Welche Faktoren beeinflussen Kriminalität?
- Autor:
- politfacts
- Veröffentlicht:
- 28. Juli 2026
- Letzte Aktualisierung:
- 28. Juli 2026
- Lesedauer:
- ca. 9 Minuten
Worum geht es hier?
Kriminalität hat keine einzelne Ursache. Der politfacts-Bericht benennt eine ganze Reihe von Einflussgrößen – Alter, Geschlecht, soziale und aufenthaltsbezogene Lebenslage, Wohnumfeld, Mehrfachregistrierung sowie Anzeige-, Kontroll- und Erfassungsprozesse. Diese Seite zeigt, welche dieser Faktoren mit Zahlen belegt sind, wie sie zusammenwirken und warum der Erklärungsanteil einzelner Faktoren offenbleibt. Es erfolgt keine politische Bewertung und keine Handlungsempfehlung.
- Welche Einflussgrößen der Bericht überhaupt benennt.
- Wie stark Alter und Geschlecht die registrierten Zahlen prägen.
- Warum ein Teil der Unterschiede aus Anzeige und Kontrolle stammen kann.
- Was Mehrfachregistrierung über die Konzentration von Fällen aussagt.
- Warum ein statistischer Zusammenhang keine Ursache ist.
- Welche Faktoren im Bericht nicht mit Daten hinterlegt sind.
Kurz erklärt
Nach dem Bericht wirken bei registrierter Kriminalität immer mehrere Faktoren gleichzeitig: Alter, Geschlecht, soziale und wirtschaftliche Lage, Bildungs- und Erwerbssituation, Aufenthaltsdauer und rechtliche Unsicherheit, Wohnsituation und regionale Konzentration, Gewalterfahrungen und psychische Belastungen, Tatgelegenheiten und Alltagsmobilität, Anzeigeverhalten, polizeiliche Kontrollintensität, Deliktsstruktur, Aufklärungswahrscheinlichkeit und Mehrfachtatverdächtigkeit.
Der PKS-Bericht selbst nennt fünf allgemeine Einflussgrößen auf die registrierten Zahlen: Anzeigeverhalten, polizeiliche Kontrollintensität, Änderungen der statistischen Erfassung, Änderungen des Strafrechts und echte Kriminalitätsänderungen.
Mit Zahlen belegbar sind vor allem Alter und Geschlecht: Junge Männer weisen in allen Staatsangehörigkeitsgruppen die höchsten Belastungswerte auf – die Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ) lag 2025 bei Jugendlichen bei 4.299 (deutsch) beziehungsweise 9.946 (nichtdeutsch), bei Erwachsenen ab 21 Jahren bei 1.648 und 4.465.
Wie groß der Beitrag jedes einzelnen Faktors ist, kann der Bericht nicht bestimmen. Die PKS enthält keine kontrollierte Vergleichsgruppe und kein Modell, das den Einfluss einzelner Faktoren isoliert.
Das Wichtigste auf einen Blick
Der Bericht listet elf potenziell relevante Einflussgrößen für den Zusammenhang zwischen Gruppenmerkmalen und registrierter Tatverdächtigkeit – von Alter und Geschlecht bis zur polizeilichen Kontrollintensität.
Alter ist ein zentraler Faktor: Bei Jugendlichen und Heranwachsenden liegen die Belastungszahlen um ein Vielfaches über denen der Erwachsenen ab 21 Jahren.
Geschlecht ist ein zentraler Kompositionsfaktor: Die TVBZ von Männern lag 2025 in allen Staatsangehörigkeitsgruppen deutlich höher als die von Frauen (2.686 gegenüber 987 bei Deutschen, 7.031 gegenüber 2.318 bei Nichtdeutschen).
Ein kleiner Personenkreis prägt einen großen Teil des Hellfelds: 31,8 Prozent der tatverdächtigen Zuwanderer waren 2024 mehrfach registriert; sie waren an 77,0 Prozent der entsprechenden Fälle beteiligt.
Soziale Lage, Bildung, Erwerbsstatus, Wohnsituation und lokale Deprivation gelten laut Bericht als sachlich erforderliche Erklärungsfaktoren – die PKS-Tabellen verknüpfen Tatverdächtige jedoch nicht mit diesen Merkmalen.
Auch Erfassung zählt: Anzeigeverhalten, Kontrollintensität, Rechtsänderungen und Umstellungen der Statistik verändern die registrierten Zahlen, ohne dass sich das tatsächliche Verhalten ändern muss.
Zahlen & Fakten
Die Datenlage
- Im Bericht genannte potenziell relevante Einflussgrößen
- 11
- Allgemeine Einflussgrößen, die der PKS-Bericht selbst nennt
- 5
- Höchste ausgewiesene TVBZ 2025: nichtdeutsche Jugendliche (14 bis unter 18 Jahre)
- 9.946
- Verhältnis der männlichen zur weiblichen TVBZ bei Deutschen 2025
- 2,7-fach
- Anteil mehrfach registrierter Personen unter tatverdächtigen Zuwanderern 2024
- 31,8 %
- Anteil der 2025 registrierten schweren Sexualdelikte mit Tatzeit 2024 oder früher
- 46,1 %
Alter, Geschlecht, soziale und wirtschaftliche Lage, Bildung und Erwerb, Aufenthaltsdauer und rechtliche Unsicherheit, Wohnsituation und regionale Konzentration, Gewalterfahrungen und psychische Belastungen, Tatgelegenheiten und Alltagsmobilität, Anzeigeverhalten, Kontrollintensität, Deliktsstruktur und Aufklärungswahrscheinlichkeit sowie Mehrfachtatverdächtigkeit.
Anzeigeverhalten, polizeiliche Kontrollintensität, Änderungen der statistischen Erfassung, Änderungen des Strafrechts und echte Kriminalitätsänderungen.
Zum Vergleich: 4.465 bei nichtdeutschen Erwachsenen ab 21 Jahren. Werte je 100.000 Einwohner der jeweiligen Gruppe.
2.686 gegenüber 987 je 100.000 Einwohner ab acht Jahren; bei Nichtdeutschen 7.031 gegenüber 2.318 (3,0-fach).
Diese Gruppe war an 77,0 Prozent aller Fälle mit mindestens einem tatverdächtigen Zuwanderer beteiligt. Mehrfachregistrierung ist keine rechtskräftig festgestellte Rückfälligkeit.
Beispiel für einen Erfassungseffekt: Die Jahreszahl enthält nicht nur aktuelles Tatgeschehen.
Alter prägt die Belastungszahlen in allen Gruppen
Tatverdächtigenbelastungszahl 2025, Straftaten insgesamt ohne ausländerrechtliche Verstöße
Tatverdächtige je 100.000 Einwohner
- Deutsche
- Nichtdeutsche
In beiden Staatsangehörigkeitsgruppen liegen Jugendliche und Heranwachsende deutlich über den Erwachsenen. Eine jüngere Gruppenstruktur verschiebt deshalb bereits ohne gruppenspezifischen Verhaltenseffekt die beobachteten Gesamtwerte.
Quelle: BKA, PKS 2025, Belastungszahlentabellen 40 und 50; politfacts-Bericht, Kapitel 5, Tabelle 5.14.
Geschlecht als zentraler Kompositionsfaktor
Tatverdächtigenbelastungszahl 2025 nach Geschlecht
Tatverdächtige je 100.000 Einwohner
- Deutsche
- Nichtdeutsche
Ein Vergleich ohne Geschlechtskontrolle mischt Gruppenunterschiede mit unterschiedlichen Männer- und Frauenanteilen. Umgekehrt verschwinden die Unterschiede zwischen den Staatsangehörigkeitsgruppen auch bei getrennter Betrachtung der Geschlechter nicht.
Quelle: BKA, PKS 2025, Belastungszahlentabellen 40 und 50; politfacts-Bericht, Kapitel 5, Tabelle 5.14 und Abschnitt 4.4.
Wie unterschiedlich Tatverdächtigengruppen zusammengesetzt sind
Anteil der unter 30-Jährigen und der Männer an den registrierten Tatverdächtigen 2025
Anteil in Prozent
- unter 30 Jahre
- männlich
Weil Alter und Geschlecht die Belastungszahlen prägen, wirkt sich eine unterschiedliche Zusammensetzung der Gruppen unmittelbar auf die Rohvergleiche aus. Eine Altersstrukturkontrolle reduziert diese Kompositionsunterschiede, beseitigt aber nicht sämtliche Verzerrungen.
Quelle: BKA, PKS 2025, Tabellen 20, 50 und 56, eigene Berechnungen; politfacts-Bericht, Kapitel 5, Tabellen 5.5 und 5.6.
Ein kleiner Personenkreis, ein großer Teil der Fälle
Anteil mehrfach registrierter Tatverdächtiger
Anteil in Prozent
Die 31,8 Prozent mehrfach registrierten Zuwanderer waren an 77,0 Prozent aller Fälle mit mindestens einem tatverdächtigen Zuwanderer beteiligt. Mehrfachtatverdächtige sind nicht gleichbedeutend mit Mehrfachtätern: Auch eine mehrfache polizeiliche Registrierung ist keine gerichtliche Schuldentscheidung.
Quelle: BKA, PKS 2025, Mehrfachtabellen T20 und T50 sowie Bundeslagebild 2024; politfacts-Bericht, Kapitel 5, Abschnitt 4.8 und Tabelle 5.12.
Der Altersgradient fällt je nach Delikt unterschiedlich aus
Tatverdächtigenbelastungszahl Gewaltkriminalität 2025 (Schlüssel 892000)
Tatverdächtige je 100.000 Einwohner
- Deutsche
- Nichtdeutsche
Bei Gewaltkriminalität sind die Belastungswerte insgesamt niedriger, die Unterschiede zwischen den Altersgruppen und zwischen den Staatsangehörigkeitsgruppen aber größer. Auch dieser Befund ist deskriptiv und nicht kausal.
Quelle: BKA, PKS 2025, Belastungszahlentabellen 40 und 50, Schlüssel 892000; politfacts-Bericht, Kapitel 5, Tabelle 5.15.
Erfassungsregeln verändern Zahlen ohne Verhaltensänderung
Tatverdächtige 2025 – mit und ohne ausländerrechtliche Verstöße, ein dokumentierter Definitionseffekt
Tatverdächtige
- ohne ausländerrechtliche Verstöße
- einschließlich ausländerrechtlicher Verstöße
Allein die Frage, welche Delikte mitgezählt werden, hebt den nichtdeutschen Anteil von 35,5 auf 40,1 Prozent. Das Beispiel zeigt, dass Definition und Erfassung eigenständige Einflussgrößen auf registrierte Kriminalitätszahlen sind.
Quelle: BKA, PKS 2025, Tabellen 20, 50, 56 und 61, eigene Berechnungen; politfacts-Bericht, Kapitel 5, Tabelle 5.4.
Was bedeuten diese Zahlen?
Kriminalität wird in der Wissenschaft nicht auf eine einzelne Ursache zurückgeführt. Der politfacts-Bericht arbeitet deshalb mit einer klaren Unterscheidung: Ein statistischer Zusammenhang – etwa eine höhere Belastungszahl einer Gruppe – beschreibt zunächst nur ein Muster in den beobachteten Daten. Er beantwortet nicht, warum dieses Muster besteht.
Für ein solches Muster sind laut Bericht mehrere Erklärungen gleichzeitig möglich: Merkmal A beeinflusst Merkmal B, Merkmal B beeinflusst Merkmal A, ein drittes Merkmal beeinflusst beide, Auswahl-, Anzeige-, Kontroll- oder Messprozesse erzeugen oder verändern den Zusammenhang – oder mehrere dieser Mechanismen wirken zusammen.
Als potenziell relevante Faktoren nennt der Bericht Alter und Geschlecht, die soziale und wirtschaftliche Lage, die Bildungs- und Erwerbssituation, Aufenthaltsdauer und rechtliche Unsicherheit, Wohnsituation und regionale Konzentration, Gewalterfahrungen und psychische Belastungen, Tatgelegenheiten und Alltagsmobilität, das Anzeigeverhalten, die polizeiliche Kontrollintensität, Deliktsstruktur und Aufklärungswahrscheinlichkeit sowie Mehrfachtatverdächtigkeit. Diese Faktoren können als Störfaktoren, als Zwischenglieder oder als Auswahlfaktoren wirken. Welche Rolle sie im Einzelfall haben, muss vor der statistischen Auswertung theoretisch bestimmt werden – die bloße Aufnahme vieler Variablen in eine Rechnung macht ein Ergebnis nicht automatisch zu einer Ursache.
Zahlenmäßig belegt sind im Bericht vor allem zwei Faktoren. Alter: In allen betrachteten Gruppen liegen die Belastungszahlen bei Jugendlichen und Heranwachsenden weit über denen der Erwachsenen. Geschlecht: Die Werte für Männer liegen in allen Staatsangehörigkeitsgruppen deutlich über denen für Frauen. Beide Merkmale erklären deshalb einen Teil roher Gruppenunterschiede – aber nicht deren Gesamtheit.
Ein dritter, häufig übersehener Faktorenblock betrifft nicht das Verhalten, sondern die Messung. Eine Tat erscheint nur dann in der Statistik, wenn sie angezeigt, polizeilich bearbeitet und erfasst wird. Steigt die Anzeigebereitschaft, können die Fallzahlen zunehmen, obwohl sich die tatsächliche Zahl der Taten nicht verändert hat. Gruppen mit hoher Präsenz im öffentlichen Raum oder häufigeren Behördenkontakten können häufiger kontrolliert werden. Rechtsänderungen und Umstellungen der Erfassung verändern zusätzlich den Messgegenstand selbst.
Der Bericht zieht daraus eine zweistufige Schlussfolgerung: Unterschiede im polizeilichen Hellfeld sind real und quantifizierbar. Welcher Anteil dieser Unterschiede jedoch auf Verhalten, Lebenslage, Aufenthaltsdauer, räumliche Kontexte oder Erfassungsmechanismen entfällt, lässt sich mit den vorhandenen Daten nicht bestimmen. Genau deshalb ist die Betrachtung einzelner Merkmale für sich genommen unvollständig.
Was wir sicher wissen
- Der Bericht benennt Alter, Geschlecht, soziale und wirtschaftliche Lage, Bildungs- und Erwerbssituation, Aufenthaltsdauer und rechtliche Unsicherheit, Wohnsituation und regionale Konzentration, Gewalterfahrungen und psychische Belastungen, Tatgelegenheiten und Alltagsmobilität, Anzeigeverhalten, Kontrollintensität, Deliktsstruktur, Aufklärungswahrscheinlichkeit und Mehrfachtatverdächtigkeit als potenziell relevante Einflussgrößen.
- Alter und Geschlecht erklären nachweislich einen Teil der beobachteten Rohunterschiede: Junge Männer weisen in allen Staatsangehörigkeitsgruppen die höchsten Belastungswerte auf (Evidenzgrad C – teilweise belegt).
- Die TVBZ lag 2025 bei Jugendlichen bei 4.299 (deutsch) und 9.946 (nichtdeutsch), bei Erwachsenen ab 21 Jahren bei 1.648 und 4.465 je 100.000 Einwohner.
- Der PKS-Bericht weist fünf allgemeine Einflussgrößen aus: Anzeigeverhalten, polizeiliche Kontrollintensität, Änderungen der statistischen Erfassung, Änderungen des Strafrechts und echte Kriminalitätsänderungen.
- Ein Teil der registrierten Fälle konzentriert sich auf einen kleinen Personenkreis: 2024 waren 31,8 Prozent der tatverdächtigen Zuwanderer mehrfach registriert und an 77,0 Prozent der entsprechenden Fälle beteiligt.
- Erfassungs- und Rechtsänderungen wirken belegbar auf die Zahlen: Die Einbeziehung ausländerrechtlicher Verstöße hebt den nichtdeutschen Tatverdächtigenanteil 2025 von 35,5 auf 40,1 Prozent.
- Bei 46,1 Prozent der 2025 registrierten schweren Sexualdelikte lag die Tatzeit im Jahr 2024 oder früher – die Jahreszahl enthält nicht nur aktuelles Tatgeschehen.
Was wir nicht sicher wissen
- Wie groß der Erklärungsanteil jedes einzelnen Faktors ist, bleibt nach dem Bericht unklar. Ein kausales Gewicht einzelner Erklärungsfaktoren ist aus den Daten nicht ableitbar.
- Die PKS enthält keine kontrollierte Vergleichsgruppe und kein Modell, das den Einfluss einzelner Faktoren isoliert. Für Ursachenanalysen ist sie nur begrenzt geeignet.
- Die amtlichen PKS-Tabellen verknüpfen Tatverdächtige nicht mit Einkommen, Erwerbsstatus, Bildung, Wohnsituation, Aufenthaltsdauer oder lokaler Deprivation. Soziale Faktoren sind im Bericht als relevant benannt, aber nicht quantifiziert.
- Der Anteil veränderten Anzeigeverhaltens lässt sich nicht herausrechnen: Für die untersuchten Reihen liegt keine vollständige jährliche Anzeigequote vor.
- Wie stark veränderte Tatgelegenheiten – etwa durch Kontaktbeschränkungen und die spätere Normalisierung von Mobilität – gewirkt haben, ist zeitlich konsistent, aber nicht kausal bewiesen und nicht quantifizierbar.
- Ein eigenständiger kausaler Effekt von Migration, Staatsangehörigkeit oder Fluchtstatus ist mit der Datengrundlage des Berichts nicht belegbar.
- Zu Alkohol- und Drogenkonsum als individuellen Einflussfaktoren auf Kriminalität enthält der Bericht keine auswertbaren Daten. Diese Frage kann auf dieser Seite deshalb nicht beantwortet werden.
Warum diese Antwort nicht ganz einfach ist
Einzelne Faktoren sollten nie isoliert betrachtet werden, weil sie sich überlagern, gegenseitig beeinflussen und teilweise gar nicht das Verhalten, sondern nur dessen Erfassung betreffen. Der Bericht nennt dafür mehrere Gründe:
- 01
Faktoren wirken gleichzeitig
Alter, Geschlecht, Lebenslage, Wohnumfeld sowie Anzeige und Kontrolle führen über unterschiedliche Pfade zu einer registrierten Tatverdächtigkeit. Der Bericht stellt diese Pfade in einem Kausaldiagramm dar, ohne die Einzelbeiträge zu quantifizieren.
- 02
Zusammensetzung statt Verhalten
Wenn eine Gruppe jünger und männlicher zusammengesetzt ist, verschieben sich ihre Gesamtwerte bereits ohne jeden gruppenspezifischen Verhaltensunterschied. Kompositionseffekte und Verhaltensunterschiede sind in Rohvergleichen vermischt.
- 03
Verhalten und Erfassung sind nicht dasselbe
Registrierte Zahlen können sich verändern, weil mehr angezeigt, mehr kontrolliert, anders erfasst oder das Strafrecht geändert wurde. Ohne diese Trennung wird ein Messeffekt als Verhaltensänderung gelesen.
- 04
Konzentration auf wenige Personen
Mehrfach registrierte Personen bündeln einen großen Teil der Fälle. Durchschnittswerte einer Gruppe geben deshalb nicht das Verhalten des Durchschnittsmitglieds wieder.
- 05
Fehlende Merkmale in den Daten
Einkommen, Bildung, Erwerbsstatus, Wohnsituation und Aufenthaltsdauer sind in den PKS-Tabellen nicht mit Tatverdächtigen verknüpft. Faktoren, die nicht gemessen werden, können auch nicht kontrolliert werden.
- 06
Vom Gruppenwert zur Person führt kein Weg
Alle Gruppenwerte sind Aggregate. Der Schluss von einem Gruppenmittel auf eine einzelne Person ist ein ökologischer Fehlschluss. Die große Mehrheit einer statistisch überrepräsentierten Gruppe ist nicht tatverdächtig.
Häufige Missverständnisse
„Kriminalität hat eine einzelne Ursache.“
Nein. Der Bericht benennt eine Vielzahl potenziell relevanter Einflussgrößen, die als Störfaktoren, Zwischenglieder oder Auswahlfaktoren gleichzeitig wirken können. Eine Zerlegung in eine Hauptursache ist mit den vorhandenen Daten nicht möglich.
„Ein einzelnes Merkmal erklärt kriminelles Verhalten.“
Nein. Alter und Geschlecht erklären nur einen Teil der Rohunterschiede – auch nach Trennung nach Alter und Geschlecht bleiben Differenzen bestehen. Der Bericht stuft die Erklärung von Gruppenunterschieden ausdrücklich als nur teilweise belegt ein.
„Wenn zwei Zahlen zusammen steigen, verursacht die eine die andere.“
Nein. Ein gemeinsamer Verlauf lässt mindestens fünf Erklärungen zu, darunter einen umgekehrten Zusammenhang, ein drittes Merkmal und reine Auswahl- oder Messprozesse. Eine kausale Aussage verlangt ein Forschungsdesign, geeignete Daten und eine nachvollziehbare zeitliche Ordnung – eine PKS-Aggregattabelle erfüllt diese Voraussetzungen nicht.
„Steigende Fallzahlen bedeuten immer mehr Straftaten.“
Nein. Anzeigeverhalten, Kontrollintensität, geänderte Erfassung und Rechtsänderungen verändern die registrierten Zahlen ebenfalls. Die PKS weist diese Mechanismen selbst als allgemeine Einflussgrößen aus.
„Wenn eine Gruppe höhere Werte hat, gilt das für ihre Mitglieder.“
Nein. Aus einem höheren Gruppenwert darf nicht auf das Verhalten eines einzelnen Gruppenmitglieds geschlossen werden. Dieser Fehler wird als ökologischer Fehlschluss bezeichnet.
„Wer die sozialen Verhältnisse kennt, kann den Rest herausrechnen.“
Nein. Die PKS verknüpft Tatverdächtige nicht mit Einkommen, Bildung, Erwerbsstatus, Wohnsituation oder Aufenthaltsdauer. Diese Faktoren sind im Bericht als relevant beschrieben, aber nicht mit Daten hinterlegt.
„Viele Variablen in einem Modell ergeben eine Ursache.“
Nein. Die bloße Aufnahme vieler Variablen in eine Regression macht einen Koeffizienten nicht automatisch kausal. Die Rolle jedes Faktors muss vorab theoretisch bestimmt werden.
Auf einen Blick
Kriminalität wird im Bericht als multifaktorielles Phänomen beschrieben: Alter, Geschlecht, soziale und aufenthaltsbezogene Lebenslagen, Wohnumfeld, Mehrfachregistrierung sowie Anzeige-, Kontroll- und Erfassungsprozesse wirken zusammen. Alter und Geschlecht sind zahlenmäßig belegbar, der Erklärungsanteil der einzelnen Faktoren bleibt offen. Einzelne Merkmale allein liefern deshalb keine ausreichende Erklärung.
- Evidenzgrad
- Teilweise belegt
Der Bericht stuft die Erklärung der Gruppenunterschiede mit Evidenzgrad C – teilweise belegt ein. Die Belastungszahlen nach Alter und Geschlecht sowie die Mehrfachanteile sind direkte amtliche Evidenz (Evidenzgrad A). Der jeweilige Erklärungsanteil sozialer, räumlicher und erfassungsbezogener Faktoren ist dagegen mit Evidenzgrad D – derzeit nicht eindeutig belegbar – gekennzeichnet, weil die PKS diese Merkmale nicht mit Tatverdächtigen verknüpft.
- Datenstand
- Berichtsjahr 2025 der PKS (Mehrfachauswertung der Zuwanderer aus dem Bundeslagebild 2024); methodische Grundlagen aus Kapitel 1 des Berichts. Zensusbrüche 2013 und 2024 sowie die Cannabis-Teillegalisierung ab April 2024 schränken Vergleiche mit früheren Jahren ein.
- Letzte Aktualisierung
- 28. Juli 2026
Quellen
- 1
Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, Bund – Belastungszahlen, Tabellen 20, 40 und 50 (TVBZ nach Alter und Geschlecht)
Bundeskriminalamt · 2026
Grundlage der Belastungszahlen nach Alter und Geschlecht für Straftaten insgesamt und Gewaltkriminalität.
Quelle öffnen - 2
Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, Tabellen 20, 50, 56 und 61 sowie Mehrfachtabellen T20 und T50
Bundeskriminalamt · 2026
Grundlage der Struktur-, Sensitivitäts- und Mehrfachauswertungen.
- 3
Bundeslagebild Kriminalität im Kontext von Zuwanderung 2024
Bundeskriminalamt · 2025
Grundlage der Mehrfachanteile tatverdächtiger Zuwanderer (31,8 Prozent; 77,0 Prozent der Fälle).
- 4
PKS-Bericht 2025
Bundeskriminalamt · 2026
Fünf allgemeine Einflussgrößen der registrierten Kriminalität, Hinweise zu Erfassungs- und Rechtsänderungen sowie zur Tatzeitverteilung.
- 5
Grundlagen der modernen Kausalinferenz (im Bericht als Pearl 2010 zitiert)
Pearl, J. · 2010
Im Bericht herangezogen zur Unterscheidung von beobachteter Assoziation und Effekt einer hypothetischen Intervention.
- 6
Migration, Gewaltkriminalität und Remigration, Kapitel 1 (Abschnitte 4.10 und 4.11), Kapitel 4 (Abschnitt 4.10), Kapitel 5 und Kapitel 10, Version 1.0
politfacts research · 2026
Grundlage dieser Wissensseite. Alle Angaben stammen ausschließlich aus diesem Bericht.
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Alle Angaben auf dieser Seite stammen aus offen zugänglichen Quellen und sind nachvollziehbar belegt. Wie wir arbeiten, steht in unserer Methodik.