus 7,4 Prozent bei Mord waren 2025 54 zusätzliche Fälle, minus 2,0 Prozent bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung dagegen 3.175 Fälle. Relative und absolute Veränderung müssen gemeinsam gelesen werden.
„Die Fallzahlen bei Mord und Totschlag geben die Zahl der Getöteten an.“
Nein. Die PKS zählt auch Versuche: 2025 waren 498 der 784 Mordfälle Versuche, bei Totschlag und Tötung auf Verlangen lag der Versuchsanteil bei 80,5 Prozent. Die Fallzahl ist keine Todesfallzahl.
Auf einen Blick
Die registrierte Gewaltkriminalität lag 2025 mit 212.335 Fällen über dem Niveau von 2010, deutlich über dem Tiefpunkt von 2021, zugleich aber unter dem Höchststand von 2024. Die Teilbereiche entwickelten sich unterschiedlich – ein allgemeiner, ununterbrochener Anstieg lässt sich aus den PKS-Reihen nicht ableiten.
- Evidenzgrad
- Gut belegt
Die Fallzahlen, Zeitreihen und Veränderungsraten stammen unmittelbar aus den amtlichen PKS-Reihen des Bundeskriminalamts. Der Bericht führt das Kapitel mit Evidenzgrad B · gut belegt, mit Einschränkungen: Die Kernbefunde zur Entwicklung sind mit Evidenzgrad A eingestuft, die Sexualdeliktreihe ist über 2017/2018 nur eingeschränkt vergleichbar und eine Messer-Gesamtreihe vor 2024 fehlt.
- Datenstand
- Berichtsjahre 2010 bis 2025 der PKS. Grundlage der numerischen Zeitreihen ist die PKS-Tabelle T01 „Grundtabelle – ohne Tatortverteilung“, Version 1.1 vom 8. April 2026.
- Letzte Aktualisierung
- 28. Juli 2026
Quellen
- 1
Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, Tabelle T01 „Grundtabelle – ohne Tatortverteilung“ (Version 1.1 vom 8. April 2026)
Bundeskriminalamt · 2026
Grundlage aller Fallreihen, Häufigkeitszahlen und Summenschlüssel 2010 bis 2025.
Quelle öffnen - 2
PKS-Bericht 2025, insbesondere Kapitel 2 und 4.4.1
Bundeskriminalamt · 2026
Abgrenzungen der Deliktsschlüssel, Einflussgrößen der registrierten Kriminalität und Hinweise zu Messerangriffen.
- 3
PKS-Bericht 2024
Bundeskriminalamt · 2025
Vergleichswerte des Vorjahres, insbesondere zu Messerangriffen.
- 4
Hinweise zu den Zeitreihen 2025
Bundeskriminalamt · 2026
Amtliche Vergleichbarkeitshinweise zu Rechts- und Erfassungsbrüchen sowie zur Zensusbasis.
- 5
Migration, Gewaltkriminalität und Remigration, Kapitel 4: Gewaltkriminalität in Deutschland 2010–2025, Version 1.0
politfacts research · 2026
Grundlage dieser Wissensseite. Alle Angaben stammen ausschließlich aus diesem Bericht.
Weiterlesen
Was sagt die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) aus?
Hellfeld, Dunkelfeld, Zähleinheiten und Datenbrüche: die methodische Grundlage aller Kriminalitätszahlen.
Was ist der Unterschied zwischen Tatverdächtigen und Verurteilten?
Polizeilicher Tatverdacht, gerichtliche Verurteilung und warum beide Statistiken nicht verrechnet werden dürfen.
Werden Ausländer häufiger straffällig?
Anteile, Belastungszahlen und was die PKS über Staatsangehörigkeit aussagen kann – und was nicht.
Messerangriffe in Deutschland
Fallzahlen der PKS 2025, Anteile an den Gewaltdelikten und die Grenzen der Erfassung.
Kein Bullshit. Nur Fakten. Einfach erklärt.
Alle Angaben auf dieser Seite stammen aus offen zugänglichen Quellen und sind nachvollziehbar belegt. Wie wir arbeiten, steht in unserer Methodik.